Fake-Terror-Karte: So übernehmen die Rechten die Angstmache für Islamisten

Fake-Karte

Nach dem abscheulichen, mutmaßlich terroristischen Anschlag in Strasbourg drehen die sozialen Netzwerke wieder hohl. Wir lesen das übliche Geblubber: „Die Willkommensklatscher sind schuld!“, „Bedankt euch bei der Regierung!“, „Er soll doch in Deutschland Asyl beantragen!“, „Vor 2015 gab es sowas nicht!“, „Die Terroristen tragen in naher Zukunft ein Schild, wo drauf steht #wirsindmehr!“, „Importierte Gewalt!“, und es wird sowieso immer schlimmer werden. Der UN-Migrationspakt und so. Angeblich kommen über 190.000.000 Menschen nach Deutschland. Alles horrender Unsinn.

Man könnte meinen, die Menschen wissen nicht, wohin mit ihrer Wut und brauchen das alles als Ventil. Kann ich verstehen. Ich befürchte aber, das ist zu einfach. Denn viele glauben tatsächlich, dass die Bundesregierung oder Angela Merkel oder George Soros oder alle zusammen den Untergang von Deutschland bzw. Europa planen. „Alles so gewollt“, liest man dann oft.



Angebliche „Terror-Karte des IS“ ist Quatsch

Die Recherchegruppe #dieinsider stieß in den letzten Tagen immer wieder auf eine angebliche „Terror-Karte des IS“ aus dem Jahr 2009 (!), die schon 2015 von Mimikama als „Altpapier des Kopp-Verlages“ enttarnt wurde.

Die Terror-Karte des IS für Deutschland – Altpapier des Kopp-Verlages

Allerdings wird sie immer noch in verschiedenen Facebook-Gruppen mit der Behauptung geteilt, der US-Geheimdienst CIA warne vor einem bevorstehenden Bürgerkrieg. Laut den Recherchen von CORRECTIV liegen jedenfalls keine Warnungen der CIA vor. Stand August 2018. Wer weiß schon, ob das heute noch gilt. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Ironie off.

Deutschen Sicherheitsbehörden ist keine CIA-Warnung vor Bürgerkrieg bekannt

Eine Frage, die mir irgendwie noch niemand beantworten konnte, der von einem gewollten Bürgerkrieg schwadronierte, lautet:

Wozu einen „Bürgerkrieg“ überhaupt?

Nur, weil Frau Merkel keine Kinder hat und nach Südamerika abhaut, wird sie doch nicht wollen, dass Europa in Flammen steht? Da würde ihr und dem ganzen Rest der Elite auch keine Villa Schutz bieten. Liest man ja auch immer wieder. Aber im Ernst: Bei all dem, was sich zur Zeit abspielt, dürfen wir aber eines nicht vergessen, und das teile ich bei jeder Gelegenheit:

„Die sechste Phase, beginnend 2016, sieht die „totale Konfrontation“ vor, schließt Hussein aus dem, was ihm zugetragen wurde. Unmittelbar nach Ausrufung des Kalifats werde die „islamische Armee“ die von Osama Bin Laden oft vorhergesagte „Schlacht zwischen Glauben und Unglauben“ anzetteln.“

Ich zitiere da aus einem Spiegel-Artikel über den jordanischen Journalisten Fuad Hussein, der Vordenker und Strategen der Islamisten nach ihrer langfristigen Planung befragt hat. (Hier)

Rechte helfen fleißig bei der Radikalisierungs-Spirale

Der Artikel ist aus 2005! Und ich erinnere mich, als ich den damals las, schüttelte ich lächelnd den Kopf und dachte: „Ts, Spinner!“

Ich habe mich geirrt. Nadelstichartige und gezielte Terroranschläge (Nizza, Brüssel, Paris, Berlin, London, mutmaßlich Strasbourg) säen Zwietracht und Misstrauen. Rechtspopulisten, -radikale und -extreme und Neo-Nazis springen dankbar auf den Zug auf, verstärken Zwietracht und Misstrauen. Die folgende Ausgrenzung hilft den extremistisch motivierten Rattenfängern. Und junge Menschen radikalisieren sich. Ein Teufelskreis, den die Brüder im Geiste wechselseitig befeuern. Das Dramatische ist, dass mittlerweile selbst einige Teile aus der Mitte unserer Gesellschaft dazu beitragen.

Wie kommen wir da raus? Any ideas?

Artikelbild: Alex E. Proimos, Flickr,  (CC BY 2.0), changes were made, Screenshot facebook.com

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„Mitten ins Gesicht schlagen“: Offener Brief von #ichbinhier an Anabel Schunke

Sehr geehrte Frau Schunke,

ich antworte Ihnen mal auf diesem Wege, da ich auf Ihrer Facebook-Seite seit Monaten blockiert bin, obwohl ich dort noch nie kommentiert oder irgendetwas gelikt habe.

Screenshot

Das muss man sich mal vorstellen: Sie wollen „irgendwann […] so einem aus der #ichbinhier-Fraktion mitten ins Gesicht“ schlagen und beklagen einen kurzen Absatz später, dass „die Priorität dieser Leute“ sei, „den Hass nicht gewinnen“ zu lassen. Und entlassen Ihre Follower damit in den Abend, ihnen mitzuteilen, wie wütend Sie seien. Das greifen Ihre Follower auf, die dann auch wütend sind.

Von Ihnen unkommentiert träumen dann einige davon, wieder züchtigen zu dürfen, konsequenter zu werden (was immer das auch heißt) oder im Wilden Westen zu leben (was immer daraus nun wieder folgen soll). Andere wünschen einen Emoji mit „durchgeladener Pumpgun“ oder bescheinigen den fast 46.000 Mitgliedern von #ichbinhier „krank zu sein“.

„Ich hasse [sic!] jede Art von Gewalt, dennoch [sic!] wünsche [sic!] ich mir immer öfters [sic!], dass diese Leute die Nächsten sind!“



Frau Schunke, mal ehrlich: Was sollen denn solche Kommentare?

Sie meinen, dass ein #ichbinhier-Kommentar, wie der oben zitierte, „Jaja, […] den Familien, die um ihre Angehörigen trauern, sicher helfen“ wird. Sie implizieren damit, zu wissen, was Angehörige fühlen oder wie deren Haltung ist. Was sagen Sie dann dazu:

 

Screenshot sz.de

oder zu diesem Statement:

Screenshot www.badische-zeitung.de

Sie haben nicht das alleinige Recht darauf gepachtet, berechtigt Kritik zu üben

Ich möchte einmal höflich darauf hinweisen: Sie haben nicht das alleinige Recht darauf gepachtet, berechtigt Kritik zu üben. Auch viele Mitglieder von #ichbinhier kritisieren. Und alle Mitglieder trauern um die Opfer, verabscheuen solche Taten und sind schockiert. Berechtigte Kritik ist aber differenziert und nicht einseitig.

Nicht „der Islam“ ist Schuld an den Verbrechen, sondern die Typen, die solche Verbrechen begehen. Ich bin mir nicht sicher, ob Ihnen bewusst ist, was eine Vorverurteilung und Pauschalisierung für Folgen haben kann. Ich sehe aber Tag für Tag diese Folgen in den Facebook-Kommentarspalten. Stereotype, Sippenhaft und rassistische Bewertungen. Und ich sehe auch, was solche Posts wie Ihrer bewirken. Einige Beispiele habe ich ja oben angeführt.

Wenn ich Ihren Post mal im Umkehrschluss betrachte:

Hass soll also gewinnen können. Was folgt daraus?

Und wie hilft das den Familien?

Wir können echt über Vieles reden und diskutieren: Asylrecht, Strafrecht, die Integration, politische Strömungen innerhalb des Islam, Religionen im Allgemeinen, kulturelle Identität. Aber erstens müsste ich dann nicht mehr blockiert sein, zweitens müssten Sie Ihren Followern den Schaum vom Mund wischen und drittens auch mal einen anderen Standpunkt zulassen. Wozu führt denn der Hass gegen und die Ausgrenzung von z.B. Muslimen?

Vermutlich zu einer gesteigerten Gefahr der Radikalisierung. Wie kann man dem vorbeugen? Nicht ausgrenzen. Zumindest kann man das Risiko minimieren. Mir ist klar, dass Sie die Meinung vertreten, dass diese Menschen aus dem anderen Kulturbereich nicht willig seien, sich zu integrieren. Millionen Gegenbeispiele. Allein in Deutschland.

Aber um auf das Thema zurückzukommen: Nein, #ichbinhier wird nicht von Frau Merkel zum Essen eingeladen, nicht von der Regierung unterstützt (das bestätigt sogar eine kleine Anfrage der AfD).

Es werden intern auch keinerlei inhaltliche Vorgaben gemacht. Wenn das so wäre, gäbe es längst entlarvende Screenshots unserer Maulwürfe.

Alle Menschen haben Angst vor Terror

Eventuell sollten Sie mal ein Schritt zurücktreten, mal eine andere Perspektive einnehmen, um zu erkennen, dass ALLE Menschen Angst vor Terror haben, dass alle Menschen Täter verabscheuen und der Opfer gedenken.

Sie sind doch immer auf der Suche nach der Wahrheit bzw. Sie und Ihre Follower werfen anderen vor, die Realität nicht zu kennen. Ich weiß jetzt nicht, was Sie so von Gandhi halten, aber:

„Bei der Anwendung von Gewaltfreiheit entdeckte ich schon sehr früh, dass die Wahrheitssuche es nicht erlaubt, dem Gegner Gewalt anzutun. Er muss vielmehr durch Geduld und Mitgefühl von seinem Irrtum abgebracht werden.“

In diesem Sinne, beste Grüße,

Alex Urban von #ichbinhier

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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„Ja zu weißen Männern“: So genial wird der AfD-Adventskalender parodiert

Es ist Weihnachtszeit

…und damit niemand das Fest der Liebe verpasst, wurde der Adventskalender eingeführt. Die AfD nutzt die Gelegenheit und weist auf eine „grassierende Diskriminierung“ hin. Das Opfer: Der weiße Mann. Der Berliner AfD-Funktionär Georg Pazderski erkennt „Forderungen, die auf eine bewusste Benachteiligung von weißen Männern im Wettbewerb um Arbeitsplätze, Karrierechancen, öffentliche Auftritte oder staatliche Zuwendungen hinauslaufen“.

Der Hashtag „JaZuWeißenMännern“ begleitet nun also die Vorstellung von 24 weißen Männern. Die „unser Land, unsere Zivilisation und die Entwicklung der Welt entscheidend geprägt haben“. Dass da ein Mann mit einem syrischen Vater (Steve Jobs) zu den „weißen Männern“ gezählt wird, war sicher nur ein Recherchefehler. Ob Bertolt Brecht und die vielen anderen in dem Kalender hofierten Männer diese Initiative unterstützen würden, bleibt fraglich. Leider können sie sich nicht mehr wehren. Einzig Sarrazin dürfte dem Anliegen bedingungslos zustimmen.

Antifaschist & Migrantensohn: Den peinlichsten Adventskalender hat die AfD



Die andere Seite der weißen Männer

Nun gibt es aber noch andere weiße Männer, und da hat die Stay behind Foundation mal 24 Süßigkeiten hinter die Türchen gesetzt. Darunter Politiker der AfD, Rechtsextreme und (Neo-)Nazis.

JA ZU WEISSEN MÄNNERN!So schallt es aus der besinnlichen Weihnachtsstube der AfD-Fraktion Abgeordnetenhaus Berlin. "…

Gepostet von Stay Behind Foundation am Sonntag, 9. Dezember 2018

Die 24 Herren stehen nicht in der Gefahr, diskriminiert zu werden. Wenn man sich ihre kurzen Biografien bzw. Beschreibungen mal durchliest, könnte durchaus der Eindruck entstehen, dass sie selbst ganz gerne andere Menschen und/oder Menschengruppen auf Grund von Hautfarbe, Religion oder Herkunft diskriminieren würden.

Auch, wenn ihre Anhänger es bestreiten oder als „Ethnopluralismus“ oder ähnliche Umschreibungen abtun: Es ist Rassismus. Und ganz offen wird auch der Bürgerkrieg nicht unbedingt als Mittel der Wahl ausgeschlossen. Im Gegenteil. Fraglich bleibt, wer den Zündlern zuerst auf den Leim geht und aus „Notwehr“ irgendeine Initiative ergreift.

Die meisten dieser weißen Männer haben tausende Follower. Ob das nun alles echte Menschen oder Mehrfach-Accounts sind, lässt sich nicht sagen. Es ist aber eine Tatsache, dass sich Menschen gruppendynamisch nicht immer kontrollieren lassen. Dieses Aufhetzen geht irgendwann schief. Gründlich. Viel „Spaß“ mit dem Kalender.

Artikelbild: Screenshot hogesatzbau.de

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AfDler beschwerte sich echt wegen „Afrikaner“ in Rügenwalder-Spot: Rücktritt!

Blanker Rassismus

Nun sitzt da also ein „Afrikaner“ in „fröhlicher Genießerrunde“ und isst unsere Wurst. Was der sich erlaubt. Und so gut integriert. Was sich die Rügenwalder Mühle erlaubt. Das stößt dem Pressesprecher des AfD-Kreisverbandes Landkreis Leipzig Horst Juhlemann bitter auf. Er schreibt dem Unternehmen eine Mail.

Und fragt darin: „Produzieren Sie bereits ausreichend HALAL-Produkte für unsere Muslime?“ Er fragt weiterhin, ob die Bundesregierung den Werbespot in Auftrag gegeben hat. Und ob George Soros, ein amerikanischer Milliardär jüdischer Herkunft und modernes Ziel antisemitischer Verschwörungen, seine finanziellen Finger im Spiel hatte.



Halbherzige Entschuldigung der AfD

Der Verband in Leipzig zeigt sich halbherzig entsetzt: Kreisverbandschef Edgar Naujok wusste von der Mail, „habe sie aber nicht gelesen. Meine Priorität liegt auf dem Parteitag am Wochenende und den Wahlen im nächsten Jahr. Nicht unbedingt darauf, was Herr Juhlemann verzapft.“ Herr Juhlemann lehnt übrigens den Austritt aus der Partei ab.

Ein Mann mittleren Alters. Ich frage mich dann immer, wie kommen solche Menschen zu solchen Posten? Sind es Opportunisten, die immer schon etwas gegen „den Afrikaner“ hatten? Und nun in einer noch recht jungen, rechtsdrehenden Partei schnell an Einfluss gewinnen, einfach, weil zu wenig Personal da war? Oder ist das Gedankengut sozusagen system- bzw. parteiimmanent?

Der Bundestagsabgeordnete Lars Herrmann kritisiert allerdings scharf: „Es ist höchst unprofessionell und untragbar. Für den Kreisverband und die AfD insgesamt ist es sehr unangenehm, wie die Partei durch derartige und andere öffentliche Entgleisungen auffällt.“ Inzwischen zog der Verband auch Konsequenzen, Juhlemann musste von seinem Posten zurücktreten. Also, warum denn nun diese Distanzierung von Juhlemann?

AfD hat Angst, vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden

Hat es unter Umständen etwas damit zu tun, dass man jede Auffälligkeit vermeiden möchte, die dazu führen könnte vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden? In letzter Zeit treten viele AfD-Politiker aus der Partei aus. Zuviel Rechtsruck. Man könnte nun dagegenhalten, dass dieser Rechtsruck über Monate zu beobachten ist. Aber immerhin ziehen nun manche die Konsequenzen daraus und legen den Kern der Partei weiter frei.

Etliche (ehemalige) Neonazis arbeiten immer noch für Bundestagsabgeordnete, interne Chats von Politikern, Kommentare in Facebook-Gruppen belegen, dass das Gedankengut Juhlemanns kein Einzelfall sind. Die Rügenwalder Mühle reagiert großartig auf all das:

Moin zusammen,vielleicht habt ihr es bereits auf unseren Social-Media-Kanälen gesehen oder in den Medien verfolgt, dass…

Gepostet von Rügenwalder Mühle am Freitag, 7. Dezember 2018

„Diese Mail hat uns zutiefst empört. Wir, die Rügenwalder Mühle, sind seit 184 Jahren ein Familienunternehmen und wir werben seit mehreren Jahren mit unseren Mitarbeitern. Da bei uns Menschen mit knapp 20 verschiedenen Nationalitäten arbeiten, ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir dies auch in unserer Werbung genauso darstellen.“

Der „Afrikaner“ ist übrigens Deutscher.

Artikelbild: Screenshot Youtube

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Freiburg: So versuchen Rechte Andersdenkende mit Lügen mundtot zu machen

Fake & Hetze nach Freiburg

In der letzten Woche berichteten wir über den Freiburger Stadtrat Sebastian Müller, der zu einer Kundgebung „gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen und gegen die Instrumentalisierung des Opfers“ aufrief. Es folgte ein Shitstorm, dem er nicht mit Herr wurde bzw. alleine nicht Herr werden konnte.
In seinem Blog (Hier) bereitet er die Ereignisse noch einmal chronologisch auf:

Es wird deutlich, dass Facebook eben nicht nur eine Ansammlung von Menschen ist, die einfach ihre Meinung schreiben. Aber der Reihe nach.



Chronologie der Ereignisse

Am Sonntag, den 14.10.2018, wird ein Mädchen in Freiburg das Opfer einer scheußlichen Gruppenvergewaltigung. Am Mittwoch (17.10.2018) veröffentlicht die Polizei eine Pressemitteilung (PM). Die zweite PM vom 26.10.2018 (15:04 Uhr) enthält dann Angaben zu den Nationalitäten der Tatverdächtigen: Sieben Syrer, ein Deutscher. Bereits um 17:33 Uhr und dann um 20:42 Uhr ruft die AfD zu einer Demonstration auf.

Tenor: „Es kann nicht sein, dass Menschen in unser Land kommen und dieses Land, seine gutmütige Gastfreundschaft und seine Mädchen missbrauchen. Wir müssen uns wehren!“ Der AfD-Politiker Stefan Räpple spricht in seinem Aufruf von „sieben polizeibekannten Syrern“. Und: „Wir haben euch gewarnt! Nazis habt ihr geschrien! Am Bahnhof habt ihr geklatscht!“ Den deutschen Tatverdächtigen verschweigt er. Und mal unter uns: Diese Häme ist einfach nervig!

Fokus nur auf die (nicht-deutschen) Täter

Die Wortwahl und die auf die Nationalität abzielende Empörung sollen die Wut letztlich gezielt in eine Richtung lenken. Das Opfer tritt dabei schon in den Hintergrund. Sebastian Müller hat da schlicht keine Lust und formuliert um 22:07 Uhr einen Aufruf, der sich explizit gegen sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen richtet. Sicher, es war eine Reaktion auf die Instrumentalisierung der Tat, allerdings ist nicht zu erkennen, dass die Demonstration gegen die AfD oder gegen Rechts gerichtet ist.

Freiburg: Rechte lügen über Demo-Aufruf eines Grünen-Politikers

Im Grunde wäre es sogar möglich gewesen, dass Anhänger und Politiker der Partei diesem Aufruf folgen. Machen sie aber nicht. Warum? Weil sie dann eines ihrer Feindbilder aufgeben müssten: Den „bösen Ausländer!“

Folgerichtig reagiert der Chefredakteur der Jungen Freiheit sowie der Blog philosophia-perennis am darauffolgenden Samstagvormittag (27.10.2018) und verdrehen den Aufruf derart: „Nach Gruppenvergewaltigung von Freiburg: Grünenpolitiker ruft zu Demo gegen Rechts auf!“, und erläutern: „Bei den Tätern handelt es sich allerdings nicht um Rechte oder AfD-Politiker, wie man aufgrund der Aktion Müllers annehmen sollte, sondern um größtenteils polizeibekannte Asylbewerber, v.a. aus Syrien.“

Weiterhin wird dort unterstellt, Müller sei „weniger über die Tat [entsetzt], sondern darüber, dass die Menschen nun endlich Konsequenzen in der Flüchtlingspolitik fordern, um weitere solcher Fälle zu verhindern.“ Damit nicht genug, auch der Austragungsort „Platz der Alten Synagoge“ sei unsensibel gewählt, „gehören doch die Juden – neben Homo- und Transsexuellen, Frauen und Ex- Muslimen – zu den Opfergruppen, die unter der mit der Immigration untrennbar verbundenen Islamisierung unseres Landes am meisten leiden.“

Nun wird es zynisch

Die Redaktion des Blogs merkt an, „Müller kommt derzeit mit dem Löschen unliebsamer Kommentare auf Facebook nicht mehr hinterher. Wir haben hier seinen Aufruf verlinkt, um unseren Text nachprüfbar zu gestalten u. bitten beim Kommentieren höflich zu bleiben!“

Man muss wissen, dass der genannte Blog eine beachtliche Reichweite hat und häufig in entsprechenden Gruppen geteilt wird. Die Verlinkung auf die Seite von Sebastian Müller, verbunden mit der indirekten Aufforderung zu kommentieren, hat dann zu dem geführt, was kommen musste: Shitstorm. Und die üblichen Gewaltphantasien ließen auch nicht lange auf sich warten. Einige Beispiele finden sich im verlinkten Blog von Müller.

Lügen säen, Hass ernten

Es ist erschreckend zu sehen, was für eine Eigendynamik aus solchen geteilten, verdrehten Beiträgen entsteht. Es ist erschreckend, wie sich hunderte Kommentare auf einen Menschen stürzen. Ihn verdrängen, beschimpfen und letztlich zur Aufgabe zwingen wollen. Sawsan Chebli kann davon auch ein Lied singen.

Rechte „empört“, weil Chebli eine Rolex trägt, das Netz schlägt zurück

Jeder, der diese Dynamik immer noch als ein Online-Problem abtut, unterschätzt die möglichen Auswirkungen. Feindbilder dienen dazu, „Notwehr“ zu legitimieren. Das Land vor „Invasionen“, „unsere Frauen und Kinder“ vor dem „bösen triebgesteuerten Araber“ (sic) zu schützen.

Wenn sie konsequent gewesen wären, dann hätten sich die Kommentatoren, Blogger und Politiker dem Aufruf von Sebastian Müller angeschlossen, anstatt heuchlerisch und grinsend, mit Daumen nach oben, zur eigenen Demonstration zu fahren:

So feiern Rechte die Gruppenvergewaltigung in Freiburg – Euer Ernst?

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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Freiburg: Rechte lügen über Demo-Aufruf eines Grünen-Politikers

Wieder Rechte Fake News

„Der Sinn von Politik ist Freiheit“ (Hannah Arendt) ist das Lieblingszitat des Freiburger Stadtrates Sebastian Müller (Junges Freiburg/Die Grünen), sagt seine Facebook-Seite. Der wiederum ruft genau dort zu einer Demonstration am Montag mit den Worten auf:

„Ich bin es leid, dass in Freiburg und anderswo immer wieder Gruppen versuchen unsere Trauer und unser Entsetzen über schreckliche Verbrechen politisch auszuschlachten. Meine Gedanken und Mitgefühl sind mit dem Opfer. Deshalb rufe ich auf am Montag gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen und gegen die Instrumentalisierung des Opfers zu demonstrieren.“



Lügen der Rechten:

Rechte Blogs und vor allem eine Vielzahl von Facebook-Gruppen machen daraus folgendes: „Grünenpolitiker ruft zur Demo gegen de AfD auf.“ Wahlweise wird behauptet, er rufe zu einer „Demo gegen Rechts auf“. Nicht verwunderlich ist daher die Masse an Kommentaren (mit entsprechend vielen Likes), die ihm vorwerfen, ein „Einzeller“ oder „unterbelichtet“ zu sein.

Ein weiterer Vorwurf lautet, er positioniert sich gegen Rechts und nicht gegen die „Messermigranten“. Das alles gerne mal verbunden mit Vergewaltigungswünschen, gerichtet an Kommentatorinnen. Ich habe das Zitat mehrmals gelesen. Ich finde da keinen Hinweis, dass die Demonstration, explizit „gegen Rechts“ oder die „gegen AfD“ gerichtet ist. Die Demonstrationsaufruf richtet sich an all jene, die sexuelle Gewalt gegen Frauen verurteilen.

Der Nachsatz sollte eigentlich ebenfalls Konsens sein:

Man instrumentalisiert so etwas nicht einseitig, um weiter Wut gegen eine Menschengruppe zu schüren. Ich beobachte solcherlei nicht in diesem Ausmaß, wenn Tatverdächtige weiß sind. Selbstverständlich sollte es sein, dass sich die Gesellschaft mit dem Opfer solidarisiert und den Rechtsstaat seine Arbeit machen lässt. Die Gesellschaft darf sich über verurteilte Täter empören, das muss sie sogar.

Es ist aber auch die Aufgabe der Gesellschaft, keine Sippenhaft oder pauschalisierenden Vorurteile gegenüber Menschengruppen zuzulassen. Was auf der Facebook-Seite von Sebastian Müller passierte, war ebenso beschämend wie der Mechanismus, der sich nach solchen Taten in Gang setzt, und der letztlich dazu führen kann, dass tatsächlich Freiheiten in Gefahr geraten.

Artikelbild: Screenshot facebook.com

So treffend rechnet Dunja Hayali mit den Freiburg-Hetzern ab

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Facebook sieht kein Problem an einer „Kopftuchverbrennung“ am 9. November

Hallo Facebook,

der 09. November war immer schon ein ereignisreicher Tag: Neben dem Fall der Mauer (1989) beginnt im Jahr 1330 die Schlacht bei Posada. Außerdem flieht der böhmische König Friedrich I. 1620 nach Breslau. 1918 beginnt die Novemberrevolution und 1729 wird der Krieg zwischen Spanien und England beendet. Weil dieser 09.11. immer so ereignisreich war, ist euch eventuell der 09.11.1938 durch die Lappen gegangen. Die Pogromnacht.

Kurz zusammenfasst: Im gesamten Deutschen Reich beginnt die Jagd auf Juden. Sie werden inhaftiert, in Konzentrationslager verschleppt, ermordet, in den Selbstmord getrieben. Ihr Eigentum wird verbrannt. Kurzum: Es war der Beginn, Deutschland „judenfrei“ zu machen. Nun finde ich zufällig eine Veranstaltung, auf Facebook, die am 09.11.2018 zur „Kopftuchverbrennung“ aufruft. Bundesweit.



Facebook löscht nach 20 stunden

Kaum Zusagen, immerhin. Aber gemeldet haben einige Facebook-Nutzer diese Veranstaltung trotzdem. Es ist zu offensichtlich, was mit diesem „Event“ gemeint ist. Eine religiöse Gruppe soll wieder mal gejagt werden. Das Kopftuch steht genau dafür symbolisch, falls noch immer jemand auf dem Schlauch steht. Und Facebook sagt: Die Veranstaltung verstößt nicht gegen die Gemeinschaftsstandards. Ich weiß nun nicht, wer das da genau geprüft hat, mehrfach, aber man muss wirklich fragen: Was soll das?!

Edit: Facebook hat reagiert und nun die Veranstaltung endlich gelöscht. Diese und weitere Erfahrungen hinsichtlich der Facebook-Gemeinschaftsstandards machen deutlich, wie sehr auch Facebook lernen muss, mit der sich ändernden Sprache umzugehen. Ich weiß aber auch, dass dort sehr gute Menschen arbeiten, die daran interessiert sind, etwas zum Positiven zu verändern.    

Artikelbild: Screenshot facebook.com

Facebook löscht Post über rassistischen Vorfall und sperrt das Opfer

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Pegida auf Demo über Moscheen: „Abreißen! Abreißen!“ – Merkt ihr noch was?

In Dresden gibt es gerade mal 3 Moscheen

Wie viele Moscheen gibt es wohl in Deutschland? Kurz recherchiert: Neben 24.500 Katholischen und 21.100 Evangelischen Kirchen gibt es ca. 2.660 sogenannte nicht klassische Moscheen und ca. 150 klassische Moscheen, die dann auch eine Kuppel oder ein Minarett haben. Die meisten Moscheen sind Räumlichkeiten, die umfunktioniert wurden.



(Quelle: statista.com)

Der Anteil von Muslimen an der Gesamtbevölkerung Sachsens beträgt ungefähr irgendwas zwischen 0,5 und 1%. Dresden hat übrigens gerade mal drei Moscheen, die islamische Gemeinde in Dresden gibt es seit den 1980er Jahren. Da hatte noch niemand protestiert. Durfte man wahrscheinlich nicht.

Brüder im Geiste – Pegida und IS

Ausschnitt aus der Rede von Wolfgang Taufkirch am 21.10.2018 bei Pegida in Dresden. Man möchte Moscheen abreißen. So sieht man gut, wie gleich sich in einigen Dingen der IS und Pegida sind. Islamisten wollen Kirchen niederreißen, Pegida möchte Moscheen abreißen und der Mob brüllt es dann auch. #nonazis #noafd #nopegida

Gepostet von Frank Stollberg am Dienstag, 23. Oktober 2018

Da aber Zahlen nunmehr kaum eine Rolle spielen, tönt der PEGIDA-Redner Wolfgang Taufkirch, dass man zunächst die „Koran-gläubigen Islamfanatiker aus dem Land schmeißen“ möchte und den Rest versucht, „einigermaßen in unsere Gesellschaft einzugliedern“. Was Herr Taufkirch dann unter „eingliedern“ versteht, erklärt er im Anschluss: „Man kann Moscheen nicht nur bauen, man kann sie auch wieder abreißen!“ Dann hätten sie (also die Spaziergänger) gewonnen.

Pegida auf Demo: „Absaufen! Absaufen!“ – Habt ihr sie noch alle?

Es scheint so, als stünden da die gleichen Menschen, die „Absaufen! Absaufen!“ skandierten, und so schallt es gleichklingend erst unsicher, dann immer lauter aus hunderten (wieviel Teilnehmer hat PEGIDA überhaupt noch?!) Kehlen in leicht sächsischem Akzent:

„Abreißen! Abreißen! Abreißen!“

Verfassungswidrige Doppelmoral

Neben dem verlassenen Boden des Grundgesetzes (beispielhaft mal Artikel 4: oder Artikel 2) springt mir eine gewisse Doppelmoral entgegen. Einerseits kritisieren sie zurecht, dass Kirchen in einigen vom Islam geprägten Staaten nicht so gerne gesehen sind. Aber andererseits plärren sie dann mitten in der „Kunst- und Kulturstadt von Weltrang“ (so Wikipedia), ein zentrales Element des Islam in Schutt und Asche legen zu wollen. Wollen sie dann nicht genau das gleiche machen? Sind das dann nicht Brüder im Geiste? Müsste man sie mal fragen.

Diese 6 Punkte beweisen, dass die AfD islamistisch ist

Ich weiß, die PEGIDA-Menschen haben Angst und man soll ihre Sorgen ernst nehmen. Sie fürchten die Islamisierung und den Moslem. Und sie werden sagen, wir sollen doch mal ins Ruhrgebiet gucken. Und sie wollen diese Zustände nicht in ihrer Heimat und ihre Identität ist in Gefahr. Und so weiter. In Deutschland leben derzeit ca. 5 bis 6 Millionen Muslime. Die „gefühlte“ Anzahl liegt ca. viermal so hoch.

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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Das ist Alltag: So widerlich und schamlos hetzen Rechtsextreme in Social Media

Wo soll das alles enden?

Wir alle können froh sein, dass es die Blickwinkelkanone aus Douglas Adams´ „Per Anhalter durch die Galaxis“ nicht gibt, oder? Denn ansonsten, wären wir stellenweise ziemlich verloren, überträgt sie doch die Gefühle des Abfeuernden auf den Getroffenen.

Der Grünen-Politiker Wolfgang Wetzel aus der Region Zwickau hatte eine ganz schöne Idee: Er bestellte für sich und seinen Lebensgefährten jeweils eine Kippa in London. Sie wollen am 09. November die Zwickauer „Stolpersteine“ putzen, die der zwischen 1933 und 1945 ermordeten Jüdinnen und Juden gedenken.

„Wir müssen das Wissen um die Geschichte wach halten. Antisemitismus gibt es heute auch noch, bis in die Mitte der Gesellschaft. Egal ob völkisch-rassistisch motiviert oder wegen falsch verstandener Religion: Man muss sich dagegenstellen.“

Heute hat die Post unsere neuen Kippas – Bestellung aus England – gebracht. Wir sind beide keine Juden und wollen diese…

Gepostet von Wolfgang Wetzel am Mittwoch, 17. Oktober 2018



Ein Blick ins „Hetzer-Facebook“:

Was dann im russischen Pendant zu Facebook, „vk.com“, zu lesen ist, ist nichts anderes als judenfeindlich, schwulen- und menschenverachtend. Ich habe keine Ahnung, was sich Menschen dabei denken, solche Posts und vor allem solche Kommentare zu schreiben. Das russische „Facebook“ hat übrigens über 100 Millionen Nutzer. Es lässt sich nur erahnen, wie es dort um sowas wie Gemeinschaftsstandards, geschlossene und/oder geheime Gruppen bestellt ist, wenn wir sehen, was dort alles stehen bleiben darf.

(Man muss glaube ich nicht extra dazu sagen, dass das nicht stimmt)

Und diese Posts stehen seit Tagen online. Zugegeben: Die genannten Beispiele sind sicher Extrembeispiele und nicht unbedingt repräsentativ für den vorpolitischen, öffentlichen Raum bei Facebook. Allerdings wissen wir nicht, was sich in geheimen Gruppen abspielt. Ich wette dort gibt es ähnliche Postings.

Wollen wir uns tatsächlich die Gesellschaft ständig und immer weiter vergiften lassen?

Was gibt erstens Menschen das Recht, sich so abwertend über andere Menschen zu äußern? Aber vielmehr zweitens: Warum das alles? Was für eine Befriedigung erlangen sie, sich über homosexuelle Männer lustig zu machen, die an ermordete Jüdinnen und Juden erinnern wollen? Was ist daran überhaupt lustig? Und was haben diese Männer diesen Menschen überhaupt getan?

Ich habe heute gehört, dass es sowas früher an Stammtischen immer schon gab. Das Internet richte nun aber den Scheinwerfer auf solcherlei Ergüsse. Mh. Mag sein. Auf der anderen Seite gab es aber früher nicht die Angst im Bekanntenkreis, dass „unsere Kinder später mal ein Kopftuch tragen müssen“. (Quatsch!) Dieser Sprech ist also in unseren Alltag eingezogen, und er trägt bereits dazu bei, unsere Gesellschaft zu vergiften.

Insofern kann man fast sagen, dass die Blickwinkelkanone dann doch existiert: Auch, wenn die Auswirkungen von sogenannten Echokammern umstritten sind, so bin ich der festen Überzeugung, dass man sich dort aufschaukelt, bestätigt, aufwiegelt, und das nur mit dem Ziel, aus einer kleinen Minderheit heraus, einer ganzen Gesellschaft zu schaden. Und darauf habe ich echt keine Lust.

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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Zentralrat der Juden distanziert sich von AfD – wird Opfer von rechtem Shitstorm

Der Zentralrat der Juden veröffentlicht eine gemeinsame Erklärung verschiedener jüdischer Verbände und Organisationen.

Gemeinsame Erklärung gegen die AfD!AfD – keine Alternative für Juden!Die AfD versucht seit geraumer Zeit, mit ihrer…

Gepostet von Zentralrat der Juden in Deutschland am Donnerstag, 4. Oktober 2018

Darin rufen sie alle demokratischen Kräfte innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft auf, sich offen und sichtbar gegen jede Form von antidemokratischem, antisemitischem, rassistischem und völkischem Gedankengut zu engagieren.

Konkret beziehen sich die Ersteller dieser Erklärung auf die gegründete Vereinigung „Juden in der AfD“, und stellen fest: „Nein, die AfD ist keine Partei für Juden!“



Es folgte ein riesiger Shitstorm

Die Kommentator*innen echauffieren sich darüber, wie sich der Zentralrat gegen eine Partei stellen kann, die sich angeblich schon immer für die Juden und gegen Antisemitismus eingesetzt hat. Das führt sogar soweit, dass sich die AfD-Fans als „neue Juden“ sehen, die bald einen „blauen Stern tragen müssen.“

AfD fühlt sich „diskriminiert“ und hält sich für „die neuen Juden“ – Dass ich nicht lache!


Für die Neuen Rechten sind Juden nur ein Mittel zum Zweck

Die Rechtspopulisten oder die Neuen Rechten betonen schon seit langem, dass sie an der Seite von Israel stehen. Der Grund ist eigentlich ganz einfach: Die Juden sind Mittel zum Zweck!

Die Vordenker der Neuen Rechten haben sich bereits vor vielen Jahren eine Strategie überlegt, wie man ein neues Feindbild kreieren kann, ohne dabei sehr die nationalsozialistische Geschichte von Deutschland in den Köpfen der Menschen zu triggern. Was liegt da nahe? Der Schutz der Juden! Wer mag Juden nicht so? „Der Moslem“!

Und schon entsteht das Narrativ vom „massenhaft importierten Antisemitismus“. Juden müssen von uns vor dem Islam geschützt werden. Praktischerweise können wir so auch gleich noch Europa vor dem Islam schützen.

Die vielen antisemitischen Aussetzer der AfD

Gleichzeitig allerdings gibt es in der AfD und bei den Verbündeten der Neuen Rechten immer wieder antisemitische Aussetzer zu beklagen. Herr Gauland verharmlost die Zeit des Holocaustes und reduziert die industrielle Tötung von Menschen auf lediglich eine Zeitdauer von 12 Jahren. Auf einem Zeitstrahl ist das tatsächlich nicht viel. Bewertet man diesen Zeitstrahl aber, etwa mit „Toten pro Jahr“, dann erscheinen diese 12 Jahre in einem ganz anderen Licht. Das Ziel ist doch ganz klar: Er will die Geschichte verwässern. „Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit“ heißt es in Orwell „1984“.

Der AfD-Abgeordnete Petr Bystron verbreitete eine Karikatur von Anetta Kahane, der Vorsitzenden der Amadeu-Antonio-Stiftung. Über die selbst die „Junge Freiheit“ schreibt: „Es hilft nicht darum herumzureden: Diese Karikatur entspricht dem antisemitischen Klischee, wie einst Ferdinand Marians Darstellung in Veit Harlans „Jud Süß“.“

Bei einem Besuch einer AfD-Delegation im Konzentrationslager Sachsenhausen kommt es zu Verharmlosungen und störenden Unterbrechungen, immer an der Grenze, zu dem, was justiziabel gewesen wäre. Der AfD-Politiker Wolfgang Gedeon verglich Holocaust-Leugner wie Horst Mahler mit Dissidenten in China oder schrieb, dass „die talmudischen Ghetto-Juden der innere Feind des christlichen Abendlandes“ seien.

Es gäbe wohl noch einige Beispiele zu solchen Äußerungen. Da haben wir noch nicht mal über Bernd Höcke und „das Denkmal der Schande“ oder die von ihm gewünschte „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ geredet oder im Allgemeinen über die Verschwörungstheorien um George Soros, die von allen Neuen Rechten in Europa erzählt werden.

Der Kern dieser Erklärung des Zentralrates der Juden lautet übrigens:

„Die AfD agitiert unumwunden gegen Muslime und andere Minderheiten in Deutschland. Dabei versucht die AfD, „die“ Muslime als Feinde der westlichen Welt oder „der“ Juden darzustellen. Muslime sind nicht die Feinde der Juden! Die Feinde aller Demokraten in diesem Land sind Extremisten, egal ob aus rechtsextremer, linksradikaler oder radikal- muslimischer Gesinnung heraus. Wir lassen uns von der AfD nicht instrumentalisieren.“

Und noch ein Funfact zum Abschluss: Eine kurze Analyse hat ergeben, dass ca. 1/3 der Accounts in diesem Shitstorm sehr wahrscheinlich Sympathisanten der Identitären Bewegung waren. 

Ich frage mich, wo die liberalen AfD-Politiker sind, die das manipulative Spiel in den sozialen Netzwerken satt haben und die vor allem unsere demokratischen Grundwerte mit uns verteidigen wollen. Angriff auf die Medien („Lügenpresse“) oder die Jagd auf Künstler oder Lehrer gehören irgendwie nicht dazu.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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