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AfD-Mitglieder verleihen Preis an AfD-Politiker & feiern sich dafür

von | Nov 26, 2022 | Aktuelles

Okay, eins vorab: In diesem Artikel wird ein kleiner, lustiger Fail der AfD aufgedeckt und behandelt. Diese Anekdote zeigt natürlich einmal mehr, dass die AfD moralisch verwerflich agiert, selbst wenn es nur um einen unbedeutenden Preis geht. Doch so lächerlich die Partei auch immer wieder auftritt, darf man nicht vergessen, warum sie eigentlich so gefährlich ist. Denn die AfD hat sich in erschreckend kurzer Zeit zu einer rechtsextremen Partei gewandelt. Und, aktuell besonders brisant: Sie ist die „Stimme Moskaus„. Gerade im Ukraine-Konflikt eine schwere Hypothek für die liberalen Demokratien.

Aber manchmal ist es eben auch einfach nötig, mal herzlich über die AfD und ihre kleinen Eitelkeiten zu lachen. Zum Beispiel über besagten Preis, den ein Vereinsvorstand von AfD-Leuten einem AfD-Politiker verliehen und die Partei sich dafür gefeiert hat. Aber der Reihe nach.

AfD gewinnt Preis, doch irgendwas stimmt da nicht

Am Mittwoch, 23. November, postete der AfD-Kreisverband Paderborn stolz eine Verkündung samt Bild auf seiner Seite. Damit wollte man aber nicht nur zeigen, dass offenbar niemand beim AfD-Kreisverband wirklich gut fotografieren kann. Sondern man zeigte sich eben auch stolz, dass ein AfD-Ratsherr, ein gewisser Alexander Lex, „Kommunalpolitiker des Jahres“ sei.

Screenshot facebook.com

Das wären ja erstaunliche Neuigkeiten. Haben die bösen linksgrünen Mainstream-Medien also doch Unrecht? Ist die AfD doch die tolle, volksnahe Partei, die sie gern wäre? Schließlich klingt „Kommunalpolitiker des Jahres“ ja wirklich nach Nähe zu den Bürger:innen und ehrlicher politischer Arbeit. Doch wenn man genau hinschaut, entpuppt sich das Ganze als ultimativer, peinlicher Fail.

Plottwist: Preisverleiher sind selbst von der AfD!

Doch um diesen Fail zu erkennen, muss man genauer hinschauen, wer den Preis „Kommunalpolitiker des Jahres“ verleiht. Das ist nämlich passenderweise der „Verein für Kommunalpolitik e.V.“. Klingt erstmal nicht allzu auffällig und soll es vielleicht auch nicht. Denn wenn man dann doch mal ein wenig nachrecherchiert, kommen pikante Details ans Licht. Schauen wir uns doch mal den Vorstand an:

Quelle: Screenshot vfk.nrw

Auch das sieht für sich genommen nicht sehr spannend aus. Doch die Hintergründe sind es sehr wohl. Die stellvertretende Vorsitzende Enxhi Seli-Zacharias ist AfD-Abgeordnete im Landtag NRW, zog dieses Jahr über die Landesliste in den Landtag ein (PDF). Stellvertretender Vorsitzender Bernd Essler kandidierte bei der selben Wahl für die AfD in Düren, holte allerdings nur 6% der Erststimmen. Schatzmeister Knut Wesselmann saß in der Wahlperiode 2014-2020 für die AfD im Stadtrat Düsseldorf. Schriftführer Kai Habicht wird vom Kreistag Kleve als Sprecher der AfD-Kreistagsgruppe geführt.

Und auch die Beisitzer kommen alle aus derselben Ecke. Markus Matzerath kandidierte 2017 bei der Bundestagswahl für die AfD, Jeremy Jason ist Kreissprecher der AfD im Rhein-Erft-Kreis. Alexander Schaary kandidierte 2022 erfolglos im Wahlkreis Duisburg II, Dustin Dorka ist u.a. für die AfD im Bildunsausschuss der Stadt Gelsenkirchen unterwegs. Kurzum: Der gesamte Vorstand besteht aus AfDlern.

Preis-Farce für die eigenen Fans?

Falls ihr die Namen und Positionen schon wieder vergessen habt: Keine Angst, die sind auch nicht wirklich wichtig. Wichtig ist, dass der ganze Verein einfach nur eine Außenstelle der AfD ist. Und das wiederum bedeutet: Die AfD Paderborn feiert sich einfach dafür, sich selbst den Preis „Kommunalpolitiker des Jahres“ verliehen zu haben. Das erinnert fast schon an die groteske Selbstbeweihräucherung der sogenannten „Helden der Sowjetunion„.

Offenbar verlässt sich die AfD darauf, dass ihre gutgläubigen Follower wirklich alles glauben, was die Partei ihnen vorspielt. Und das nicht zum ersten Mal, denn auch letztes Jahr gab es schon einen „Kommunalpolitiker des Jahres“, natürlich auch von der AfD. 57 Likes konnte man dieses Mal abstauben, immerhin.

Fazit: AfD will Bürgernähe vorgaukeln – um jeden „Preis“

Okay, aber jetzt nochmal etwas ernster. Wenn man die AfD bei ihrer Selbstbeweihräucherung beobachtet, kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Doch das Ganze hat auch einen Zweck. Die AfD hat in den letzten Jahren mit Hetze und Häme eine gewisse Gruppe Anhänger:innen um sich geschart. Diese müssen nun bei der Stange gehalten werden, das populistische Narrativ der AfD als einziger „volksnaher“ Partei wird fein gepflegt. Und auch wenn sie, wie in diesem Artikel, enttarnt und leicht widerlegt werden, ist das nicht ganz ohne Erfolg. Denn die naiven AfD-Fans erreichen solche Artikel nicht. Und auch nicht die Artikel, die die rechtsextremen Machenschaften der Partei aufdecken.

Teilt den Artikel trotzdem gern mit euren Freund:innen. Vielleicht können sie noch etwas lernen über die AfD. Oder aber auch nur ein bisschen über die vielleicht selbstverliebteste Partei Deutschlands schmunzeln. In Zeiten der multiplen Krisen sollte etwas Humor ja auch mal drin sein.

Titelbild: canva.com