Es reicht! Abrechnung mit der „systematischen PR-Kampagne mit Greta“

Weitere mythen über greta

Ich habe schon lange keine Lust, über Greta Thunberg zu schreiben. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich nach dem ersten Artikel im Dezember auch gar nichts mehr darüber geschrieben. Wie ich vergangene Woche bereits geschrieben habe, bin ich kein „Fan“ von Greta Thunberg. Ich finde es gut, dass sie die Klimabewegung angestoßen hat, die schon lange überfällig war, aber ob sie mal was mit Plastik gekauft hat oder auf ihrer Überfahrt über den Atlantik in Eimer kackt, ist mir total egal.

Aber ich mache eine Seite, die propagandistische Narrative und Fake News verfolgt, analysiert und aufdeckt. Und wenn „Greta-Hasser“ reihenweise Hass, Gewaltdrohungen und Lügen über ihre Person verbreiten, dann werde ich das nicht unkommentiert lassen. Erst Recht, wenn jemand einen „dumme Göre“-Kommentar ablässt und dann meint, damit sei die Klimadebatte erledigt. Geheimtipp: Wenn ihr den Medien nicht so viele Klicks und Kommentare liefert, jedes Mal, wenn sie Greta Thunberg aufgreifen, dann werden die auch weniger berichten.

Und wenn ihr keine Fake News und Verschwörungstheorien über sie verbreitet, kann ich das Thema auch ad acta legen. Ich wäre sehr froh, wenn wir das Thema von dem persönlichen Leben der Schwedin weg und hin zu Debatten beispielsweise über CO2-Bepreisung verschieben können. Es liegt an euch. Aber gut, einer der ältesten Vorwürfe an Greta Thunberg ist, dass hinter ihr „nur“ eine PR-Kampagne steckt, von dem sie und/oder ihre Eltern profitieren. Schauen wir uns das einmal an.



„Rein zufällig“ wird sie entdeckt?

Jain. Da gab es diesen Kettenbrief, den auch die Kollegen von Mimikama bereits ausführlich geprüft haben, deshalb nur das wichtigste hier:

„Greta sitzt mit selbstgebasteltem Pappschild an einer Hauswand in Schweden auf dem Boden. REIN ZUFÄLLIG kommt an genau diesem Tag, in genau dieser Stunde, an genau diesem Ort Ingmar Rentzhog, REIN ZUFÄLLIG PR-Experte, dort vorbei. Macht Fotos. REIN ZUFÄLLIG hat Herr Rentzhog auch exzellente Kontakte zu Organisationen, die mit viel Geld ausgestattet sind und dichte, global verzweigte Netze und sehr reiche Geldgeber haben.“

Greta saß am 20. August nicht an irgendeiner Hauswand, sondern am schwedischen Parlament. Nicht sehr unauffällig. Sie wollte gesehen werden, also ist es nicht verwunderlich, dass sie gesehen wurde. Außerdem sind ihre Eltern schließlich nicht völlig Unbekannte, ihr Vater ist Schauspieler und Produzent, die Mutter eine Opernsängerin. Zu den Eltern später mehr. Der Unternehmer Ingmar Rentzhog hat wirklich zufällig von ihr erfahren.

Weitere Falschbehauptungen des kettenbriefs

Er hat wirklich ein ein Finanzmarkt-Kommunikationsbüro und war 2007 Mitglied der von Al Gore gegründeten Organisation Climate Reality. Aber das war keine abgesprochene Aktion, sondern er hat eine Chance gesehen, ihren Streik aufzugreifen und hat dies nun mal getan. Keine Magie dahinter, er ist auf den Zug aufgesprungen. Er ist aber nicht Vorsitzender des Think Tanks „Global Challenge“, die auch nichts mit irgendeiner Ministerin oder Milliardärin zu tun hat. Weitere Lügen und Falschdarstellungen in dem Kettenbrief wie gesagt bei Mimikama oder auch bei Correctiv.

Es steckt also keine geplante PR-Kampagne dahinter, der Unternehmer war einfach einer der ersten, der Greta entdeckt hatte. Auf Facebook äußerte er sich auch zu den Vorwürfen. Er hatte Thunbergs Namen für ein Prospekt seiner Firma ohne ihr Wissen verwendet, Thunberg war kurzzeitig „Youth Advisor“ für die Stiftung des börsenorientierten Unternehmens We Don’t Have Time AB, trat jedoch zurück, als sie erfuhr, dass ihr Gesicht und Name ebenfalls ohne ihr Einverständnis für Werbung verwendet wurde. Selbstverständlich erhielt sie nie Geld für diese Instrumentalisierungen.

Andere verdienen geld mit greta

Entgegen der Unterstellungen verdient Greta auch kein Geld mit dem Aktivismus. Wenn Unternehmen oder Agenturen ihr Bild und ihren Namen verwendet hatten, dann meist ohne ihr Einverständnis, geschweige denn gegen Bezahlung. Ja, es gibt Leute, die Geld mit Greta verdienen wollen. Dafür kann sie nichts. Auch dubiose Agenturen im Netz, die behaupten, man könne sie für Workshops buchen, sind lediglich Abzocke und Instrumentalisierung ihrer Person. Sie verlangt kein Geld für ihre Reden und spendet ihre Einnahmen aus Büchern und Auszeichnungen an wohltätige Zwecke. Mimikama hat hier ein paar dieser Fake-Agenturen entlarvt.

Auch ihre Eltern haben nichts mit ihrem Aktivismus zu tun, Greta beschrieb, dass ihre Eltern zuvor alles andere als KlimaaktivistInnen waren. Erst durch ihren Aktivismus setzten sie sich mit der Thematik auseinander und begannen, sie dabei zu unterstützen (Mehr dazu). Die Firmen ihres Vater erzielten 2018 keine höheren Gewinne als zuvor (Quelle), auch das Buch, welches die Familie Thunberg veröffentlichte, hat nichts mit ihren Schulstreiks zu tun.

Das Buch wurde bereits lange vor dem Streik geplant und geschrieben und dass der Veröffentlichungstermin zeitlich so nah an ihrem ersten Streiktag lag, ist nicht von der Familie so terminiert worden. Es gab nämlich zuvor Streitigkeiten mit dem Herausgeber, sonst wäre das Buch längst veröffentlicht gewesen. Der Schulstreik lag auch am ersten Tag nach den Schulferien und war damit auch nicht willkürlich. 100% der Gewinne gehen ohnehin an acht verschiedene Wohltätigkeitseinrichtungen. Das merkt man auch daran, dass das Buch noch mehr mit der Bekanntheit der Mutter wirbt, als mit ihrer Tochter, die damals noch unbekannt war (Mehr dazu).

Keine systematische PR-Kampagne

Die meisten Behauptungen rund um Greta Thunberg und ihre Prominenz sind dazugedichtet oder werden dramatisiert. Nur weil Greta bekannt geworden ist, heißt das nicht, dass dahinter ein dubioser Plan irgendwelcher bösen Mächte steht. Es stimmt, viele Leute wollen mit ihrem Gesicht und ihrem Namen Geld verdienen. Übrigens auch viele, die sich über sie aufregen und Falschbehauptungen über sie aufstellen. Das ist auch lukrativ, wie man sehen kann.

Und überhaupt: Will man einer Klimaaktivistin, die Aufmerksamkeit für ein Problem erzeugen wollte, wirklich vorwerfen, dass sie Aufmerksamkeit bekommen hat? Eine Aktivistin dafür zu kritisieren, dass sie bekannt wurde, ist auch ein wenig absurd. Das war ihr Ziel, wer hätte es gedacht. Das wäre so, als würde mann Müllmännern vorwerfen, den Müll zu „klauen“. Greta verdient kein Geld damit und spendet ihre Preisgelder. Und selbst wenn sie davon leben würde, macht es die Klimakrise nicht weniger real oder gefährlich. Das ist alles eine große Diskussion, die völlig am Thema und an der Realität vorbei geht.

Keine „Greta-Religion“

Ich kenne keine „Greta-Jünger“, die Greta als „Prophetin“ „verehren“ wie eine „Heilige“. Ich tue es sicher nicht, und keiner um mich herum macht das. Und mir und meinem Umfeld wird dieser schwachsinnige Vorwurf ständig gemacht. Wer Greta gut findet, der bedankt sich bei ihr, dass sie ihr ökologisches Verständnis aufgerüttelt hat. Keiner baut ihr einen Schrein, wir beten nicht fünfmal am Tag Richtung Stockholm. Merkt denn keiner, wie sehr dieses manipulative Framing von Rechtsextremen und Klimawandelleugnern um sich greift? Solche Formulierungen sind keine sachliche Kritik.

Besonders, wenn der unglaubliche Hass, der fast nur aus vulgären Beleidigungen, Lügen und Falschbehauptungen besteht, völlig verharmlost wird. Das ist keine „Kritik“. Diskutiert meinetwegen über die Klimaneutralität von Gretas Trip, oder ob eine Videokonferenz sinnvoller gewesen sei. Aber Beleidigungen und das hundertste „Greta-Jünger“-Gerede könnt ihr euch sparen. Wenn die junge Aktivistin so viel Aufmerksamkeit bekommt, dann nicht, weil böse, „grüne“ Mächte euch manipulieren wollen.

Sondern weil euch lobbyfinanzierte Gruppen, die den Klimawandel leugnen, dazu manipulieren wollen, eine junge Frau irrational zu hassen. Weshalb ihr alle Medien mit Interaktion und Klicks belohnt, sobald sie irgendetwas über sie schreiben – sei es positiv oder negativ. Die machen das für euch, nicht für nicht-existente „Jünger“. Es gibt genau so Leute, die mit eurem Hass auf Greta Geld verdienen. Das macht euch nicht zu… Greta-Heiden? Aber zu einem wütenden Mob, der sich vielleicht einmal bewusst werden sollte, dass er eine junge Frau beleidigt und Lügen über sie verbreitet. Und vielleicht kann ich dann auch endlich mal über etwas anderes schreiben.

Artikelbild: 360b, shutterstock.com

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Ich habe den AfD-Werbespot zur Brandenburg-Wahl geschaut, damit ihr das nicht müsst

Der AfD Werbespot für brandenburg analysiert

Ich habe mir die Mühe gemacht und den Wahlwerbespot der AfD zur Landtagswahl in Brandenburg geschaut – eines vorweg: Es ist kein cineastisches Meisterwerk, dafür aber immerhin ein Meisterwerk in Sachen Propaganda. Der etwa einminütige Clip beginnt mit harmonischer Musik und einen Flug über ein (vermutlich in Brandenburg liegendes) Gewässer. Dazu ertönt folgendes Satz von einer – wie soll es auch anders sein – männlichen Stimme: „Brandenburg ist unsere Heimat. Mit seiner Landschaft, seinen Städten und seinen Menschen.“

Der Zuschauer bekommt eine Stadt zu sehen und anschließend per Timelapse beschleunigte Fußgänger in einer Fußgängerzone. In fetten, weißen Buchstaben wird das Wort „HEIMAT“ eingeblendet. Wer die AfD kennt, weiß, dass „unsere“ in „unsere Heimat“ selbstverständlich „Biodeutsche“ und keine Ausländer, Journalisten oder „links-grüne Gutmenschen“ meint. Weiter im Clip: Plötzlich ist es vorbei mit der Harmonie.



Brandenburg vor dem Untergang?

Die Fußgängerzone wird in dunkles Licht getaucht und der Sprecher verkündet mit unheilvoller Stimme: „Doch diese Heimat droht zu verschwinden. Ganze Regionen sterben aus und verfallen. Busse fahren nicht mehr. Ärzte verschwinden“. Dabei wird in fetten, weißen Buchstaben „VERFALL“ eingeblendet und die harmonische Musik weicht plötzlich schneller und chaotischer. Es folgt die Nahaufnahme einer rostigen Kette, die vor einem verlassenen Fabrikgebäude baumelt.

Anschließend wird eine mit Unkraut bewachsene vermeintliche Bushaltestelle, inklusive Bank und schmutzigem Schild, gezeigt. Dann noch ein Zahnarzt, der (erneut im Zeitraffer) eine Patientin behandelt, ehe es dunkel wird und beide die Praxis verlassen, nachdem der Zahnarzt die Vorhänge zugezogen hat. An dieser Stelle spielen die Macher des Clips auf ein verbreitetes Narrativ im Rechtsextremismus an.

Dieses besagt, Deutschland, oder in diesem Fall Brandenburg, stehe vor dem Untergang. Der gesprochene Text, gepaart mit der chaotische Musik und der sich verdunkelnden Stadt, mögen diesen Eindruck unterstützen, die Bilder enttarnen die apokalyptischen Weißsagungen jedoch als starke Übertreibung, die ein Bedrohungsszenario erschaffen und Ängste schüren soll.

Hübsche Frauen und Angst

Weiter heißt es im Clip: „Wir wollen die Infrastruktur stärken – Mit vernünftiger Verkehrsanbindung und Internetausbau.“ Dabei wird ein Bus aus der Vogelperspektive gezeigt, der zwischen Feldern fährt. Das Schlagwort „INFRASTRUKTUR AUSBAU“ erscheint, die Musik ist angenehm dynamisch. Die nächste Szene zeigt eine junge, äußerst attraktive Frau im Bus, während sie sich leicht lächelnd einen Kopfhörer ins Ohr steckt. Hübsche Frauen ziehen immer bei der hauptsächlich männlichen Wählerschaft, das wissen natürlich auch die Macher des Clips.

Ein erneuter Schnitt. Dieses Mal auf eine leere Spielplatzschaukel. Der Sprecher verkündet: „Junge Familien sind wachsendem Druck ausgesetzt. Kinder werden zum Armutsrisiko.“ Erneut in fetten, weißen Buchstaben erscheint „ARMUTSRISIKO“ auf dem Bildschirm. Hierdurch sollen natürlich Zukunftsängste geschürt und ein zusätzliches Bedrohungsszenario geschaffen werden. Als nächstes bekommt der Zuschauer eine Holzoberfläche zu sehen, über der sich offensichtlich ein Mann und eine Frau die Hände reichen.

Familie – nur für deutsche

Anschließend kommt eine deutlich kleine Hand dazu. Diese Szene symbolisiert das eingeschränkte Verständnis des Wortes „Familie“, zu der nach den Vorstellungen der intoleranten Rechtsextremisten immer Mann, Frau und möglichst viele Kinder gehören. Dazu heißt es: „Wir stehen zur traditionellen Familie. Mit einem Familiendarlehen von 25.000€ wollen wir allen den Kinderwunsch ermöglichen“. In fetten, weißen Großbuchstaben wird „25.000€ FAMIELIENDARLEHEN“ eingeblendet.

Mit „allen“ sind in diesem Fall natürlich nur alle „Deutschen“ gemeint. Das ergibt sich aus dem Parteiprogramm der AfD Brandenburg unter „7. Willkommenskultur für Kinder“. Der Begriff „Wunschkind“ bekommt hierbei eine völlig neue Bedeutung und sollte zu „Jackpotkind“ umgewandelt werden. Der Sprecher verkündet weiter: „Die Altparteien haben unsere Heimat einer unkontrollierten Einwanderung ausgesetzt, die unsere Art zu leben gefährdet.“

Angstmache vor den bösen ausländern

Es ist der Oberkörper einer Frau zu erkennen und deren Hand, womit sie nach einer Dose Pfefferspray greift, welche sie sich in die Manteltasche steckt, bevor sie die Wohnung verlässt. „SICHERHEIT“ erscheint in der Bildmitte und wird durch ein „UN“ zu „UNSICHERHEIT“ ergänzt. Die Musik wird wieder dramatischer. Zwar wird sexualisierte Gewalt an Frauen hier nicht explizit mit Einwanderung in Verbindung gebracht, aber doch wird eine solche Verbindung unmissverständlich angedeutet.

Auch hierin ist ein beliebtes Narrativ des Rechtsextremismus zu erkennen, in dem Einwanderer zu potentiellen Sexualstraftätern gemacht werden. „SCHLUSS MIT GELDLEISTUNGEN“ erscheint in fetten, weißen Buchstaben auf dem Bildschirm und eine große Gruppe ausländisch aussehender Menschen gehen durch das Bild. Dann erscheint ein startendes Flugzeug und erneut in fetten, weißen Buchstaben ist “ABSCHIEBUNGEN“ zu lesen.

Während der beiden Szenen sagt der Sprecher: „Schluss mit den Geldleistungen für Asylbewerber und endlich konsequente Abschiebungen von illegalen und Kriminellen.“ Auch diese Szenen dienen der Erzeugung eines Bedrohungsszenario durch Zuwanderer. Außerdem wird erneut das Narrativ des „kriminellen Asylbewerbers“ bedient.

Verzerrte realität und propaganda mit emotionen

In der letzten Szene tritt Andreas Kalbitz mit seiner, an Himmler erinnernden Brille, ins Bild und bringt sich, wie es sich für einen rechtsextremene Populisten gehört, gegen das „politische Establishment“ in Stellung, indem der ehemalige Soldat befiehlt:

„Sorgen sie dafür, dass nicht unsere Heimat, sondern die Macht der Altparteien schwindet. Wählen sie am ersten September mit beiden Stimmen AfD!“ Insgesamt zeichnet das Wahlwerbespot der AfD ein düsteres Bild, eines angeblich kurz vor dem Zerfall stehenden, durch Ausländer und „den Altparteien“ geschundenen Brandenburgs, welches nur durch die Wahl von Rechtsextremisten gerettet werden könne.

Dass in Brandenburg gerade einmal 6% der Bürger einen Migrationshintergrund haben und sexualisierte Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellt, welches in den meisten Fällen von Familienmitgliedern oder Bekannten des Opfers begangen wird, bleibt im Video unerwähnt. Ebenso werden wirtschaftliche Zukunftsängste aus dem Zusammenhang der ungerechten Vermögensverteilung gerissen und implizit in Zusammenhang mit Migration gebracht. Der Wahlwerbespot bedient also gängige Rechtsextreme Narrative, schafft Bedrohungsszenarien und vermittelt somit ein stark verzerrtes Bild der Realität. Er leistet, was Propaganda leisten muss.

Gastbeitrag von „Nazifresser“, hier auf Twitter. Artikelbild: Screenshot facebook.com

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So sehr hat sich mein Leben wegen Greta Thunberg verändert

Ich muss mich outen, ich bin ein Fan von Greta Thunberg.

Diese junge Frau hat in einem Jahr eine globale Bewegung geschaffen und es geschafft, dass sich die Generation, der immer nachgesagt wurde, sie würde sich nur für Handys interessieren, politisiert. 

Das ist großartig! Sie hat auch dazu beigetragen, dass sich Menschen ganz persönlich Gedanken darüber machen, wie sie im Alltag zum Klimaschutz beitragen können. Sie hat dazu beigetragen, dass ich mir persönlich Gedanken mache, wie ich im Alltag das Klima und die Umwelt schützen kann. 

Nach zwei Dürresommern mit immer neuen Hitzerekorden, mit Nachrichten über schmelzende Gletscher und brennende Tundras, dürfte eh dem und der Letzten klar sein, dass die Erde wirklich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dass sich ganz schnell etwas ändern muss, wenn wir weiter auf unserer kleinen blauen Kugel wohnen wollen. 

Ich finde es ja auch gut, dass selbst die Politik langsam aber sicher zu begreifen zu scheint, dass Klimaschutz ein Thema ist, welches Menschen bewegt.



Aber ganz ehrlich? Die Vorschläge sind derzeit eher dürftig.

Fleischsteuer? Nett. Aber dann wird vermutlich eher die Qualität des Fleisches sinken und an den Haltungsbedingungen gespart werden, statt die Preise für die Verbraucher*innen anzuheben. Viel eher bräuchten wir gesetzliche Bestimmungen, die die Massentierhaltung eindämmen. (Gerne auch ganz beenden, sorry, lästige Veganerin hier!)

Plastiktütenverbot? Träumchen, ich bin dabei! Aber was ist mit all den Lebensmitteln, die doppelt und dreifach mit Plastik verpackt sind? Schon allein an der Obst- und Gemüsetheke meines Supermarktes um die Ecke ist es fast unmöglich, plastikfrei einzukaufen. Natürlich könnte ich auch zu einem größeren Supermarkt mit einer größeren Obst- und Gemüsetheke fahren, aber das ist natürlich auch nicht Sinn der Sache.

Immerhin, es tut sich ja etwas in kleinen Schritten. Ich muss zugeben, ich liebe diese kleinen Cherrytomaten, aber es gab sie immer nur in Plastikverpackung. Mittlerweile kriegt man sie auch ohne. So macht man mich glücklich, auch wenn es kleinteilig ist. Dass ich meinen Staudensellerie dann trotzdem nur mit Plastikverpackung bekommen habe, hat mich dann wieder betrübt.

Allerdings macht es schon auch Spaß beim Einkaufen nach Alternativen mit weniger Plastikmüll zu suchen. Ich vermeide mittlerweile Plastikflaschen und habe mir einen Wassersprudler gekauft und brauche endlich mal meine ganzen Kosmetika auf, statt mir ständig neue zu kaufen und am Ende lauter halb leere Flaschen zu haben. Den eigenen Konsum zu hinterfragen ist manchmal anstrengend, aber wenn ich dadurch auch an der einen Stelle Geld spare, kann ich vielleicht an einer anderen auf nachhaltigere, aber etwas teurerer Produkte zurückgreifen.

Trotzdem – ohne gesetzliche Regelungen geht es nicht.

Anderes Thema: Keine Inlandsflüge mehr machen?

Top, gerne doch! Aber seien wir ehrlich, solange die Bahn immer teurer wird bei gleichbleibender Unzuverlässigkeit, kann ich verstehen, wenn sich Menschen lieber schnell in einen Flieger setzen. Die Probleme in Sachen Verkehrspolitik fangen doch schon woanders an. Ich habe letztes Jahr meinen Führerschein gemacht. Mit 32 Jahren. Vorher bin ich immer Bus und Bahn gefahren.

Warum so spät? Ganz einfach: Ich habe angefangen mich weiterzubilden und mache jetzt neben meinem Vollzeitjob den Betriebswirt in der Abendschule. Das wäre mir ohne Führerschein nicht möglich gewesen, weil ich mit dem ÖPNV Abends nicht mehr sinnvoll nach Hause gekommen wäre. Die Verbindungen sind so schlecht, dass ich erst eine gute Stunde hätte warten müssen um dann noch eine Dreiviertelstunde mit dem Bus zu fahren. Nach einem 8-stündigen Arbeitstag und 3 Stunden Schule am Abend… irgendwann brauche selbst ich mal Schlaf.

Jetzt fahre ich halt 20 Minuten mit dem Auto und bin daheim. Wenn Flüge und auch Autofahrten reduziert werden sollen, dann ist es keine Lösung beides nur teurer zu machen, es müssen auch die Voraussetzungen geschaffen werden, sinnvoll vom Fleck zu kommen.

Wichtig in der ganzen Konsum- und Klimaproblematik sind ganzheitliche und logische Ansätze.

Ganz, ganz toll, wenn mir Menschen immer wieder predigen, dass SUVs mittlerweile fast genauso sparsam und wenig klimaschädlich sind, wie ältere Kleinwagen. Aber mehr und größere Autos benötigen mehr Platz, was dann wieder zu mehr Oberflächenversiegelung führt und zum nächsten Problem. Was nützen uns Städte voller riesiger Autos, die zwar total wenig Sprit verbrauchen und Abgase ausstoßen, wenn für diese mehr Parkplätze gebaut werden müssen, was dazu führt, dass sich durch eben die Bodenversiegelung die Städte im Sommer noch weiter aufheizen?

Ja ich weiß, Parkplätze sind genormt. Aber habt ihr mal versucht, in eine Parklücke zwischen zwei SUVs zu kommen? Aber bei allem Gemecker: Schon allein, dass ich mir über so etwas Gedanken mache und meinen Konsum verändere, lässt mich hoffen, dass es auch andere tun. Und das ist auch der Verdienst der jungen Schwedin Greta Thunberg, die es geschafft hat, eine weltweite Bewegung zu gründen. 

Hatte sie dabei Hilfe von Menschen, die sich mit Marketing auskennen? Womöglich. Aber was genau ist schlimm daran? Wer eine wichtige Forderung hat, kann diese nur mit der richtigen Reichweite in die Welt hinaus tragen. Botschaften verbreiten sich nur, wenn sie weiter getragen werden, und die heutige mediengeprägte Welt verlangt auch nach guten Bildern.

Es gibt keinen Grund, gegen sie zu hetzen, nur weil sie es schafft, ihre Botschaft medienwirksam zu verbreiten. Besser, die Welt mit guten Bildern retten, als sie ohne Bilder weiter in den Abgrund zu reißen.

Zum Thema:

Mir reicht’s! Eine Abrechnung mit den Greta-Hassern

Artikelbild: Per Grunditz, shutterstock.com

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Fake über Unteilbar-Demo: Polizei stellt AfD wegen Falschmeldung bloß

Es war wieder soweit.

In Dresden wird in einem mehrsprachigen, wohl öffentlich bezuschussten, Magazin die Unteilbar-Großdemo am 24. August 2019 in Dresden beworben (Mehr dazu).

Das Motto lautet diesmal:

„Für ein offenes Land mit freien Menschen“ Unter diesem Banner gingen ´89 Menschen in Sachsen auf die Straße. Die Botschaft hat bis heute nicht an Relevanz verloren und soll in diesem Sommer auf die Straßen zurückkehren. Gemeinsam stellen wir uns gegen Diskriminierung, Verarmung, Rassismus, Sexismus, Entrechtung und Nationalismus! Wir lassen nicht zu, dass Sozialstaat, Flucht und Migration gegeneinander ausgespielt werden und ergreifen die Initiative. Alle auf nach Dresden!“

Teilnehmer aus Gewerkschaft, Verbänden, Autoren, Wissenschaft und Fridays for Future werden Reden halten und Konzerte von Silbermond, Enno Bunger, Max Herre, Banda Internationale und vielen mehr sind auf der umfangreichen Agenda. So weit – so gut.



AfD verbreitet Lügen über die Demo

Wir wären aber nicht in 2019, wenn sich alle jetzt der Anreise, Planung und Umsetzung dieser offensichtlich sehr interessanten Veranstaltung widmen könnten.

Nein, die AfD kann es nicht auf sich sitzen lassen, dass ein öffentliches Magazin eine Veranstaltung dieser Couleur redaktionell erwähnt. Sei „Unteilbar“ doch auch eine Veranstaltung gegen die AfD in Dresden.

Vorstand und Pressesprecher reagieren erbost, dass sich scheinbar das Sozialministerium nicht seinen originären Aufgaben widmet, sondern offen „ominöse islamische Zeitschriften, in denen obendrein für linke und möglicherweise gewaltaffine Demonstrationen geworben wird“ unterstützt. Neutralität würde verletzt und Steuergelder nicht für eigene Bürger eingesetzt.

Screenshot

Punchline ist: „Keine Steuergelder mehr für linke Hetze in Zuwanderungsmagazinen!“.

Nach AfD internen Informationen warnt „die Polizei intern“ bereits vor Ausschreitungen, die aus dem Umfeld dieser Demonstration erwartet werden. In „linksextremistischen Netzwerken“ würde aktuell zu massiver Gewalt gegen AfD-Mitglieder und AfD-Kandidaten aufgerufen.

Polizei dementiert Falschmeldung

Jedoch geht die Polizeidirektion Dresden selbst am 24.08.2019 dagegen von einem friedlichen Verlauf der Versammlungslage der Demonstration „Unteilbar“ aus. Sie erwartet keine Ausschreitungen. So schreiben sie auf Twitter: „Insofern können wir dem Post [der AfD] widersprechen.“

Die AfD Sachsen bleibt standhaft bei ihrer Aussage. Dem ARD-faktenfinder teilte man auf Anfrage mit, die Information basiere auf persönlichen Gesprächen.

Ich persönlich habe nur eine große Bitte an Dresden und die Welt in 2019:

Zeigen wir, was eine offene grenzenlose Gesellschaft wirklich ist und was sie und Freiheit ausmachen. Zeigt Nächstenliebe, zeigt Umarmungen, zeigt alles außer Hass und Angst. Also zeigt allen Menschen, dass es anders geht – auch wenn es so unglaublich schwer fällt und sehr anstrengend ist, immer und überall dagegen zu halten.

Es ist einmal wieder eine wichtige Zeit und eine Gesellschaft am Scheideweg scheint nicht nur „große“ Politik zu brauchen. Tut, was ihr könnt und mit eurem Gewissen verantworten könnt. Und tut mir insbesondere einen Gefallen: Glaubt nicht alles, was man auf Social Media geschrieben hat.

Artikelbild: Cookie Studio, shutterstock.com, Screenshot twitter.com

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„Vollende die Wende“: Warum das Gerede von „Wende 2.0“ Blödsinn ist

In Brandenburg hängen AfD-Wahlplakate:

„Wende 2.0“

 

„Vollende die Wende“

 

 

„Die „friedliche Revolution“ mit dem Stimmzettel“

Quelle

Spulen wir mal zurück in das Jahr 1989. Das Wendejahr. Wende 1.0 sozusagen. Die DDR implodierte, weil sie wirtschaftlich nicht mehr in der Lage war, zu überleben. Aber natürlich auch, weil sie politisch am Boden war. Die Menschen in der heute ehemaligen DDR gingen auf die Straße und begehrten friedlich auf. Was man dem damaligen Regime zu Gute halten muss: Es hätte viel schlimmer und nicht friedlich ausgehen können. Aber das wussten die Menschen in den vielen Städten nicht, als sie „Wir sind das Volk“ riefen und für Reisefreiheit demonstrierten. Der Mut, den es zur damaligen Zeit bedurfte, ist wirklich heldenhaft.

Denn damals war die DDR eine Diktatur. Was das bedeutete, habe ich vor einigen Monaten in meiner Heimatstadt gesehen, als ich die „Gedenkstätte Zuchthaus“ besuchte. Es gäbe unzählige weitere Beispiele, aber hier nur eine Geschichte, warum Menschen dort einsaßen:



Margot Rothert

Foto: Alex Urban

„Margot hatte verwandtschaftliche Beziehungen in den Westen, trug westliche Mode, hörte Beat-Musik. Das allein hätte gereicht, um willkürlich Sanktionen gegen sie zu verhängen. Konkrete Fluchtpläne gab es nicht, aber sie erwähnte, schon gerne im Westen Deutschlands leben zu wollen. 1971 wurde sie nach der Arbeit verhaftet und verhört. Sie gab an, aus familiären, nicht aus politischen Gründen die DDR verlassen zu wollen. Sie kam nach Cottbus ins Zuchthaus. Schwanger. Das Kind durfte sie draußen austragen, aber wurde danach zu 2 Jahren Haft verurteilt. Das Neugeborene (es war ihr drittes Kind) musste sie zur Adoption freigeben. Andernfalls würden ihr auch die anderen beiden Kinder weggenommen. Sie unterzeichnete die Papiere, benommen von der Geburt.“

Das also blühte Menschen in der DDR, wenn sie aufbegehrten. Und daher wollten sie eine Wende. Sie wollten aus der Diktatur in eine Demokratie.

Wende 2.0 1
Werden Regierungskritiker in Zuchthäuser gesteckt? Foto: Alex Urban

Wenn nun die im Westen aufgewachsenen und sozialisierten „Ost-Politiker“ Höcke, Kalbitz und Gauland eine „Wende 2.0“ fordern: Wovon reden sie? Aus welcher Diktatur wollen sie fliehen?

Wenn wir in Deutschland keine Meinungsfreiheit hätten, dann dürften weder Pegida noch andere Gruppierungen die „Alt-Parteien“ kritisieren, dann gäbe es keine taz, keine Junge Freiheit, aber vor allem kein PI-News, kein RT Deutsch und andere, die von „Volksverrätern“ und „Lügenpresse“ schwadronieren.

Das ist eigentlich absurd, das noch erklären zu müssen. Ich möchte mal sehen, wie in der DDR mit so einer Kritik umgegangen wäre. Von der Freiheit überhaupt die Chance zu haben gegen die Regierung und unter Schutz des Staates demonstrieren zu dürfen, rede ich da noch nicht mal. Ebenso davon, dass Parteien, die das System abschaffen wollen, zur freien Wahl stehen.

Wer in der DDR „Lügenpresse“ gerufen hätte, wäre im Zuchthaus gelandet

Das Groteske daran ist ja, dass ausgerechnet einige von denjenigen, die in der DDR 1.0 gelebt haben, so etwas wie „Wende 2.0“ von sich geben. Sie können froh sein, dass es Facebook vor 40 Jahren noch nicht gab, denn allein für solche regierungskritischen Behauptungen, wären sie wohl in einem Zuchthaus gelandet.

Dennoch scheint diese Menschen etwas umzutreiben, und ich kann nur vermuten, dass sie sich überrumpelt fühlten und nicht mit der Wucht, die folgen sollte, rechneten. Arbeitslosigkeit, geschlossene Produktionsstätten, dumme Ossi-Sprüche, ein wachsendes Minderwertigkeitsgefühl derjenigen, denen wieder von oben erklärt wurde, was sie anders und besser machen müssen.

Auf der anderen Seite bin ich es auch langsam leid, Menschen zu erklären, dass sie das unfassbare Glück hatten, in einem der schönsten und besten Länder der Welt geboren worden zu sein bzw. nun zu leben.

Wende 2.0 1
Eine echte Diktatur. Foto: Alex Urban

das Privileg, Deutscher zu sein

Ich bin nicht jemand, der zu Nationalstolz neigt, denn mir ist das Konzept der Nationen nicht ganz geheuer. Teile von Deutschland waren mal dänisch, mal polnisch, mal französisch und umgekehrt. Nationen entstanden in Folge von Kriegen, ausgehandelten territorialen Veränderungen, Hochzeiten von Königen und Königinnen, und wer weiß schon, ob nicht auch die eine oder andere verlorene Wette zu einer Vergrößerung oder Verkleinerung einer Nation führte. Es entstanden quasi Völker per Definition. Dass ich nun dem Deutschen Volk angehöre, ist super. Aber auf Grund meines Geburtsortes und möglichen anderen historischen Entwicklungen wäre es aber auch möglich, dass ich nun die polnische Staatsangehörigkeit hätte.

Wir alle haben nun aber mal das Privileg, Deutsche zu sein. Und genau deswegen werden wir (bzw. alle Menschen) von unserem Grundgesetz in unserer Würde und unserer Persönlichkeit geschützt. Wir sind in unserem Glauben und unserer Meinung frei. Dürfen, in bestimmten gesetzlichen Grenzen, tun, lassen und sagen, was wir wollen. Und selbst diese gesetzlichen Grenzen sind sinnvoll, schützen sie doch unsere Mitmenschen vor Schaden. Wie viele Staaten auf der Erde würden wohl gerne „Deutschland“ heißen?

Das Grundgesetz

Heribert Prantl nannte unser Grundgesetz in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung eine „bescheidene Verfassung. Sie entstand im zerbombten Deutschland, sie wurde auf zitterndem Boden geschrieben. Aber sie ist trotzdem oder gerade deswegen voller Hoffnung: auf ein besseres Deutschland, auf ein gutes Europa. Manchmal fragt man sich, woher die Mütter und Väter des Grundgesetzes diese Hoffnung nahmen; man bewundert sie dafür, wenn man selbst Trübsal blasen möchte, weil die Weltläufe zum Verzweifeln sind.“ (Quelle)

Mit alldem, was da auf den Wahlplakaten steht, werden diese Errungenschaften als etwas Negatives geframed, und dieses Framing ist historisch und vor allem inhaltlich absurd: Wir leben in keiner Diktatur und wir brauchen keine „Wende 2.0“ oder  „friedliche Revolution“!

Diese Erkenntnis ist eigentlich trivial, aber es scheint notwendig, mal die Bürgerrechtler*innen, die 1989 beteiligt waren, zu Wort kommen zu lassen. In einem offenen Brief der Robert-Havemann-Gesellschaft wehren sich Jan Josef Liefers und viele andere gegen das Framing und „Gegen den Missbrauch der Friedlichen Revolution 1989 im Wahlkampf“, lest hier mehr:

Zur Weiterleitung Anklicken

Artikelbild: Alex Urban / Screenshot twitter.com

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6 Fakten über Gretas Segelreise: Keine 5 extra Flüge, kein „Filmteam“

Fakten über Gretas Segelreise

Anstatt über den gigantischen Waldbrand im brasilianischen Regenwald zu berichten, der den Himmel komplett verdunkelte (Mehr dazu), regen sich anscheinend viel lieber über die Segelreise von Greta Thunberg über den Atlantik auf. Eine Aufmerksamkeit, die erst zu der Berichterstattung führt, die sie aufregt. Dennoch besteht die „Kritik“ an ihrer Reise in seltenen Fällen aus sachlicher Argumentation und besonders in den Kommentarspalten aus Lügen, Fake News und Beleidigungen. Einige dieser häufigsten Mythen und Fake News möchten wir hier aufklären.



1. Keine fünf extra flüge

Die taz rechnete vor einigen Tagen vor, dass Gretas Segelreise mehr Flüge verursachen würde, als wenn sie selbst geflogen wäre. So müsste ein fünfköpfiges Team extra nach New York fliegen, um die Segelyacht wieder zurück zu fahren. Doch wie der Skipper Boris Hermann gegenüber Ankerherz erklärt, sind hingegen zwei Teammitglieder bereits vor Ort, die die Rückführung als Trainingssession nutzen. Gegenüber der dpa erklärte Hermann, dass er es positiv sieht, dass Flugreisen als Problem erkannt wurden. „Das ist es ja, was wir wollen.“

Er erklärte weiter: „Man kann nicht alle Verantwortung auf individueller Ebene lösen. Die Diskussion um unsere Reise ist sehr kurzfristig, wenn man darüber nachdenkt, was die Intention ist: Es muss sich politisch was verändern. Unsere Flüge ändern nichts daran, dass Greta emissionsfrei nach New York kommt. Wir selbst sind ohnehin ein Rennteam und würden sonst in dieser Zeit trainieren und auch fliegen.“ (Quelle)

2. Kein Filmteam, keine „100 Einsatzflüge“, Keine beiboote

Eine Grafik mit der irreführenden Überschrift „Fakten“ wird verbreitet, die behauptet, an Bord seien ein ganzes Filmteam und das Boot werde von „100 Einsatzflugzeugen“ begleitet. Das ist völlig frei erfunden. An Bord mit Greta Thunberg sind lediglich der Dokumentarfilmer Nathan Grossman, ihr Vater Svante Thunberg und die Segler Pierre Casiraghi und Boris Herrmann. Wie Boris Herrmann auf seiner Seite berichtet, wird die Fahrt lediglich von Land aus mit einem speziell vorbereiteten Team unterstützt. Mehr dazu:

Völlig frei erfunden: Diese Grafik über Greta Thunberg ist Fake!

3. Kein „ROTHSCHILD-BOOT“

Derzeit teilen viele ein Foto, dass das Boot von Greta Thunberg zeigen soll, auf dem der Name „Edmond de Rothschild“ steht. Dass Greta mit diesem „Rothschild-Boot“ ihre Segelreise in die USA durchführen soll, soll ein Beleg für eine „Pariser Klimabanker Agenda“ sein. Die Yacht hieß tatsächlich früher so und gehörte den Rennseglern vom Team Gitana, wurde aber längst verkauft, umlackiert und umbenannt. Geheime Geldgeber oder antisemitische Verschwörung stecken nicht dahinter. Mehr dazu:

Nein, Greta segelt NICHT mit einem „Rothschild-Boot“: Mit Antisemitismus gegen das Klima?

4. Der Eimer ist echt

Das stimmt allerdings tatsächlich: An Bord gibt es keine Toilette. Die Crew nutzt lediglich einen Eimer, der darauf im Meer entleert wird. Dies ist natürlich weniger appetitlich, aber auch nicht die große Umweltsünde.

5. Das Boot ist aus Carbon

Es stimmt auch, dass das Boot eine Segelyacht aus Carbon ist, allerdings wurde es nicht extra für diese Überfahrt gebaut. Das Boot lief 2015 mit dem Namen „Gitana 16“ vom Stapel, da es von den Rennseglern Team Gitana gesegelt wurde. Später wurde es beschädigt, umlackiert und vom Stuttgarter Immobilienunternehmer Gerhard Senft für das Team Malizia gekauft. Und wird dementsprechend weiter als Rennyacht mit dem Namen „Malizia II“ genutzt. Es ist quasi „gebraucht“ genutzt.

6. Die Fahrt selbst ist komplett CO2-Frei

Der Törn von Greta ist nach der Versiegelung des Bordmotors komplett CO2-frei, wegen der Photovoltaikanlage und durch die Hydrogeneratoren an Bord. Ziel der Reise ist auch nicht, unter dem Strich CO2-neutral zu sein, wie auch Boris Hermann bestätigt hatte, sondern die Reise symbolisch klimaneutral anzutreten, um Aufmerksamkeit auf die Klimakrise zu richten und systemische Veränderungen anzustoßen. Wäre Greta Thunberg einfach geflogen, hätte man sie schließlich auch dafür kritisiert. 

Konklusion

Das meiste der Kritik, vom vulgären Kommentar-Troll bis zum Zeitungskolumnisten scheint sich um dubiose Unterstellungen und dem Verbreiten von Falschmeldungen und Diskreditierungen zu drehen. Immer wieder werden Lügen über Greta Thunberg verbreitet (Mehr dazu). Der Hass, die Hetze und die Lügen, die dieser Aktivistin entgegen gebracht werden, ist unglaublich und hat nichts mehr mit einem sachlichen Diskurs oder Kritik zu tun.

Ob derartige Verleumdungskampagnen und so ein Hass das ist, was wir als Gesellschaft von einem Diskurs erwarten, ist stark anzuzweifeln. Insbesondere wenn die Kritik an derartigen unzivilisierten Methoden mit Beleidigungen und Lügen als „Forderungen einer Meinungsdiktatur“ uminterpretiert wird, wie man stets lesen muss. Lügen und Beleidigungen sind nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. Wer Greta Thunbergs Segelreise sachlich kritisieren will, der darf und soll das tun. Aber bitte bei den Fakten bleiben.

Mir reicht’s! Eine Abrechnung mit den Greta-Hassern

Artikelbild: Per Grunditz, shutterstock.com

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Rezo „zerstört“ die Zeitungen? – Was Rezo wirklich gesagt hat (& was nicht)

Rezo „zerstört“ die zeitungen (?)

Rezo, der mit seiner „Zerstörung der CDU“ auch außerhalb von Youtube größere Bekanntheit erlangte, war vor wenigen Tagen in einem Video zu Gast bei den „Space Frogs“. Dort sprachen sie nicht nur über den Kulturschock beim Lesen von Zeitungen, wenn die junge Generation weder Printmedien noch Fernsehen konsumiert, sondern auch über schlechten Journalismus und einige kritisierenswürdigen Praktiken bestimmter Medien. Hier das Video:



Was hat rezo wirklich gesagt?

Im Video schauen sich Rezo und Rick von den „Space Frogs“ vor allem die B.Z. und die BILD an. Sie äußern Unverständnis darüber, Printmedien und Fernsehen zu konsumieren – Etwas, das in ihrer Generation und bei jüngeren Menschen relativ weit verbreitet ist. Sie machen sich über die Klatsch-Inhalte der Zeitungen lustig, wie Berichte, die das Privat-Leben von Prominenten ausschlachten. Dann teilt Rezo auch gegen bestimmte Berichte, Medien und Praktiken aus.

Die BILD kritisiert er dafür, dass sie sich an Facebook wendet, dass diese nichts gegen Hetze unternehmen, während diese Zeitung nicht nur selbst mit reißerischen und oft faktisch falschen Berichten für eben diese Hetze sorgt, sondern auch trotz wiederholter Kritik die Hetze unter den eigenen Beiträgen nicht moderiert (Mehr dazu). Direkt vergleichen sie eine BILD-Schlagzeile vom nächsten Tag über „übermäßig gewaltbereite Flüchtlinge“ als Beweis. Rezo kommentiert das mit: „Wer liest das? Wer kauft das? Wer unterstützt das finanziell? So ein moralisch degenerierter …“

Er beschwert sich auch über eine Anfrage der FAZ an ihn, die eine Aussage zu ihm über einen Flug eines Youtube-Kollegen haben wollte, welche er als „die unnötigste E-Mail, die ich seit Langem erhalten habe“ bezeichnete. Den Vorfall kommentierte Rezo mit „Ohne Scheiß, Journalisten sind teilweise so dumm“. Auch kritisierte er das Verhalten eines BILD-Reporters, der ihn unangemeldet besuchen wollte und welchen er wegschicken ließ.

Er kritisierte die Medien für die viele „Billo-Shit-Unterhaltung“, ergänzte aber, dass das in Youtube nicht anders sei. Seriösere Medien wie „Süddeutsche“, „FAZ“, „Zeit“ und „Spiegel“ sollten die Praktiken von „Asi-Printmedien“ häufiger kritisieren. So wie der BILDBlog oder „Übermedien“ es tun, meint Rezo.

Kritik vom Journalisten-Verband

Vorneweg: Es ist kein Aufklärungs-Kritik-Video, sondern ein Gastauftritt bei einem Comedy-Format, das sich auch schon so ähnlich über die Youtube-Szene lustig machte, das vergessen so einige Berichterstatter. Rezos Kritik wurde in verschiedenen Medien verbreitet, manche darüber, was er gesagt hatte, wie beispielsweise t-online.de, andere kommentierten seine Aussagen kritisch, wie sachsische.de. Deren Kritik an den „Eigentoren“ geht allerdings ein am Thema vorbei – und lässt auch zu wünschen übrig. Denn Rezo liest selbstverständlich Zeitung – aber eben online, wie er sagt.

Besonders interessant ist hingegen die Stellungnahme des Deutsche Journalisten Verbandes, der Rezo „billige Stimmungsmache“ unterstellt:

Darin wirft DJV-Vorsitzender Frank Überall Rezo vor, „die Journalistinnen und Journalisten aller gedruckten Zeitungen pauschal als dumm und moralisch degeneriert zu diffamieren“. Und bezeichnet es als an „Hetze“ grenzend. Doch wie im Video zu sehen hat Rezo das niemals getan. Er sagte über Journalisten, dass diese „teilweise so dumm“ seien, wenn sie sinnlose Anfragen stellen würden. Und bezeichnete einen konkreten Bericht, schlimmstenfalls die Berichterstattung der BILD über Schutzsuchende als „moralisch degeneriert“. Mehrfach differenzierte er zwischen guten journalistischen Praktiken und Journalisten und schlechten. Explizit forderte er bestimmte Medien auf, gegen solche Praktiken vorzugehen.

Später wirft Überall Rezo vor: „Es ist billig, einerseits die Recherchen von Journalisten für das Anti-CDU-Video intensiv zu nutzen, und wenige Wochen später der gesamten Berufsgruppe kollektive Hirnschäden anzudichten.“ Dieser Vorwurf ist absurd, denn Rezo hat nichts dergleichen getan und das überhaupt nie erwähnt. Wie gesagt, hatte er sich über konkrete Vorfälle und Berichte echauffiert und bestimmte Medien wegen ihrer Berichterstattung kritisiert. Mehrfach differenzierte er explizit zwischen guten Journalisten und anderen und zählte sogar einige Zeitungen auf, welche er als „seriös“ betitelte.

DJV-Pressemitteilung gegen Rezo ist billige Stimmungsmache (?)

Auf Twitter äußerte sich Rezo zu der Pressemitteilung: „Kurz Popcorn für alle: Der Journalisten-Verband  hat wegen des aktuellen Videos der @SpaceFrogs (in dem ich auch vorkomme) eine Pressemitteilung gegen mich rausgehauen. In dieser wirft der Vorsitzende @ueberalltv mir ausschließlich Aussagen vor, die ich nie gemacht habe.“ Er ergänzt: „Ich weiß nicht genau, was ich dazu sagen soll. Bin halt nicht wütend, weil ich ja im Grunde nicht kritisierte wurde sondern eine fiktive Projektion von mir. Aber irgendwie ist das auch merkwürdig, wenn da so ein Quatsch steht.“

In der Tat ist es merkwürdig, wenn der Journalisten-Verband Rezo wegen seiner „billigen Stimmungsmache“ kritisiert. Und ihm dann Aussagen in den Mund legt und Ansichten unterstellt, die dieser nicht geäußert hat. Um Überall zu zitieren: „Das passt nicht zusammen“. Man könnte umgekehrt also ihm den Vorwurf der „billigen Stimmungsmache“ machen. Der DJV sollte sich hingegen vielleicht lieber seine eigenen Leute kümmern, die ebenfalls Berichte mit faktisch falschen Behauptungen und rechtspopulistischen Narrativen teilen:

Screenshot twitter.com

Nachtrag:

Der Deutsche Journalistenverband hat die Pressemitteilung inzwischen zurückgezogen: „Wir haben die Pressemitteilung zu #Rezo zurückgezogen, weil es intern unterschiedliche Auffassungen über die Tonalität seiner Aussagen gab. Um es klar zu sagen; #Medienkritik ist nicht nur legitim, sondern unverzichtbar im demokratischen Diskurs.“ Laut Rezo soll sich der Vorsitzende entschuldigt haben. Für Rezo sei demnach die Sache erledigt.

Artikelbild: Screenshot youtube.com

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Nein, Greta segelt NICHT mit einem „Rothschild-Boot“: Mit Antisemitismus gegen das Klima?

Mit Antisemitismus gegen das Klima?

Derzeit teilen viele ein Foto, dass das Boot von Greta Thunberg zeigen soll, auf dem der Name „Edmond de Rothschild“ steht. Dass Greta mit diesem „Rothschild-Boot“ ihre Segelreise in die USA durchführen soll, soll ein Beleg für die „Pariser Klimabanker Agenda“ sein. Und eine Verschwörung, die dahinter stecke. Hier die betreffende Grafik:

Screenshot

„Dieser Moment, wenn du begreifst das du mit nem Rothschild-Boot unterwegs bist.
#Pariser Klimabanker Agenda“



Das foto ist echt

Das Foto auf der Grafik stammt aus dem Jahr 2015 und wurde von „Th. Martinez“ geschossen. Man kann es auf der Seite „yachtingworld.com“ sehen. Dort berichtet man von einer Testfahrt eines Bootes mit Namen „Edmond de Rothschild“. Das Boot lief 2015 mit dem Namen „Gitana 16“ vom Stapel, da es von den Rennseglern Team Gitana gesegelt wurde. Später benannten sie das Boot „Edmond de Rothschild“, da der französische Bankier das Team im Jahr 2000 gegründet hatte.

2016 wurde das Boot bei einem Rennen durch extreme Wetterbedingungen beschädigt, wurde später umgefärbt und lag in Monaco vor Anker, wo es 2019 von dem Stuttgarter Immobilienunternehmer Gerhard Senft für das Team Malizia gekauft wurde. Jetzt segelt es unter deutscher Flagge, ist im Hamburger Schiffsregister eingetragen und heißt „Malizia II“. Und es ist tatsächlich das Boot, mit dem Greta derzeit über den Atlantik segelt.

Es gehört aber nicht mehr dem Team Gitana und heißt auch nicht mehr „Edmond de Rothschild“. Und hat dementsprechend auch nicht mehr das Segel mit diesem Namen. Sondern stattdessen eines mit der Aufschrift „Unite behind the Science“ (Hier zu sehen). Normalerweise hat es ein Segel mit dem Logo von BMW, das das Team sponsert. Dieses wurde ausgetauscht, ebenso wie alle anderen Logos des Automobilkonzerns. Eben weil Greta Thunberg keine Werbung damit machen will und kein Geld verdienen.

Antisemitismus?

Die Verbreitung des Bildes und die Behauptung, sie würde mit einem „Rothschild-Boot“ fahren, ist demnach ein weiterer Versuch der Diskreditierung. Nicht nur will man sie so in die Nähe von Bankern rücken, womit eine finanzielle Agenda hinter der Klimarettung suggeriert werden soll. Mit „Rothschild-Boot“ bringt man sie auch in die Nähe von antisemitischen Verschwörungstheorien. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung informiert, ist moderner Judenhass oft kodiert und ersetzt das „Internationale Finanzjudentum“ mit Begriffen wie einer „internationalen Finanzelite“.

Dabei werden besonders Namen und Schlagworte als Hinweise darauf gestreut, die diese mit Juden in Verbindung bringen sollen. Dazu gehört auch die Erwähnung von „Goldman Sachs“. Oder eben den „Rothschilds“, denen seit jeher unterstellt wird, heimlich die Weltgeschicke zu manipulieren. Auf diese bezogen sich auch die Nationalsozialisten und auch heutige Neonazis (Mehr dazu). Es ist also ebenfalls ein Code für rechtsextreme Greta-Hasser, um sie mit einer antisemitischen Verschwörung zu verknüpfen und so weiter zu diskreditieren.

Siehe auch den Faktencheck bei Mimikama. Artikelbild: Mix and Match Studio, shutterstock.com / Screenshot facebook.com

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Mir reicht’s! Eine Abrechnung mit den Greta-Hassern

mir reichts! greta!

Seit Wochen lese ich jetzt Kommentare unter den Berichten über die von Greta Thunberg ins Leben gerufene Bewegung “Fridays For Future”. Seit Wochen versuche ich, maßvoll und vernünftig zu argumentieren. Seit Tagen sehe ich mit zunehmendem Entsetzen, wie sich auch in meinem Freundeskreis hier immer mehr Greta-Hasser outen, wie sie Fakebildchen und Fakeberichte teilen, wie sie sich echauffieren, wie sie sich plötzlich von erwachsenen, gebildeten, vernünftigen Leuten in einen geifernden Mob verwandeln, der seine Verachtung für dieses Mädchen und ihre Bewegung in die Kommentarspalten und auf die Timeline rotzt. Seit Stunden sitze ich hier und grüble – bis heute war ich geduldig und tolerant, aber JETZT REICHTS!!!

Du da draußen, der du es nötig hast, Bilder von 16-jährigen Mädchen zu klauen, zu verfremden und ungefragt tausendfach zu teilen, der du kein Problem darin siehst, Persönlichkeitsrechte zu verletzen und Falschmeldungen zu verbreiten und Hass gegen einen Teenager zu schüren, dessen einziges Verbrechen es ist, sich Sorgen um die Zukunft zu machen: Schämst du dich eigentlich gar nicht? Hast DU Kinder?



Dein Lifestyle ist mir egal!

Wie wäre es, wenn du mal einen Moment dein Resthirn nutzt und dich fragst wie du es fändest, wenn man dasselbe mit Fotos deiner Kinder machte? Ganz ehrlich: wäre Greta meine Tochter, würde ich dir dafür so in den Arsch treten, dass du klimaneutral bis Timbuktu fliegen könntest.

Du, mir persönlich ist es völlig egal, ob du weiter der Religion der Schnitzelanbeter frönst. Von mir aus iss jeden Tag ein halbes Schwein, das stört mich nicht. Kauf dein Billigfleisch im Supermarkt und genieße es. Mir buchstäblich Wurscht.

Es interessiert mich auch nicht wirklich, ob du persönlich gern -zigmal im Jahr in den Urlaub fliegst. Ob du gern auf Kreuzfahrtschiffen fährst. Ob in deiner Garage nun ein SUV steht oder ob es zwei sind. Ich gönn dir das.

Von mir aus kannst du in deinem Vorgarten Altreifen verbrennen oder alles schön sauber zubetonieren, damit es immer schön ordentlich aussieht und die Nachbarn nichts zu meckern haben. Ist doch dein Leben. Dein Vorgarten. Deine Betonwüste.

Dein Lifestyle ist mir egal. Ich will dich weder überzeugen noch überreden. Ich will dir nichts wegnehmen oder verbieten. Wenn du glaubst, deine Glückseligkeit hängt an Plastetüten, Strohhalmen und Einweggeschirr: von mir aus werde glücklich damit, behäng dich damit und freu dich.

Kauf dir von mir aus jedes Jahr ein neues Auto, ein neues Handy, einen noch größeren Fernseher oder was du sonst zum Leben brauchst. Schön, dass du es dir leisten kannst – lass krachen. Kapitalismus lebt von Konsum, Baby.

Dann verändern wir die welt eben ohne dich

Aber halte doch bitte, bitte einfach die Klappe, wenn andere Leute den Ernst der Lage erkannt haben und für sich persönlich entscheiden: ein WEITER SO geht nicht.

Halte einfach die Finger still, freu dich dass es dir (noch) gut geht und du in Saus und Braus leben kannst ohne auf etwas zu verzichten.

Was mir nicht egal ist: die Zukunft meiner 5 Kinder, meiner zwei Enkelkinder, meiner noch ungeborenen Urenkel. Was mir nicht egal ist: Die Zukunft dieses Landes, dieses Planeten.

Was mir nicht egal ist: wenn meine 10-jährige Tochter vor mir steht und sagt: “Mama, ich habe echt Angst, wie die Welt in 10 Jahren aussieht. Ihr habt es verkackt, aber gründlich!” und ich ihr beschämt zugestehen muss, dass sie Recht damit hat. Wir haben aus dieser Welt einen einzigen Sauhaufen gemacht. Immer weiter, schneller, besser, mehr.

Was mir nicht egal ist: die Kinder, die in Asien, in Afrika und Lateinamerika in unserem MÜLL wühlen, die in Indien auf Müllkippen leben und mit bloßen Händen Elektroschrott sortieren und an den giftigen Dämpfen verrecken, während sie Plaste vom Metall brennen.

Was mir nicht egal ist: dass die Polkappen schmelzen, so schnell, dass man es mit bloßem Auge beobachten kann. Die Folge: meterhoher Schnee in Australien, Überschwemmungen in Nordamerika, Menschen verlieren schon jetzt dort ihre Heimat durch den ansteigenden Meeresspiegel, Tierarten verlieren ihren Lebensraum und sterben aus.

Müllberge statt Eisberge

Was mir nicht egal ist: Ganze Länder und Meere versinken im Müll, den wir hinterlassen. In 50 Jahren wird sich kaum noch ein Mensch an mich erinnern. Der Müll, den ich in den letzten 50 Jahren meines Lebens produziert habe, wird dann größtenteils immer noch in der Pampa liegen und verrotten. Eine Einkaufstüte schwimmt 10 bis 20 Jahre lang im Meer, bis sie vollständig zerrieben ist, ein Styroporbecher braucht 50 Jahre, um zu zerbröseln. Eine PET-Flasche zerfällt erst innerhalb von 450 Jahren, eine Angelschnur in 600 Jahren. Aber hey, was soll´s, nicht wahr? Ist ja dann nicht mehr unser Problem.

Was mir nicht egal ist: wenn majestätische Fische wie die Mantarochen durch den Ozean segeln und sich die Bäuche mit Müll füllen. Das ist mir nicht egal, denn es bricht mir das Herz. Das gilt auch für Seeschildkröten, Wale, Seevögel aller Art, die jämmerlich an unserem Plastikdreck verrecken.

Plastikmüll

Was mir nicht egal ist: wenn es irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft keinen einzigen Ort mehr geben wird, den man noch bereisen kann, weil wir alles vergiftet, verseucht, verbaut und vermüllt haben.

Was mir nicht egal ist: dass die globale Erwärmung zu immer größeren Schäden führt, die man jetzt schon sehen kann, wenn man nicht ganz blind ist. Die Arktis brennt seit Monaten. In Sibirien sind fast 3 Millionen Hektar uralter Wald verbrannt. In Borneo verbrennen Urwälder und ja – leider auch die in ihnen lebenden Orang Utans.

Was mir nicht egal ist: Unsere Wälder sterben. Unsere Singvögel sterben. Unsere Insekten sterben.

Uno-Bericht Eine Million Arten vom Aussterben bedroht

    • 85 Prozent der Feuchtgebiete sind bereits zerstört
    • Seit dem späten 19. Jahrhundert sind rund die Hälfte aller Korallenriffe verschwunden
    • Neun Prozent aller Nutztierrassen sind ausgestorben
    • Zwischen 1980 und dem Jahr 2000 wurden 100 Millionen Hektar tropischer Regenwald abgeholzt – weitere 32 Millionen Hektar allein zwischen 2010 und 2015
    • 23 Prozent der Landfläche des Planeten gelten als ökologisch heruntergewirtschaftet und können nicht mehr genutzt werden
    • Der Verlust von Bestäuberinsekten bedroht Nahrungsmittelproduktion im Wert von 235 bis 577 Milliarden Dollar pro Jahr
    • Durch die Zerstörung von Küstengebieten wie Mangrovenwäldern ist die Lebensgrundlage von bis zu 300 Millionen Menschen gefährdet
    • Allein die vom Menschen verursachte Erderhitzung könnte rund fünf Prozent der Arten auslöschen, wenn der Schwellenwert von zwei Grad Celsius globaler Temperaturerhöhung überschritten würde
    • Die globale Rate des Artensterbens ist mindestens um den Faktor zehn bis Hundert Male höher als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre, und sie wächst. Wir opfern für noch mehr Konsum alles, was wir zum Leben brauchen: Wasser, Luft, Natur, Umwelt. Wir machen alles kaputt. Hauptsache, es gibt jederzeit billiges Schweinefleisch zu kaufen.

Das alles muss dich nicht interessieren.

Es darf dich kaltlassen. Du musst nichts ändern, Kumpel, dich nicht einschränken. Freiheit, Baby: du kannst tun und lassen was du willst.

Aber eins solltest du nicht mehr tun: deine Sülze zu Greta, zu Fridays For Future, zur drohenden Klimakatastrophe ungeniert von dir geben.

Du willst, dass für dich alles beim Alten bleibt? Okay. Dann halte wenigstens die Fresse, wenn andere etwas tun, um auch deinen Planeten zu retten. Tu dir und uns den Gefallen: verschwende nicht unsere Zeit, verbrauche für deine überflüssigen copy&paste- Kommentare keine Ressourcen, schone unsere Nerven. Genieß dein Leben und halt´s Maul. Ist das denn so schwer?

Der Rest von uns wird überlegen, wie wir diesen Wahnsinn noch aufhalten können. Wir werden Müll sammeln und recyclen, wir werden für den Kohleausstieg demonstrieren, wir werden mit unseren Kindern Freitags gemeinsam auf die Straße gehen. Wir werden lokal und regional und saisonal einkaufen, wir werden auf Plastikverpackungen verzichten. Wir werden vegetarische Wurst ausprobieren und Fleisch – wenn überhaupt – nur noch selten und bewusst konsumieren.

Wir werden keinen Mist mehr bei Amazon kaufen, wir werden seltener in den Urlaub fliegen und mehr Fahrrad fahren. Wir werden unsere Häuser in den Energiesparmodus bringen und keine Kippen mehr auf die Straße werfen. Wir werden für mehr ÖPNV kämpfen und Insektenhotels aufhängen und Kindern etwas über nachhaltiges Leben beibringen und Bäume für sie pflanzen.

Du musst also gar nichts tun, Kumpel. Sei einfach nur still. Mach das Internet aus und leb dein Leben. Danke.

Text: Grit Maroske (Original) Artikelbild:Daniele COSSU, shutterstock.com

Zum Thema:

4 Gründe, warum Greta Thunberg deinen Hass verdient hat!

English version:

I’ve had enough! My answer to all you Greta haters

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Sorry AfD: Bloßgestellter AfD-Politiker aus Stralsund ist real!

AfD-Fakes über Fakes

Offenbar war einigen AfDlern der Auftritt ihres Parteikollegen beim Leser-Forum der Ostee-Zeitung doch zu peinlich. Der Lokalpolitiker und Ex-Polizist Thomas Naulin konfrontierte in Stralsund Bundeskanzlerin Merkel mit AfD-typischen Anschuldigungen. Sie habe das Land gespalten sagte er und dass es keine Meinungsfreiheit in ihrer „Diktatur“ mehr gäbe. Dass Frau Merkel trotz der überzogenen Behauptungen locker blieb und ihm erklären musste, dass er offensichtlich seine angeblich unterdrückte Meinung doch wohl gerade sagen dürfe, wurde zum viralen Hit. Hier unser Bericht und das Video dazu:

Gut gekontert: So cool erklärt Merkel einem AfD-Politiker Meinungsfreiheit – Video



Stralsund-Auftritt zu peinlich für die afd

Obwohl Naulins Narrativ einer unterdrückten Minderheit, die es in Wahrheit gar nicht gibt, und auch der Mythos vom Rechtsbruch 2015 typische AfD-Darstellungen sind, war einigen in der rechtsextremen Partei der Auftritt anscheinend doch zu peinlich. Wenige Tage später tauchte plötzlich dieser Artikel auf, der die Behauptung aufstellte, der AfD-Politiker sei ein bezahlter Schauspieler der „linken Presse“ gewesen:

Screenshot

Darin wird unter anderem erklärt, der AfD-Politiker hieße „Nolin“ – welchen es natürlich nicht gibt – oder sein Verband sei „Pommern-Rügen“ statt „Vorpommern-Rügen“, um zu belegen, dass es eine False-Flag-Aktion gewesen sei sollte. Natürlich ist es einfach, Ungereimtheiten zu finden, die man sich gerade selbst ausgedacht hat. Doch Thomas Naulin gibt es natürlich sehr wohl, und auf seiner Facebook-Seite hat er sich auch zu dem Vorfall geäußert. Naulin ist darüber hinaus bekannt, weil seine Partei im Kreistag Vorpommern-Rügen gleich zwei verschiedene Fraktionen stellt – und dafür doppelt Steuergelder bekommt (Quelle).

Die Seite „telegra.ph“ ist eine Fake-News-Seite, auf welcher sich jeder selbst einen Artikel erstellen kann:

Screenshot

Dennoch verbreiten einige AfD-Politiker diese Fake News:

Screenshots #DieInsider

Die Logik hinter so einem Fake

Es ist typische, rechtsextreme Propaganda und eine Verwirrtaktik: Wenn alle eigenen Fehler und Unzulänglichkeiten immer wieder als bösartiges Komplott und Fake dargestellt werden, immunisiert man sich nicht nur vor Kritik, (da man natürlich nie etwas falsch machen kann, wenn alle Fehler nur die Schuld meiner Gegner sind). Dadurch wird auch immer weiter der irrationale Hass auf Andersdenkende und politische Gegner geschürt, der genau in solchen peinlichen Auftritten wie in Stralsund mündet, wo man die Kanzlerin mit offensichtlich falschen und überzogenen Anschuldigungen konfrontiert, weil man den ganzen Tag nur tendenziöse Medien und Fake News konsumiert.

Durch das Erfinden angeblicher Fehler wird Misstrauen gestreut. Die angeblichen Fehler (oder Autorennamen wie „C. Lars Reklotius“) werden nicht als Hinweise darauf interpretiert, dass die Behauptung gelogen sei. Sondern als Ungereimtheiten, die der großen Verschwörung des Systems zugeschrieben werden. Am Ende steht in der Augen der Opfer dieser Fake News nur Behauptung gegen Behauptung. Und dann glauben sie letztlich nur dem „Fake-Vorwurf“, der ins eigene Selbstbild passt, völlig unabhängig davon, ob man eines davon belegen kann und das andere nicht. Ein zivilisierter und konstruktiver Diskurs wird dadurch unmöglich.

Offenbar selbst der AfD peinlich

Es ist dennoch bezeichnend, dass die eigenen Parteikollegen es für nötig sehen, die Vorwürfe Naulins zu verleugnen. Diese entspricht schließlich eins zu eins der eigenen Parteiposition. Einfach nur, weil man sie ohne große Kunst entlarven konnte. Denn Frau Merkel wurde zwar für ihre Reaktion gefeiert. Aber dass man inzwischen Applaus dafür kriegt, dass man einigen Menschen erklären muss, dass sie ihre Meinung offensichtlich sagen dürfen, sagt nichts Gutes über den Zustand unserer Diskurse aus.

Artikelbild: Red Moccasin, shutterstock.com/DieInsider

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Doch, Sor