Will die Regierung wirklich Politik für 5000 AfDler machen anstatt für 25.000 Gegendemonstranten?

Die AfD hat zu ihrer Demo in Berlin gerade mal 5000 Menschen mobilisieren können. Die Gegendemonstrationen waren aber fünf mal so groß. Warum will die Politik sich ausgerechnet der Minderheit anbiedern?

87% haben die AfD bei der letzten Bundestagswahl nicht gewählt. Die Grünen haben mehr Mitglieder und Stimmen als die AfD. Auf den heutigen Demos war das Verhältnis von Pro-AfD zu Gegendemonstranten 1:5. Und dennoch scheinen die Rechtspopulisten die Medien und Schlagzeilen zu beherrschen, und die Sprache und Themen der Politik und Berichterstattung zu bestimmen, wie beispielsweise kürzlich SPD-Chefin Nahles zeigte, als sie einen AfD-Ausspruch kopierte.

Oder wenn die Tagesschau die Demonstration der Rechtsextremen als „Systemkritik“ betitelt:



DAgegen? Dafür?

Die AfD ist NICHT das Volk, auch wenn sie das gerne behauptet. Die digitalen Verstärker der Hashtags und Shitstorms, nicht zuletzt durch Trollarmeen und Bots, mögen im Netz den Rechten eine Scheinmehrheit bieten, aber wie man heute gesehen hat, lässt sich diese Mehrheit nicht auf der Straße reproduzieren. Da konnten anscheinend nicht einmal mehr Demogelder der AfD helfen.

Wir sollten die Bedrohung, die durch die AfD ausgeht nicht unterschätzen. Aber wichtiger ist, dass unsere PolitikerInnen „der Mitte“ den Einfluss rechtsextremen Gedankenguts nicht überschätzen und versuchen, sich diesem Wählerklientel anzubiedern. Eine Politik, die die Sprache und Forderungen der Rechtsextremen kopiert, wird sie nur stärken: Es wird signalisiert, dass sie eigentlich Recht haben. Außerdem wird nichts gegen die tatsächlichen Probleme des Landes getan, sondern nur Scheinlösungen, unter denen schlimmstenfalls die Schwächsten unter uns leiden.

Heute stand eine kleine Gruppe überwiegend männlicher und alter Menschen, die gegen alles waren – Gegen Asylbewerber, Gegen Ausländer, Gegen Merkel der mindestens fünffachen Menge an jungen, bunten, dynamischen und ausgelassenen Gegendemonstranten gegenüber. Die AfD ist eine kleine, wenn auch radikale Minderheit. Die Politik darf nicht den Fehler zu machen, zu versuchen, diesen Menschen mit meist geschlossenem Weltbild hinterherzulaufen.

Eine Mehrheit dieses Landes läuft nicht dem Hass hinterher, sondern fordert wirkliche Veränderungen: Gerechte Bezahlung für Arbeit, menschenwürdige Sozialhilfe, mehr Geld für Pflegekräfte, Umweltschutz, eine Rente, von welcher man leben kann und Freiheit und freie Entfaltung für alle.

 

Artikelbild: Marcel Bauer

P.S.: Laut Veranstalter waren auf der Gegendemonstration übrigens 72.000 Menschen. Die Polizei ist bekannt dafür, konservativ zu schätzen und gibt selbst zu, dass die Zahlen wohl größer waren. Das dürfte das Argument nur noch mehr verdeutlichen.

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