Identitäre, Zitteranfall, „Flügel“-Übernahme: Die nächste Radikalisierung der AfD

Es geht immer weiter:

Als Angela Merkel beim Empfang der neuen dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen als Reaktion auf vorangegangene Zitteranfälle die Nationalhymnen im Sitzen angehört hatte, drehten Accounts in verschiedenen Facebook-Gruppen wieder hohl. Sowohl wir als auch die Recherchegruppe #DieInsider berichteten in vergangenen Beiträgen über die Todeswünsche und Gewaltphantasien.

Ekelhaft! Merkels nächster Zitteranfall – AfD-Anhänger wünschen ihr wieder den Tod



Richtungsstreit der AfD und rechtsextreme Identitäre

Ich möchte aber hier nun noch auf eine andere Dimension hinweisen: Die AfD entfacht anscheinend oder auch nur scheinbar einen Richtungsstreit zwischen dem sogenannten „Flügel“, dem unter anderem die beiden westdeutschen Spitzenpolitiker ostdeutscher Landesverbände Bernd Höcke (Thüringen) und Andreas Kalbitz (Brandenburg) zuzuordnen sind, und den „gemäßigten“ AfD-Politikern auf der anderen Seite.

Ich setze „gemäßigt“ absichtlich in Anführungszeichen, weil ich noch nicht wirklich verstanden habe, inwiefern man von „gemäßigt“ reden kann, angesichts verbaler Entgleisungen durch alle Reihen der AfD.
Problematisch wird es dann auch, wenn sich die AfD nicht deutlich von der Identitären Bewegung, die vom Verfassungsschutz als „rechtsextrem“ und „nicht mit dem Grundgesetz vereinbar“ gekennzeichnet wird, abgrenzt.

Identitäre Bewegung ist verfassungsfeindlich: 7 Fakten über die Rechtsextremen

Im Gegenteil, einige Vertreter wie z.B. der Landtagsabgeordnete Stefan Räpple (Baden-Württemberg) werfen der Regierung den Missbrauch des Geheimdienstes vor und Räpple fordert gar Respekt „vor den jungen , mutigen IB Aktivisten“. Weiter soll der „sogenannte „Verfassungsschutz“ (…) ein politisches Kampfinstrument der Regierung gegen die Opposition“ sein, und wenn er unabhängig wäre, dann würde er „die Jugendorganisationen der Grünen und der SPD ins Visier“ nehmen.

Die Identitären als AfD-Jugend?

Moment mal: Die IB als Jugendorganisation der AfD? Entweder hat er seinen Post nicht gut oder aber sehr bewusst so formuliert. Das ist jetzt ein Beispiel. Wir finden weitere, wenn auch etwas versteckter, denn in den Facebook-Gruppen „Die Patriotische Vernetzung beginnt!!!!!“ (ja, die Ausrufezeichen stimmen) mit über 6.000 Mitgliedern und „Klartext – vernetztes Vaterland“ mit knapp 30.000 Mitgliedern stecken auch verschiedene AfD-Politiker*innen, wie z.B. Heike Themel oder Johannes Huber. Und dort fanden #DieInsider die folgenden Kommentare zu Merkels Zitteranfall.

Nun könnten sie natürlich entschuldigend entgegnen, derlei Posts oder Kommentare nicht mitzubekommen. Auf der anderen Seite ist die Häufung solcher menschenverachtenden Kommentare beachtlich, wie etliche Screenshots belegen. Ich behaupte, dass es nicht möglich ist, das zu übersehen.
Leider bleiben Kommentare wie diese nicht in Gruppen, sondern werden immer wieder auch öffentlich unter Medien-Artikeln gepostet.

Ich persönlich fürchte mich vor dieser Radikalisierung von Teilen der Mitte der Gesellschaft, und wenn ich mir die Ausschnitte des Kontraste-Beitrags, in denen sich Pegida-Teilnehmer*innen zum Mord an Walter Lübcke äussern, anschaue, dann ist diese Furcht nicht aus der Luft gegriffen. Wir verlieren da einen Teil der Bevölkerung an radikale Kräfte, der aus welchen Gründen auch immer, immer mehr verroht und jeden Anstand vermissen lässt.

Pegida heißt Lübcke-Mord gut: Dieses Video zeigt das wahre Ausmaß des Faschismus

Artikelbild: Screenshots #DieInsider

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Twitter sperrte diese Nutzerin, weil sie rassistische Beleidigungen gegen sich retweetete

Hallo Twitter, mich interessiert da etwas:

Hast du davon mitbekommen, dass Nutzerinnen und Nutzer der sozialen Netzwerke immer häufiger von Antidemokraten vertrieben werden und einfach keine Lust mehr auf sachliche Debatten auf den Plattformen mehr haben? Sie werden ausgelacht, auf Beiträge wird mit Häme reagiert, oftmals werden sie sogar bedroht. Vergewaltigungswünsche sind an der Tagesordnung.

Ich habe vorgestern einer Nutzerin eurer Plattform ein wenig beigestanden, als sie rassistisch beleidigt wurde. Ein paar Lowlights findet ihr hier:

Screenshots twitter.com



Twitter, dein Algorithmus ist kacke

Ich musste mir in diesem Zuge anhören, der wahre Feind unserer Verfassung zu sein, die „ja nicht in Stein gemeißelt“ sei. Und die man ja nur blöd finden muss. Also, Feinde der Verfassung beleidigen rassistisch, was eure Nutzerin belegt und anprangert. Und sie wird dafür gesperrt. Nun hat sie das Glück viele, viele Unterstützer zu haben: Ralph Ruthe, Nils Bokelberg und einige weitere reichweitenstarke Accounts.

Screenshot twitter.com

Solche eine Unterstützung hat aber nicht jeder. Und dann? Ernst gemeinte Frage. Danke.

Artikelbild: pixabay.com, CC0, Screenshot twitter.com

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Hart fairsagt: „Hart aber fair“ war ein Reinfall

Junge, Junge, Junge!

Das war ein Trauerspiel! Viel beachtet wurde der Landeschef der AfD in Rheinland-Pfalz Uwe Junge zu Frank Plasbergs „hart, aber fair“ eingeladen. Das Thema lautete: „Aus Worten werden Schüsse – Wie gefährlich ist rechter Hass?“ Hintergrund war natürlich der Mord an dem CDU-Politiker Walter Lübcke.
Uwe Junge trat stellvertretend für die AfD auf, der man eine Mitschuld am Attentat auf Lübcke zuschreibt. Passend dazu zeigt die Redaktion von Plasberg einen Post, unter dem sich 4 Jahre lang über 1.400 Kommentare sammelten, in denen zu Mord und Totschlag an Lübcke aufgerufen wurde.

Joa, meint Junge, das sei natürlich nicht in Ordnung und muss gelöscht werden. Aber er wäre ja nicht für den Betrieb der Seite verantwortlich. Und überhaupt: Gegen ihn und seine Kollegen wird ja auch gehetzt. Immerhin wurde er auch Opfer eines Anschlages, wie Lübcke. Das sagte er wirklich: Er stellte sich auf eine Stufe mit einem Mordopfer. Nicht falsch verstehen: Ein Brandanschlag ist zu verurteilen. Aber allein, dass Junge sich gestern im Fernsehen zeigen konnte, und Lübcke eben nicht mehr, macht diesen Vergleich grotesk!



„Sehr harte Aussage“ – Falsches Zitat!

Richtig peinlich wurde es, als Uwe Junge tatsächlich ein Poster der Hooligans gegen Satzbau, also einer Satire-Seite, hervorzog, auf dem er zu sehen war: „Ich bin verantwortlich für den Tod Walter Lübckes.“ Bezogen auf seinen Tweet, in dem er den Tag herbeisehnt, an dem alle zur Rechenschaft gezogen werden, die für eine Willkommenskultur einstehen.

Heute: hart aber fairZu Gast: Uwe JungeThema: Aus Worten werden SchüsseWir können die Sendung leider nicht schauen, werden das aber nachholen.

Gepostet von Hooligans Gegen Satzbau am Montag, 1. Juli 2019

Wie Lübcke? Zu dessen Satz fällt Junge ein, dass das „schon eine sehr harte“ Aussage gewesen sei. Und dann zitiert er ihn auch noch falsch, denn nicht diejenigen dürften das Land verlassen, die mit der Politik nicht einverstanden sind, sondern diejenigen, die nicht für unsere christlichen Werte einstehen wollen. Das ist ein Unterschied, aber leider hat dieses halbherzige Zitieren Methode.

Überhaupt: Uwe Junge gehörte diese Sendung

Er hatte die meiste Redezeit bei „hart, aber fair“. Er konnte unkommentiert Linksextremismus und Rechtsextremismus gleichsetzen: Es gäbe auf beiden Seiten ca. 1.000 Gewalttaten. Als dann zumindest an dieser Stelle der Faktencheck eingriff und klar stellte, dass sich rechtsextreme Straften überwiegend gegen Menschen richten (ca. 930 Gewalttaten und 6 versuchte Tötungsdelikte), während sich linke Gewalt überwiegend gegen den Staat oder gegen Dinge richtet (ca. 330 Gewalttaten und 0 versuchte Tötungsdelikte), meinte Junge kleinlaut, dass aber die Summe gleichbleibt.

Und so geht das über eine Stunde. Uwe Junge rudert da zurück, wo er nicht mehr rauskommt, relativiert ansonsten herum. Immer (!), wenn es um Rechtsextremismus geht, betont er den Linksextremismus und den islamistischen Terror.

Und Plasberg? Lässt alles laufen

Es ist ja nicht so, dass es interessant wäre, was Junge zu den befreundeten rechtsextremen Netzwerken der Identitären Bewegung sagt, den Neuen Rechten oder warum er in Chemnitz direkt Schulter an Schulter neben astreinen Neo-Nazis und Rechtsextremen „getrauert“ hat. Warum fragt da niemand nach?

Und in welcher Welt lebt eigentlich Herbert Reul, der als Innenminister von Nordrhein-Westfalen eingeladen war und tatsächlich behauptet, dass Rechtsextreme nur schwer zu beobachten sind, weil sie als Einzeltäter und nicht vernetzt agieren? Das ist ein Offenbarungseid für einen Innenpolitiker!

Leider gibt es über die anderen Gäste bei „hart aber fair“ nur wenig zu sagen, weil sie zu blass waren. Sicher, Irene Mihalic, Mehmet Daimagüler und Georg Mascolo hatten ihre Momente, und vor allem Daimagüler brachte es auf den Punkt:

„Hass ist nicht ein Phänomen in ihren Reihen, der Hass ist ihre Geschäftsgrundlage“.

Aber letztlich war es zu wenig, um Junge von der Bühne zu zerren. Hoffnung machte gestern Abend aber Twitter: Unter dem Hashtag #ueberrechtereden und großflächig von Ralph Ruthe beworben, analysierte Autorin Natascha Strobl die Debatte. Der Hashtag trendete großartig und so konnte wenigstens die Twitter-Gemeinde die Aussagen von Junge und die Intention dahinter durchschauen.

Aber insgesamt konnte man nur fassungslos den Kopf schütteln, wie wenig Rechtsextremismus, seine Strukturen und seine Methoden hinterfragt und benannt wurden. Und genau das ist derzeit das Problem!

Artikelbild: Screenshot ard.de

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„Linker Hass“ führte zu Lübcke Mord? Die 10 abartigsten Arppe-Zitate

Holger Arppe hatte einen Geistesblitz zum Fall Lübcke:



Er hatte auch schon viele andere Geistesblitze:

1.

„Vielleicht sollten wir (Name) Mutter entführen, sie brutal vergewaltigen lassen von einem wilden Schimpansen und ihm (dem Bekannten) dann jeden Tag einen Finger zuschicken“

2.

 

„Hunderte Kinder und deren Familien stehen um die Hüpfburg herum und gucken…Dann wollen die Kinder alle mitspielen. So´n schönes zehnjähriges Poloch ist sicher schön eng.“

3.

„Dann besaufen wir uns hemmungslos und pissen alles voll. Anschließend laden wir uns einen Stricher ein, vergewaltigen ihn und essen danach seine Leiche auf“.

4.

„Da muss man einfach ausrasten und erstmal das ganze rotgrüne Geschmeiß aufs Schafott schicken. Und dann das Fallbeil hoch und runter, dass die Schwarte kracht!“

5.

„Wir müssen ganz friedlich und überlegt vorgehen, uns ggf. anpassen und dem Gegner Honig ums Maul schmieren aber wenn wir endlich soweit sind, dann stellen wir sie alle an die Wand. (…) Grube ausheben, alle rein und Löschkalk oben rauf“

6.

 

„Die Leute von der IB sind intelligent. Die sind klug, die sind gewitzt, die sind kreativ und genau deswegen hat das System Angst vor diesen Leuten und hetzt ihnen den Verfassungsschutz auf den Hals“

7.

 

„In Polen ist die Welt noch in Ordnung. Ich bin fünf Stunden durch Breslau gelaufen und habe weder ein Kopftuch, noch einen einzigen Neger gesehen“

8.

 

„Ich habe jetzt eine Vision: wenn es hier in Deutschland gut läuft, werden wir am Ende so eine Art Apartheidstaat haben wie damals in Südafrika, wo die Weißen den Rest einfach nur irgendwie in Schach halten.“

9.

„Manche Leute in der Bürgerschaft kann ich mir nur mit einem Loch im Kopf vorstellen, sonst ertrage ich diese linken Schweine nicht‘.“

10.

„Der Typ würde perfekt in unsere Reihen passen. Er hasst die Linken, hat einen gut gefüllten Waffenschrank in der Garage und lebt unter dem Motto: Wenn die Linken irgendwann völlig verrückt spielen, bin ich vorbereitet.“

Arppe sagte im Video: „Der politisch motivierte Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke ist ein abscheuliches Verbrechen. Er ist Ausdruck unkontrollierten Hasses.“ Und jetzt raten Sie mal, wessen Hass das wohl gewesen sein könnte!

Quelle der Zitate

Artikelbild: Prostock-studio, shutterstock.com / Screenshot facebook.com

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Habt ihr sie noch alle? AfD-Politiker spotten über Merkels Zittern, ihre Anhänger wünschen ihr den Tod

Habt ihr sie noch alle?

Gerade vor wenigen Tagen wurde Walter Lübcke mit einem Kopfschuss hingerichtet. Mutmaßlich durch einen polizeibekannten Rechtsextremen, dessen DNA am Tatort gefunden wurde. Und mutmaßlich aufgestachelt durch einen Satz, der im Grunde ähnlich klingt wie das, was Neo-Nazis gerne von sich geben: „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!“

Nur bei Lübcke klang er so: „Und wer diese (christlichen) Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er will.“

Die Retter des christlichen Abendlandes schäumten. Auf rechtsextremen Blogs wie PI-News oder von abgedrifteten Politikerinnen wie Erika Steinbach wurde zur Jagd geblasen. Sowohl Adresse als auch Telefonnummer wurden veröffentlicht, er landete auf einer schwarzen Liste für „Vaterlandsverräter“. (Quelle)

Rechtsextremer Blog ließ Privatadresse Lübckes & Drohungen in den Kommentaren stehen

Nicht neu hingegen ist, dass es rechtsextreme Netzwerke gibt. Wie die taz schon vor Monaten recherchierte.



Rechtsextreme Netzwerke wenig beachtet. Warum eigentlich?

Und nun? Angela Merkel empfing heute in Berlin den neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenski. Während die deutsche Nationalhymne gespielt wurde, begann Merkel zu zittern, nur kurz, aber man musste sich schon Sorgen machen (Quelle). Letztlich war alles halb so wild.

Das fanden Kommentatoren in verschiedenen Facebook-Gruppen oder auch unter einem Post von AfD-„Klimaexperte“ Guido Reil sehr schade. Auch andere AfD-Politiker machten sich darüber lustig oder machten böse Unterstellungen.

Wie Screenshots der Recherchegruppe #Dieinsider belegen, wünschen einige total verrohte Accounts Angela Merkel offen den Tod! Andere fänden es schade, wenn sie stirbt, weil sie sonst nicht vors Tribunal gestellt werden könnte.

und vieles mehr…

Habt ihr sie eigentlich noch alle?

Wie seid ihr so geworden? Und durch wen? Haben euch eure Eltern so erzogen? Und gebt ihr das euren Kindern oder Enkelkindern weiter?!

Wir erleben eine Radikalisierung von Teilen der Mitte der Gesellschaft, denn ich möchte nicht behaupten, dass alle hinter den Accounts rechtsextrem sind. Sie sind aber schlicht zügellos, verroht, schamlos und ohne jeden Anstand.

Es ist nicht gesagt, dass solche Menschen zur Waffe greifen. Aber: Irgendwer wird sich ermutigt fühlen! Das Potenzial ist ja leider vorhanden, wie die taz recherchierte.

Und hört mir bitte auf mit: „Aber der Linksextremismus..!“ Am Arsch! Wir haben den ersten politischen Mord seit Jahrzehnten erlebt. Eine Hinrichtung. Sehr wahrscheinlich mit rechtsextremem Hintergrund! „Seid wie der Ehrenmann aus der Lausitz und macht den Mund auf:

Das Netz feiert diesen „Ehrenmann“ aus der Lausitz: Mann spricht Klartext gegen Nazis

Artikelbild: Aaron Amat, shutterstock.com, Screenshots #DieInsider

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Maischberger: So genial zerstört Nico Semsrott in 30 Sekunden Polit-Talkshows

die partei in einer talkshow

Nico Semsrott, frisch gebackener EU-Parlamentarier von der Partei die PARTEI war in der Sendung von Sandra Maischberger zu Gast. Und er zerlegte in etwas mehr als 30 Sekunden die politische Parteien- und gleich noch die TV-Landschaft.

Anstatt nun aber verstehen zu wollen, warum vor allem Erstwähler und junge Menschen eine Satire-Partei wählen, starrte Maischberger den Politneuling an wie ein seltenes Insekt. Semsrott weist darauf hin, dass die Politiker im Schnitt älter werden und die jüngeren Generationen nicht mitreißen können. Dennoch versteifen sich die Moderatorin und der ebenfalls eingeladene Welt-Journalist Robin Alexander darauf, den Satiriker nicht ernst zu nehmen.



Man müsste Maischberger den Zweck von Satire erklären

Eventuell muss man den beiden die Aufgabe von Satire noch einmal erklären. Nico Semsrott bekennt auf stichelnde Nachfrage zurecht, dass er mit seiner 2,4%-Partei und seinem Kollegen Martin Sonneborn zwar natürlich politisch nichts bewirken kann. Allerdings tragen sie zu etwas bei, was die im wahrsten Sinne des Wortes „Alt-Parteien“ jahrelang nicht geschafft haben. Junge Menschen interessieren sich für Politik. Und sind wir mal ehrlich: Wüssten wir ohne die Videos von Martin Sonneborns Reden, ohne seine Tweets und nicht zuletzt ohne sein Buch („Herr Sonneborn geht nach Brüssel“) überhaupt, was da in Brüssel passiert?

Ein letzter Gedanke: Die Überheblichkeit, mit der Nico Semsrott von Maischberger und Alexander behandelt wurde, hat mich geärgert und trotzig gemacht: „Jetzt würde ich die erst recht wählen“, dachte ich mir. Und dann habe ich mir vorgestellt, wie überheblich AfD-Politiker behandelt werden, und dann dachte ich: „Ok, das könnte auch ein Grund sein, warum Menschen die AfD wählen.“ Dieser Perspektivwechsel war spannend und zeigt mir, dass wir auch im Umgang mit der AfD doch noch viel lernen müssen oder aber: Die AfD hat eine Lücke besetzt, die nicht bedient wurde. Mal schauen, ob wir sie da rausbekommen.

Artikelbild: Screenshot ARD.de

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Rechtsextreme Schuldzuweisungen an Böhmermann und Co: Nur Strache allein hat Schuld!

Verantwortung abwälzen

Es gibt Neuwahlen in Österreich. Und daran ist nur eine einzige Person Schuld: Heinz-Christian Strache (nachfolgend schlicht: HC). Niemand sonst. Er hat die Regierung gesprengt. Niemand sonst. Auch wenn nun sowohl in rechtsextremen Gruppen als auch in den Kommentarspalten verschiedene Argumentationsmuster vorgeschlagen werden, die das Geschehene anderweitig framen sollen.

Whataboutismen, Ablenkungen & Schweigen: So reagieren AfD und Co auf das Strache Video

Wir brechen das zunächst mal auf den Inhalt des Videos herunter, das bereits im Juli 2017 auf der Partyinsel Ibiza aufgenommen wurde. Übrigens drei Monate vor der Nationalratswahl. Es ist nur eine Spekulation, aber eventuell hätte eine damalige Veröffentlichung einen Vizekanzler HC Strache verhindert. Eventuell sogar die ganze Koalition. Aber wer weiß: Vielleicht wurde das Video auch zurückgehalten, um mal abzuwarten, wie sich das Ganze so entwickelt.



Strache und der Rechtsextremismus

Dass HC nach der Wahl mit dem äußersten rechten Rand gekuschelt hat, wollte er nie zugeben. Mal hat er nur drei Bier bestellt und hat eben nicht den sogenannten Kühnen-Gruß gezeigt, eine „abgeschwächte“ Variante des Hitler-Grußes. Mal wusste er nicht, dass die jungen Burschen an seinem Tisch Mitglieder der rechtsextremen Identitären Bewegung waren. Soweit eine kurze Einordnung von HC.

Was sehen wir auf dem Video? Wir sehen einen locker angezogenen, auf einer Couch lümmelnden HC, einen weiteren jungen Mann (Johann Gudenus) und eine Blondine, die eine russische Oligarchin sein soll. Denken jedenfalls HC und J. Gudenus.

Das Video ist über 6 Stunden lang. Bekannt sind bisher nur einige Ausschnitte, und nein, die können nicht so zusammen geschnitten worden sein, dass HC da blöd wegkommt. Er sagt es selbst und unmissverständlich: Die russische Oligarchin schießt Geld für die Wahlkampfhilfe zu, im Gegenzug erhält sie Aufträge. Sie müsste nur noch ein Unternehmen in Österreich gründen. Die Wahlkampfhilfe erhält natürlich nicht die Partei des HC, die FPÖ, sondern das Geld geht am Rechnungshof vorbei an einen gemeinnützigen Verein.

Warum ist Strache kein „Volksverräter“?

Halten wir fest: HC gibt Aufträge gegen Schwarzgeld an den Russen. Aufträge, die auch an Österreicher gehen könnten, an „sein Volk“. Frage: Ist hier der Begriff „Volksverräter“ angebracht?

Zweite Kernaussage des Videos: Die vermeintliche Oligarchen-Nichte beteiligt sich an der größten Boulevard-Zeitung Österreichs. Der Kronen-Zeitung. Das Ziel: Unliebsame Journalisten entfernen. Wenn ein Staat dermaßen in die Freiheit der Presse eingreift, nennt sich das Gleichschaltung. Man liest es in den Kommentaren häufig, aber: Nein, nur weil Medien gegen die AfD oder FPÖ schreiben bzw. berichten, sind sie nicht staatlich gleichgeschaltet. Zumal ich an Kiosken alle Spektren finde, von ganz links bis ganz rechts.

In der Pressekonferenz von HC gibt es zwei wesentliche Punkte: Zunächst einmal ist der Alkohol Schuld an diesem „dummen Fehler“ gewesen. Diese Argumentationshilfe wird in vielen rechten Gruppen angeboten. Es wird betont, dass er ja auch viel Gutes getan habe, und man so einen Fehler mal verzeihen soll. Verglichen wird auch mit Schwarzgeldkassen von Helmut Kohl oder ergaunerten Doktortiteln. Wenn schon mit Parteispendenaffären verglichen wird, dann bitte mit denen von Meuthen und Weidel. Das, was derzeit in Österreich passiert, ist ein anderes Kaliber!

Cui Bono? Interessant, aber irrelevant

Der zweite Aspekt, der aus der Pressekonferenz nun aber immer mehr in den Fokus rückt: Wer hat denn diese Aufnahmen gemacht? Man hört immer den Namen von Jan Böhmermann, der bereits im April entsprechende Andeutungen gemacht hatte, als er bei der Verleihung des österreichischen TV-Preises Romy die Übernahme der Kronen-Zeitung und auch eine „russische Oligarchenvilla“ auf Ibiza erwähnte. Fraglich ist, ob Böhmermann bereits 2017 daran interessiert war, HC zu Fall zu bringen bzw. ob er überhaupt die Möglichkeiten zur Umsetzung gehabt hätte. Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) kommt da laut jüngsten Berichten schon eher in Betracht:

Aber: Es ist natürlich interessant, wer denn nun konkret dahintersteckt, und es wird auch Stück für Stück aufbereitet werden, zum Beispiel hier beim Spiegel.

Interessanter sind und bleiben allerdings die Aussagen aus dem Video! Dass nun Politiker wie der AfD-Thüringen-Chef Bernd Höcke (und weitere) den Skandal darin sehen, DASS ein Video gemacht wurde, in dem einer aus ihren Reihen die Gleichschaltung einer Zeitung und ein derart staatsfeindliches und korruptes Handeln plant, ist absurd. Die Schuld soll nun bei anderen gesucht werden, wie immer. Bei Böhmermann, dem ZDF, dem ZPS und wer weiß noch wem. Das führt soweit, dass DIESE Akteure nun bedroht werden. Aber wo ist denn eigentlich der „Mut zur Wahrheit“?

Morddrohungen und Täter-Opfer-Umkehr

Screenshot #DieInsider / Das Aufdecken der Wahrheit ist „zehnmal so widerlich“? Absurd!

Screenshots #DieInsider / Morddrohungen gegen Jan Böhmermann – Weil er von der Korruption eines Politikers wusste (und nichts damit getan hat?)

Die Beobachtungen, die #dieinsider seit Monaten machen, werden hier nur bestätigt: Wenn Rechtspopulisten und Rechtsextreme Macht bekommen, dann schrecken sie vor nichts zurück, um ihr Weltbild durchzusetzen. Höcke selbst stellt klar, dasswir leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind“ (S. 257, „Nie zweimal in denselben Fluss“, 2018) Mehr dazu hier.

Weder Jan Böhmermann, noch das ZPS tragen die Schuld an dem, was derzeit in Österreich passiert. Es ist HC Strache selbst. Diese Opfer-Täter-Umkehr ist wahnwitzig und wird sich nicht durchsetzen.

Artikelbild: Alexandros Michailidis, shutterstock.com

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Gebührenfinanzierter Hass? ZDF Heute lässt Gewaltfantasien unmoderiert

Hallo, liebes ZDF heute,

ich bekomme jedes Quartal eine Rechnung über ca. 53,00 Euro.

Zahlungsempfänger sind die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Ich vermute, das Geld dient dazu, eine unabhängige und hochwertige Berichterstattung zu gewährleisten.

Gerade auf Facebook erkennen wir eine zunehmende Enthemmung der Kommentare. Das ist nun wirklich nichts Neues. Der rechtsextreme Terrorist in Christchurch nutzte Facebook zumindest dafür, seiner Tat eine globale Reichweite zu ermöglichen. Wer weiß aber schon, ob er sich da nicht auch in geheimen oder geschlossenen Gruppen zum Teil radikalisiert hat.



Und nun lese ich folgende Kommentare unter einem eurer Artikel

Screenshots facebook.com/zdfheute

Der Artikel handelt davon (Hier), dass Irak anbietet, IS-Anhänger*innen aus Europa (darunter 56 Deutsche), die in Syrien gefangen genommen wurden, den Prozess zu machen:

„Bei vielen Irakern stößt die Idee, IS-Angehörige zurückzuholen und anzuklagen, auf Unterstützung. Deutschland sei viel zu liberal, sagen die Betroffenen des IS-Terrors. In der einst von IS-Kämpfern terrorisierten Provinz Ramadi erwarten viele Menschen die Höchststrafe für angeklagte Dschihadisten. „Die haben sich hier nicht wie Menschen aufgeführt“, sagt etwa Ahmed El Djiburi. „Die einzige Lösung für die kann nur der Tod sein.“

Etwa 800 IS-Angehörige aus Europa sollen derzeit in Syrien gefangen sein, darunter mindestens 56 Deutsche. Der Irak will sie übernehmen und verurteilen, erwartet dafür aber Hilfen.

Gepostet von ZDF heute am Samstag, 30. März 2019

Ich bin sehr für freie Meinungsäußerung.

Ich möchte aber bitte nicht Gewaltphantasien mit meinen Gebühren mitfinanzieren.

Danke.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Kramp-Karrenbauers „Witz“ ist kein Witz, sondern Diskriminierung

Das ist einfach nicht lustig

Eines vorab: Ich liebe schwarzen Humor. Ich bin begeistert von Monty Python. Von Loriot. Ich liebe auch die Eskapaden eines Frank Drebin, Spezialeinheit.

Mir ist auch klar, dass Humor Geschmacksache ist. Was die einen witzig finden, langweilt die anderen. Was die einen als tiefgründig erachten, verstehen die anderen schulterzuckend nicht.

Ich hatte mit Karneval oder Fasching nie was am Hut. Ok, im Kindergarten war ich ein Cowboy oder ein „Indianer“, keine Ahnung. Spaß auf Knopfdruck kann ich nicht so richtig einordnen, aber das muss ich auch nicht. Wenn andere ihren Spaß daran haben und das dabei eine ganze Region lahm legt, dann ist es so. Solange sie sich nicht über Schüler und Schülerinnen aufregen, die für das Klima streiken.



Humor, der nach unten tritt

Aus meiner Beobachtung ging es beim Karneval immer auch darum, den Mächtigen mächtig eins auszuwischen. Über sie zu lachen. Und weil es Karneval ist, lachen die Mächtigen verkniffen mit.

Die, möglicherweise zukünftige Kanzlerkandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer dreht den Spieß nun einfach um. Zitat:

„Guckt euch doch mal die Männer von heute an. Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin, da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette.“

Das ist schon gelesen nicht lustig. Aber das Video dazu ist tatsächlich noch schlimmer.

Halten wir kurz fest: Eine möglicherweise zukünftige Bundeskanzlerin macht einen Witz über Menschen, die in anderen Staaten verfolgt werden. Wie um alles in der Welt sollen nun Betroffene Vertrauen in die Politik gewinnen, wenn sie so vergackeiert werden? Wenn sie ganz offensichtlich nicht ernst genommen oder verstanden werden?

Verstehen wir einfach keinen Spaß?

In den Kommentarspalten liest man nun, dass es Karneval oder Fasching sei und man sich „nicht so haben“ soll. Mh ja, ok. Kann man so sehen. Wenn man nicht drüber nachdenkt, was da passiert ist.

Man kann sich aber auch vor Augen führen, wer sich da über wen lustig macht. Mit welcher Intention überhaupt? Annegret Kramp-Karrenbauer und ihre Partei können sich nicht „unschuldig“ über eine Minderheit lustig machen, die sie im besten Fall durch Nichtbeachtung diskriminieren und allein lassen. Wenn sich Kramp-Karrenbauer – Miss Homophobia 2018 wohlgemerkt (Quelle) – über Trans*personen lustig macht, dann ist das kein harmloser Scherz, sondern kommt von Verachtung und Missverständnis. Das ist nicht lustig.

Mir wurde heute oft gesagt, ich verstehe keinen Spaß. Hallo? Ich lache mich über das „Ministry of silly walks“ scheckig. Über die „Silly Olympics“. „Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein!“ „Tell Tod, äh, toll Ted“. Ich verstehe sehr wohl Spaß, aber das war kein Spaß. Das ist ein Beispiel für tägliche, reale Diskriminierung für zehntausende Menschen. Also bitte.

Nee, nee. Wenn das vollkommen in Ordnung ist und als legitimer Humor durchgeht, was Frau AKK da gemacht hat, dann machen wir keine Gesellschaft besser. Das war nix.

Artikelbild: Foto-berlin.net, shutterstock.com

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#ichbinhier: Online-Redaktionen sind Werkzeug von populistischer Propaganda

Offener Brief von #ichbinhier

Der Verein #ichbinhier hat sich in einem offenen Brief an die Online-Redakteure der reichweitenstärksten Facebookseiten gewandt:

„Eure Kommentarspalten werden mit Desinformationen, Aufrufen zu Gewalt, aufhetzenden Kommentaren, Lügen und Verdrehungen geflutet. Es fehlen Klarstellungen! Vor allem aber fehlen Aufforderungen zur Unterlassung und das Sanktionieren von Beleidigungen und Beschimpfungen. Was soll denn das?“

Seit Jahren beobachtet die Anti-Hatespeech-Gruppe, dass nur wenige Personen durch mehrfache Accounts in den Kommentarspalten den Eindruck einer Mehrheit erzeugen wollen. Große Facebookseiten, die schlecht oder gar nicht moderiert sind, sind gefundenes Fressen für sie. Online-Wahlkampfhelfer verabreden sich auf genau solchen Medien-Seiten, auf denen sie ungestört schreiben, was sie wollen und ihre Botschaften verbreiten können.

Durch Einschüchterung, Trollen, Lügen, Verdrehungen und (Mord-)Drohungen mobben sie so lange die Kommentarspalten, bis ihre Propaganda unwidersprochen an prominentester Stelle platziert ist. Und ein unbedachter Leser findet unter gewöhnlichen Berichten plötzlich verschiedenste Verschwörungstheorien, Fake News oder Verdrehungen der Tatsachen.

Ein besonderes Beispiel ist die Facebook-Seite von ZDF heute: Wir alle bezahlen die Rundfunkgebühr und damit auch den Facebook-Auftritt, die Redakteure und die Aufbereitung des Social-Media-Contents. Und ich sehe es wirklich nicht ein, dass mich Trolle, Fake-Profile und Sockenpuppen von den Seiten einer durch die Allgemeinheit finanzierten Medienanstalt verjagen.



6 Dinge, die man dagegen tun kann

Alex Urban von #Ichbinhier stellt im Brief fest: „Natürlich möchte ich nicht, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird. Probleme müssen selbstverständlich aufgezeigt werden, aber bitte mit Augenmaß. Es geht nicht um „Meinungsdiktatur“. Schon das Wort ist Unfug. Die Meinungsfreiheit wird vielmehr von denen gefährdet, die mit ihren Kampagnen Eure Kommentarspalten dominieren. Ihr überlasst ihnen willig das Feld.“ Deshalb wünscht sich der Verein von den Redaktionen:

1. Weniger Triggerthemen!

Stellt Euch bei der Themenauswahl breiter auf und bedient nicht die Erregungsspirale, die von einer kleinen, lauten Minderheit stetig in Gang gehalten wird, indem Ihr weit überproportional über Zuwanderung, „Ausländerkriminalität“ pp. schreibt.

2. Fakten statt Spekulation!

Berichtet, wenn Fakten da sind, ansonsten beruft Euch auf die Veröffentlichungen der Polizei. Wer über ein aktuelles Ereignis wenig Informationen hat, sollte zurückhaltend berichten und nicht wenige Teilinformationen zu einer großen Geschichte aufblasen. Wir alle müssen uns darum bemühen, Ungewissheit auszuhalten. Das gilt für die Journalisten wie für die Leser gleichermaßen.

3. Verzichtet auf Clickbaiting. Seriöser Journalismus kommt ohne aus.

Bitte kein Clickbaiting durch reißerische und teils irreführende Überschriften und das Provozieren heftiger Emotionen!

4. Geht verantwortungsbewusst mit Eurer Reichweite um!

Und so oder so: Wer die sozialen Medien für Reichweite nutzt, ist auch dafür verantwortlich, was unter den Beiträgen in der Kommentarspalte los ist. Die ersten Kommentare beeinflussen den Deutungsrahmen zu den Inhalten. Eine aufmerksame Moderation ist unerlässlich!

5. Macht Eure Kommentarspalten zum Wohlfühlort für Demokraten!

Eure Leser sollen sich auch in den Kommentarspalten wohlfühlen. Setzt daher Eure Netiquette durch! Macht die Kommentarspalten zu einem Ort, an dem Menschen sich austauschen können, ohne Angst haben zu müssen, beleidigt und angegangen zu werden. Wenn Ihr gut moderiert, schafft ihr Euch eine Community auf, die aus echten Menschen besteht und Euch langfristig unterstützt. Profile, die andere
Nutzer persönlich angreifen, und solche, die sich menschenfeindlich äußern, gehören gesperrt.

6. Steht für journalistische Qualität ein!

Erklärt Eure Standards, immer und immer wieder. Nicht nur, weil wir für gute Debatten auch eine gute Faktenbasis brauchen, sondern damit wir und die Mitglieder Eurer Communities in der Fülle an Informationen die guten von den schlechten trennen können und diesen Maßstab woanders einfordern können.

Das Schlusswort:

Denkt bitte darüber nach, ob Ihr Euch zum Werkzeug von Leuten machen lassen wollt, die unseren Staat kaputt machen wollen. Mit dem immer fortwährenden Schüren von Ängsten und dem Anzweifeln des Rechtsstaats. Und ob Ihr populistische Propaganda bis hin zu Verschwörungstheorien, massiven Desinformationen und Verharmlosungen der Nazizeit auf Euren Seiten haben möchtet.

Artikelbild: Aaron Amat, shutterstock.com

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