„Unbequemer Professor“: BILD verbreitet wieder rechte Fake News

Bericht

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rechte Fake News

Wie die BILD gestern berichtete, sei ein „Flüchtlings-Professor von Uni kaltgestellt“ worden. Angeblich soll ein Professor der Goethe-Universität sich kritisch über Flüchtlinge geäußert haben und dafür aus dem Namensregister der Uni geflogen sein. Das Thema wird dankbar von rechten und rechtsextremen Medien und Politikern aufgegriffen.



Doch das stimmt einfach nicht

Für den Artikel der BILD hatte niemand mit der betreffenden Universität gesprochen. Die widerspricht dieser Darstellung. Ja, Professor Egbert Jahn, ehemaliger Lehrbeauftragter der Goethe-Universität im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, hat bei einem „Werkstattgespräch“ der CDU vorgeschlagen, „Flüchtlingsstädte“ in abgelegenen Regionen Europas oder auf Inseln zu errichten.

Und ja, der Name Jahns wurde aus dem Namensregister der Universität gelöscht. Doch die beiden Dinge haben nichts miteinander zu tun, wie der Pressesprecher der Uni gegenüber dem Merkurist erklärt (Quelle). „Bis Sommersemester 2017 war Professor Jahn Lehrbeauftragter am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften. Damit ist der Fachbereich nicht mehr für die Außendarstellung von Herrn Jahn zuständig und hat – wie in anderen Fällen auch – die Webpräsenz von den Fachbereichsseiten entfernt.“

Die beiden Dinge haben nichts miteinander zu tun, sondern seien ein normaler Vorgang gewesen. So sei seine wissenschaftliche und lehrende Tätigkeit davon nicht beeinflusst, und er könne weiter Vorlesungen halten. Im Verzeichnis der U3L sei er ja auch weiterhin aufgeführt. Der Fachbereich bedauert allerdings, dass Jahn nicht im Vorfeld informiert worden sei. Ein Gespräch zur „Klärung offener Fragen“ hat man bereits ausgemacht.

Das rechte Narrativ der „Meinungsdiktatur“

Es ist ein weiterer Fake, der das recht(sextrem)e Narrativ der „Meinungsdiktatur“ „linker Eliten“ verbreiten soll und ist damit gefährlicher als nur eine harmlose Lüge über einen nicht existenten Zusammenhang. Es ist nicht das erste Mal, so haben die Medien das rechte Framing jüngst bei Patzelt übernommen. Er stellte sich als Opfer dar – und die Medien verbreiteten diese (falsche) Darstellung.

Patzelt: Medien fallen wieder auf rechtes Opfer-Framing herein

Das Problem dahinter ist, dass somit rechtsextreme Parteien wie die AfD gefüttert werden, womit anti-elitäre Propaganda unterstützt wird. Erneut wird die Perspektive der Universitäten absichtlich falsch dargestellt, um sie als abgehoben und falsch darzustellen. Ziel ist es, die Autorität von Expert*inn*en und Professoren zu untergraben, um ungestört unwissenschaftliche Agendas zu verbreiten. Am Ende kommt so etwas wie Brexit heraus, wenn Experten mit Lügen diskreditiert werden.

Artikelbild: Mark Nazh, shutterstock.com, Screenshot bild.de

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