Palmer vergleicht Witz über sein Buch mit Nazi-Bücherverbrennung

| 15. Oktober 2019

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So reagiert Palmer auf dieses Foto

Bei der letzten Gemeinderatssitzung in Tübingen haben alle Mitglieder eine Ausgabe des neuen Buches „Erst die Fakten, dann die Moral“ von Oberbürgermeister Boris Palmer erhalten. Der Tübinger Stadtrat der PARTEI David Hildner kommentierte das noch während der Sitzung auf Facebook: „Also ich habe ja in den letzten Monaten echt viel Papiermüll bekommen, aber das ist jetzt doch ein bisschen viel… Was soll ich damit jetzt machen? Ist das ein Bestechungsversuch?“

Also ich habe ja in den letzten Monaten echt viel Papiermüll bekommen, aber das ist jetzt doch ein bisschen viel… Was soll ich da mit jetzt machen? Ist das ein Bestechungsversuch?

Gepostet von David Hildner – Der Politiker am Donnerstag, 10. Oktober 2019

Zwei Tage nach der Gemeinderatssitzung postete die Tübinger Gemeinderätin Sara Gomes von Demokratie in Bewegung wie Sie das Buch benutzt: „Wunderschönes Herbstwetter in Tübingen und ich habe endlich eine sinnvolle Verwendung für das Buch von Boris Palmer gefunden, das er allen Mitgliedern des Gemeinderates ausgehändigt hat. 😎🍍“

Wunderschönes Herbstwetter in Tübingen und ich habe endlich eine sinnvolle Verwendung für das Buch von Boris Palmer gefunden, das er allen Mitgliedern des Gemeinderates ausgehändigt hat. 😎🍍

Gepostet von Sara Gomes am Samstag, 12. Oktober 2019



Ein kleines Späßle auf Boris Palmers kosten

Manche fanden diese Aktion respektlos, andere haben herzlich darüber gelacht. Man würde meinen, dass die Geschichte hier zu Ende sein könnte. Aber nein. Boris Palmer kann anscheinend solch einen Hohn gegen ihn und sein Buch natürlich nicht unkommentiert lassen. Ein bloßes „Ach nee, der auch noch“ verleitete den OB auch ja schon mal dazu, nachts Studenten nachzurennen. Auf Facebook griff er dann den Post von Frau Gomes auf. Titel seines Posts: „Vom Umgang mit Büchern und fremden Gedankengut“.

Vom Umgang mit Büchern und fremden GedankengutDemokratie in Bewegung über sich selbst: „Wir streben an, die Politik…

Gepostet von Boris Palmer am Samstag, 12. Oktober 2019

Zuerst zitiert er die Werte von Demokratie in Bewegung, um dann zu folgendem Statement zu kommen: „Zu Weltoffenheit und Vielfalt würde für mich gehören, Gedanken anderer zumindest zu respektieren. Wünschen würde ich mir eigentlich, sie zuerst zu prüfen und dann gegebenenfalls zu verwerfen.“ Also ich glaube ja, dass jemand, der ständig gegen Minderheiten austeilt und dabei nicht einmal rot wird (Parteikollegin Roth bezeichnete Aussagen Palmers bereits als Rassismus und legte ihm den Parteiaustritt nahe), sich erstmal zurückhalten sollte mit seiner Interpretation von Weltoffenheit und Vielfalt (Quelle). Nun gut, aber was nach dieser Aussage kommt, ließ mir dann aber doch die Kinnlade runterfallen:

„Im Umgang mit Büchern zeigt sich Respekt für Andersdenkende in ganz besonderer Weise. Es war kein Zufall, dass die Nazis zuerst Bücher verbrannten und erst danach die Synagogen. Faschismus und Diktatur gestatten den freien Austausch der Argumente nicht.“

What the fuck? In was für einer Welt lebt dieser Politiker? Das Foto mit den Bücherverbrennungen der Nazis gleichzusetzen ist völlig verrückt und über das Ziel hinausgeschossen. Dann noch von brennenden Synagogen, Faschismus und Diktatur zu sprechen nur weil jemand sein Buch als Tischstütze benutzt hat ist schon ziemlich AfD-Kommentarspalten like. Und das nur wenige Tage nach dem Anschlag in Halle. Die AfD hat sich übrigens damals für seine Aussagen zur deutschen Bahn Werbung bei ihm bedankt. Um hier nochmal klar festzustellen, wer hier wo mit seinen Handlungen zündelt.

DB-Werbung: Palmers neueste rassistische Provokation ging nach hinten los

Die überzogene Opfer-Darstellung

Generell lässt sich hier gut erkennen, wie sich Boris Palmer wie immer in die berühmte Opferrolle begibt. `Schaut her eine progressive Politikerin macht sich über mein Buch lustig!` Oder: `Warum zollt sie mir kein Respekt dafür, dass ich ein großartiges Buch geschrieben habe?` In einem zukünftigen Artikel gehe ich gerne noch detaillierter auf die üblichen Kommunikationsstrategien von Palmer ein. So nutzt er in letzter Zeit oft den Begriff „Linksidentitär“ (auch schon in Bezug auf die Stadträtin Gomes), was eine neue Version seines „Menschenrechtsfundamentalisten“ Begriffs darstellt, welches 2019 als eines der Unwörter des Jahres nominiert wurde (Quelle).

Herr Palmer, wenn Sie das hier lesen sollten: Entschuldigen Sie sich bei Frau Gomes für diese verbale Entgleisung! Sie können sich gerne über den Post von Frau Gomes ärgern und ihn kritisieren, aber auf keinen Fall in dieser Weise. Ein solches Handeln ist Ihres Amtes erneut unwürdig. Für alle, die dem Herr Oberbürgermeister mitteilen wollen, was Sie von seinem NS-Vergleich halten: Hier entlang.

Artikelbild: Sara Gomes

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