Maischberger: So genial zerstört Nico Semsrott in 30 Sekunden Polit-Talkshows

die partei in einer talkshow

Nico Semsrott, frisch gebackener EU-Parlamentarier von der Partei die PARTEI war in der Sendung von Sandra Maischberger zu Gast. Und er zerlegte in etwas mehr als 30 Sekunden die politische Parteien- und gleich noch die TV-Landschaft.

Anstatt nun aber verstehen zu wollen, warum vor allem Erstwähler und junge Menschen eine Satire-Partei wählen, starrte Maischberger den Politneuling an wie ein seltenes Insekt. Semsrott weist darauf hin, dass die Politiker im Schnitt älter werden und die jüngeren Generationen nicht mitreißen können. Dennoch versteifen sich die Moderatorin und der ebenfalls eingeladene Welt-Journalist Robin Alexander darauf, den Satiriker nicht ernst zu nehmen.



Man müsste Maischberger den Zweck von Satire erklären

Eventuell muss man den beiden die Aufgabe von Satire noch einmal erklären. Nico Semsrott bekennt auf stichelnde Nachfrage zurecht, dass er mit seiner 2,4%-Partei und seinem Kollegen Martin Sonneborn zwar natürlich politisch nichts bewirken kann. Allerdings tragen sie zu etwas bei, was die im wahrsten Sinne des Wortes „Alt-Parteien“ jahrelang nicht geschafft haben. Junge Menschen interessieren sich für Politik. Und sind wir mal ehrlich: Wüssten wir ohne die Videos von Martin Sonneborns Reden, ohne seine Tweets und nicht zuletzt ohne sein Buch („Herr Sonneborn geht nach Brüssel“) überhaupt, was da in Brüssel passiert?

Ein letzter Gedanke: Die Überheblichkeit, mit der Nico Semsrott von Maischberger und Alexander behandelt wurde, hat mich geärgert und trotzig gemacht: „Jetzt würde ich die erst recht wählen“, dachte ich mir. Und dann habe ich mir vorgestellt, wie überheblich AfD-Politiker behandelt werden, und dann dachte ich: „Ok, das könnte auch ein Grund sein, warum Menschen die AfD wählen.“ Dieser Perspektivwechsel war spannend und zeigt mir, dass wir auch im Umgang mit der AfD doch noch viel lernen müssen oder aber: Die AfD hat eine Lücke besetzt, die nicht bedient wurde. Mal schauen, ob wir sie da rausbekommen.

Artikelbild: Screenshot ARD.de

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Rechtsextreme Schuldzuweisungen an Böhmermann und Co: Nur Strache allein hat Schuld!

Verantwortung abwälzen

Es gibt Neuwahlen in Österreich. Und daran ist nur eine einzige Person Schuld: Heinz-Christian Strache (nachfolgend schlicht: HC). Niemand sonst. Er hat die Regierung gesprengt. Niemand sonst. Auch wenn nun sowohl in rechtsextremen Gruppen als auch in den Kommentarspalten verschiedene Argumentationsmuster vorgeschlagen werden, die das Geschehene anderweitig framen sollen.

Whataboutismen, Ablenkungen & Schweigen: So reagieren AfD und Co auf das Strache Video

Wir brechen das zunächst mal auf den Inhalt des Videos herunter, das bereits im Juli 2017 auf der Partyinsel Ibiza aufgenommen wurde. Übrigens drei Monate vor der Nationalratswahl. Es ist nur eine Spekulation, aber eventuell hätte eine damalige Veröffentlichung einen Vizekanzler HC Strache verhindert. Eventuell sogar die ganze Koalition. Aber wer weiß: Vielleicht wurde das Video auch zurückgehalten, um mal abzuwarten, wie sich das Ganze so entwickelt.



Strache und der Rechtsextremismus

Dass HC nach der Wahl mit dem äußersten rechten Rand gekuschelt hat, wollte er nie zugeben. Mal hat er nur drei Bier bestellt und hat eben nicht den sogenannten Kühnen-Gruß gezeigt, eine „abgeschwächte“ Variante des Hitler-Grußes. Mal wusste er nicht, dass die jungen Burschen an seinem Tisch Mitglieder der rechtsextremen Identitären Bewegung waren. Soweit eine kurze Einordnung von HC.

Was sehen wir auf dem Video? Wir sehen einen locker angezogenen, auf einer Couch lümmelnden HC, einen weiteren jungen Mann (Johann Gudenus) und eine Blondine, die eine russische Oligarchin sein soll. Denken jedenfalls HC und J. Gudenus.

Das Video ist über 6 Stunden lang. Bekannt sind bisher nur einige Ausschnitte, und nein, die können nicht so zusammen geschnitten worden sein, dass HC da blöd wegkommt. Er sagt es selbst und unmissverständlich: Die russische Oligarchin schießt Geld für die Wahlkampfhilfe zu, im Gegenzug erhält sie Aufträge. Sie müsste nur noch ein Unternehmen in Österreich gründen. Die Wahlkampfhilfe erhält natürlich nicht die Partei des HC, die FPÖ, sondern das Geld geht am Rechnungshof vorbei an einen gemeinnützigen Verein.

Warum ist Strache kein „Volksverräter“?

Halten wir fest: HC gibt Aufträge gegen Schwarzgeld an den Russen. Aufträge, die auch an Österreicher gehen könnten, an „sein Volk“. Frage: Ist hier der Begriff „Volksverräter“ angebracht?

Zweite Kernaussage des Videos: Die vermeintliche Oligarchen-Nichte beteiligt sich an der größten Boulevard-Zeitung Österreichs. Der Kronen-Zeitung. Das Ziel: Unliebsame Journalisten entfernen. Wenn ein Staat dermaßen in die Freiheit der Presse eingreift, nennt sich das Gleichschaltung. Man liest es in den Kommentaren häufig, aber: Nein, nur weil Medien gegen die AfD oder FPÖ schreiben bzw. berichten, sind sie nicht staatlich gleichgeschaltet. Zumal ich an Kiosken alle Spektren finde, von ganz links bis ganz rechts.

In der Pressekonferenz von HC gibt es zwei wesentliche Punkte: Zunächst einmal ist der Alkohol Schuld an diesem „dummen Fehler“ gewesen. Diese Argumentationshilfe wird in vielen rechten Gruppen angeboten. Es wird betont, dass er ja auch viel Gutes getan habe, und man so einen Fehler mal verzeihen soll. Verglichen wird auch mit Schwarzgeldkassen von Helmut Kohl oder ergaunerten Doktortiteln. Wenn schon mit Parteispendenaffären verglichen wird, dann bitte mit denen von Meuthen und Weidel. Das, was derzeit in Österreich passiert, ist ein anderes Kaliber!

Cui Bono? Interessant, aber irrelevant

Der zweite Aspekt, der aus der Pressekonferenz nun aber immer mehr in den Fokus rückt: Wer hat denn diese Aufnahmen gemacht? Man hört immer den Namen von Jan Böhmermann, der bereits im April entsprechende Andeutungen gemacht hatte, als er bei der Verleihung des österreichischen TV-Preises Romy die Übernahme der Kronen-Zeitung und auch eine „russische Oligarchenvilla“ auf Ibiza erwähnte. Fraglich ist, ob Böhmermann bereits 2017 daran interessiert war, HC zu Fall zu bringen bzw. ob er überhaupt die Möglichkeiten zur Umsetzung gehabt hätte. Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) kommt da laut jüngsten Berichten schon eher in Betracht:

Aber: Es ist natürlich interessant, wer denn nun konkret dahintersteckt, und es wird auch Stück für Stück aufbereitet werden, zum Beispiel hier beim Spiegel.

Interessanter sind und bleiben allerdings die Aussagen aus dem Video! Dass nun Politiker wie der AfD-Thüringen-Chef Bernd Höcke (und weitere) den Skandal darin sehen, DASS ein Video gemacht wurde, in dem einer aus ihren Reihen die Gleichschaltung einer Zeitung und ein derart staatsfeindliches und korruptes Handeln plant, ist absurd. Die Schuld soll nun bei anderen gesucht werden, wie immer. Bei Böhmermann, dem ZDF, dem ZPS und wer weiß noch wem. Das führt soweit, dass DIESE Akteure nun bedroht werden. Aber wo ist denn eigentlich der „Mut zur Wahrheit“?

Morddrohungen und Täter-Opfer-Umkehr

Screenshot #DieInsider / Das Aufdecken der Wahrheit ist „zehnmal so widerlich“? Absurd!

Screenshots #DieInsider / Morddrohungen gegen Jan Böhmermann – Weil er von der Korruption eines Politikers wusste (und nichts damit getan hat?)

Die Beobachtungen, die #dieinsider seit Monaten machen, werden hier nur bestätigt: Wenn Rechtspopulisten und Rechtsextreme Macht bekommen, dann schrecken sie vor nichts zurück, um ihr Weltbild durchzusetzen. Höcke selbst stellt klar, dasswir leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind“ (S. 257, „Nie zweimal in denselben Fluss“, 2018) Mehr dazu hier.

Weder Jan Böhmermann, noch das ZPS tragen die Schuld an dem, was derzeit in Österreich passiert. Es ist HC Strache selbst. Diese Opfer-Täter-Umkehr ist wahnwitzig und wird sich nicht durchsetzen.

Artikelbild: Alexandros Michailidis, shutterstock.com

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Gebührenfinanzierter Hass? ZDF Heute lässt Gewaltfantasien unmoderiert

Hallo, liebes ZDF heute,

ich bekomme jedes Quartal eine Rechnung über ca. 53,00 Euro.

Zahlungsempfänger sind die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Ich vermute, das Geld dient dazu, eine unabhängige und hochwertige Berichterstattung zu gewährleisten.

Gerade auf Facebook erkennen wir eine zunehmende Enthemmung der Kommentare. Das ist nun wirklich nichts Neues. Der rechtsextreme Terrorist in Christchurch nutzte Facebook zumindest dafür, seiner Tat eine globale Reichweite zu ermöglichen. Wer weiß aber schon, ob er sich da nicht auch in geheimen oder geschlossenen Gruppen zum Teil radikalisiert hat.



Und nun lese ich folgende Kommentare unter einem eurer Artikel

Screenshots facebook.com/zdfheute

Der Artikel handelt davon (Hier), dass Irak anbietet, IS-Anhänger*innen aus Europa (darunter 56 Deutsche), die in Syrien gefangen genommen wurden, den Prozess zu machen:

„Bei vielen Irakern stößt die Idee, IS-Angehörige zurückzuholen und anzuklagen, auf Unterstützung. Deutschland sei viel zu liberal, sagen die Betroffenen des IS-Terrors. In der einst von IS-Kämpfern terrorisierten Provinz Ramadi erwarten viele Menschen die Höchststrafe für angeklagte Dschihadisten. „Die haben sich hier nicht wie Menschen aufgeführt“, sagt etwa Ahmed El Djiburi. „Die einzige Lösung für die kann nur der Tod sein.“

Etwa 800 IS-Angehörige aus Europa sollen derzeit in Syrien gefangen sein, darunter mindestens 56 Deutsche. Der Irak will sie übernehmen und verurteilen, erwartet dafür aber Hilfen.

Gepostet von ZDF heute am Samstag, 30. März 2019

Ich bin sehr für freie Meinungsäußerung.

Ich möchte aber bitte nicht Gewaltphantasien mit meinen Gebühren mitfinanzieren.

Danke.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Kramp-Karrenbauers „Witz“ ist kein Witz, sondern Diskriminierung

Das ist einfach nicht lustig

Eines vorab: Ich liebe schwarzen Humor. Ich bin begeistert von Monty Python. Von Loriot. Ich liebe auch die Eskapaden eines Frank Drebin, Spezialeinheit.

Mir ist auch klar, dass Humor Geschmacksache ist. Was die einen witzig finden, langweilt die anderen. Was die einen als tiefgründig erachten, verstehen die anderen schulterzuckend nicht.

Ich hatte mit Karneval oder Fasching nie was am Hut. Ok, im Kindergarten war ich ein Cowboy oder ein „Indianer“, keine Ahnung. Spaß auf Knopfdruck kann ich nicht so richtig einordnen, aber das muss ich auch nicht. Wenn andere ihren Spaß daran haben und das dabei eine ganze Region lahm legt, dann ist es so. Solange sie sich nicht über Schüler und Schülerinnen aufregen, die für das Klima streiken.



Humor, der nach unten tritt

Aus meiner Beobachtung ging es beim Karneval immer auch darum, den Mächtigen mächtig eins auszuwischen. Über sie zu lachen. Und weil es Karneval ist, lachen die Mächtigen verkniffen mit.

Die, möglicherweise zukünftige Kanzlerkandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer dreht den Spieß nun einfach um. Zitat:

„Guckt euch doch mal die Männer von heute an. Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin, da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette.“

Das ist schon gelesen nicht lustig. Aber das Video dazu ist tatsächlich noch schlimmer.

Halten wir kurz fest: Eine möglicherweise zukünftige Bundeskanzlerin macht einen Witz über Menschen, die in anderen Staaten verfolgt werden. Wie um alles in der Welt sollen nun Betroffene Vertrauen in die Politik gewinnen, wenn sie so vergackeiert werden? Wenn sie ganz offensichtlich nicht ernst genommen oder verstanden werden?

Verstehen wir einfach keinen Spaß?

In den Kommentarspalten liest man nun, dass es Karneval oder Fasching sei und man sich „nicht so haben“ soll. Mh ja, ok. Kann man so sehen. Wenn man nicht drüber nachdenkt, was da passiert ist.

Man kann sich aber auch vor Augen führen, wer sich da über wen lustig macht. Mit welcher Intention überhaupt? Annegret Kramp-Karrenbauer und ihre Partei können sich nicht „unschuldig“ über eine Minderheit lustig machen, die sie im besten Fall durch Nichtbeachtung diskriminieren und allein lassen. Wenn sich Kramp-Karrenbauer – Miss Homophobia 2018 wohlgemerkt (Quelle) – über Trans*personen lustig macht, dann ist das kein harmloser Scherz, sondern kommt von Verachtung und Missverständnis. Das ist nicht lustig.

Mir wurde heute oft gesagt, ich verstehe keinen Spaß. Hallo? Ich lache mich über das „Ministry of silly walks“ scheckig. Über die „Silly Olympics“. „Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein!“ „Tell Tod, äh, toll Ted“. Ich verstehe sehr wohl Spaß, aber das war kein Spaß. Das ist ein Beispiel für tägliche, reale Diskriminierung für zehntausende Menschen. Also bitte.

Nee, nee. Wenn das vollkommen in Ordnung ist und als legitimer Humor durchgeht, was Frau AKK da gemacht hat, dann machen wir keine Gesellschaft besser. Das war nix.

Artikelbild: Foto-berlin.net, shutterstock.com

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#ichbinhier: Online-Redaktionen sind Werkzeug von populistischer Propaganda

Offener Brief von #ichbinhier

Der Verein #ichbinhier hat sich in einem offenen Brief an die Online-Redakteure der reichweitenstärksten Facebookseiten gewandt:

„Eure Kommentarspalten werden mit Desinformationen, Aufrufen zu Gewalt, aufhetzenden Kommentaren, Lügen und Verdrehungen geflutet. Es fehlen Klarstellungen! Vor allem aber fehlen Aufforderungen zur Unterlassung und das Sanktionieren von Beleidigungen und Beschimpfungen. Was soll denn das?“

Seit Jahren beobachtet die Anti-Hatespeech-Gruppe, dass nur wenige Personen durch mehrfache Accounts in den Kommentarspalten den Eindruck einer Mehrheit erzeugen wollen. Große Facebookseiten, die schlecht oder gar nicht moderiert sind, sind gefundenes Fressen für sie. Online-Wahlkampfhelfer verabreden sich auf genau solchen Medien-Seiten, auf denen sie ungestört schreiben, was sie wollen und ihre Botschaften verbreiten können.

Durch Einschüchterung, Trollen, Lügen, Verdrehungen und (Mord-)Drohungen mobben sie so lange die Kommentarspalten, bis ihre Propaganda unwidersprochen an prominentester Stelle platziert ist. Und ein unbedachter Leser findet unter gewöhnlichen Berichten plötzlich verschiedenste Verschwörungstheorien, Fake News oder Verdrehungen der Tatsachen.

Ein besonderes Beispiel ist die Facebook-Seite von ZDF heute: Wir alle bezahlen die Rundfunkgebühr und damit auch den Facebook-Auftritt, die Redakteure und die Aufbereitung des Social-Media-Contents. Und ich sehe es wirklich nicht ein, dass mich Trolle, Fake-Profile und Sockenpuppen von den Seiten einer durch die Allgemeinheit finanzierten Medienanstalt verjagen.



6 Dinge, die man dagegen tun kann

Alex Urban von #Ichbinhier stellt im Brief fest: „Natürlich möchte ich nicht, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird. Probleme müssen selbstverständlich aufgezeigt werden, aber bitte mit Augenmaß. Es geht nicht um „Meinungsdiktatur“. Schon das Wort ist Unfug. Die Meinungsfreiheit wird vielmehr von denen gefährdet, die mit ihren Kampagnen Eure Kommentarspalten dominieren. Ihr überlasst ihnen willig das Feld.“ Deshalb wünscht sich der Verein von den Redaktionen:

1. Weniger Triggerthemen!

Stellt Euch bei der Themenauswahl breiter auf und bedient nicht die Erregungsspirale, die von einer kleinen, lauten Minderheit stetig in Gang gehalten wird, indem Ihr weit überproportional über Zuwanderung, „Ausländerkriminalität“ pp. schreibt.

2. Fakten statt Spekulation!

Berichtet, wenn Fakten da sind, ansonsten beruft Euch auf die Veröffentlichungen der Polizei. Wer über ein aktuelles Ereignis wenig Informationen hat, sollte zurückhaltend berichten und nicht wenige Teilinformationen zu einer großen Geschichte aufblasen. Wir alle müssen uns darum bemühen, Ungewissheit auszuhalten. Das gilt für die Journalisten wie für die Leser gleichermaßen.

3. Verzichtet auf Clickbaiting. Seriöser Journalismus kommt ohne aus.

Bitte kein Clickbaiting durch reißerische und teils irreführende Überschriften und das Provozieren heftiger Emotionen!

4. Geht verantwortungsbewusst mit Eurer Reichweite um!

Und so oder so: Wer die sozialen Medien für Reichweite nutzt, ist auch dafür verantwortlich, was unter den Beiträgen in der Kommentarspalte los ist. Die ersten Kommentare beeinflussen den Deutungsrahmen zu den Inhalten. Eine aufmerksame Moderation ist unerlässlich!

5. Macht Eure Kommentarspalten zum Wohlfühlort für Demokraten!

Eure Leser sollen sich auch in den Kommentarspalten wohlfühlen. Setzt daher Eure Netiquette durch! Macht die Kommentarspalten zu einem Ort, an dem Menschen sich austauschen können, ohne Angst haben zu müssen, beleidigt und angegangen zu werden. Wenn Ihr gut moderiert, schafft ihr Euch eine Community auf, die aus echten Menschen besteht und Euch langfristig unterstützt. Profile, die andere
Nutzer persönlich angreifen, und solche, die sich menschenfeindlich äußern, gehören gesperrt.

6. Steht für journalistische Qualität ein!

Erklärt Eure Standards, immer und immer wieder. Nicht nur, weil wir für gute Debatten auch eine gute Faktenbasis brauchen, sondern damit wir und die Mitglieder Eurer Communities in der Fülle an Informationen die guten von den schlechten trennen können und diesen Maßstab woanders einfordern können.

Das Schlusswort:

Denkt bitte darüber nach, ob Ihr Euch zum Werkzeug von Leuten machen lassen wollt, die unseren Staat kaputt machen wollen. Mit dem immer fortwährenden Schüren von Ängsten und dem Anzweifeln des Rechtsstaats. Und ob Ihr populistische Propaganda bis hin zu Verschwörungstheorien, massiven Desinformationen und Verharmlosungen der Nazizeit auf Euren Seiten haben möchtet.

Artikelbild: Aaron Amat, shutterstock.com

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Robert Habeck, lassen Sie uns nicht mit der Account-Armee im Internet alleine!

Lieber Robert Habeck,

ich kann Ihren Rückzug aus den sozialen Medien Twitter und Facebook total nachvollziehen. Wenn ich mich nicht täglich dort gegen die Vergiftung unserer Gesellschaft einsetzen würde, hätte ich meinen Account schon längst gelöscht. Facebook verkommt immer mehr zu einer Propagandamaschine, deren Plattform die Facebook-Seiten der reichweitenstarken Medien wie BILD oder sogar das ZDF ist.

Desinformationen, Aufrufe zu Gewalt, aufhetzende Kommentare. All das steht dort in großen Teilen unreguliert. Damit meine ich nicht die Einschränkung der freien Meinung, um Gottes Willen. Mir persönlich fehlen aber die Klarstellungen der Lügen und der Verdrehungen. Das Rückführen zum Thema, die Aufforderung zur Unterlassung und das Sanktionieren von Beleidigungen und Beschimpfungen. Das sollte eine Aufgabe der Social-Media Redaktionen sein. Eigentlich.



Uns fehlt der Widerstand gegen Rechts in Social Media

Aber auch das Gegengewicht fehlt mir immer öfter. Kommentatoren ziehen sich zurück, weil sie keine Lust mehr haben, sich von Mehrfach- und Fake-Profilen auslachen oder beschimpfen lassen zu müssen. Der Holocaust wird immer öfter relativiert, die Pogrome klein geredet. Die Sprache ändert sich in einer Form, die ich nie für möglich gehalten hätte. All das wird mitten in die Gesellschaft getragen.
Der Kampf gegen diese Windmühlen scheint angesichts der Account-Armeen aussichtslos zu sein.

Eine Politik, die Haltung zeigt, ist selten geworden. Ich glaube, ein Erfolgsfaktor, der Sie zu einem neuen Hoffnungsträger in allen Teilen der Gesellschaft macht und gleichzeitig den Rechtspopulisten den Schweiß auf die Stirn treibt, ist Ihre Bodenhaftung. Und dass Sie sich nicht von Parolen und dem Ausloten der sprachlichen Grenzen treiben lassen. Außer zweimal. Da ist es mit Ihnen durchgegangen.

Es ist daher einerseits nur konsequent, dass sie Facebook und Twitter verlassen.

Sie begingen Fehler, aus denen Sie Ihre Schlussfolgerungen ableiten.

Anderseits: Sie werden nun nicht mehr miterleben, wogegen es in den nächsten Monaten anzutreten gilt, wenn die Landtagswahlen näher rücken. Die Narrative und Desinformationen stehen bereit. Und das haben Sie eventuell schon bei den angewandten Frames von Amberg und Bottrop registriert.

Was aber viel schlimmer ist: Sie lassen diejenigen alleine, die sich tagtäglich gegen die Vergiftung der Gesellschaft engagieren und die sich an Menschen wie Ihnen orientieren. Ich finde, Haltung wahren heißt auch, für Fehler einzustehen, sich zu entschuldigen, dem Gegenüber die Hand reichen und weiterzumachen.

Sie sind großer Handball-Fan. Das weiß ich. Handball, so schrieb Sophie Passmann, mache charakterstark, ist „maximalbrutale Direktdemokratie, fordert dafür aber von den Schwachen Fleiß und von den Starken Bescheidenheit. Das, was Handball einem beibringen kann, ist also heute so wichtig wie nie. […] die Einsicht, dass jeder in jeder Sekunde unerlässlich für das Funktionieren des großen Ganzen ist.“ (Quelle)

Wenn Sie nun das Spielfeld verlassen, wird das große Facebook-Ganze ein wenig aus den Fugen geraten. Schade.

Herzliche Grüße, Alex Urban.

Artikelbild: Raimond SpekkingCC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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SOHO Minden, Amberg, Bottrop: So extrem sind rechte Verdrehungen & Verharmlosungen

Das Facebook-Jahr hörte auf, wie das neue nun beginnt: Mit Verdrehungen und breit angelegter Verharmlosung.

Drei Beispiele innerhalb von einer Woche.

1. Beispiel: Das SOHO Minden postet am 24.12. ein Foto. Auf dem Foto ist eine Tafel zu sehen, auf der steht: „Wenn Sie AfD wählen, dann trinken Sie Ihr Bier bitte woanders. Sie fühlen sich diskriminiert? Dann wissen Sie endlich mal wie das ist.“

Das SOHO Minden erlebt daraufhin einen Shitstorm, der mittlerweile fast 3.000 Hass-Kommentare enthält. Der Post wurde über 3.300 Mal geteilt. Darunter in sehr vielen rechten Facebook-Gruppen.

Natürlich kann man darüber diskutieren, ob die Idee gut ist, Menschen auf Grund Ihrer politischen Einstellung, die man rein äußerlich eh nicht überprüfen kann, auszuschließen. Meiner Meinung nach wollte der Wirt ein Zeichen gegen die häufig diskriminierenden und rassistischen Kommentare einiger AfD-Politiker oder ihrer Facebook-Anhänger setzen. Wie gesagt, kann man diskutieren.

Was man nicht diskutieren kann, sind die Kommentare unter dem Post. Häufigster Tenor: Der AfDler ist der neue Jude. Es wird ernsthaft gefragt, wie lange es noch dauert, bis Menschen in Anlehnung an den Judenstern einen blauen Stern tragen sollen. Das ist nicht nur ein hanebüchener Vergleich, er ist auch an Widerwärtigkeit nicht zu übertreffen. Die Juden wurden auf Grund ihrer Religion enteignet, gejagt und systematisch und zudem staatlich gefördert industriell ermordet. Allein die Gleichsetzung des einen mit dem anderen ist eine nicht zu akzeptierende Verharmlosung der Novemberpogrome und des Holocausts.



Warum machen Menschen so etwas?

Sehen die „Verteidiger der christlichen Werte“ nicht die Ironie, wenn sie ausgerechnet an Weihnachten Heinrich Bedford-Strohm für seine Kritik an den Kommentaren auf AfD-Facebook-Seiten, auf denen „ein Ausmaß von Menschenverachtung und sozialer, aber auch menschlicher Kälte zum Ausdruck [kommt], das schon Sorgen macht.“  Bedford-Strohm und auch der Papst warben für Nächstenliebe und Barmherzigkeit, für Frieden und Brüderlichkeit. Dafür werden sie angegangen?

Das zweite und das dritte Beispiel können wir zusammenfassend darstellen, weil sich beide Ereignisse zeitlich überschneiden.

Am 29.12. verprügeln vier junge angetrunkene Asylbewerber aus Afghanistan, Syrien und dem Iran im Amberg wahllos Passanten. Die 17- bis 19-jährigen verletzten dabei 12 Menschen. Während man in den Facebook-Kommentaren zu Chemnitz tagelang stritt, ob nun „Hetzjagden“ stattfanden, beurteilen sowohl Herr Wendt und als auch viele Accounts die Situation in Amberg recht zügig und sind sich sicher, dass sich nun wirklich um eine „Hetzjagd“ handelte. Rainer Wendt kannte auch schon die Motivation der vier: „Es ist eine tiefe Verachtung für unseren Staat und für die Menschen, die bei uns leben.“ Bitte was?

Am 31.12. fuhr ein 50-jähriger Deutscher mit seinem Auto in Bottrop eine Menschengruppe, offenbar mit dem Ziel, Ausländer zu töten. Menschen aus Syrien und Afghanistan wurden zum Teil schwer verletzt. Eine Frau schwebte in Lebensgefahr. Er agierte ohne Netzwerk, sei psychisch krank. Laut NRW-Innenminister Herbert Reul mache der Mann „Ausländer für alles verantwortlich“. Man stelle sich nur die Reaktionen in den sozialen Medien vor, wenn das ein islamistischer Anschlag gewesen wäre.

Stattdessen: „Aber Amberg…“

Oder gar: „Wird auch mal Zeit, dass der Spieß umgedreht wird.“ (Gesehen bei der Bild, die das unkommentiert stehen lässt.)

Screenshot facebook.com

Es ist nur zu vermuten, dass sich der Mann aus seiner Echokammer dazu berufen fühlte, zu handeln. Irgendwo muss er ja die Erkenntnis gewonnen haben, dass „Ausländer für alles verantwortlich“ seien. Am „interessantesten“ äußert sich Herr Meuthen dazu: Im Grunde konnte der Mann aus Bottrop gar nicht anders handeln, da die Bundesregierung Täter wie die aus Amberg ins Land gelassen hat.

So redet man einen Anschlag klein. Vermutlich aus Gründen.

Die Süddeutsche schreibt dazu: „Diese Entpolitisierung rechter Gewalt – und die Amokfahrt des Mannes aus Bottrop war eine politisch motivierte Tat – ist aber alles andere als ein Einzelfall. Die Bundesregierung selber teilte im Juni mit, seit dem 3. Oktober 1990 seien 76 Menschen durch rechte Gewalttäter ums Leben gekommen, andere Berechnungen gehen von mehr als 150 aus.“

Und weiter: „Und selbst, wenn die rechtsextremen Motive der Gewalt offenbar sind, erscheint sie in der Öffentlichkeit in eigentümlicher Weise in ihrer Unausrottbarkeit vertraut. Die Gewalt der Fremden dagegen bricht brutal ins Vertraute ein; sie besetzt die Angsträume des Landes. Es hätte sich ja auch die Amberger Tat entpolitisieren lassen: Junge Männer im Suff benehmen sich am Neujahrstag krass daneben. Zu Recht ist das nicht passiert. Zu Recht verbindet sich mit den Prügelattacken die Frage, wie der Staat, die Gemeinschaft mit Asylsuchenden umzugehen hat, die gewalttätig werden – wobei die Abschieberegelungen mittlerweile scharf sind wie nie und sich kaum ein Gewalttäter von ihnen abschrecken lässt.“ (Quelle)

Man darf gespannt sein, wie die rechte Blase reagiert, wenn vier deutsche angetrunkene Jugendliche wahllos Menschen verprügeln, während ein Islamist ein Auto in eine Menschengruppe steuert.

Artikelbild: Master1305, Shutterstock.com

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Fake-Terror-Karte: So übernehmen die Rechten die Angstmache für Islamisten

Fake-Karte

Nach dem abscheulichen, mutmaßlich terroristischen Anschlag in Strasbourg drehen die sozialen Netzwerke wieder hohl. Wir lesen das übliche Geblubber: „Die Willkommensklatscher sind schuld!“, „Bedankt euch bei der Regierung!“, „Er soll doch in Deutschland Asyl beantragen!“, „Vor 2015 gab es sowas nicht!“, „Die Terroristen tragen in naher Zukunft ein Schild, wo drauf steht #wirsindmehr!“, „Importierte Gewalt!“, und es wird sowieso immer schlimmer werden. Der UN-Migrationspakt und so. Angeblich kommen über 190.000.000 Menschen nach Deutschland. Alles horrender Unsinn.

Man könnte meinen, die Menschen wissen nicht, wohin mit ihrer Wut und brauchen das alles als Ventil. Kann ich verstehen. Ich befürchte aber, das ist zu einfach. Denn viele glauben tatsächlich, dass die Bundesregierung oder Angela Merkel oder George Soros oder alle zusammen den Untergang von Deutschland bzw. Europa planen. „Alles so gewollt“, liest man dann oft.



Angebliche „Terror-Karte des IS“ ist Quatsch

Die Recherchegruppe #dieinsider stieß in den letzten Tagen immer wieder auf eine angebliche „Terror-Karte des IS“ aus dem Jahr 2009 (!), die schon 2015 von Mimikama als „Altpapier des Kopp-Verlages“ enttarnt wurde.

Die Terror-Karte des IS für Deutschland – Altpapier des Kopp-Verlages

Allerdings wird sie immer noch in verschiedenen Facebook-Gruppen mit der Behauptung geteilt, der US-Geheimdienst CIA warne vor einem bevorstehenden Bürgerkrieg. Laut den Recherchen von CORRECTIV liegen jedenfalls keine Warnungen der CIA vor. Stand August 2018. Wer weiß schon, ob das heute noch gilt. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Ironie off.

Deutschen Sicherheitsbehörden ist keine CIA-Warnung vor Bürgerkrieg bekannt

Eine Frage, die mir irgendwie noch niemand beantworten konnte, der von einem gewollten Bürgerkrieg schwadronierte, lautet:

Wozu einen „Bürgerkrieg“ überhaupt?

Nur, weil Frau Merkel keine Kinder hat und nach Südamerika abhaut, wird sie doch nicht wollen, dass Europa in Flammen steht? Da würde ihr und dem ganzen Rest der Elite auch keine Villa Schutz bieten. Liest man ja auch immer wieder. Aber im Ernst: Bei all dem, was sich zur Zeit abspielt, dürfen wir aber eines nicht vergessen, und das teile ich bei jeder Gelegenheit:

„Die sechste Phase, beginnend 2016, sieht die „totale Konfrontation“ vor, schließt Hussein aus dem, was ihm zugetragen wurde. Unmittelbar nach Ausrufung des Kalifats werde die „islamische Armee“ die von Osama Bin Laden oft vorhergesagte „Schlacht zwischen Glauben und Unglauben“ anzetteln.“

Ich zitiere da aus einem Spiegel-Artikel über den jordanischen Journalisten Fuad Hussein, der Vordenker und Strategen der Islamisten nach ihrer langfristigen Planung befragt hat. (Hier)

Rechte helfen fleißig bei der Radikalisierungs-Spirale

Der Artikel ist aus 2005! Und ich erinnere mich, als ich den damals las, schüttelte ich lächelnd den Kopf und dachte: „Ts, Spinner!“

Ich habe mich geirrt. Nadelstichartige und gezielte Terroranschläge (Nizza, Brüssel, Paris, Berlin, London, mutmaßlich Strasbourg) säen Zwietracht und Misstrauen. Rechtspopulisten, -radikale und -extreme und Neo-Nazis springen dankbar auf den Zug auf, verstärken Zwietracht und Misstrauen. Die folgende Ausgrenzung hilft den extremistisch motivierten Rattenfängern. Und junge Menschen radikalisieren sich. Ein Teufelskreis, den die Brüder im Geiste wechselseitig befeuern. Das Dramatische ist, dass mittlerweile selbst einige Teile aus der Mitte unserer Gesellschaft dazu beitragen.

Wie kommen wir da raus? Any ideas?

Artikelbild: Alex E. Proimos, Flickr,  (CC BY 2.0), changes were made, Screenshot facebook.com

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„Mitten ins Gesicht schlagen“: Offener Brief von #ichbinhier an Anabel Schunke

Sehr geehrte Frau Schunke,

ich antworte Ihnen mal auf diesem Wege, da ich auf Ihrer Facebook-Seite seit Monaten blockiert bin, obwohl ich dort noch nie kommentiert oder irgendetwas gelikt habe.

Screenshot

Das muss man sich mal vorstellen: Sie wollen „irgendwann […] so einem aus der #ichbinhier-Fraktion mitten ins Gesicht“ schlagen und beklagen einen kurzen Absatz später, dass „die Priorität dieser Leute“ sei, „den Hass nicht gewinnen“ zu lassen. Und entlassen Ihre Follower damit in den Abend, ihnen mitzuteilen, wie wütend Sie seien. Das greifen Ihre Follower auf, die dann auch wütend sind.

Von Ihnen unkommentiert träumen dann einige davon, wieder züchtigen zu dürfen, konsequenter zu werden (was immer das auch heißt) oder im Wilden Westen zu leben (was immer daraus nun wieder folgen soll). Andere wünschen einen Emoji mit „durchgeladener Pumpgun“ oder bescheinigen den fast 46.000 Mitgliedern von #ichbinhier „krank zu sein“.

„Ich hasse [sic!] jede Art von Gewalt, dennoch [sic!] wünsche [sic!] ich mir immer öfters [sic!], dass diese Leute die Nächsten sind!“



Frau Schunke, mal ehrlich: Was sollen denn solche Kommentare?

Sie meinen, dass ein #ichbinhier-Kommentar, wie der oben zitierte, „Jaja, […] den Familien, die um ihre Angehörigen trauern, sicher helfen“ wird. Sie implizieren damit, zu wissen, was Angehörige fühlen oder wie deren Haltung ist. Was sagen Sie dann dazu:

 

Screenshot sz.de

oder zu diesem Statement:

Screenshot www.badische-zeitung.de

Sie haben nicht das alleinige Recht darauf gepachtet, berechtigt Kritik zu üben

Ich möchte einmal höflich darauf hinweisen: Sie haben nicht das alleinige Recht darauf gepachtet, berechtigt Kritik zu üben. Auch viele Mitglieder von #ichbinhier kritisieren. Und alle Mitglieder trauern um die Opfer, verabscheuen solche Taten und sind schockiert. Berechtigte Kritik ist aber differenziert und nicht einseitig.

Nicht „der Islam“ ist Schuld an den Verbrechen, sondern die Typen, die solche Verbrechen begehen. Ich bin mir nicht sicher, ob Ihnen bewusst ist, was eine Vorverurteilung und Pauschalisierung für Folgen haben kann. Ich sehe aber Tag für Tag diese Folgen in den Facebook-Kommentarspalten. Stereotype, Sippenhaft und rassistische Bewertungen. Und ich sehe auch, was solche Posts wie Ihrer bewirken. Einige Beispiele habe ich ja oben angeführt.

Wenn ich Ihren Post mal im Umkehrschluss betrachte:

Hass soll also gewinnen können. Was folgt daraus?

Und wie hilft das den Familien?

Wir können echt über Vieles reden und diskutieren: Asylrecht, Strafrecht, die Integration, politische Strömungen innerhalb des Islam, Religionen im Allgemeinen, kulturelle Identität. Aber erstens müsste ich dann nicht mehr blockiert sein, zweitens müssten Sie Ihren Followern den Schaum vom Mund wischen und drittens auch mal einen anderen Standpunkt zulassen. Wozu führt denn der Hass gegen und die Ausgrenzung von z.B. Muslimen?

Vermutlich zu einer gesteigerten Gefahr der Radikalisierung. Wie kann man dem vorbeugen? Nicht ausgrenzen. Zumindest kann man das Risiko minimieren. Mir ist klar, dass Sie die Meinung vertreten, dass diese Menschen aus dem anderen Kulturbereich nicht willig seien, sich zu integrieren. Millionen Gegenbeispiele. Allein in Deutschland.

Aber um auf das Thema zurückzukommen: Nein, #ichbinhier wird nicht von Frau Merkel zum Essen eingeladen, nicht von der Regierung unterstützt (das bestätigt sogar eine kleine Anfrage der AfD).

Es werden intern auch keinerlei inhaltliche Vorgaben gemacht. Wenn das so wäre, gäbe es längst entlarvende Screenshots unserer Maulwürfe.

Alle Menschen haben Angst vor Terror

Eventuell sollten Sie mal ein Schritt zurücktreten, mal eine andere Perspektive einnehmen, um zu erkennen, dass ALLE Menschen Angst vor Terror haben, dass alle Menschen Täter verabscheuen und der Opfer gedenken.

Sie sind doch immer auf der Suche nach der Wahrheit bzw. Sie und Ihre Follower werfen anderen vor, die Realität nicht zu kennen. Ich weiß jetzt nicht, was Sie so von Gandhi halten, aber:

„Bei der Anwendung von Gewaltfreiheit entdeckte ich schon sehr früh, dass die Wahrheitssuche es nicht erlaubt, dem Gegner Gewalt anzutun. Er muss vielmehr durch Geduld und Mitgefühl von seinem Irrtum abgebracht werden.“

In diesem Sinne, beste Grüße,

Alex Urban von #ichbinhier

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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„Ja zu weißen Männern“: So genial wird der AfD-Adventskalender parodiert

Es ist Weihnachtszeit

…und damit niemand das Fest der Liebe verpasst, wurde der Adventskalender eingeführt. Die AfD nutzt die Gelegenheit und weist auf eine „grassierende Diskriminierung“ hin. Das Opfer: Der weiße Mann. Der Berliner AfD-Funktionär Georg Pazderski erkennt „Forderungen, die auf eine bewusste Benachteiligung von weißen Männern im Wettbewerb um Arbeitsplätze, Karrierechancen, öffentliche Auftritte oder staatliche Zuwendungen hinauslaufen“.

Der Hashtag „JaZuWeißenMännern“ begleitet nun also die Vorstellung von 24 weißen Männern. Die „unser Land, unsere Zivilisation und die Entwicklung der Welt entscheidend geprägt haben“. Dass da ein Mann mit einem syrischen Vater (Steve Jobs) zu den „weißen Männern“ gezählt wird, war sicher nur ein Recherchefehler. Ob Bertolt Brecht und die vielen anderen in dem Kalender hofierten Männer diese Initiative unterstützen würden, bleibt fraglich. Leider können sie sich nicht mehr wehren. Einzig Sarrazin dürfte dem Anliegen bedingungslos zustimmen.

Antifaschist & Migrantensohn: Den peinlichsten Adventskalender hat die AfD



Die andere Seite der weißen Männer

Nun gibt es aber noch andere weiße Männer, und da hat die Stay behind Foundation mal 24 Süßigkeiten hinter die Türchen gesetzt. Darunter Politiker der AfD, Rechtsextreme und (Neo-)Nazis.

JA ZU WEISSEN MÄNNERN!So schallt es aus der besinnlichen Weihnachtsstube der AfD-Fraktion Abgeordnetenhaus Berlin. "…

Gepostet von Stay Behind Foundation am Sonntag, 9. Dezember 2018

Die 24 Herren stehen nicht in der Gefahr, diskriminiert zu werden. Wenn man sich ihre kurzen Biografien bzw. Beschreibungen mal durchliest, könnte durchaus der Eindruck entstehen, dass sie selbst ganz gerne andere Menschen und/oder Menschengruppen auf Grund von Hautfarbe, Religion oder Herkunft diskriminieren würden.

Auch, wenn ihre Anhänger es bestreiten oder als „Ethnopluralismus“ oder ähnliche Umschreibungen abtun: Es ist Rassismus. Und ganz offen wird auch der Bürgerkrieg nicht unbedingt als Mittel der Wahl ausgeschlossen. Im Gegenteil. Fraglich bleibt, wer den Zündlern zuerst auf den Leim geht und aus „Notwehr“ irgendeine Initiative ergreift.

Die meisten dieser weißen Männer haben tausende Follower. Ob das nun alles echte Menschen oder Mehrfach-Accounts sind, lässt sich nicht sagen. Es ist aber eine Tatsache, dass sich Menschen gruppendynamisch nicht immer kontrollieren lassen. Dieses Aufhetzen geht irgendwann schief. Gründlich. Viel „Spaß“ mit dem Kalender.

Artikelbild: Screenshot hogesatzbau.de

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