Was würdest du tun, wenn du jetzt in den USA leben würdest?

| Aktuelles | 3. Juni 2020

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Was würdest du tun, wenn du jetzt in den USA leben würdest?

Stell dir das mal vor: Du würdest die derzeitige Lage als Bürger der USA miterleben. Was hättest du die letzten Monate erlebt? Was würdest du tun?

Corona-Pandemie Chaos

Zum einen hättest du erlebt wie die Corona Pandemie völlig außer Kontrolle gerät. Die John Hopkins Universität meldet bisher insgesamt über 1.8 Millionen Corona Infizierte und über 106.000 Tote. Weltweiter Rekord. (Auch wenn andere Länder mit Toten pro 100.000 Einwohner*innen weiter vorne liegen, mehr dazu) Würde dir das Sorgen bereiten?

Screenshot JH University (Quelle)

Wirtschafts-Chaos

Aufgrund der Pandemie muss ein Mindestmaß an Maßnahmen ergriffen werden. Die Folge sind Schäden für die Wirtschaft im gewaltigen Ausmaß. So explodierte zum Beispiel die Zahl der Arbeitslosen in den USA gewaltig:

Derzeit sollen über 40 Millionen Menschen in den USA arbeitslos sein, die Arbeitslosenquote soll auf über 20% steigen (Quelle). Keine schöne Perspektive in einem Land, in der es kaum staatliche Gesundheits-und Sozialhilfe gibt. Würdest du dir darüber Sorgen machen?

Aufstands-Chaos

Die Corona-Krise erwischt dein Land voll. Dein Präsident macht nicht den Anschein, als würde er die Lage unter Kontrolle haben. Und dann wird George Floyd von 4 Polizisten ermordet:

Im Land fängt es an zu kochen. Die progressive Gesellschaft mobilisiert und beginnt damit, sich gegen den strukturellen Rassismus im Land aufzulehnen. Der Funke wird in Minneapolis entzündet.

Du siehst die Bilder auf Social Media. Einerseits die sogenannten „Riots“, also Plünderungen von Geschäften, brennenden Gebäude, Gewalt von Polizisten an Demonstranten. Dann überwiegend friedlicher Protest von tausenden Demonstranten. Eine Woche vergeht und auf einmal erstreckt sich der Protest in über 100 Städten im ganzen Land.

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#Repost @zeit ・・・ Es sind vor allem die Bilder von gewalttätigen Ausschreitungen, die mit dem Tod von George Floyd in Verbindung gebracht werden. Dabei demonstriert der größte Teil der Bürgerinnen und Bürger friedlich: Sie recken schweigend ihre Fäuste in die Höhe, sie knien nieder, sie trauern, sie beten. Fotos: Chandan Khanna/​AFP/​Getty Images, Bryan R. Smith/​AFP/​Getty Images, Salwan Georges/​The Washington Post/​Getty Images, Jim Vondruska/​NurPhoto/​Getty Images, Alyson McClaran/​Reuters, Lucas Jackson/​Reuters, Dustin Chambers/​Reuters, Nacho Doce/​Reuters, Apu Gomes/​AFP/​Getty Images #georgefloyd #rassismus #protest #demonstration #racism #policebrutality #usa | #neinzurafd

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Dein Präsident ist weiterhin fleißig am twittern und facht die heikle Lage mit Aussagen und Handlungen an:

Zu allem übel droht dein Präsident damit, die Armee im Inland gegen die Protestanten einzusetzen. (Quelle) In der Hauptstadt ist die Armee bereits angerückt und im Land sind schon über 9300 Festnahmen von Protestierenden erfolgt (Quelle). Die Berichte mehren sich, dass auch viele Journalist*innen Opfer von Gewalt von Polizeigewalt sind (Quelle). Innerhalb der Demonstranten werden Diskussionen über die Ausrichtung des Protestes geführt. Es wird für viele mehr als emotional. Es geht es um die Zukunft des Landes und der eigenen Kinder:

Und jetzt stell dir vor, du bist mitten drin in diesem Chaos.

Das Land spricht über nichts anderes als die Proteste und die Unruhen. Die Welt schaut auf das, was in deinem Land passiert. Die USA sind immer noch die größte westliche liberale Demokratie der Welt (Auch wenn die USA inzwischen auf den Status einer „defekten Demokratie abgerutscht ist, Quelle). Und in ein paar Monaten sind Präsidentschaftswahlen in deinem Land:

Was würdest du tun?

Würdest du zuhause rum hocken oder würdest du dich dem Protest anschließen? Würdest du selbst den Mut finden, dich auf die Straße zu begeben? Insbesondere, wenn du von der Polizei erschossen werden könntest (In keinem Land der Welt erschießen Polizist*innen so oft ihre eigenen Bürger*innen wie die USA, Quelle)?

Wenn deine Antwort Ja lautet: was hält dich davon ab, dich hier in Deutschland gegen Rassismus einzusetzen?

Muss unser Land erst im Chaos wie die USA versinken, damit du dich für unsere Demokratie und gegen Rassismus engagierst? Nein? Dann fang‘ an, durch deine Handlungen zu zeigen, dass dir nicht völlig egal ist, was hier in unserem Land und der Welt passiert. Zeige Haltung gegen Rassismus. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt sich zu engagieren. Oder zumindest mal auf einer Demo aufzukreuzen:

(Zum Beispiel in Berlin 06.06.20, 14 Uhr, am Potsdamer Platz, Dresscode Schwarzes Shirt)

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Im Hinblick auf die aktuellen Ermordungen mehrerer Afroamerikaner ohne strafrechtliche Folgen für die Täter zeigen wir uns mit dem Silent Protest solidarisch mit unseren Mitmenschen in den Vereinigten Staaten, sowie allen Opfern des Rassismus auf der ganzen Welt. Diskriminierung, soziale und ökonomische Ausgrenzung sowie körperliche Angriffe bis hin zum Mord von Menschen mit schwarzer Hautfarbe sind ein globales Problem! Die unzähligen Morde an Afroamerikanern symbolisieren den Höhepunkt aller rassistischen Gewalttaten, die nicht ins Licht der Öffentlichkeit rücken und dennoch das Leben von Menschen mit afrikanischer Herkunft jeden Tag enorm erschweren. Unsere kollektive Wut, Trauer und Hilflosigkeit machen uns sprachlos, weshalb wir den Silent Protest in Deutschland ins Leben gerufen haben, um gemeinsam ein Zeichen zu setzten. Wir distanzieren uns deutlich von Hass, Gewalt, Ignoranz und Verleugnung und kämpfen zusammen für Frieden, Gerechtigkeit und Toleranz.

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Taten statt Worte

Es ist das eine, schwarze Bildchen in seinem Social Media Profil zu posten. Es ist aber etwas anderes, konkret zu handeln. Seine Meinung öffentlich auf die Straße zu verlagern und im Alltag Menschen zu widersprechen, die sich offen rassistisch äußern. Ich hoffe, dass durch die Corona-Pandemie und dem was in der USA passiert vielen Menschen klar wird, dass sich die Umstände unseres Lebens schneller ändern können als uns lieb ist. Dass alles so bleibt wie es immer war, ist eine illusionäre Vorstellung. Die Welt ändert sich unaufhaltsam, wir sehen es gerade in den USA.

Es liegt an uns allen, dass die Worte von George Floyds Tochter Gianna in Erfüllung gehen:

„Daddy changed the world“



Artikelbild: Instagram/ newsbeast.gr

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