Impfgegner bestachen Ärzte für Fake-Impfungen, bekamen aber echte – in Griechenland

| Bericht | 8. November 2021

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Fake-Impfungen sollen… echt gewesen sein

Kuriose Geschichte aus Griechenland. Während die Gefahren für Ungeimpfte und die Gesellschaft durch Corona weiterhin bestehen, weil die Impfquote noch zu gering ist, besonders in den Risikogruppen, und fast täglich mehr wissenschaftliche Belege für die Sicherheit und Wirksamkeit von Impfungen veröffentlicht werden, gibt es immer noch einen radikalen Kern an unbeirrbaren Impfgegner:innen. Diese – angespornt durch Missverständnisse und auch bösartige Verschwörungserzählungen – betreiben ungeheuren Aufwand und brechen auch das Gesetz, nur um sich der kostenlosen und sicheren Impfung und den Schutzmaßnahmen zu verweigern. Gefälschte Impfpässe sind daher auch in Deutschland ein Problem.

Teurer und krimineller Egoismus: Gefälschte Schnelltests & Impfpässe

In Berlin sind bereits 169 Anzeigen wegen gefälschter Impfpässe bekannt (Quelle), die Zahlen nehmen überall zu (Quelle). Verstärkt wird das Ganze hier auch durch „Strafbarkeitslücken“ in Bezug auf gefälschte Impfpässe (Quelle). Das Problem existiert natürlich weltweit, wenn Länder in den kommenden Wochen 3G- oder 2G-Regeln einführen, um Erkrankungen vor allem unter Ungeimpften und weiterhin eine Überlastung der Intensivstationen zu verhindern. Eine Methode, um an den gefälschten Impfausweis zu gelangen, ist dabei, den oder die Ärzt:in zu bestechen und sich lediglich ein Placebo „impfen“ zu lassen – und trotzdem den Corona-Impfausweis zu erhalten. So zum Beispiel in Mexiko im Frühjahr (Quelle).

In Griechenland sollen einige „Fake-Impfungen“ gefälscht – also echt – gewesen sein

Derartige Fälle soll es jetzt Berichten zufolge auch in Griechenland gegeben haben. Wie hierzulande gibt es immer wieder Berichte über gefälschte Impfpässe. So soll es an 100 bis 200 Stellen unter der Beteiligung vieler Ärzt:innen und Pflegepersonal möglich gewesen sein, gegen Bestechung nur ein Placebo gespritzt zu bekommen, und trotzdem den regulären Impfpass erhalten. Die Polizei dementierte zwar die Zahl von 100.000 Bürger:innen, die sich an der Masche beteiligt haben sollen, nicht aber, dass es vermehrt dazu gekommen ist (Quelle).

Laut einer Zeitung und einem Fernsehsender kam es dabei aber zu kuriosen Situationen: Einige Ärzt:innen sollen nach den Berichten aus Angst vor der Strafe, wenn der Betrug mit den gefälschten Impfungen auffliegen sollte, die Impfgegner:innen heimlich doch mit dem echten Impfstoff geimpft haben. Richtig: Die Impfgegner:innen wollten betrügen, wurden aber offenbar in einigen Fällen selbst betrogen und unbemerkt wirklich geimpft. Die gefälschten Impfpässe waren also nicht wirklich gefälscht – sondern echt. Die Fälle sorgten für viel Verwirrung im Land und hatten viel stärkere Kontrollen zur Folge.

Ethisches Dilemma

Während die Geschichte in Social Media ihre Runden macht, wird viel diskutiert – medizinisch verwerflich oder richtig? Die Impfgegner:innen haben gegen ihren Willen eine Impfung verabreicht bekommen. Allerdings wollten sie darüber ja ebenfalls verwerflich – und illegal – betrügen. Rechtlich auch problematisch: Sie können sich nicht beschweren oder Anzeige erstatten, ohne selbst den Betrugsversuch und die Bestechung zuzugeben. In Social Media wird heiß diskutiert, was von der Geschichte zu halten ist. Die kriminelle Energie und das unsolidarische Verhalten der Impfverweigerer:innen auch in Griechenland untergräbt aber den gesellschaftlichen Kampf gegen das Virus. Genau wie bei uns – so viel ist sicher.

Artikelbild: insta_photos

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