6.120

Trump droht mit Kriegsverbrechen im Iran: Wie unsere Medien verharmlosen

7. Apr. 2026 | Analyse

Wenn Obama "Öffnet die verfickte Meerenge, ihr verrückten Bastarde" getwittert hätte, auch noch, um in einem illegalen Krieg mit Kriegsverbrechen zu drohen, wäre die Hölle los gewesen. Aber es hat ja nur der Faschist Trump gemacht, da titelt die Tagesschau nüchtern "Trump droht mit Angriffen auf Kraftwerke am Dienstag".

Ein verbrecherischer Faschist, aber in den Redaktionen business as usual?

Was Donald Trump am Ostersonntag auf seiner rechtsextremen Social-Media-Plattform Truth Social geschrieben hat, ist nicht nur eine "Drohung" oder ein sachliches Setzen eines "Ultimatums". Es war die Ankündigung von Kriegsverbrechen in einem völkerrechtswidrigen Krieg durch den faschistischen Präsidenten – formuliert in Schimpfwörtern und einer unverholenen, rabiaten Drohung. Das würde man allerdings nicht mitbekommen, wenn man so manche deutsche Berichterstattung liest. Und da liegt das Problem.

Seit dem 28. Februar führt die USA gemeinsam mit Israel einen Krieg gegen den Iran. Anfang März wurde der Oberste Führer Ali Khamenei getötet. Der Krieg ist völkerrechtswidrig und auch nach US-Recht illegal von Trump gestartet worden. Iran reagierte, indem es die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr effektiv sperrte – jene Meerenge, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels fließen.

"Öffnet die verfickte Meerenge, ihr verrückten Bastarde"

Trump setzte seitdem mehrfach offenbar willkürlich und erratisch Ultimaten, verlängerte sie, setzte neue. Am Ostersonntag eskalierte er auf Truth Social mit dem Post, der zeigt, was für ein rechtloser Faschist und Kriegstreiber er ist:

"Tuesday will be Power Plant Day, and Bridge Day, all wrapped up in one, in Iran. There will be nothing like it!!! Open the Fuckin' Strait, you crazy bastards, or you'll be living in Hell – JUST WATCH! Praise be to Allah."

Screenshot

„Am Dienstag wird es im Iran den Tag der Kraftwerke und den Tag der Brücke in einem geben. So etwas hat es noch nie gegeben!!! Öffnet die verfickte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben – IHR WERDET SEHEN! Gelobt sei Allah.“

Das ist der US-Präsident, der buchstäblich unverholen mit Kriegsverbrechen droht – Angriffe auf die Infrastruktur sind Kriegsverbrechen. Da er den Krieg bereits illegal und im Bruch mit dem Völkerrecht gestartet hat, dürften ihn zusätzliche Kriegsverbrechen wohl wenig interessieren. Das oder der zehntausendfach überführte Lügner blufft nunmal. Beides ist furchtbar. Dieser gesetzlose, unberechenbare und rücksichtslose Faschist ist nicht nur für den Tod vieler unschuldiger Zivilisten verantwortlich, er reißt mit der nächsten Ölkrise auch die ganze Welt in den Abgrund.

Wer nur diese Medien liest, bekommt nicht das ganze Ausmaß mit

Doch das Ausmaß der Gesetzesbrüche und Verbrechen, der Schimpfwörter, der kreischenden Hilflosigkeit des Faschisten wird in deutschen Medien in vielen Beiträgen regelrecht verschwiegen. Sie fehlen an entscheidenden Stellen und in Überschriften. Oder Einordnungen werden nur als "Kritik" oder Label wie "Kriegsverbrechen" werden nur als gleichwertige Meinungen des Iran oder anderer Personen präsentiert.

Der Spiegel titelte am 5. April: "Trump droht mit Angriffen auf Kraftwerke und Brücken in Iran". Später wird die Schlagzeile angepasst auf: "»Dienstag ist Kraftwerks- und Brückentag« – Trump droht mit massiven Angriffen in Iran".

Screenshot spiegel.de

Im Text steht immerhin eine Übersetzung und die Feststellung, dass es "beleidigend formuliert" ist. Aber der Hinweis, dass es Androhungen von Kriegsverbrechen sind, fehlt komplett. Die Tagesschau titelt. "Trump gibt Iran Zeit bis Dienstag" und im Live-Ticker. "Trump droht mit Angriffen auf Kraftwerke am Dienstag".

Screenshot tagesschau.de

Der Wortlaut von Trumps krassem Post und dessen Drohungen und Ankündigungen von Kriegsverbrechen werden in der Tagesschau gar nicht erwähnt. Im Ticker gibt die Tagesschau eine krass verharmlosende "Übersetzung" und Zusammenfassung des Posts:

" "Am Dienstag wird es in Iran den 'Kraftwerkstag' und den 'Brückentag' in einem geben", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. So etwas habe es "noch nie gegeben". Er forderte erneut, die Meerenge zu öffnen - "oder ihr werdet in der Hölle leben".", schreibt die Tagesschau.

Die Beleidigungen, die Schimpfwörter, dass es Kriegsverbrechen sind – all das fehlt. So klingt der verbrecherische Faschist fast seriös.

Wenn Medien "neutral" sein wollen und den Faschisten helfen

Ich weiß, was diese Medien wollen – sie wollen neutral berichten. Doch dabei verbiegen sie die Realität so sehr, damit sie in ihre Vorstellung von Sachlichkeit passt, dass sie den krassen Kriegsverbrecher, der mit Beleidigungen um sich wirft, wie einen seriösen Politiker aussehen lassen. Denn wenn sie sein wahres Gesicht zeigen würden, würde das nicht "neutral" wirken. Denn dann würde jeder selbst sehen, wie absurd und außer Kontrolle dieser Mann ist.

Damit versagen diese Medien aber in ihrer fundamentalen Grundaufgabe: Aufklärung. Sagen, was ist. Die Tagesschau hat uns in diesem Beitrag regelrecht verschwiegen, was Trump wirklich gesagt hat. Denn auch wenn ihre beschönigte Zusammenfassung oberflächlich korrekt den Inhalt widergegeben hat, war es keine sachliche Forderung und auch nicht nur eine ruhige Drohung. Es war eine brutale, schimpfende Ankündigung von Kriegsverbrechen in einem völkerrechtswidrigen und illegalen Krieg eines faschistischen Präsidenten.

Neutralität vs. Wahrheit

Man kann es ja auch besser machen. Die AFP, die Nachrichtenagentur, die Redaktionen auf der ganzen Welt beliefert, hat den Post so behandelt: Sie zitierte direkt und nannte den Kontext – eine „expletive-laden attack on Iran that sparked criticism on Capitol Hill." Sie zitieren immerhin „mögliche Kriegsverbrechen“ und nennen es eine „schimpfwortreiche Attacke“. Und beschreiben – immer noch sachlich – näher an der Realität, was vorgefallen ist.

Screenshot x.com

Ich weiß, warum Redaktionen zögern, ihn "Kriegsverbrecher" zu nennen oder seinen Krieg gegen den Iran als "völkerrechtswidrig" oder "illegal" zu bezeichnen, oder Trump selbst als Faschist einzuordnen, wie ich es getan habe. Die ersten sind juristische Kategorien, die vor Gericht bewiesen werden müssten, und Letzteres ist ein historisch geladenes Label. Aber ich empfinde es zu diesem Zeitpunkt fahrlässig, Trump nicht als Faschisten zu bezeichnen. Experten sind sich in der Wertung in großen Teilen einig. Es gibt einen ellenlangen Wikipedia-Artikel dazu, dessen Lektüre sich lohnt.

Für das Verwenden der Begriffe sprechen sehr gute Gründe und es gibt gute Belege. Und ich verwende sie mit vollem Bewusstsein, weil ich weiß, dass viele sich das eben nicht trauen, aus oben genannten Gründen. Aber ich will nicht "neutral" sein, ich will die Realität abbilden. Weil so viele Medien das ganze Ausmaß der Verbrechen und der Vulgarität verharmlosen, sehe ich mich gezwungen, ein Gegengewicht zu bilden. Die Rechtsextremisten lügen und übertreiben pausenlos. Die Medien suchen den Mittelweg. Und keiner spricht die Wahrheit laut aus?

Auslassung ist in diesem Fall keine Neutralität, sondern Verfälschung

Viele Redaktionen, darunter namhafte deutsche, folgen dem Prinzip, dass Seriosität gleichbedeutend mit ruhiger, wertungsfreier Sprache sei. Man will nicht polemisch wirken, nicht parteiisch, nicht "hysterisch". Grundsätzlich lobenswert. Das Ergebnis ist eine Berichterstattung, die das brutale Ausmaß des Originals ausblendet, statt es abzubilden. Wer Trumps "Open the Fuckin' Strait, you crazy bastards" in "Trump droht mit Angriffen" übersetzt, lügt nicht – aber er verschweigt die Realität durch Auslassung. Und Auslassung ist in diesem Fall keine Neutralität, sondern Verfälschung.

Und umgekehrt funktioniert das aber auch nicht: Wenn Trump lügt oder ein Rechtsextremist eine Fake News in die Welt setzt, wird dann oft eben nicht versucht, die Worte zu entschärfen, sachlich einzuordnen: Da steht der Mythos in großen Lettern in der Überschrift – manchmal mit einem Fragezeichen.

Das hat Konsequenzen, die wir bei Volksverpetzer schon vor der letzten US-Wahl analysiert haben: Wenn selbst Faktenchecker und seriöse Medien im Versuch, ausgewogen zu berichten, die Rhetorik von Lügnern normalisieren, helfen sie ihnen dabei, Macht zu konsolidieren. Wer über einen Faschisten so berichtet wie über einen gewöhnlichen Politiker, impliziert damit, dass er einer ist. Das verfehlt die Aufgabe des Journalisten. Das ist mediale Verklärung. So konnte Trump unter anderem erst an die Macht gelangen.

Die Realität ist nicht ausgewogen, bildet sie ab

Wer Trumps Kriegsverbrechen-Ankündigung ohne Schimpfwörter, ohne das Wort Kriegsverbrechen in einen Artikel fasst - und insbesondere nicht in der viel wichtigeren Überschrift darauf aufmerksam macht - der gibt dem Publikum keine realistische Einschätzung der Lage. Er gibt ihm stattdessen das Bild eines Präsidenten, der im normalen Rahmen politischer Auseinandersetzung agiert. Trump ist kein normaler Präsident. Er ist ein Faschist, der öffentlich Kriegsverbrechen in einem völkerrechtswidrigen Krieg ankündigt und dabei „verfickte Meerenge“ und "verrückte Bastarde" schreibt – wahrscheinlich weil er weiß, dass es niemanden wirklich aufhält und er trotzdem als Staatsmann behandelt wird. Kein Wunder, dass Rechtsextremismus bei uns weiter so erfolgreich ist.

Deutsche Medien stehen vor der Entscheidung, die Realität abzubilden oder eine Scheinwelt, in der sie die neutralen Berichterstatter spielen können, die Business as usual mit normalen Politikern und normaler Politik inszenieren können, die es einfach nicht mehr gibt. Sie verfehlen dabei sogar das, was sie erreichen wollen. Das ist nicht neutral.

Wer die Sprache eines Mannes entschärft, der Kriegsverbrechen ankündigt, wer seine Drohungen in den sprachlichen Modus normaler Diplomatie übersetzt, der verzerrt die Wirklichkeit – nicht weniger als ein Propagandaorgan, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Objektivität ist kein Wert an sich. Sie wird zur Lüge, wenn sie auf eine Realität trifft, die selbst nun mal nicht ausgewogen ist. Wer das nicht versteht, hilft dem Faschismus, ohne es zu wollen.

Artikelbild: Alex Brandon/AP/dpa (Trump), Screenshots, canva.com (Weißes Haus). Teile des Artikels wurden mit maschineller Hilfe erstellt. Wie Volksverpetzer KI verwendet.

Passend dazu: