So hat Ex-Pegida-Frau Festerling auf unseren Artikel reagiert

Eines vorweg: Das wird kein typischer Eintrag

Ich habe diesmal nicht etwa einen Nachrichtenpost nach geeigneten Kommentaren durchforstet, sondern ich – bzw. der Volksverpetzer – wurde regelrecht damit beworfen. Heute wird es also nicht ausschließlich um Kommentare gehen.

In der politischen Debatte um Links gegen Rechts werden ja immer mal wieder Stimmen laut, die fordern, man solle mal den Dialog auf Augenhöhe suchen. Dass das zuweilen gar nicht so einfach ist, wollen wir heute einmal näher beleuchten.



Rechts im Bild

Dazu befassen wir uns mit Frau Tatjana Festerling. Für diejenigen unter uns, die glücklicherweise von sich behaupten können, nicht zu wissen, wer das ist, werfen wir zunächst mal einen Blick auf die Dame.

(Quelle: http://www.tatjanafesterling.de/)

Schaut sie euch an, die Frau Festerling. Den Blick in die Ferne gerichtet, die Ängste und Nöte des kleinen Mannes lasten schwer auf ihrem Gemüt. Doch irgendwer muss die Bürde tragen. Irgendwer muss den Kampf gegen das ganze linksgrünversiffte Gelumpe aus Bahnhofsklatschern führen. Wer, wenn nicht Tatjana Festerling? Trost und Kraft findet sie dabei stets in der Flagge des Vaterlandes, die hier so stolz auf der Schulter prangt.

Tatjana Festerling blickt auf eine bemerkenswerte, rechtspopulistische Karriere zurück, die immer mal wieder davon geprägt war, dass entweder ihr selbst ihr politisches Umfeld nicht braun genug oder sie wiederum ihrem Umfeld zu braun war.

Und so hetzte sich die Dame von AfD über Pegida und Legida bis hin zur Bürgerbewegung “Festung Europa” durch allerlei entsprechende Vereine und kandidierte sogar einmal für das Amt der Dresdner Oberbürgermeisterin. Da Dresden sich glücklicherweise noch nicht derart selbst aufgegeben hat, blieb Frau Festerling aber unter 10% der Stimmen (Quelle).

Und was treibt Frau Festerling heute? Nun, mittlerweile vertreibt sie sich die Zeit gerne mit ausgedehnten Waldspaziergängen mit ihren Kumpels:

(Quelle: http://www.tatjanafesterling.de/; roter Kreis eingefügt)

Okay, vielleicht trägt sie dabei Tarnkleidung und versucht, Flüchtlinge abzufangen, aber mit ein bisschen patriotischem Augenzwinkern geht das sicher noch als Waldspaziergang durch.

Darüber hinaus ist Frau Festerling sehr aktiv in den sozialen Medien. Natürlich auf Facebook, aber auch auf vkcom. VK ist eine Art russisches Pendant zu Facebook, bietet Menschen wie Festerling aber – im Gegensatz zum Original – den außerordentlichen Komfort, ihnen nicht dauernd mit solch lästigen Maßnahmen wie dem Sperren menschenverachtender Posts und ultrarechter Inhalte auf den Keks zu gehen. Ihr wisst schon, “Meinungsfreiheit” und so.

Affront

Betrachten wir nun den eigentlichen Sachverhalt. Den haben die Kollegen freundlicherweise schon einmal aufbereitet. Zusammengefasst sieht es so aus: Festerling hat nach eigenem Gutdünken eine Liste von politischen Gegnern, die sie unter dem Banner “DIE LINKEN STÜRMER DES BUNTEN REICHES” subsumiert hat, erstellt und diese auf vk.com geteilt. HoGeSatzbau hat seinen Lesern nun aufgezeigt, dass sie hiergegen rechtliche Schritte ergreifen können. Der Volksverpetzer hat den Sachverhalt im verlinkten Artikel zusammengefasst.

HoGeSatzbau: Bis zu 269 Anzeigen gegen Ex-PEGIDA-Frau Festerling

Das war für Frau Festerling zu viel. Wie man auch auf die Idee kommt, etwas öffentlich gepostetes aufzugreifen und darauf Bezug zu nehmen, eine Frechheit sondergleichen.

Was tut Frau Festerling also? Genau, so richtig derbe mit dem Volksverpetzer und im Speziellen mit dem Kollegen Laschyk abrechnen. Zu finden ist ihre Antwort auf Facebook (Update: Inzwischen hat sie den Post auf Facebook wieder gelöscht. Wer weiß, was ihre Motive waren?) und natürlich auf VK.

Aber keine Sorge, liebe Leser, wir vom Volksverpetzer wollen es natürlich niemandem zumuten, sich seinen Browserverlauf mit derlei Inhalten vollkoten zu müssen. Wir gehen das nun einfach in Ruhe durch.

Politischer Diskurs nach Festerling

Auf ihrer Webseite gibt Frau Festerling in der Rubrik “über mich” unter ihren Stärken den “Einsatz für ein respektvolles Miteinander an”. Im Folgenden können wir also lernen, wie das konkret aussieht. Die folgenden Textschnipsel sind alle dem Post von Frau Festerling entnommen.

Lektion 1: Respektvolle Ansprache:

Ihr dachtet wahrscheinlich, dass diese veraltete Höflichkeitsform des Siezens noch immer Anwendung findet, nicht wahr? Im Gegenteil! Warum dem Gegenüber nicht von vornherein klar machen, dass man ihm gegenüber keinen Respekt hat. Garniert mit einem feschen Spitznamen, der an Kreativität kaum zu übertreffen ist, werden hier direkt mal die Fronten geklärt.

Nun gut, ich lerne ja gerne dazu, also werde ich das unnötig förmliche “Frau Festerling”, das ich bisher bemüht habe, nun durch das der neuen Sprachrichtlinie entsprechende “Tatsche” ersetzen. Warum nicht.

So, Tatsche, was mich nun wirklich ein wenig verdutzt hat, ist, welchen Spitznamen du für Herrn Laschyk gewählt hast: Horny.

Nach eingehender Betrachtung deines Schriftstücks kam ich aufgrund der Parallelen im Wortstamm auf die weiter oben im Text erwähnte “Hornbrille”, auf die du dich hier offenbar beziehen möchtest und die du in deiner frechen Art zu Horny abgewandelt hast.

Davon ausgehend, dass dein kultureller Horizont ebenso wie dein geographischer an der deutschen Grenze endet, verwundert es mich nicht, dass dir dabei entgangen ist, dass “horny” im Englischen auch so viel wie “geil” bedeutet.

Man könnte die Anrede nun also auch so verstehen, dass die gute Tatsche unseren Herrn Laschyk einfach nur plump anbaggern will, was ich an seiner Stelle so ziemlich als die größte Beleidigung in Tatsches Text empfinden würde.

Lektion 2: Faktenbasierte Argumentation

Dieser Absatz enthält zwei wesentliche Informationen. Zum einen verfügt Tatsche offenbar nicht nur über eine umfangreiche Liste ihrer politischen Gegner, sondern auch noch über eine entsprechende Galerie, deren Namen ein bisschen nach einer N24-Panzer-Doku über die Belagerung des Kinderparadieses bei Ikea klingt, sowie über einen Ordner auf ihrer Festplatte, in dem sie offenbar (vermutlich Bild-)Material zu Menschen sammelt, die sie nicht mag. Über den Zweck dieses Ordners kann ich nur mutmaßen: Gleiches gilt dafür, ob sie den anderen im Ordner vertretenen Personen ähnlich schlüpfrige Spitznamen wie “Horny” gegeben hat.

Ich für meinen Teil habe keinen Ordner namens “Rechte Bratzen” auf meinem Computer und ich kenne auch niemanden sonst, der sich solch ein Verzeichnis hält. Ein wenig gruselig ist das ja schon.

Denunzieren?

Der andere interessante Punkt in diesem Absatz ist der Umstand, dass man dem Volksverpetzer hier Denunziation unterstellt, was in mir die Vermutung reifen lässt, dass noch keiner der guten Tatsche dieses Wort zu erklären vermochte.

Wer den Beitrag des Volksverpetzers einmal eingehend betrachtet, findet dort tatsächlich lediglich eine kurze Zusammenfassung des Sachverhalts unter Angabe von Quellen sowie Screenshots von Kommentaren. Hier wird nichts unterstellt und nichts haltlos behauptet. Das bloße Wiedergeben von Informationen als „Denunziation“ zu bezeichnen, zeugt nicht unbedingt von Sachverstand.

Und überhaupt, Tatsche, du sprichst hier wirklich von Denunziation? Selbst wenn das zuträfe, ging das Ganze nicht erst damit los, dass du mit deiner “Menno-die-sind-gemein-zu-mir”-Liste angefangen hast, andere zu denunzieren?

Ebenfalls auffällig: Du sprichst hier von “Aufgeilen” – erneut im Zusammenhang mit Herrn Laschyk. So langsam wird es etwas offensichtlich, Tatsche. Wenn du so doll auf ihn stehst, frag ihn doch einfach, ob er mal mit dir ausgeht und lass diesen Mist mit dem Subtext. Ich an deiner Stelle würde mir aber mal keine allzu großen Chancen ausrechnen.

(Siehst du, DAS war Denunziation – und freilich nicht ernst gemeint.)

Lektion 3: Fokus auf Inhalte

Wie wir aufgrund der mehrfachen Erwähnung feststellen können, basiert einer von Tatsches Kernvorwürfen gegenüber Herrn Laschyk auf zwei Punkten. Punkt 1: Er trägt eine Brille. Punkt 2: Er lächelt auf dem Foto.

Gerade der Umstand, dass mehrfach auf diese Punkte eingegangen wird, betont, wie elementar diese Aspekte sind. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass Tatsche an dem Artikel keinerlei Anstoß genommen hätte, wäre er von einem grimmigen Mann mit makelloser Sehkraft geschrieben worden.

Aber bitte, wir können es gerne ausdiskutieren: Also was die Brille angeht, gehen vielleicht einfach eure Geschmäcker auseinander. Klar, man kann Kontaktlinsen nehmen, aber vielen gefällt eine Brille sogar und jeder kann ja einfach das tragen, was er… ach, was mühe ich mich ab, jemandem wie dir etwas über Vielfalt zu erklären. Neuer Ansatz:

Ich schätze dich so ein, dass du nicht gerade empfänglich für Argumente bist, die auf Toleranz oder auch nur Akzeptanz anderer Ansichten abzielen, daher werfe ich ergänzend einfach mal noch das hier ins Feld:

(Quelle: http://www.tatjanafesterling.de/; rote Pfeile eingefügt)

Uuuups, Tatsche. Wer im Glashaus sitzt…

Den zweiten Vorwurf finde ich sogar noch viel bemerkenswerter. Herr Laschyk lächelt auf dem Foto. Vielleicht tut er das, weil er einen guten Tag hatte, als das Foto aufgenommen wurde. Oder er lächelt auch, weil er nicht so hasserfüllt ist, wie du. Vielleicht bleibt ihm auch einfach mehr Zeit, um zu lächeln, weil er nicht den ganzen Tag damit beschäftigt ist, sich Untergangsszenarien für Deutschland aus den Fingern saugen zu müssen.

Mach ihm das nicht zum Vorwurf. Es sind eben nicht alle zu einer glühenden Vaterlandsverteidigerin geboren, wie du eine bist. Es kann eben nicht jeder so schauen, als müsse er gleich eigenhändig eine Haubitze an die Grenze ziehen, um der nicht enden wollenden Flut an Invasoren Einhalt zu gebieten.

Lektion 4: Gründliche Recherche

Knallhart recherchiert. Dass der Volksverpetzer nicht über Herrn Laschyks eigene Seite läuft, sondern über eine eigene Facebookpräsenz verfügt, ist aber auch wirklich nicht leicht herauszufinden. Wie auch, ist ja nicht so, als hieße die Seite “Volksverpetzer”. Oh, Moment. Doch, das tut sie ja. Besagte Facebookseite verfügt übrigens (Stand 05.02.2019) knapp unter 43.000 Likes.

Vielleicht recherchierst du beim nächsten Mal etwas gründlicher, bevor du einen digitalen Schwanzvergleich anzettelst und ihn dann wieder krachend verlierst.

Zeit für die Kommentare

Man mag es kaum glauben, aber unterhalb von Tatsches Diskursebene kommt tatsächlich noch etwas: Die Kommentare ihrer Anhänger (gefunden unter dem oben verlinkten Post auf Tatsches Facebookseite). Los geht’s.

Was Ulrich hier in seiner proletenhaften Ausdrucksweise tatsächlich als Argument anführt, ist im Grunde folgendes: Herr Laschyk ist jung, nämlich etwa 26 Jahre alt. Das alleine scheint für Ulrich bereits einen Vorwurf wert zu sein. Ironischerweise hast du nicht Unrecht, Ulrich. Die Gesellschaft braucht Leute, die 26 Jahre alt sind. Gäbe es die nicht, würde das bedeuten, dass alle mit 25 sterben, was heute (“auf dem Weg ins 3. Jahrtausend”) einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

Sogar in deinem Weltbild sind 26-Jährige wichtig. Die werden nämlich irgendwann zu Leuten Ende 40, die dann dämliche Kommentare im Internet posten können. Denk mal ein paar Jahre zurück, dann wird es dir wie Schuppen von den Augen fallen.

Da, schau, Tatsche, deine Follower eifern dir bereits nach. Bald führst du eine Legion von Menschen an, die alle nicht in der Lage sind, sachlich zu argumentieren. Dann könnt ihr gemeinsam im Wald spazieren gehen.

Wenn du keine Fragen mehr hast, bedeutet das ja, dass Herr Laschyk das Feld korrekt befüllt hat. Cool. Danke für das Feedback. Ich gebe es weiter.

Keine Yacht, keinen Bentley

Das ist wieder einer dieser Kommentare, die so weit weg von jeglicher argumentativen Grundlage sind, dass ich gar nicht weiß, was ich dazu sagen soll. Gelernt habe ich daraus jedenfalls: Mitspracherecht gibt es nur für Leute mit Bentley und Yacht. Ich besitze keines von beidem, daher kann ich mir offenbar direkt sparen, das Wort an Franco zu richten. Es wäre jetzt mal interessant zu wissen, ob Tatsche eine Yacht und einen Bentley besitzt.

Kommen wir nun mal zum bisherigen Tiefpunkt von dem, was mir in den Kommentarspalten der Rechten begegnet ist:

Glückwunsch, Tatsche, in deinem Gefolge tummelt sich offenbar der absolute Bodensatz der Gesellschaft. Menschen, die sich über die Krankheit anderer lustig machen und darüber hinaus behaupten, dass sie diese allein aufgrund ihrer politischen Ansichten verdient haben.

Weißt du, Steffen, meine Erziehung verbietet mir, dir an dieser Stelle aktiv etwas Entsprechendes zu wünschen. Aber sagen wir es mal so: Sollte dich irgendwann ein vergleichbares Schicksal ereilen, hoffe ich, dass du dich an deinen Kommentar hier erinnerst. Falls dir bis dahin keiner das Karma-Prinzip erklärt hat, würdest du es vermutlich spätestens dann verstehen. Sollte dieser Fall eintreten und ich es aus irgendeinem Grund auch noch mitbekommen, glaube ich ab diesem Zeitpunkt übrigens auch an Karma.

Dialog auf Augenhöhe

Ich erinnere an dieser Stelle noch einmal an den anfänglich erwähnten “Dialog auf Augenhöhe”. Leider muss ich diesen Anspruch offenbar aufgeben. So sehr ich es auch versuchen würde, ich könnte mich nicht auf das Niveau von Tatsche und ihren Spießgesellen herablassen. Und um ehrlich zu sein, bin ich darüber ziemlich froh.

Ach ja, eines noch: Na, Tatsche? Darf ich nun auch auf deine tolle VIP-Liste von Leuten, die gemein zu dir waren?

Artikelbild: Africa Studio, shutterstock.com/Metropolico.orgCC BY-SA 2.0, changes were made/Screenshot facebook.com

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Toblerone: Die lustigsten Reaktionen aus den Kommentarspalten

Unfreiwilliger Hungerstreik

Seit Monaten steht man nun als demokratische Gesellschaft vor der Frage, wie man sich erfolgreich gegen Rechts wehren kann. Wie man einer Bewegung, die sich aus Angst, Panikmache und Unwissen speist, beikommen kann. Und doch scheint es egal, wie viele Menschen sich mit lauter Stimme gegen die Rechten stellen, sie sind nicht kleinzukriegen. So scheint es jedenfalls.

Doch Stück für Stück offenbart sich derzeit beinahe passiv eine Methode, auf die vermutlich niemand gekommen wäre. Und noch dazu ist sie für die Meisten mit herrlich wenig Aufwand verbunden. Wovon ich rede? Ganz einfach: Die Rechten werden zunehmend in die Subsistenzwirtschaft getrieben, indem man ihnen nach und nach die gesamte Produktpalette an Lebensmitteln, Dienstleistungen und sonstigen Ver- und Gebrauchsgütern madig macht. Und wer den ganzen Tag auf seinem kleinen Acker stehen und selbigen bestellen muss, weil nur selbst produzierte Nahrung gerade noch deutsch genug ist, der hat wohl kaum noch Zeit, sich im Internet über Flüchtlinge auszulassen.



Und natürlich boykottieren

Wer in den letzten Tagen und Wochen die Nachrichten verfolgt hat, dem mag aufgefallen sein, dass unsere besorgten Bürger relativ schnell mit einem Boykott bei der Hand sind, wenn eine Firma irgendetwas tut oder sagt, was ihnen nicht gefällt (die Kollegen haben dazu diese Übersicht erstellt). Geht diese Entwicklung so weiter, endet das Ganze irgendwann damit, dass der gemeine Wutbürger keinerlei Produkte mehr kaufen kann und alles selbst anbauen muss. Mein Vorschlag, um das Ganze zu beschleunigen: Bringt sie dazu, direkt ganze Supermarktketten zu boykottieren und schneidet ihnen somit die Nachschublinien ab.

Meistens begründet man den Boykott damit, dass die Firmen solch infame Dinge tun wie sich zu Vielfalt zu bekennen oder braunes Gedankengut abzulehnen. Manchmal geht es aber auch darum, wie Produkte beworben werden (wir erinnern uns an die Katjes-Werbung). Grob unter diese Kategorie fällt auch der heutige Aufhänger: Toblerone ist nun halal.

Halal bedeutet in diesem Fall nur, dass das Produkt den islamischen Nahrungsvorschriften gemäß dem Koran entspricht. Damit Toblerone dieser Maßgabe entspricht, waren nicht einmal Anpassungen notwendig. Der Hersteller hat lediglich das Produktionsverfahren entsprechend zertifizieren lassen. Letztlich lässt sich die Aktion auf eine simple Kampagne herunterbrechen, die deutlich machen soll, dass das Produkt für Muslime geeignet ist (Richtig, so ähnlich wie bei Katjes damals). Ansonsten ändert sich nichts. Tatsächlich sind die meisten Schokoladenprodukte ohnehin halal.

Das ist ungefähr so, als würde bspw. Gerolsteiner nun damit werben, dass ihr Sprudel gluten- und laktosefrei ist. Wäre korrekt, war auch vorher schon korrekt und könnte den meisten Konsumenten völlig egal sein.

Man hat die Zertifizierung übrigens bereits im April diesen Jahres vornehmen lassen. Die armen, aufgebrachten Rechten haben nun also beinahe acht Monate lange nichtsahnend ein den islamischen Nahrungsvorschriften entsprechendes Schokoladenerzeugnis konsumiert und es nicht gemerkt. Perfide, nicht wahr?

Mett als Rettung

Gereicht, um die Besorgten als Kunden zu vergraulen, hat es trotzdem, wie die folgenden Kommentare unter diesem BILD-Artikel (hier der Link zum Facebook-Beitrag) belegen.

Da haben wir auch schon den ersten Boykotteur. Artikel vermutlich nicht gelesen, die Überschrift sagt aber irgendwas über halal und Toblerone. Ergebnis: Toblerone ist böse, muss boykottiert werden. Puh, ob die Firma das übersteht?

Und da ist der Ausgleich. Das war knapp. Wirklich knapp. Ich zittere immer noch.

Toller Kommentar. Muss man sich wirklich mal Stück für Stück betrachten. Die Extrapolation von Toblerone auf “alles” erscheint mir zwar etwas drastisch, aber okay, das liegt vermutlich daran, dass Manuela so schockiert ist. Der zweite Satz belegt dann ganz beiläufig, dass auch Manuela von einer Lektüre des vollständigen Artikels Abstand genommen hat. Und hey, wir sprechen hier von einem Artikel der BILD. Er ist simpel geschrieben, strukturell auf Standard-BILD-Leser zugeschnitten und dementsprechend verdammt kurz. Der Aufwand wäre also wirklich gering gewesen.

Und “wir” müssen uns hier auch nicht anpassen, Manuela. Überhaupt, wer ist an dieser Stelle “wir”? Toblerone und du? Die Schokolade einer schweizer Firma und eine deutsche Wutbürgerin? Welchen gemeinsamen Nenner habt ihr denn bitte?

Zum Abschluss erklärt uns Manuela noch, wie sie mit derlei Nachrichten, die nicht in ihr Weltbild passen, umgeht, nämlich indem sie ein Mettbrötchen konsumiert. Klar, denn kaum kann man sich noch deutscher fühlen, als während man sich mit fettigen Fingern in der von zartem Zwiebelduft erfüllten Mundhöhle eine verfangene Mettfettfaser zwischen den Backenzähnen hervorpult. Das ist gelebtes Heimatgefühl.

Im Ernst, ich stelle mir das so vor, dass Manuela nach der Lektüre dieser erschütternden Nachricht kraftlos in ihrem Schreibtischstuhl zusammensackt und mit schwacher Stimme krächzt: “Herbert! Bring mir ein Mettbrötchen! Schnell!”, und dann kommt ihr Mann herbeigeeilt, überbrückt die letzten zwei Meter mit einem Hechtsprung und rammt ihr das Mettbrötchen im Flug gerade noch rechtzeitig vor dem Kollaps in den offenen Mund, als sei es der rettende Epi-Pen bei einem anaphylaktischen Schock.

Kulinarische Umgewöhnungen

Jaaaah, gut so. Wie ich es eingangs vorausgesagt habe, ein weiterer Schritt zur Unterbrechung der Nachschublinien. Gestern Katjes, heute Toblerone und in weniger als einem Jahr holt sich Yvon Wasser aus dem örtlichen Bach.

An dieser Stelle müssen wir unterscheiden zwischen “kein Toblerone mehr wollen, WEIL es halal ist” und “kein halal Toblerone wollen”. Im ersten Fall empfehle ich dir das gleiche Vorgehen, welches ich bei Pizza Hawaii und so ziemlich jeglichem Output der deutschen Popmusik anwende: Konsumiere es einfach nicht.

Im zweiten Fall wird es etwas schwierig. Ab Werk gibt es schlicht keine Toblerone, die nicht halal ist. Du müsstest also folgerichtig sofort den Konsum derselben einstellen.

Wenn du handwerklich ein wenig Begabung mitbringst, kannst du dein Problem aber durch den einen oder anderen Küchen-Lifehack lösen, ohne auf die Schokolade zu verzichten. Warum die Toblerone nicht vorher einfach mal deftig mit Schweinehack anbraten? Oder für unterwegs einen kleinen Reisetiegel Schweineschmalz mitführen und die Schokolade hineindippen? Danach ist sie definitiv nicht mehr halal.

Dass keiner den merkwürdigen Typen ausgrenzt, der an der Bushaltestelle steht und Toblerone in Schweineschmalz dippt, kann ich dir allerdings nicht versprechen.

Guter Ansatz, Michael. Überlieferte Fälle, in denen Götter auf derlei Fragen geantwortet haben sollen, sind auch derart rar, dass du befürchten müsstest, zu verhungern, bevor du eine Antwort bekommst.

Das Produkt heißt “Toblerone of Switzerland” und genau so steht es auf der Packung. Selbst im BILD-Artikel finden sich fünf (!) Formulierungen, aus denen eindeutig hervorgeht, dass es sich um ein schweizer Produkt einer schweizer Firma handelt, welches in der Schweiz produziert wird, wobei ich den Umstand, dass alle Quellen, auf die verwiesen wird, ebenfalls aus der Schweiz kommen, sogar noch nicht mitgezählt habe. Sorry, aber mit kümmerlichen Geografie-Kenntnissen kannst du dich an dieser Stelle noch nicht einmal rausreden.

Alternative Anwendungsgebiete für Schokolade

Entschuldige die etwas indiskrete Frage, aber mit welchem Ende hast du deine Toblerone bisher konsumiert und mit welchem hast du es in Zukunft vor? Bitte nicht beantworten.

Hey, ich verurteile niemanden. Solange keine Unbeteiligten zu Schaden kommen, kann ja ruhig jeder seine Vorlieben ausleben. Nur eines interessiert mich: Willst du das tun, OBWOHL oder gerade WEIL Toblerone halal ist?

So, zum Abschluss noch eine Portion NWO gefällig?

Man beachte besonders den Paukenschlag von einer Kernaussage im ersten Absatz: Konzerne wollen Geld verdienen. Knüppelharte Aufklärungsarbeit, die Beate hier leistet. Nichts, aber auch gar nichts kann die NWO vor der Beate geheim halten.

Fazit: Der übliche Wahnsinn

Was gibt es hier groß zu resümieren? Im Grunde nichts. Die Kommentarspalte enthält das übliche Potpourri aus Abwehrreaktion, die vermutlich vorwiegend aus der Unkenntnis des ohnehin überschaubaren Artikelinhalts resultieren, sowie Boykottaufrufen, Panikmache und aufgebauschter Sorge vor dem (diesmal aber endgültigen!!11elf!) Untergang des Abendlandes, der christlichen Kultur und überhaupt eigentlich allem Erhaltenswerten.

Positiv aufgefallen ist mir zumindest, dass es durchaus viele Kommentare gab, die völlig zurecht kein Problem im Gegenstand des Artikels sehen und teilweise sogar noch versuchen, die Besorgten aufzuklären, dass sich am Produkt nichts geändert hat. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, aber wenigstens gibt es scheinbar – und das ist umso bemerkenswerter, weil es ein Artikel der BILD ist – mittlerweile ein paar mehr Leute, die sich von solch einer Nachricht nicht zu Panikmache und Hetze verleiten lassen. Und das empfinde ich durchaus als positiv.

Bis demnächst, euer Friedemann Kipp.

Artikelbild: Mark Nazh, shutterstock.com; Screenshot facebook.com

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter




Wer hat Angst vorm Zipfelmann?

Wer hat Angst vorm braunen Mann?

Was sind die Zeiten turbulent. Merkel legt den CDU-Parteisitz ab, die Grünen sind vielleicht neue Volkspartei, was ist mit dem internationalen Migrationspakt? Wen mag es da wundern, dass das deutsche Bürgertum sich solchen hochkomplexen Themen, wie die Weltpolitik sie bietet, lieber verschließt und den Blick auf greifbarere Themen richtet.

Und nirgends ist der Deutsche derzeit so verletzlich wie an seiner Kultur. Als die Flüchtlingskrise 2015 ihren Anfang nahm, besann man sich in besorgten Kreisen relativ schnell darauf, dass deutsche Traditionen und Werte bis aufs Blut gegen die muselmanischen Invasoren zu verteidigen seien – unabhängig davon, ob es überhaupt etwas gibt, wogegen man sie verteidigen müsste.

Und damit meinte man es sehr ernst. Betrachten wir hierzu kurz einige Beispiele.



Kreuz da, Kreuz weg

Im Spätsommer letzten Jahres bot die Supermarktkette Lidl eine Reihe griechisch angehauchter Produkte an. Die Verpackung zeigte dabei ein Motiv von der griechischen Ferieninsel Santorin. Unter anderem ist darauf eine Kirchenkuppel zu sehen. Jedoch war diese auf dem Bild von Lidl nicht wie im Original mit einem Kreuz auf der Spitze versehen. Dieses hatte man wegretuschiert. Verstehen Sie? WEGRETUSCHIERT! Die Tragweite dieses Sakrilegs ist einigen bis heute nicht klar, aber zum Glück verfügt Deutschland über ein politisches Frühwarnsystem für versuchte Kulturverwässerung. Das Wort hat die buchstäbliche Trümmerfrau Erika Steinbach:

Da haben wir es. “Unterwerfung”. Das Christentum hat verloren, jetzt haben sie uns. Ein eklatanter Eingriff in deutsches Kulturgut. Hier wurde auf unsere hohe Staatsreligion gespuckt, dass es eine Art hat. Der Deutsche verfiel sofort in empörte Raserei. Nunja… nicht sofort, aber sofort nachdem ein belgisches Nachrichtenportal ihn darauf aufmerksam gemacht hat. Zugegeben, eine wirkliche Begründung, warum man die Kreuze auf dem Bild entfernt hat, hat Lidl nicht geliefert. Aber die muslimische Machtübernahme, die uns prophezeit wurde, blieb dann irgendwie auch aus.

Aber das war ja auch noch nicht alles.

1001 besorgte Bürger

Berlin Neukölln. Ein neuer Spielplatz für 220.000 € wurde gebaut. Schick sieht er aus, mit seinen vielen Spiel- und Klettermöglichkeiten. Doch was ist das? Eines der Spielgeräte schließt oben mit einer orientalisch anmutenden Kuppel ab. Darauf thront ein gelber Halbmond.

Und was, frage ich euch, kann das anderes bedeuten als den Beginn (ja, schon wieder) einer umfassenden Islamisierung? Nun beginnt man schon bei Kindern mit der muslimischen Indoktrinierung! Na, wenn das so ist, dann hat man damit zu meinen Kindertagen aber auch schon angefangen, denn auch mir hat meine Mutter seinerzeit die Geschichte von Ali Baba und den 40 Räubern vorgelesen.

Und – man mag es kaum glauben – genau an dieses Märchen ist der Spielplatz angelehnt. Spielplätze mit derlei durch Märchen inspirierten Thematiken seien in Neukölln keine Seltenheit, ließ die Bürgermeisterin dazu verlauten. Nur sei eben die Geschichte von Ali Baba und den Räubern im Gegensatz zu den bisher aufgegriffenen Themen – etwa Pippi Langstrumpf, Käpt’n Blaubär, Robin Hood und dergleichen – nicht der abendländischen, sondern der morgenländischen Folklore entsprungen.

Und das soll nun schon wieder ein Zeichen für die Islamisierung sein? Hätte man das Märchen vorher lieber in Alfons Wattuschek und die 40 Tunichtgute umbenennen und anstelle der orientalischen Kuppel einen Miniatur-Plattenbau mit Satellitenschüssel oben drauf auf den Spielplatz stellen sollen?

Männer und ihre Zipfel

Und als wären die bisher genannten Fälle des Hochverrats an der christlichen Kultur nicht bereits genug, vergeht man sich nun auch noch an den Grundfesten des Christentums: an Weihnachten.

Naja, nicht direkt an Weihnachten. Eher am Weihnachtsmann…

Der „Wintermann“ im AWG-Katalog

Ooohja, Leute, jetzt wird es ernst. Da kann man ruhig mal ordentlich gegen protestieren. Naja, oder man schaut sich das einfach nochmal in Ruhe an. AWG hat nämlich keineswegs die Weihnachtsmänner aus dem Programm genommen, sondern verkauft sie weiterhin in rauen Mengen. Nur gibt es nun eben zusätzlich den Wintermann, der auch noch komplett anders aussieht. Aber Hauptsache, mal ein Fass aufmachen, nicht wahr? Dasselbe Drama, das hier am Beispiel von Deko-Artikeln aufgeführt ist, gibt es übrigens auch noch mit Schoko-Weihnachtsmännern.

Die christlichen Wurzeln

Werden Deutschlands christliche Kulturprimordien nun also unter den perfiden, islamisch geprägten Angriffen zusammenbrechen? Wohl eher nicht. Wer dies behauptet, verkennt hier klar die Akteure. Betrachten wir hierzu noch einmal den letzten Punkt, den Wintermann.

Mir ist kein Fall bekannt, in dem Winter- Zipfel- oder irgendwelche anderen -männer ANSTELLE von Weihnachtsmännern verkauft werden. Wie aus der Antwort der Firma AWG zu entnehmen ist, werden diese vielmehr parallel bzw. ergänzend zu den Weihnachtsmännern angeboten. Hier wurde das Angebot also nicht etwa ersetzt, sondern erweitert.

Die Entscheidung darüber, welche Produkte ein Unternehmen vertreibt, wird von deren Verantwortlichen getroffen, nicht etwa von einer staatlichen Umvolkungskommission, die uns schon einmal schleichend darauf vorbereiten soll, dass wir in einigen Jahren alle Moslems werden müssen und die offenbar beschlossen hat, dass saisonale Süßwaren hier den besten Angriffspunkt bieten. Die Unternehmen können hier frei agieren und sind keiner Stelle Rechenschaft schuldig, solange die Produkte nicht eine bestimmte Religion diffamieren. Einen Schokomann anzubieten, der nicht von christlichen Traditionen angehaucht ist, ist kein Verbrechen.

Was soll das mit Muslimen zu tun haben?!

Und selbst, WENN man hier von Unternehmensseite her aus “Rücksicht” auf muslimische Kunden den Religionsbezug in Form des Weihnachtsbegriffs hätte entfernen wollen, hieße das im Umkehrschluss noch lange nicht, dass dies im Sinne oder auch nur im Interesse irgendeines Muslimen wäre. Hat jemals irgendwer von einem Muslim gehört, dass er daran Anstoß nimmt, dass es in Supermärkten Schoko-Weihnachtsmänner gibt? Oder hat je ein Muslim zum Ausgleich den Verkauf von Schoko-Mohammeds gefordert? Wohl eher nicht.

Hinter der angeblichen Verschwörung steckt am Ende mal wieder nichts. Unternehmen, die ihre Produktpalette erweitern, sind ungefähr so ungewöhnlich wie Stau in Nordrhein-Westfalen. Der Staat hat diese Produkte auch nicht angeordnet oder in Auftrag gegeben. Wäre das Ganze staatlich angeordnet, wäre ich auch dagegen. Einfach deshalb, weil ich keinen Sinn darin sehe. Aber dabei geht es rein um Marketingentscheidungen von Unternehmen.

Die Supermarktkette Penny bietet seit Jahren ihre “Zipfelmänner” an, immer parallel zu den regulären Weihnachtsmännern und ja, auch schon vor der Flüchtlingskrise. Zu Zeiten also, zu denen die besorgten Bürger das Wort “Islamisierung” noch hätten recherchieren müssen, wenn es ihnen begegnet wäre. Die alternativen Produkte haben ja nicht einmal einen Bezug zum Islam, wie kommt man also überhaupt darauf, dass sie auf eine muslimische Käuferschicht ausgelegt sind?

LGBT-Zipfelmann… für Islamisierung…?

Im Gegenteil. Im letzten Jahr bot Penny sogar einen LGBT-Zipfelmann an. Nun ist Homosexualität im islamischen Kulturkreis ja eher strittig. Glaubt ihr wirklich, dass es bei solchen Produkten um den Islam geht?

Ich würde es sogar völlig normal finden, wenn Unternehmen ihre Produktpalette auf islamisch inspirierte Schokohohlkörper erweitern würde. Wieso auch nicht? Wenn man damit eine neue Käuferschicht erschließen könnte, wäre das doch im Sinne der Firma.

Schaltet einen Gang runter. Kauft einfach die klassischen Weihnachtsmänner und hortet sie zu Tausenden in euren Kellern, wenn ihr euch solche Sorgen um ihre Zukunft macht. Aber hört bitte auf, wegen so etwas von einer Islamisierung zu sprechen. Und nicht vergessen: Ihr könnt es auch einfach nicht kaufen. Wenn es keine Käufer dafür gibt, wird das Produkt wieder vom Markt genommen. Da steckt ja auch irgendwie Demokratie dahinter. Das Volk kann kaufen, was es möchte.

Ihr habt es auch ein Leben lang geschafft, arabische Zahlen zu verwenden, ohne eure ach so kostbaren christlichen Wurzeln zu verraten, da werdet ihr ja wohl auch den Wintermann überleben. Und an einen ähnlichen Aufstand, wenn irgendwo von “X-mas” anstelle von Christmas die Rede ist, kann ich mich auch nicht erinnern.

Also, ruhig Blut. Außerdem gibt es ja immer noch den Christstollen.

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter




Warum du als CSU-Wähler jetzt die Grünen wählen solltest

Es herrscht Umbruchsstimmung im Freistaat Bayern.

In einem Bundesland, welches stets als Inbegriff deutscher Tugenden, aber auch einer bürgerlich konservativen Haltung gilt, schickt sich die Bevölkerung aktuellen Umfragen zufolge an, etwas zu tun, was in den letzten Jahrzehnten undenkbar war, nämlich der CSU bei den Landtagswahlen am kommenden Sonntag die absolute Mehrheit zu entziehen.



Quo vadis, CSU?

Die CSU war in den letzten Monaten um keinen Skandal verlegen. Sei es die Einführung des neuen Polizeiaufgabengesetzes, dessen Vereinbarkeit mit der Verfassung noch immer strittig ist, das Verhalten in der Causa Maaßen, in der man zunächst bestrebt war, besagten Herrn aufgrund seiner Verfehlungen gemütlich beiseite zu befördern,oder die grundsätzliche Wandlung der Sprache im Hinblick auf Migranten und Flüchtlinge.

Der offensichtliche Plan, weit genug nach rechts zu rücken, um potentielle AfD-Wähler weiterhin bedienen zu können, scheint jedoch nicht aufzugehen. Wie sagte schon Marc-Uwe Kling (wenn auch in anderem Kontext) “Die Leute werden immer die original Markenscheiße wählen, nicht die aufgewärmte Scheiße, die ihr ihnen andrehen wollt”. Will sagen: Wer es rechtspopulistisch haben will, der bekommt es bei der AfD aus einem Guss. Und ohne den verhassten Schulterschluss mit “Mutti” Merkel.

Weder christlich noch sozial

Was bleibt dann noch? Nun, beispielsweise die bürgerliche und oftmals auch konservative Bevölkerung. Und die scheint zunehmend kritisch auf die ersten beiden Buchstaben der Partei zu blicken, denn zuletzt kann man sie weder als erkennbar christlich noch als besonders sozial bezeichnen.

So steht man nun vielerorts kopfschüttelnd da als bürgerlich konservativer und vermisst die Partei, die die eigenen Werte vertritt und die Themen, die einen wirklich betreffen adressiert, wie beispielsweise Bildung, Wohnungsknappheit oder Pflegenotstand.

Und so begibt man sich scharenweise auf die Suche nach einer Alternative und findet sie – aktuellen Umfragen zufolge – in den Grünen.

Grünes Potenzial

Ja, ich spreche wirklich von DEN Grünen. Dass gerade diese Partei einmal in einem überwiegend konservativen Bundesland Erfolge einfahren könnte, mag zunächst unwahrscheinlich erscheinen. Aber die Prognosen deuten es an. Konnte die Partei bei der LTW 2013 gerade einmal 8,6% einfahren (zum Vergleich: Die CSU erreichte seinerzeit 47,7%), sind laut aktueller Umfragen aus September und Oktober (Link s.o.) zwischen 16,5 und 18% denkbar – Tendenz steigend. Hier spielt vermutlich auch hinein, dass die SPD mit ihrem derzeitigen Ringen um politische Identität und ums bloße Überleben auf der GroKo-Bühne den meisten Menschen nicht als verlässliche Anlaufstelle erscheinen mag.

Die Grünen bauen in Bayern nicht (nur) auf ihre angestammten Themen wie etwa Umweltschutz. Ein kurzer Blick in die “10 Punkte für Bayern” offenbart zwar auch die “angestammten” Themen wie Klimawelt- und Umweltschutz oder Energiewende, aber auch die weiter oben aufgegriffenen bürgernahen Themen wie Bildung, sozialer Wohnungsbau, innere Sicherheit oder Mobilität.

Christliche Werte findet man jetzt eher bei den Grünen

Und das scheint Anklang zu finden. Christliche Werte und progressives Denken schließen sich eben nicht aus, das wissen auch die Bayern. Lösungen für drängende Probleme vorzuschlagen, statt sich in Richtung Populismus zu verbiegen, scheint den Umfragewerten nach genau die Art Bürgernähe darzustellen, die die entrückte CSU vermissen lässt. Auch die Kirchen, lange Zeit Verbündete der Konservativen, wehren sich gegen den fremdenfeindlichen Kurs der CSU. Vielerorts setzen sie sich für Asyl ein, Kardinal Marx spendete erst 50.000€ an die Seenotrettung. Positionen, die auch die Grünen vertreten.

Natürlich sind es erst einmal nur Wahlversprechen auf der einen und Prognosen und Umfragen auf der anderen Seite. Ob wirklich ein Umbruch stattfindet, werden wir am kommenden Sonntag und – je nach Ergebnis – gegebenenfalls in den darauffolgenden Monaten sehen.

Diese Landtagswahl bietet allen Wahlberechtigten eine Möglichkeit, sich gleichzeitig sowohl gegen Populismus als auch gegen festgefahrene Politik zu stellen. Und ein deutliches Zeichen gegen Populismus kann Deutschland derzeit gut gebrauchen.

Artikelbild: Katharina Schulze Henning SchlottmannCC BY-SA 4.0: Ludwig Hartmann Rafael P. D. Suppmann CC BY-SA 3.0

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So fängt die Islamisierung Deutschlands also an. Mit Gummibärchen.

Katjes bewirbt seine vegetarischen Gummibärchen unter anderem mit einer Frau, die Kopftuch trägt. Für die Facebook-Nutzer ist klar: Hierbei kann es sich nur um die Islamisierung handeln. Was kommt als nächstes? Eine Schokoladenwerbung? Friedemann Kipp durchkämmt wieder einmal die Kommentarspalten und hat euch die besten herausgesucht.

Keine umfassende Einleitung heute, denn die Zeit drängt, liebe Leserschaft. Es wird wirklich ernst, denn ein erneut sieht sich unsere christlich geprägte Kultur, der Stützpfeiler unserer Gesellschaft, einem perfiden Angriff ausgesetzt. Es geht mir noch zu nah, um beschreiben zu können, was vorgefallen ist, daher lasse ich lieber den folgenden Screenshot sprechen:

*Ironie off* Meine Güte, auch nur für vier Zeilen so zu tun, als würde ich deswegen wirklich um unsere Gesellschaft fürchten, ist anstrengend. Nun gut, was ist vorgefallen?

 

Wie so oft bei kollektiven Aufregern im Internet: im Grunde gar nichts. Katjes, seines Zeichens namhafter Manufakteur zähviskoser, quietschbunter und in ihrer Form gerne Tieren nachempfundener Gummizuckerwaren, wirbt dafür, dass sie eine ganze Palette an “Veggie”-Produkten anbieten, also ohne tierische Gelatine. Soweit ich weiß, bieten sie dergleichen schon seit einer ganzen Weile an, es gibt also nur eine neue Werbekampagne. So weit, so unspektakulär.

Stein des Anstoßes bei der ganzen Sache ist die junge Dame, die im obigen Screenshot selbstbewusst lächelnd an einer der kleinen Zuckerbomben knabbert. Denn wer genau hinsieht, dem mag zwischen all den knalligen Pinktönen ein Detail auffallen: Die junge Dame trägt ein Kopftuch. Ihr wisst schon, diese Kopfbedeckung, die man bei muslimischen Frauen des Öfteren mal sieht.



Das war für einige Rezipienten der Werbung zu viel. Auf Twitter machte man mit dem üblichen Geplärre von wegen Islamisierung seinem Ärger Luft. Eine Redakteurin von NEON (stern) hat angesichts eben dieser “Beiträge” einen Kommentar verfasst, der im Kern ungefähr folgende Frage stellt: Wo zur Hölle ist euer verdammtes Problem?

Der stern hat anschließend, wie oben zu sehen, besagten Kommentar mit der offensichtlich ironisch gemeinten Überschrift “DA IST DIE ISLAMISIERUNG” auf Facebook veröffentlicht.

Was man vielleicht dazusagen sollte: Der Spot mit der Frau, die den Hidschab trägt, ist einer von drei identisch aufgebauten Spots, die man sich in dieser Playlist von Katjes auf Youtube ansehen kann. In den anderen beiden Spots wird das Produkt durch Frauen OHNE Kopftuch beworben. Wer augrund spärlicher subfontaneller Ausleuchtung zu dem Schluss gekommen sein könnte, dass die beworbenen Naschereien ausschließlich von Muslimen verzehrt werden können und dürfen, während sie bei “Ungläubigen” zu Sodbrennen, Milzbrand und Aphasie führen, kann sich also wieder abregen.

Gehört der Islam zu Deutschland?

Ja, richtig gelesen. Das ist die Frage, die sich hier offenbar viele gestellt haben. Denn wie wir wissen, gehört alles, was wir im deutschen Fernsehen sehen, zu Deutschland. Ich persönlich muss sagen, dass ich den Islam auf jeden Fall eher als zu Deutschland gehörig ansehe als diese dreimal verfluchten Check-24-Familien. Oder “Fruchtalarm”.

 

Eine Antwort auf die obige Frage liefert uns, wenn auch etwas aufbrausend, der Maick:

Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) liegt der Anteil an Muslimen in der Deutschen Bevölkerung bei etwa 5,4 – 5,7 % (Stand 12/2015). Es leben also mehrere Millionen Menschen muslimischen Glaubens in diesem Land. Somit kann man, sich rein auf diese Zahlen stützend, durchaus behaupten, dass der Islam zu Deutschland gehört. Inwieweit er kulturellen Einfluss nimmt und wo seine Grundsätze und Doktrinen mit hiesigen Gesetzen und Werten kollidieren, steht freilich auf einem anderen Blatt. Die eigentliche Frage müsste also lauten, ob er zu Deutschland “passt”. Und diese Frage ist weitaus komplexer anzugehen.

Hier gilt es beispielsweise zu beachten, dass Moslem nicht gleich Moslem ist. Nicht jeder Anhänger des Islam, der in Deutschland lebt, zieht sich orangene Warnwesten an und rennt als “Scharia-Polizei” durch Wuppertal. Natürlich gibt es solche Muslime, die am liebsten die Regeln und Gesetze des Islam über die der Bundesrepublik Deutschland stellen würden. Diese müsste man wiederum aufteilen in diejenigen, die versuchen, darauf aktiv hinzuwirken, und diejenigen, die die hiesigen Gesetze dieser Ansicht zum Trotz anerkennen und folgerichtig auch einhalten.

Dem entgegen stehen natürlich die zahlreichen Muslime, die zwischen ihrem Glauben und der Gesellschaft, in der sie in Deutschland leben, überhaupt keinen Dissens sehen und ihre Religion problemlos im Rahmen der in Deutschland im Grundgesetz verankerten Religionsfreiheit ausleben.

Kann man also sagen, dass der Islam nicht zu Deutschland passt, weil es Muslime gibt, die ihn so auslegen, dass er mit dem deutschen Recht nicht vereinbar ist?

Wenn ja, dann müsste man auch die Frage stellen, inwieweit christliche Doktrinen sich beispielsweise mit der nun möglichen Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren oder der Möglichkeit einer Abtreibung vertragen. Und dennoch ist dieses Land voll von gläubigen Christen, die deswegen nicht gleich den Staat stürzen wollen. Eben weil Deutschland ein säkularisiertes Land ist und unsere Gesetze ebensowenig an christliche wie an islamische Doktrinen gebunden sind.

Ob der Islam, oder eine beliebige andere Religion, zu Deutschland passt, hängt also stets vom einzelnen Gläubigen ab.

So, sehen wir uns nun mal ein paar Antworten auf Maicks Frage an.

Treffen sich ein Islamist und ein Bundespolizist…

Ich habe leider keine Ahnung, auf welchen Vorfall Denis anspielt, aber nehmen wir mal an, es gab ihn. Ein Islamist hat also einen Bundespolizisten bedroht. Nicht nett. Theoretisch könnte man den nun nach § 241 StGB anklagen.

Was der Polizist antwortet, hängt wahrscheinlich maßgeblich davon ab, ob er – offensichtlich im gegensatz zu Denis – den Unterschied zwischen einem Moslem und einem Islamisten kennt. Tut er dies, würde er vielleicht so etwas sagen wie “Der Islam mag zu Deutschland gehören, nicht jedoch der Islamismus.” Und ich würde ihm da zustimmen.

Vielleicht sagt er aber auch sowas wie “Geht’s noch? Einer von diesen Kebabfressern hat mich bedroht. Die gehören alle aus dem Land gekarrt!” Dann würde ich mir wünschen, dass er kein Polizist wäre.
Oder vielleicht würde er auch einfach sagen “Ja. Wieso auch nicht? Nur weil mich ein Arschloch bedroht hat, das an Allah glaubt? Ich bin Polizist, mich bedrohen öfter Arschlöcher. Manche glauben an Allah, manche an Gott, manche an gar nichts.

Beeindruckend. Der Kommentar ist im Grunde völlig inhaltsleer. Ab wann ist man denn ein “deutscher Volksgenosse”, lieber Thomas? Und was bedeutet “nicht unbedingt automatisch”? Jemand, der nicht deutscher Volksgenosse ist, kann also auch nach Deutschland gehören, wenn er bestimmten Anforderungen gerecht wird? Na die hätten mich jetzt aber wirklich mal interessiert.

Und täglich grüßt der Whataboutismus

Warum sollte sich ein Christ in Afghanistan auf die Straße stellen und sagen, dass der Islam zu Deutschland gehört? Und wen sollte das stören?

Okay, Spaß beiseite. Ja, in einigen Ländern kann es durchaus gefährlich sein, sich zum Christentum zu bekennen oder es gar zu wagen, Rechte für Christen einzufordern. Aber sollen wir uns wirklich daran messen lassen? Ist das nicht erst recht ein Grund, hier anderen Religionen gegenüber offener zu sein? Die Religionsfreiheit, die in Deutschland gilt, ist global gesehen keine Selbstverständlichkeit. Und statt stolz darauf zu sein, dass wir so etwas hier haben, forderst du implizit genau die Unterdrückung, die du diesen restriktiveren Ländern vorwirfst.


Halte es doch einfach wie zahlreiche Eltern, wenn ihre Kinder mit einer schlechten Note nach Hause kommen und sich dann rechtfertigen, dass Mitschüler XY ja aber eine noch schlechtere Note hat: “Mir ist egal, was die anderen haben.

Schweinefleisch und Krebs

Ist ja gut, du kannst dein Schweinefleisch ja behalten. Himmel, entspann dich. Bekommst du eigentlich noch mit, was du kommentierst oder hast du einfach nur das Beitragsbild gesehen und warst sofort getriggert, “dein” Land verteidigen zu müssen? Gegen eine lächelnde Frau in rosa Kleidung, die ein Gummibärchen isst?

Äh…ja. Parkscheinautomaten auch. Und Pilzesammeln im Wald. Und weiter? Ist das hier jetzt ein Ratespiel?

Je nachdem, wie man es sehen will, gehört es auch zu unserer Kultur, sich anständig zu artikulieren. Diesen Schandfleck von einem Kommentar, den offenbar je zur Hälfte Roland und die Autokorrektur seines Smartphones geschrieben haben, erst einmal übersetzen zu müssen, “klotzt” mich auch an. Und was genau an dieser Süßigkeiten essenden Frau ist nun nochmal ein Indiz für gescheiterte Integration? Dass sie, obwohl sie doch in Deutschland (!!!11elf!) lebt, trotzdem ein Kopftuch trägt? Tut mir Leid, Roland, aber das ist erlaubt. Leb damit.

So, genug mit den Antworten auf Maicks Kommentar. Widmen wir uns Größerem!

Heute Fruchtgummis, morgen ganz Deutschland!

Jaah, ich sehe es nahezu bildlich vor mir, wie eine kleine Loge aus hardcore-fundamentalistischen Islamisten im stillen Kämmerlein sitzt und sinister Konferenz hält, wie man Deutschland möglichst subtil “islamisieren” könnte. Und plötzlich schlägt einer der Verschwörer die geballte Faust auf den Tisch und schreit auf “Ich hab’s! Ich weiß, womit wir anfangen!” – “Sag es uns!”, wird dann ein anderer fordern und der erste wird die Faust vor sich ballen und sagen: “Mit der Fruchtgummiwerbung fangen wir an! Erst die Fruchtgummiwerbung, dann ganz Deutschland!”. Und alle schreien dann laut “JAAAAH!!!” Und dann lachen sie alle boshaft und mindestens einer streichelt eine auf seinem Schoß sitzende Katze, weil anständige Bösewichte das so machen.

Absurd und übertrieben? Quid pro quo, Wolfgang.

Und bald dann auch noch in der Schokoladenwerbung? Kennen die denn gar keine Scham?

Der Wille der Fuzzis

Nein! Was denen aber auch einfällt, ihren Job zu machen, diesen feisten, tückischen Werbe-Fuzzis. Ich hab da auch eine Idee, was deren Hintergedanken sind, aber ich lasse erst einmal andere mutmaßen.

Kunden! Das ist ein gutes Stichwort. Auf diesen “Hintergedanken” der Werbeverantwortlichen hatte ich tatsächlich auch getippt. Zugegeben, ich halte die von Ala veranschlagten sechs Millionen Neukunden für etwas optimistisch. Aber ich denke, auf Kundenakquise als Motiv können wir uns einigen. Frank? Einverstanden?

Natürlich. Was auch sonst. Ich geb’s auf.

Und weitere Stilblüten

Ich könnte jetzt nochmal darauf verweisen, dass es drei Spots gibt, die Damen in den anderen beiden Spots kein Kopftuch trugen und trotzdem Fruchtgummis gegessen haben, ohne spontan in Flammen aufzugehen, aber diese Information hat der Artikel ebenfalls geliefert und da hat sie dich, liebe Silvia, ja offenbar auch nicht interessiert.

Da du also schon fragst, bitte: Ja, du darfst die nur noch mit Kopftuch essen. Alle anderen dürfen die essen, wie sie wollen. Du nicht. Du musst dabei ein Kopftuch tragen, den Fruchtgummi vor dich auf einen Gebetsteppich legen und ihn dann von dort mit dem Mund aufheben. Und du darfst nur in Richtung Mekka kauen. So, jetzt zufrieden?

Ohje, das muss hart sein. Menschen zu sehen, die anders ausschauen als du. Und dann auch noch aufgezwungen! Für dich scheint irgendeine ominöse staatliche Verordnung zu gelten, die dich zwingt, Werbung zu schauen. Ansonsten könntest du ja auch einfach um- oder ausschalten.

 

So, kommen wir zum letzten Kommentar. Diesmal fand ich ihn leider überhaupt nicht belustigend.

Weißt du, Mahsun, ich lese eine Menge dumpfe Hetzkommentare bei meinen Recherchen für dieses Format hier, aber dein Kommentar sticht echt heraus.

Nicht nur hast du dich ganz offenbar nicht einmal auch nur eine Sekunde mit dem Artikel befasst, auf dem basierend du den stern hier als “den letzten Dreck” bezeichnest, sondern du wirfst der Autorin quasi auch noch das komplette Gegenteil ihrer Aussage vor.
Der stern sowie die Autorin versuchen hier durch das Verbreiten bzw. Verfassen des Artikels der grundlosen Hetze gegen den Islam aufgrund eines Werbespots entgegenzuwirken und du wirfst ihnen dafür genau das vor? Geht’s eigentlich noch?

Viel Lärm um Nichts

Die meisten Kommentatoren versuchten, ihre Aversion gegen das Gezeigte hinter allerlei mehr oder minder plausiblen Motiven zu verstecken.

Einige Kommentatoren wirkten beinahe besorgt, weil nun das Kopftuch, das gerne als “Symbol der Unterdrückung von Frauen im Islam” bezeichnet wird, wie selbstverständlich in den Medien gezeigt wird und damit diese Unterdrückung gesellschaftsfähig würde.

Dass es in einigen Ländern und Gesellschaften ein Werkzeug der Unterdrückung ist, will ich gar nicht leugnen. Aber das Kopftuch ist vor allem ein Ausdruck muslimischen Glaubens. Es wird von vielen freiwillig getragen. Ich bin selbst kein Fan von auch nur irgendeiner Form der religiös motivierten Verschleierung, aber deswegen steht es mir noch lange nicht zu, irgendwem das Recht darauf abzusprechen. Und es sollte nicht denjenigen, die freiwillig Hidschab tragen, angelastet werden, dass dies anderswo erzwungen wird.

Andere Kommentatoren störten sich daran, dass Katjes durch das Zeigen einer Muslima explizit darauf hinweisen wolle, dass das Produkt für Muslime “geeignet” sei. Ganz ehrlich, wieso sollte Katjes ihr Produkt nicht auf diese Art bewerben? Viele Fruchtgummiprodukte enthalten Schweinegelatine, was sie für Muslime, die sich an die Nahrungsgebote ihrer Religion halten wollen, “haram”, also verboten macht. Die beworbenen Fruchtgummis enthalten keine Gelatine und sind somit auch für Muslime attraktiv. Wirft man hier wirklich einem Unternehmen vor, eine bestimmte Zielgruppe ansprechen zu wollen?

Ich bin selbst wahrlich kein Fan des Islam, aber so langsam frage ich mich, ob ein simpler Lorem-ipsum-Text, in den man einmal pro Absatz wahllos das Wort “Islam” einstreut, nicht sogar ein ähnliches Ergebnis im Kommentarbereich erzielen würde, wie es der obige Artikel getan hat. Es geht Leuten wie den heutigen Kommentatoren doch längst nicht mehr darum, was der Islam tut oder was seine Anhänger tun. Es geht darum, dass es ihn in Deutschland überhaupt gibt. Und darum, dass sie seinen Namen, seine Symbole und seine Anhänger sehen, wenn sie in die Medien schauen. Das wollen sie nämlich nicht. Das ist ihnen fremd und kommt ihnen absonderlich vor. Und dahinter steckt überwiegend schlicht und einfach Xenophobie. Weil sie nicht trennen können und wollen zwischen Islamisten und einfachen, gläubigen Muslimen.

Unterm Strich muss man sich einfach mal vor Augen führen, worüber sich hier hunderte von Leuten aufregen: Eine Frau, die ihre Religion offen zur Schau stellt, kommt in einem Werbespot vor. Nicht mehr und nicht weniger. Sie redet dort nicht über ihre Religion, sie versucht auch nicht, zu missionieren. Sie lächelt und isst Fruchtgummi.

Nicht jede Zurschaustellung von Religion ist gleich der Versuch einer Kulturinvasion. Ich als Atheist fühle mich ja auch nicht davon belästigt, wenn jemand einen Kreuz-Anhänger um den Hals trägt. Es kann mir ja auch schlicht und einfach egal sein, solange die Person nicht versucht, mir ihre Religion aufzuzwingen.

Bis in zwei Wochen.

 

P.S.: Ich habe diesmal, anstatt den Facebook-Beitrag zu verlinken, einen Screenshot des Beitrags eingestellt und werde das auch weiterhin so halten. Wer den letzten Eintrag verfolgt hat, dem mag aufgefallen sein, dass der Beitrag auf FB zwischendurch gelöscht wurde und der Link somit tot war, was nicht gerade zum Verständnis meines Eintrags beigetragen hat. Um gegen so etwas künftig abgesichert zu sein, verwende ich nun Screenshots. Wer den Facebook-Post dennoch aufrufen möchte, findet ihn – noch – hier.




Fleischkonsum reduzieren, um Ressourcen zu schonen?

Dass wir um des Klimas Willen unseren Fleischkonsum reduzieren müssen, ist keine neue Erkenntnis, Deshalb sind Artikel, wie der mit dem Titel „Deutsche sollen nur halb so viel Fleisch essen“ ebenso häufig wie richtig. Doch das schmeckt den Usern nicht. Die Reaktionen unter solchen Artikeln hat sich Friedemann Kipp in seiner Kolumne angeschaut. Und musste sich durchaus dafür schämen.

Hallo und willkommen zum zweiten Eintrag im Jahr 2018. Nachdem ich mich nun zwei Wochen entspannt habe, fühlte ich mich sogar einigermaßen bereit, mich wieder in die Kommentarspalten zu stürzen, ohne dabei gleich Tränen zu vergießen. Gesagt, getan. Heute wollen wir uns von den bundespolitischen Themen, die die letzten Einträge dominiert haben, mal ein wenig wegbewegen. Daher habe ich mir diesmal etwas Gesellschaftliches vorgenommen.

Ich möchte vorwegschicken, dass ich mich bei den Recherchen für diesen Eintrag wie bei keinem anderen zuvor geschämt habe. Der Bevölkerungsgruppe, der die heutigen Kommentare entstammen, gehöre ich nämlich auch an. Die Rede ist von Fleischessern.

Carnivoris major

Man sehe mir nach, dass ich diesmal thematisch nicht allzu weit ausholen will. Der Kampf zwischen Befürwortern und Gegnern des Fleischkonsums ist nicht wirklich neu und beide Seiten haben sowohl gute als auch schlechte Argumente und Methoden, ihn auszutragen.

Unterm Strich bleibt zu sagen, dass die aktuelle Situation nicht tragbar ist. Das Gewicht der ethischen Argumente, die von erbärmlichen Haltebedingungen in der Massentierhaltung bis hin zum Töten eines Tieres aus kulinarischen Gründen an sich reichen, mag aufgrund persönlicher Ansichten schwanken, aber die meine ich damit nicht einmal.



Anders sieht es beim Ressourcenverbrauch aus. Massentierhaltung frisst unverhältnismäßig viele Ressourcen. Bevor so ein Stück Fleisch nämlich auf unseren heimischen Tellern landet, braucht das Tier, dem es entstammt, nämlich selbst eine ganze Menge Futter und das will irgendwo angebaut werden. Die Fleischproduktion kostet immense Mengen an Wasser, sorgt für beängstigend hohe Treibgasemissionen und der Futtermittelanbau verschlingt ein großes Ausmaß an Nutzflächen.

Und am Ende finden wir dann im Discounter um die Ecke abgepacktes Fleisch zu je 1,99 € pro Pfund. Das hier etwas nicht stimmen kann, steht außer Frage.

Umweltschützer legen deshalb nahe, den Fleischkonsum zu überdenken und sinnvollerweise zu reduzieren. Zwar geht der durchschnittliche Fleischkonsum in Deutschland in den letzten Jahren schon langsam zurück, jedoch müsste sich hier noch weit mehr tun. Für weitere Informationen und Belege hierzu empfehle ich übrigens einen Blick in den “Fleischatlas 2018”, eine von BUND und der Heinrich Böll-Stiftung herausgegebene Daten- und Faktensammlung zum Thema Fleisch als Nahrungsmittel. Ihr könnt ihn euch als kostenlose PDF herunterladen.

 

Der Ton macht die Musik

Der Artikel, zu dem die heutigen Kommentare abgegeben wurden, wurde von der WELT veröffentlicht. Wie wir aus vorherigen Einträgen wissen, tut sich eben diese etwas schwer, wenn um das Formulieren von adäquaten Überschriften geht. So auch dieses mal, wie wir im Folgenden sehen können:

(18.01.2018; Anm.: Der Facebook-Post wurde mittlerweile von n24 entfernt. Der Post war betitelt mit „Deutsche sollen nur noch halb so viel Fleisch essen“ und verwies auf diesen Artikel)

Wer den Artikel anklickt, findet tatsächlich eine recht subjektive Darstellung von allerlei Informationen rund um den Fleischkonsum und die Empfehlung der Reduzierung desselben sowie Maßnahmen, mit denen man dies erreichen könnte.

Freilich muss man den Artikel hierzu auch wirklich anklicken und im Idealfall sogar die von der WELT dafür veranschlagten sieben Minuten Lesezeit investieren, um sich des Inhalts vollends gewahr zu werden. Und wie wir ja schon ein paarmal feststellen durften, hat es der gemeine Facebook-Kommentator damit nicht so. Schauen wir also mal in die Kommentare.

 

Hauptsache dagegen!

Zugegeben, die Überschrift ist ein wenig maßregelnd formuliert. Dass es sich dabei nicht um eine Verpflichtung handelt, sondern lediglich um eine Empfehlung im Sinne des Erreichens bestimmter Ziele bezüglich Umweltbelastung, Tierwohl usw., geht da schnell verloren. Und somit verfallen die Rezipienten wieder reihenweise in Trotzhaltung und antworten sinngemäß alle Folgendes:

Welch Geistes Kind sind jene, die sich Experten schimpfen, den Deutschen einfach das gute Fleisch VERBIETEN zu wollen!? Narren und Nichtsnutze will ich sie heißen, allesamt, wie sie dastehen und derlei Unfug zu fordern wagen! Eine Unverfrorenheit, die ihresgleichen sucht! Ist es doch des Deutschen angestammtes Recht (!), sich vom Fleische des Tieres zu nähren, wie es ihm beliebt. Was soll kredenzt werden, wenn man sich zum Feierabend hin mit der Familie an der Tafel versammelt, um gute Gesellschaft zu halten und von den Geschehnissen des Tages zu sprechen? Etwa… Gemüse? Schon mein Vater aß allabendlich Fleisch vom Schwein, wie auch schon sein Vater vor ihm. Und nun soll mir das Fortführen dieser gar stolzen Tradition von irgendwelchen dahergelaufenen Kretins verwehrt werden? Schande, rufe ich aus. SCHANDE!

 

Ich dachte mir, wenn die Argumente schon so schwach sind, dann kann man sie ja wenigstens mal in ein hübsches Sprachbild verpacken, oder nicht? Leider las ich nichts dergleichen. Was ich stattdessen vorfand, habe ich in einer kleinen Best-Of-Collage zusammengefasst.

Von blankem Zorn bis hin zu Verwirrung und Ratlosigkeit ist also alles dabei. Betrachten wir nun einige weitere Exemplare im Einzelnen.

Genau, Steffi! Dauernd diese Minderheiten, die irgendwas fordern. Erst die ganzen Muslime, die irgendwo eine Moschee hinklatschen wollen, nun auch noch diese Baumschmuser, die einem die grobe Mettwurst von der Stulle mopsen wollen. #naistdochwahr

Weißt du, Steffi, der Umstand, dass die Umweltexperten, die dich hier “nerven”, eine Minderheit sind, ist genau das Problem. Hätte jeder ein umfassendes Verständnis von der Fleischindustrie und ihren Auswirkungen, hätten wir vielleicht einige Probleme gar nicht.

Ich habe einen Moment gebraucht, aber ich vermute, dass Mayk hier auf die Sache mit der H&M-Werbung für einen gewissen Pullover anspielt. Aber was genau soll das nun hier? Hat der Kommentar den Anspruch, witzig zu sein? Oder willst du einfach nur dagegen protestieren, dass die H&M-Werbung als rassistisch angesehen wird? Wenn ja, wieso hier? Fragen über Fragen…

Mensch, Marion, schalt mal einen Gang runter. Hier wird nichts vorgeschrieben, hier wird empfohlen. Warum du nochmal zwischen Zwangs- und regulären Vorschriften unterscheidest, ist mir nicht ganz klar, aber ich kann dich beruhigen, beides liegt hier nicht vor. Was die Bevormundung angeht, sieht es vielleicht etwas anders aus.
Wann muss jemand bevormundet werden? Wenn sein eigenes Urteilsvermögen offensichtlich nicht ausreicht, um eine richtige Entscheidung treffen zu können. Jemand, der für einen Euro je Pfund Hackfleisch kauft, obwohl ihm klar sein müsste, dass hierbei irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann, der bedarf vielleicht einer gewissen Bevormundung.

Und es ist ja nicht so, als würde man einfach über dich hinweg entscheiden wollen. Vielmehr ist man gewillt, dich durch Argumentation dazu zu bewegen, selbst zu der geforderten Einsicht zu gelangen. Sicherlich hätten die Verantwortlichen Besseres zu tun, aber da ein Umdenken auf breiter Front bis dato ausgeblieben ist, müssen sie sich eben weiter mit Leuten wie dir auseinandersetzen.

Amen! Um die Lust geht es ja gar nicht, die kannst du haben, so oft du magst. Es geht nur darum, dass du dir die Pampe einfach ein wenig seltener aufs Brot schmierst.

Hey, das finde ich nun wirklich unfair. Das ist kein reines Herrenproblem. Tatsächlich war, soweit ich das anhand der Namen und Profilbilder der Kommentatoren beurteilen konnte, das Verhältnis zwischen Männlein und Weiblein unter den “Lasst-mich-in-Ruhe”-Verfechtern relativ ausgeglichen.

Iss du nur, Uwe, kein Thema. Aber was soll der Satz danach bedeuten? Was sollte man denn von dir wollen? Willst du dein Essen dann mit deinem Besucher teilen? Und was sollen diese beiden verschmitzt lachenden und zwinkernden Smileys? Das ist unheimlich, Uwe. Wirklich unheimlich. Ich möchte dich nicht besuchen.

 

Wenn es kein Fleisch mehr gibt, frühstücke ich eben Clowns

Ich vermute, die folgenden Kommentare basieren überwiegend auf folgender Annahme:

Hm, ja, kann schon sein, dass da ein paar dabei waren. Und weiter? Ist es neuerdings Veganern vorbehalten, sich Gedanken um Klima und Ressourcenverbrauch zu machen?

Nunja, wer hat schon Lust, sich mit Argumenten auseinanderzusetzen, wenn man doch stattdessen total innovative Witze machen?

Haha…ha..hihi. Der Witz ist älter als mein Großvater. Zwar ziehe ich aus gustatorischen Gründen ebenfalls Steak einem vegetarischen Gericht vor, aber das macht es auch nicht lustiger.

Ach Günter, du hast doch sicher schon zu Schulzeiten deine Mitschülerinnen reihenweise mit deinem feschen Humor rumgekriegt, nicht wahr?

 

Und was ist mit den Muslimen?

Ja, ihr lest richtig. Einige Spezialisten haben tatsächlich die Brücke von Fleischkonsum zu Migration und Flüchtlingen geschlagen. Im Ernst, habt ihr etwas anderes erwartet?

Ich vermute einfach mal, dass auch dieser Kommentar witzig sein soll. Aber irgendwie liest er sich nicht so. Er ist lang und annähernd orthographisch korrekt geschrieben und liest sich daher beinahe ernst gemeint, was ich ziemlich beunruhigend finde. Vor allem dieser Daumen nach oben am Ende. So als sei Martin von glühendem Unverständnis erfüllt, wieso denn bisher niemand auf diese so simple Lösung für gleich mehrere Probleme gekommen ist. Wahrscheinlich saß er wirklich eine Weile von dem PC und hat darauf gewartet, dass jemand etwas Zustimmendes darunter kommentiert. Etwas wie “Mensch, das ist es! Dass wir da vorher noch nicht drauf gekommen sind. Alles klar, wir treffen uns in einer Stunde vorm Flüchtlingsheim um die Ecke, bringt Besteck mit und wer hat, auch gerne einen Thermomix!

Natürlich. Das ist ja die Lösung für alles. Grenzen dichtmachen. Nix rein, nix raus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Christoph diesen Satz einfach unter JEDEN Artikel kotet, der in seiner Timeline auftaucht, ohne sich anzusehen, um was es überhaupt geht.

Weniger Fleisch essen? Lieber Grenzen dichtmachen!

Pflegekräfte brauchen bessere Bezahlung? Lieber Grenzen dichtmachen!

Der Bachelor musste sich wieder von einigen seiner sparsam beleuchteten Bikinibratzen verabschieden? Armer Kerl, lieber schnell die Grenzen dichtmachen! *Seufz*

Was ist eigentlich mit der Meinungsfreiheit? Normalerweise plärrt doch auch bei jedem beliebigen Thema jemand, dass man sich ja nicht mehr trauen könnte, seine Meinung zu äußern.

Na geht doch. Danke, Seb.

 

Das Kuriositätenkabinett

Anstelle des üblichen WTF-Kommentars gegen Ende habe ich heute eine ganze Reihe davon vorbereitet:

Ich habe den Kommentar wirklich oft gelesen und konnte leider nicht den Hauch von Verständnis für den Inhalt erlangen. Ernsthaft, ich habe keine Ahnung, was Klaus will. Aber es ist offenbar sehr lustig. So lustig, dass er einen lila Hund daruntergepostet hat. Ich werde die Vermutung nicht los, dass dieser Hund und Klaus die einzigen sind und bleiben werden, die darüber lachen.

Sehr puristisch, dieser Kommentar. Beinahe philosophisch. Die Stimme meiner Deutschlehrerin aus der Oberstufe hallt dumpf in meinem Kopf wider und fragt: “Was will uns der Autor damit sagen?”

Nun, vermutlich, dass aus seiner Sicht der Fokus bei Nutztieren auf dem Nutzen, nicht etwa auf dem Tier liegen sollte. Ein wenig unempathisch, aber okay. Leider ist selbst diese Argumentation völlig unbrauchbar, da sich damit bestenfalls den ethischen Aspekten des Fleischverzichts begegnen lässt. Umwelt- und Ressourcenaspekte werden davon nicht einmal angekratzt. Durchgefallen, Alex.

Recht hat er, der Marcel. Wenn man den Umweltschützern nur genug Fleisch verabreicht, wird aus “Esst weniger Fleisch” ganz schnell “Efft wmpfpf Flmpf…*erstickendes Röcheln*”.

Klasse, Marcel. Ich bewundere deinen Weitblick.

Gut zu wissen. Danke, Michael.

Nett von Eleonore, dass sie uns hier ungefragt ihren halben Speiseplan darlegt. Wenn er mir doch nur nicht so egal wäre. Aber eines nehme ich aus diesem Kommentar mit. Offensichtlich gibt es nämlich eine Zubereitungsform für Kartoffelklöße, dir mir bis heute verborgen geblieben ist. Das “Knatschen”. Ich werde alsbald versuchen, herauszufinden, was genau das sein soll. Wünscht mir Glück.

So, kommen wir zum letzten Kommentar:

In diesem Suchbild hat sich offenbar ein Kausalzusammenhang versteckt, der nun zur öffentlichen Fahndung ausgeschrieben ist. Sachdienliche Hinweise in der Angelegenheit werden unter waswilldertypdenneigentlich@wtf.de gerne entgegengenommen.

 

Fazit: Geht’s eigentlich noch?

Wie ich eingangs bereits erwähnte, hat mich die Recherche für diesen Eintrag wie bei keinem anderen zur Weißglut getrieben. Ich bin leidenschaftlicher Fleischesser und sehe mich auch in absehbarer Zeit nicht von diesem Standpunkt abweichen. Dennoch kann auch ich mich der Argumente auf Sachebene, speziell hinsichtlich Ressourcenverbrauch und Umwelt- bzw. Klimaaspekten nicht erwehren. Und ganz ehrlich? Das will ich auch nicht. Die Verantwortung dafür liegt bei jedem Einzelnen und auch wenn ich im Falle einer Realisierung der im Artikel vorgeschlagenen Maßnahmen – vornehmlich einer gepfefferten Preiserhöhung für Fleischprodukte – selbst betroffen bin, sehe ich dies als absolut angemessen an. Fleischkonsum kann auch bewusst erfolgen.

Zu qualitativ hochwertigerem und unter besseren Bedingungen produziertem Fleisch zu greifen, ist jedem möglich. Gegebenenfalls muss man eben wirklich seltener Fleisch essen, wenn es das Budget vorschreibt, dafür aber gutes Fleisch.

Ist es denn wirklich notwendig, sich hier in infantilen Trotz zu verkriechen und seine eigene Ignoranz hinter tonnenweise schlechten Veganerwitzen zu verstecken, nur um nicht darauf verzichten zu müssen, sich siebenmal pro Woche billigstes Fleisch von erbärmlicher Qualität, dem sowohl Geschmack als auch Konsistenz völlig abgehen, einverleiben zu können? Steckt da wirklich noch Genusswille dahinter, oder ist es das krampfhafte Festhalten an einem Missstand, der in diesem Land schon so lange als normal hingenommen wird, dass die sachliche Infragestellung desselben jegliche Reflektion verbietet und sofort als Angriff auf die persönlichen Rechte gilt?

Niemand will hier Fleischkonsum verbieten. Eine Empfehlung wird ausgesprochen. Die Empfehlung basiert dabei sogar nur begrenzt auf ethischen Motiven. Ob der Wert tierischen Lebens so zu bemessen ist, dass Fleischkonsum moralisch nicht vertretbar ist, muss tatsächlich jeder für sich entscheiden. Da steht ja auch nicht, dass wir aufhören sollen, Fleisch zu essen. Die Empfehlung sieht lediglich eine Reduzierung vor. Und diese wird hervorragend begründet. Dem Rezipienten wird alles an die Hand gegeben, was er benötigt, um die Empfehlung nachvollziehen zu können und im Idealfall eine ausreichende Motivation daraus zu ziehen, sie nicht nur umsetzen zu können, sondern es auch zu wollen.

Und was machen die Rezipienten? Sie schimpfen auf die Umweltschützer, beleidigen sie, machen Witze und sprechen ihnen gar das Recht auf ihre Meinung ab. Weil sie sich bevormundet fühlen. Weil die eigene Aufmerksamkeitsspanne nicht einmal mehr ansatzweise für das Erfassen komplexer Probleme wie den hier zugrunde liegenden ausreicht. Weil zwischen zwei Presswurstschnitzeln offenbar nicht einmal mehr genug Zeit für einen Funken an Selbstreflexion bleibt.

Die Informationen, auf denen die Empfehlung basiert, sind nicht grundsätzlich neu. Jeder hätte Recherche betreiben können und wäre nach rein rationaler Abwägung selbst darauf gekommen, dass das Ausmaß des Fleischkonsums in Deutschland nicht tragbar ist. Was die Autoren des Fleischatlas hier getan haben, ist nichts anderes, als diese Informationen auszuwerten und die gewonnene Essenz unverbindlich zur Verfügung zu stellen. Und genau dafür ernten sie die oben gesammelten Reaktionen. Ob die “Lasst-mich-doch-in-Ruhe”-Fraktion in ihrem beschränkten Denkvermögen jemals auf die Idee gekommen ist, dass unter den Umweltschützern vielleicht selbst passionierte Fleischesser sind, die nun mehr oder minder schweren Herzens – aber aus guten Gründen – ihren Fleischkonsum einschränken müssen, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden?

Nein, wahrscheinlich nicht. Gesehen wird nur ein Verein von Moralaposteln, die man sicherheitshalber als unbedeutende Minderheit abtut, um nicht hinhören zu müssen. Sie werden als baumschmusende Grünterroristen betrachtet, die das ganze Land mit ihrem unwerten, fleischlosen Lebensstil indoktrinieren wollen. Und das ist wahrlich ein Armutszeugnis für uns Fleischesser.

Glaubt mir, mir gehen die wirklich militanten, missionierenden Veganer, die einem in jedes Schnitzel hineinquatschen und aus der Haut fahren, wenn bei Grillpartys mein Steak nicht den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 20 cm zu ihrer dämlichen Grillzucchini einhält, genauso auf den Keks. Aber das macht ihre Argumente nicht schlechter. Und Argumente haben sie genug. Die derzeitigen Verhältnisse gebieten mindestens einen bewussteren Fleischkonsum. Bessere Qualität und angemessene Preise gehen da Hand in Hand. Wenn hierfür kein breiteres Bewusstsein unter den Fleischessern entsteht, wird es unweigerlich dazu kommen, dass der Staat eingreift. Das ist dann zwar tatsächlich Bevormundung, aber die haben wir dann möglicherweise sogar verdient. Ihr wisst ja, wer nicht hören will, muss fühlen.

Ich für meinen Teil habe mir unlängst die Adresse eines Bauernhofs in der Nähe herausgesucht. Dort verkauft man Fleischprodukte aus eigener Herstellung und das werde ich mir in der kommenden Woche mal genauer ansehen. Ich weiß, das “Ich kaufe nur beim Bauern um die Ecke”-Argument ist auch schon irgendwie abgedroschen, aber irgendwo muss man ja mal anfangen, nicht wahr?

Bis in zwei Wochen.

Diesen und ältere Beitrage von „kleiner Mann, große Worte“ findet ihr auf Kipps Blog „Kippfenster“

Warum sind so viele Leute mit Wahltrends überfordert?




Warum sind so viele Leute mit Wahltrends überfordert?

Wahltrends sind eine sehr beliebte und im Grunde bestechend simple Methode, um die politische Stimmung aus der Bevölkerung aufzunehmen. Doch scheinbar ist dennoch nicht jedem klar, was ein Wahltrend aussagt und was nicht. Ich habe mir dazu mal einige Stimmen angesehen und mein Bestes gegeben, den Leuten zu einem besseren Verständnis der Sonntagsfrage zu helfen.

Hallo zusammen und willkommen zum ersten Eintrag 2018. Naja, streng genommen sollte der Eintrag bereits 2017 erscheinen, aber durch Urlaub und Umstrukturierung beim Volksverpetzer ist er ein wenig untergegangen. Ich wünsche allen Lesern also zunächst einmal retrospektiv einen guten Rutsch.

Zugegeben, die Themenauswahl war auch dieses Mal eher zäh. Die Bundespolitik stagniert nach den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen noch immer vor sich hin. Union und SPD haben nun, nach Aussage der Beteiligten, erfolgreiche Sondierungen zur Fortsetzung der großen Koalition abgeschlossen.
Ich persönlich bin kein großer Fan dieses Szenarios. In der letzten Legislaturperiode hat sich dieses Bündnis weitestgehend träge und wenig kooperativ gezeigt. Das Ergebnis waren einige faule Kompromisse und mein persönliches politisches rotes Tuch, die PKW-Maut.

Nicht grundlos hatte die SPD einer Fortsetzung dieses Koalitionsmodells unmittelbar nach Bekanntwerden der Wahlergebnisse im September eine vorzeitige Absage erteilt.
Wer kennt nicht die Situation, entweder aus eigener Erfahrung oder von Bekannten, in der man sich fragt, ob es nicht doch eine gute Idee ist, nochmal was mit dem oder der Ex anzufangen – obwohl es seinerzeit mehr als genug Gründe für die Trennung gab?

Man wog ab, zierte sich ein wenig und nun war es dann soweit: Martin Schulz warb vor einigen Wochen beim Parteitag der SPD dafür, dass man sich doch nochmal zu einem erneuten ersten Date mit der Union treffen wolle. Im Politiker-Duktus drückte man sich freilich gewählter aus. Hier war die Rede von “ergebnisoffenen Gesprächen”.

Ich finde solche Begriffe anstrengend. Wie genau sehen denn Verhandlungen aus, die nicht “ergebnisoffen” sind? Aber dass man sich in der politischen Sprache gerne mal unnötig sperrig ausdrückt, ist ja nichts Neues. Ich erinnere an dieser Steller kurz an den “atmenden Deckel”.

In Ordnung, man hat also einen letzten Versuch unternommen, mit dem vorhandenen Wahlergebnis zu einer handlungsfähigen Regierung zu kommen, ohne dabei eine Minderheitsregierung zu bekommen. Ob dieser Versuch Früchte trägt, wird sich zeigen, denn in der SPD regt sich bereits erster Widerstand gegen die GroKo-Pläne der Parteiführung.



Vox Populi

In einer Demokratie, wie wir sie in Deutschland pflegen, bestimmt ja bekanntlich die wahlberechtigte Bevölkerung maßgeblich, wer die Geschicke des Landes lenken darf. Zwar wählen wir den Bundestag nur alle vier Jahre, allerdings ist es – wie die Meisten vermutlich wissen – Usus, hier und da mal die Stimmung aus der Bevölkerung aufzunehmen, um anhand der Trends die Reaktion der Bevölkerung auf jüngste politische Ereignisse zu erfassen. Bekannt ist dieses Vorgehen u. a. als “Wahltrend”, „Sonntagsfrage“ oder einfach „Wahlumfrage“, zumeist unter der Überschrift “Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre…”.

Verschiedene Umfrageinstitute führen nach jeweils hauseigenen Methodiken regelmäßig entsprechende Umfragen durch, sodass praktisch jede Woche ein solcher Trend zur Verfügung steht.
Warum ich das so ausschweifend erkläre, obwohl eigentlich jedem, der auch nur einen Funken Basiswissen über unsere politische Landschaft hat, klar sein dürfte, was ein Wahltrend ist? Nun, weil es offenbar – und das hätte ich bis heute selbst nicht gedacht – noch immer eine Menge Leute gibt, denen dieses Prinzip nicht klar war, bei denen es aber dennoch zu einer politischen Meinung gereicht hat.

Die Ergebnisse einer solchen Umfrage hatte der Focus vor einigen Wochen präsentiert und sich dabei einer, wie sich herausstellte, etwas stolperhaften Überschrift bedient.

Das Ergebnis ist überrraschend!

Gepostet von FOCUS Online Politik am Sonntag, 10. Dezember 2017

Deutschland “wählt” selbstverständlich nicht, sondern Deutschland WÜRDE, gemäß dem in der Umfrage ermittelten Trend, so wählen. Ein himmelweiter Unterschied, den man sich zwar als verständiger Mensch problemlos auch trotz der unpassenden Überschrift ins Gedächtnis zu rufen weiß, doch leider lesen den Post ja nicht nur verständige Menschen. Und, noch viel wichtiger, es kommentieren auch nicht nur verständige Menschen.

Die aufgegriffene Umfrage wurde von Emnid durchgeführt. Befragt wurden laut Artikel 1880 Personen. Die Auswahlkriterien werden hier nicht weiter dargelegt. Die Kernaussagen, die aus dem Vergleich mit den Daten der Vorwoche hervorgehen, sind im Grunde schnell abgehandelt. Die SPD verliert – trotz ihrer Gesprächsbereitschaft im Hinblick auf eine erneute GroKo – nicht an Zustimmung. Die Grünen legen einen Prozentpunkt zu. Der Rest bleibt mehr oder minder unverändert.

Traue keiner Statistik, die dir nicht zusagt!

Durch die Kommentatoren ging beim Anblick der Umfragewerte offenbar zunächst ein kollektives Raunen. Kann ja wohl nicht wahr sein, dass die SPD für diese Gesprächsbereitschaft keine Klatsche bekommt. Und dann legen die Grünen, die offenbar das erklärte Feindbild vieler Kommentatoren darstellen, auch noch einen Punkt zu? Das stößt auf Missfallen.

Hier haben wir mal wieder einen dieser Kandidaten, die wieder nur die Überschrift lesen, statt den Artikel, zu dem sie hier ihren Senf abgeben, auch mal anzuklicken und – ich weiß, ich erwarte viel – zu lesen.
Roger! OMG! Die Zahlen stammen nicht von Focus! Das stellt Focus auch mehrfach klar, z. B. indem die tatsächliche Quelle der Zahlen angegeben wird.

Da Roger bei Weitem nicht der Einzige ist, dem bisher nicht klar war, dass nicht jedes Nachrichtenmagazin hauseigene Umfragen erstellt, hat Focus dem Artikel sogar einen Infokasten beigefügt, der detailliert erklärt, wie solche Wahltrends üblicherweise zustandekommen, wer sie erhebt, wie groß die Stichproben sind und wie hoch die Fehlertoleranz solcher Umfragen gängigerweise ist.

Ach, die Volksverarsche wird mal wieder bemüht. Na, wurde ja auch Zeit. Eine Frage hätte ich in diesem speziellen Fall aber noch: Wozu genau? Welchen Mehrwert bietet es dem Focus oder sonst irgendwem, hier solche Zahlen zu präsentieren? Daran hängt ja nichts. Nächste Woche können sie schon wieder anders aussehen. Und was ist eigentlich “wahrer Journalismus”? Nur weil dir der Inhalt eines Berichts nicht gefällt, macht es diesen nicht falsch oder unprofessionell.

Übrigens, die meisten Nachrichtenmagazine lassen ihren Journalisten Freilandhaltung zuteil werden. Deine Sorge um die Mitarbeiter beim Focus ehrt dich zwar so halbwegs, ist aber sicher unbegründet.

*Seufz*… Puh, also nochmal: Die Zahlen sind nicht vom Focus. Es ist ein Wahltrend. Eine Hochrechnung. Übrigens kann man sowas nicht “nur mit den Deutschen machen”. Auch in anderen demokratischen Staaten werden Wahltrends erhoben und kommuniziert. Ob die Bürger in diesen Ländern ähnlich überfordert damit sind, wie du es bist, weiß ich allerdings nicht.

Ist es wirklich so schlimm um unsere Bildung bestellt, dass die Leute eher an spiritistische Jahrmarkt-Methoden glauben, als sich damit auseinanderzusetzen, wie eine simple Umfrage funktioniert?

Ausgewählte Personen

Wie die darauf kommen? Indem sie eine bestimmte Anzahl an Personen befragen und dann hochrechnen. Dass du dabei nicht befragt wurdest, ist nicht unbedingt unlogisch. Laut Bundeswahlleiter lebten in Deutschland zur Bundestagswahl 2017, also vor etwa drei Monaten, etwa 61,5 Millionen Wahlberechtigte. Nehmen wir der Einfachheit halber an, dass davon alle gleich gut für die Umfrage geeignet sind, lassen also den Repräsentativitätsaspekt außen vor und nehmen wir weiterhin an, dass sich diese Zahl in den letzten drei Monaten nicht signifikant geändert hat. Von diesen 61,5 Millionen wurden nun also 1880 befragt. Auf eine befragte Person kamen demnach 32711,8 Personen, die nicht befragt wurden. Nun verstanden, wie es dazu kommen konnte, dass ausgerechnet du nicht dabei warst? Die Chance dafür, dass du unter den Befragten gewesen wärst, lag bei etwa 0,003 %.

Ok, ich versuche es noch einmal: Die machen das stichprobenartig, okay? Die können nicht jeden Wahlberechtigten befragen, das würde länger als eine Woche dauern, da es sehr aufwändig ist.

Es wurde doch gar nicht gewählt! Und wie genau läuft denn deiner Meinung nach eine Wahl ab? Du verteilst doch die Prozente nicht selbst auf die Parteien, sondern gibst einer Partei deine Stimme. Das Ergebnis setzt sich dann aus den Stimmen all derjenigen zusammen, die gewählt haben. Hat dir vorher noch keiner erklärt, dass es mehrere Wahlberechtigte gibt und du nicht alleine damit bist?

Blaue Stimmen

Ist es eigentlich auch irgendwann mal gut mit diesem verdammten “Land abschaffen” und “Volk abschaffen”? Ich kann dieses Geflenne nicht mehr hören. Keine Partei will hier irgendwas abschaffen, umvolken, entkernen, kulturell transformieren oder was ihr, Ralf und deinesgleichen, euch in euren national-ängstlichen Dystopien auch sonst ausmalt. Wer seine Familie liebt, wählt das, was er für am ehesten in ihrem Interesse erachtet. Du willst deine Töchter offenbar brav hinter dem Herd sehen, deshalb wählst du AfD und das ist auch dein Recht. Aber kann es mit dieser substanzlosen Kritik nicht irgendwann auch mal genug sein?

Übrigens, hört man von AfDlern nicht sonst immer, dass Deutschland in einem schlimmen Zustand ist und die “Systemparteien” alles kaputtgemacht haben und dass die AfD wieder alles zum Guten ändern will? Wieso kommt nun Ralf hier um die Ecke und sagt, wer “Deutschland in seiner jetzigen Form erhalten will, wählt AfD”? Ist das nicht widersprüchlich?

Ach, die sind nicht für Deutschland? Für wen dann? Ich könnte schwören, dass Vertreter genau dieser Parteien in den letzten Jahren die deutschen Regierungen gebildet haben.

Puh, wie erkläre ich dir das? Erinnerst du dich noch an den Sportunterricht in der Schule? Wenn dort beispielsweise Fußball gespielt wurde, haben ja meistens die Mannschaften abwechselnd Schüler in ihre Teams wählen dürfen. Dabei haben sich in der Regel einige wenige Schüler herauskristallisiert, die immer erst gegen Ende gewählt wurden. Das lag daran, dass man als Teamkapitän davon ausgehen musste, dass sie – aus unterschiedlichen Gründen, die von Statur und Haptik bis hin zu mangelndem Verständnis des Spielprinzips reichen konnten – dem Team keinen Mehrwert brachten oder es im schlimmsten Fall sogar negativ beeinträchtigten.

Aber da alle untergebracht werden mussten und irgendwann nur noch diese Schüler übrig waren, hatte schlussendlich jedes Team ein oder zwei davon in seinen Reihen. Und wie ist man damit umgegangen? Genau, man hat versucht, die Personen möglichst wenig einzubinden und möglichst an ihnen vorbei zu arbeiten.

Ähnlich ist es mit der AfD. Das Volk hat sie leider ins Team Bundestag gewählt, damit muss man nun klar kommen. Aber wenn man wirklich etwas erreichen will, das dem Land und seinen Bürgern nutzt, spielt man besser an der AfD vorbei. Nun klar?

 

Zum Abschluss der AfD-Sparte nun noch ein kurzer Dialog:

Gute Frage, Karl-Heinz. Schauen wir doch mal, ob sie dir jemand beantworten kann.

Je öfter ich diese Antwort lese, desto dämlicher erscheint sie mir. Zur Verdeutlichung folgender fiktiver Dialog.

Kunde: “Sie wollen mir also dieses Auto verkaufen. Was können Sie mir denn über den Motor erzählen?

Verkäufer: “Wir haben noch keinen Motor eingebaut.

Kunde: “Ähm…okay? Darf man fragen, wieso nicht?

Verkäufer: “Es ist besser, das erst einmal nicht zu tun. Motoren sind sehr komplex. Da kann alles Mögliche passieren. Er kann auslaufen, Feuer fangen, ja sogar explodieren! Wir möchten unsere Kunden da nicht als Versuchskaninchen missbrauchen, verstehen Sie?”

Kunde: “Ist das Ihr Ernst?

Verkäufer: “Leasen Sie den Wagen doch erst einmal für… sagen wir, vier Jahre? Vielleicht finden wir währenddessen eine Lösung für das Motorenproblem.

Kunde: “

 

Kommen wir zum letzten Kommentar für heute.

Na, ist ja dann doch etwas anders gekommen, nicht wahr? Aber ich frage mich wirklich, wo Karl diese Zahlen gelesen haben will. Meine Recherche hat diese Zahlen nur in einem Kontext gefunden:

Die New York Times hatte seinerzeit wohl eine Prognose abgegeben und regelmäßig aktualisiert.

Ich weiß nur nicht, wie ich Karl nun am besten erkläre, dass die New York Times jetzt eher weniger zu den “deutschen Medien” gehört.

#SovielDazu #MicDrop #WoLiegtNochmalNewYork

Und täglich grüßt die Diskussionskultur

Ich muss zugeben, dass ich es mittlerweile doch ein wenig bereue, damit begonnen zu haben, jeden Eintrag hier mit einem Fazit enden zu lassen. Oftmals – so auch heute – kann ich konklusiv einfach nur den Kopf schütteln. Im Grunde lässt sich hier als Fazit nur erneut auf generelle Verhaltensrichtlinien in Sachen Diskussionskultur – speziell online – verweisen, die ich, mit dem Ziel eines etwas umfänglicheren Fazits, hier nun einfach nochmal aufgreife.

Wer einen Artikel kommentiert, tut gut daran, ihn zuvor gelesen zu haben. Das sorgt oftmals für einen vollkommen neuen Blick auf das Thema, nämlich einen vollständigen. Dies ermöglicht inhaltlich fundiertes Kommentieren, da auf einzelne Aspekte gezielt eingegangen werden kann.

Wenn man nicht bereit ist, sich mit dem direkten Inhalt eines Artikels auseinanderzusetzen, sondern seinen digitalen Senf bereits anhand der Überschrift dazuzugeben gewillt ist, schadet es nicht, wenigstens über das von der Überschrift angekratzte Thema einen groben Überblick zu haben.

Mit dem vermittelten Inhalt eines Artikels nicht einverstanden zu sein, ist jedes Rezipienten gutes Recht und – richtig kommuniziert – eine gute Grundlage für eine Diskussion. Allerdings erfordert ein widersprechender Kommentar, um als Diskussionsgrundlage fungieren zu können, einen gewissen Detailgrad. Veranschaulichen wir das kurz anhand von zwei Beispielen:

  • “Ich möchte dem Autor hier widersprechen. Speziell im Hinblick auf Punkt XY zeigen meine persönlichen Erfahrungen etwas anderes. Und Punkt AB wurde ja bereits vor einigen Jahren durch BlaBla et al. widerlegt (Quelle).”
  • “Lüge! Als ob die Zahlen stimmen! Ihr wollt uns nur klein halten und dumm und deswegen behauptet ihr sowas aber wir wissen es besser. Uns verarscht ihr nicht. Ihr seid nur am Lügen. Außerdem seid ihr alle blöde Kackvögel!” [Orthographie erheblich korrigiert, Anm. d. Red]

Zugegeben, hier handelt es sich um Extremdarstellungen. Wenn sich aber alle ein wenig mehr an Beispiel 1 orientieren würden, könnte es unter solchen Beiträgen tatsächlich zu sinnvollen Diskussionen kommen. Ich fürchte allerdings, dass dies gerade bei politischen Themen weiterhin eine Utopie bleiben wird. Schade eigentlich… mal wieder.

Diesen und ältere Beitrage von „kleiner Mann, große Worte“ findet ihr auf Kipps Blog „Kippfenster“