AfD missbraucht Kinder-Schokohasen für Wahlkampf – es drohen Konsequenzen

Unter der blauen Packung sind sie braun und innen hohl

Für den Europawahl-Spitzenkandidaten der AfD, Guido Reil, läuft es derzeit wohl nicht so gut. Nicht nur scheint er in die sich immer weiter ausartende Spenden-Affäre der AfD verstrickt zu sein (Quelle), bei seinem öffentlichen TV-Auftritt bei Markus Lanz offenbarte er peinlich seine Unwissenheit zu verschiedensten Themen, bei welchen er deutliche Meinungen vertreten hatte. Selbst in der AfD schämte man sich für den Auftritt.

Peinlich! Markus Lanz und Kevin Kühnert stellen ahnungslosen AfD-Mann Reil bloß



Ferrero und die AfD

Heute verbreitete Guido Reil ein Foto eines Wahlkampfstandes in Essen, auf welchem unter anderen die „Harry Hase“ Schokoosterhasen von Kinder zu sehen waren, welche mit AfD-Aufklebern versehen waren.

Screenshot facebook.com

Neues und Innovatives von Guido Reil. Nachdem ja nun mal das Geld ein bisschen knapp wird kauft Guido zwei…

Gepostet von AfD-Watch am Samstag, 20. April 2019

In den Jahren zuvor hatte gerade die AfD die Tatsache, dass die Hasen wie von Kinder nicht „Osterhasen“ heißen noch als Beweis für ihre Verschwörungstheorie der „Islamisierung“ gesehen:

Laut AfD: Umbenennung eines nichtchristlichen Schokohasen vor Jahrzehnten Beweis für Islamisierung

Das Problem an der Sache: Im Kontext der Wahlwerbung, mit den Farben und den aufgeklebten Stickern und den deutlich zu sehenden „Kinder“-Logos erweckte es den Eindruck, als würde Ferrero die AfD unterstützen. Reil suggerierte damit eine mögliche Unterstützung. Das könnte jedoch noch Konsequenzen haben.

Neues Cola-Gate?

Unternehmen mögen es überhaupt nicht gern, wenn sie mit der AfD in Verbindung gebracht werden. So führte ein Fake-Plakat im Dezember dazu, dass sich reihenweise Cola-Hersteller von der AfD distanzierten und gegen die Vereinnahmung wehrten. Hier die ganze Geschichte:

Colagate: Alle Peinlichkeiten der AfD & alle Distanzierungen der Cola-Marken

Auch Ferrero ist bekannt dafür, kein Freund von Rechtsextremismus zu sein. 2015 stellte sie im Rahmen einer Vereinnahmung durch die Pegida klar: „Wir sind strikt gegen jegliche Form von Fremdenfeindlichkeit oder Diskriminierung“.

Ferrero war bisher nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Doch Reil bekam es dennoch mit der Angst zu tun und hat den Post inzwischen wieder gelöscht. Und stattdessen ein neues Bild hochgeladen, in welchem die Schoko-Hasen wegretuschiert wurden.

So reagieren die Nutzer*innen

Für die User bietet die Sache auch so viel Grund zur Belustigung:

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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Fehlerhafte Studie: Nein, Elektroautos sind nicht schlechter als Diesel!

Fehlerhafte studie

Elektroautos sind weniger klimaschädlich als Autos mit Verbrennungsmotoren. Das kann auch die neueste Studie des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo nicht widerlegen. Christoph Buchal und Hans-Werner Sinn wollten in ihrer Studie zeigen, dass Elektroautos eine deutlich schlechtere Umwelt-Bilanz besitzen. Doch ihre Studie weist mehrere Fehler auf. Man wirft ihnen vor, dass sie Elektro-Autos absichtlich „schlechtgerechnet“ haben.

Expert*innen der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) e.V. erklären in einer Pressemitteilung (Link): „Unstrittig ist, dass ein elektrisch betriebenes Fahrzeug eine erheblich bessere Effizienz aufweist als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.“ Es stimme zwar, dass der höhere Aufwand zur Herstellung von Elektro-Autos diesen Effekt derzeit noch schmälert, aber zum einen besteht hier „noch großes Reduktionspotential“ und sie seien „die aus heutiger Sicht einzige nennenswerte und unverzichtbare Alternative, um Erneuerbare Energien effizient und flächendeckend im Verkehrssektor zu integrieren“.

Sprich: Elektrouatos sind derzeit die einzige taugliche Möglichkeit, wie man mit erneuerbaren Energien im Straßenverkehr fahren kann. Laut den Forscher*innen braucht es jetzt dringend mehr Forschung und Entwicklung bei den Fahrzeugbatterien, der Ladeinfrastruktur und im Betriebsmanagement der Fahrzeuge, also Koordination beim Laden, zuverlässige Reichweitenanzeigen und so weiter. Elektroautos sind dennoch jetzt bereits umweltfreundlicher als Verbrenner.



Nicht die erste widerlegte Studie

Die fehlerhafte Ifo-Studie begeht ähnliche Fehler wie die so genannte „Schweden-Studie“ des Umweltforschungsinstituts IVL, welche heute weitestgehend als widerlegt gilt. Die Studie legt nahe, dass die Akkus von Elektrouatos das Klima mit 17,5 Tonnen CO2 belasten. Dabei berufen sie sich jedoch auf ältere Studien. Neuere Studien wie die des Fraunhofer Instituts zeigen jedoch, dass Elektroautos bis zu 43 Prozent weniger klimaschädlich sind als Verbrenner.

Auch eine Studie (Quelle) des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) kommt zu dem Schluss: „Elektrofahrzeuge [sind] gegenüber Verbrennern schon heute im Vorteil, mal mehr, mal weniger. Und der Vorsprung wird wachsen.“ Woher kommen die unterschiedlichen Bewertungen dieser Studien zur Ifo-Studie? Ifo hat unter anderem auf alte Daten zurückgegriffen und mit veralteten Batteriemodellen gerechnet.

Elon Musk kritisierte die Studie ebenfalls aus diesem Grund und fügte hinzu, dass ihre Klimabilanz immer weiter steige, auch seine Gigafactory werde inzwischen immer mehr von Solarenergie betrieben (Quelle). Also: Die Studien beziehen sich auf veraltete Daten über Elektroautos. Die Herstellung vor allem der Batterien wird jedoch immer effizienter, umweltfreundlicher und sauberer und hat damit Verbrenner inzwischen längst überholt.

Elektroautos werden noch umweltfreundlicher

Und dieser Trend wird noch weitergehen. Die Steigerung der Energiedichte über die letzten Jahre hat zur Folge, dass viel weniger Rohstoffe verbraucht werden, was die Umweltbilanz weiter verbessert und in der Ifo-Studie nicht berücksichtigt wurde. Auch ist das Akku-Recycling heute viel relevanter als in der Studie angenommen. Die Studie geht davon aus, dass Akkus nach 150.000 Kilometern oder 10 Jahren ersetzt werden müssen. Das ist aber nicht so.

Das meistverkaufte Elektroauto der Welt, der Nissan Leaf, ist seit mittlerweile 8 Jahren auf dem Markt und bisher ist kein großer Leistungsverlust zu bemerken. Das Unternehmen verspricht, dass die Batterien ein „ganzes Autoleben“ halten und garantiert mindestens 160.000 Kilometer mit einer Mindestkapazität von 70 Prozent halten. Und auch danach können die Akkus größtenteils recycelt werden (Quelle). Die EU schreibt heute bereits eine Recycling-Quote von 50% bei Litihium-Ionen vor (Quelle).

Ifo-Studie macht zweifelhafte vergleiche

An der Studie wird ebenfalls kritisiert, dass sie unfaire Vergleichsfahrzeuge hergenommen hat. So wurde für die Elektroautos die Luxus-Klasse, das Tesla Model 3, hergenommen, aber mit dem C220-Diesel von Mercedes verglichen. Der Tesla hat 473 PS, der Diesel mit 194 nicht einmal die Hälfte. Und der Mercedes hat das beste Innenraum-zu-Verbrauchsverhältnis auf dem deutschen Markt. Sie haben also einen der besten Diesel-Verbrenner mit einem der schlechteren Elektro-Autos verglichen, was das Ergebnis selbstverständlich verzerren muss.

Die Studie nimmt auch bei den NEFZ-Werten, also der Emissionsmessung, viel zu niedrige Werte für beide Fahrzeuge an. So rechnet sie 4,5 Liter Diesel für den Mercedes aus, dabei liegt der Realverbrauch eher bei 6,7 Litern (Quelle). Der Tesla wird mit 15kWh statt 23 kWh berechnet. Daraus folgt: Egal, ob man den Real- oder Normverbrauch vergleicht: Der Diesel steht schlechter dar. Auch lässt die Studie außer acht, wie viel Energie für die Produktion, Lieferung usw. für Benzin und Diesel verbraucht werden, bevor diese im Motor landen. Je nach Rechnung sind das bis zu 1,5kWh pro Liter.

Auch rechnet die Ifo-Studie mit einem Wirkungsgrad von 33%-35%. Dabei sind in Wahrheit 20%-25% viel realistischer (Quelle). Außerdem gehen die Forscher davon aus, dass jedes Elektroauto den Durchschnittsstrom tanke, in welchem ziemlich viel Strom z.B. aus der klimaschädlichen Braunkohle stammt. Dabei tanken schon heute viele Elektroautofahrer*innen grünen Strom oder aus eigenen Photovoltaik-Anlagen. Und in Zukunft wird sich dieser Wert noch verbessern und der Anteil an Ökostrom am Mix wird auch wachsen.

ElektroAutos extra schlecht gerechnet?

Fazit ist: Elektroautos sind heute schon umweltfreundlicher als Verbrenner und in den kommenden Jahren wird sich dieser Unterschied noch weiter vergrößern. Als einzige realistische Alternative für umweltfreundliche Fortbewegungsmittel im Straßenverkehr werden und müssen sie in  Zukunft eine größere Rolle spielen. Die Ifo-Studie hat mehrere Fehler und Schwächen, die Elektroautos schlechter rechnen, als sie sind.

Es ist nicht das erste Mal, dass mit einer verzerrten und fehlerhaften Studie medial Stimmung gemacht wird gegen Bemühungen für eine saubere Umwelt. So wurde kürzlich mit einem Aufruf von 100 Lungenärzten gegen Feinstaub-Werte gewettert. Doch der Aufruf enthielt keine einzige wissenschaftliche Studie, und wurde nur von Laien unterzeichnet. Einige davon waren nicht einmal Lungenfachärzte. Sondern zum Beispiel ein Motorenentwickler, der 10 Jahre für die Daimler AG gearbeitet hat. Mehr dazu:

Keine Belege, keine Experten: 5 Fakten zu den 100 Lungenärzten gegen Schadstoffgrenzwerte

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Fake! Bild mit „lachenden Muslimen“ vor Notre Dame ist eine Fälschung

Fälschung!

Im Rahmen der Tragödie von Notre Dame hat man vor allem in rechten Kreisen ein Bild verbreitet, das angeblich zeigen soll, wie zwei Männer vor der brennenden Kirche lachen. Unterstellt sollte damit werden, dass sie sich über den Brand freuen würden. Implizit wird auch wegen ihres Aussehens unterstellt, es handele sich dabei um Muslime und dass man darauf auf alle anderen Muslime schließen könne.

Wie Politifact berichtet, wurde das Bild zunächst von Sputnik verbreitet, eine Nachrichtenseite, die von der russischen Regierung betrieben wird. Wissenschaftler des National Center for Media Forensics der University Colorado Denver haben das Bild analysiert und festgestellt, dass das Bild der beiden Männer in das Foto eingefügt wurde.

Screenshot facebook.com



Hetze gegen Muslime

In einer Email an Politifact bestätigt Catalin Grigoras, der Leiter des Instituts, dass das Bild der beiden Männer am Computer eingefügt wurde, als er die ursprüngliche Quelle des Bildes analysierte. Wenn man auf die rechte Wange des Mannes rechts zoome, könne man die offensichtliche Manipulation erkennen.

An den Übergängen sieht man, dass z.B. Teile der Ohren fehlen, danke an Christoph Schedl

Das Bild wurde dazu verbreitet, die Verschwörungstheorien und Falschmeldungen zu unterstützen, dass es sich beim Brand um einen Anschlag handele. Dabei steht fest: Der Brand in der Kathedrale war ein Unfall. Die Verschwörungstheorien haben wir hier analysiert:

Feuer in Notre Dame: Rechte wünschen sich Terroranschlag

Selbst wenn das Bild nicht als „Beweis“ für einen nicht existenten Anschlag hergenommen wird, behaupten viele, den Beweis zu sehen, dass „die Muslime“ sich über den Schaden an der christlichen Kirche freuen würden. Jedem logisch denkenden Menschen müsste aber klar sein, dass das eine kontextlose Momentaufnahme ist. Selbst wenn sie echt gewesen wäre, heißt sie weder, dass diese Männer sich über den Brand freuen. Noch dass es sich dabei um Muslime handelt. Noch dass die beiden für 1 Milliarde Menschen mit diesem Glauben sprechen könnten.

Es ist der Versuch, über ein gefälschtes und letztlich nichtssagendes Bild einen Zusammenhang herzustellen, wo keiner ist. Und wieder einmal die Tragödie dazu zu instrumentalisieren, um gegen Muslime zu hetzen. Die Strategien der AfD, um den Brand für ihre Zwecke zu missbrauchen haben wir hier analysiert:

So instrumentalisiert die AfD das Feuer von Notre Dame – Verschwörungstheorien & Unterstellungen

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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Trauerkritik zu Notre Dame: Sagt anderen nicht, worüber sie zu trauern haben

Neuer Trend: Trauerkritik

Es ist nicht lange her, seitdem das Feuer in Notre Dame ausbrach. Und die Peinlichkeit mancher Reaktionen lässt sich kaum noch überblicken. Kollege Thomas hat ja schon einige Reaktionen in seinem Artikel dokumentiert.

Meine Abrechnung zu den Reaktionen auf den Brand von Notre Dame

Was aber noch gesagt werden muss: Es gibt eine Reaktionsform, die eigentlich neben den üblichen Widerlichkeiten besonders kritisierenswert ist: Die Trauerkritik. Und zwar gibt es zwei Eskalationsstufen bei dieser. Im Grunde ist es immer dasselbe: Trauernden wird vorgeworfen, sie würden sich für andere Missstände nicht interessieren.

Es ist schon interessant, woher dieser Vorwurf kommt. Wie kommen Leute darauf, dass diejenigen, die die Flüchtlingspolitik der EU in den vergangenen Jahren als ethischen Offenbarungseid bezeichnet haben, die sagten, dass das unter Strafe Stellen der Seenotrettung ein Skandal ist, nun auf einmal Heuchler seien? Nur wenn sie darum trauern, dass eines der imposantesten Beispiele gotischer Architektur, ein Weltkulturerbe der gesamten Menschheit, zerstört wurde?



Im folgenden mal drei Beispiele, die dies deutlich zeigen:

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Natürlich sollte jedem klar sein, dass Notre Dame weder etwas mit dem Klimawandel, noch direkt mit den ertrinkenden Menschen zu tun hat. Wenn man nicht skurril um ein paar Ecken denken möchte. Okay, dass der Brand von Notre Dame für das Klima nicht gut war das wird wohl so sein. Aber die Frage an jene, die solche Vergleiche machen wäre auch: Was macht ihr eigentlich, dass ihr es euch herausnehmt, solche Vergleiche anzustellen? Arbeitet ihr alle ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe oder bei Wiederaufforstungsprojekten?

Besonders unappetitlich ist es, wenn eine völlig verkürzte Kolonialismuskritik das Wesen des Kolonialismus auf die Hautfarbe reduziert. Weiße haben Barbarei, Sklaverei und Kolonialismus nicht erfunden. Natürlich haben sie grausige Verbrechen begangen, aber sie waren auch nicht die einzigen. Und sie haben mit vielem aufgehört. Im Gegenteil, heute verurteilen die meisten zum Beispiel den Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern. Und die Kirche hat sich immer klar gegen die Sklaverei positioniert im Amerika.

Auch KomikeR Shahak Shakira hat sich an der Gesellschaftskritik geübt und schrieb:

„Schon bisschen peinlich, dass Leute jetzt echt Geld spenden, damit eine der reichsten Organisationen der Welt ihre Filiale in Paris wiederaufbauen kann.“

Es sagt schon eine Menge aus, wenn weder er, noch seine Fans wissen, dass Eigentümer von Kirchengebäuden in Frankreich der Staat ist, nicht die Kirchen oder ihre Glaubensgemeinschaften. Auch hier kommt wieder die völlige Ignoranz zum Ausdruck, bei der es nicht um Aufklärung, sondern um Selbstgerechtigkeit geht.

Es ist wirklich fragwürdig, wie wenig Empathie man haben muss, um Schicksale so aufzuwiegen, anstatt Schicksalen für sich den Raum zu geben. Raum zu lassen für jede Trauer, Entsetzen und Betroffenheit. Denn es lassen sich nicht Unglücke und Schicksale miteinander vergleichen. Und Schicksale haben immer Mitgefühl verdient. Auch wenn es „nur“ eine Kirche ist.

Letztendlich geht es somit nicht um Aufklärung oder um Kritik, sondern darum, einem hochgradig zynischen Beißreflex freien Lauf zu lassen. Und jenen, die trauern in die Parade zu fahren. Immerhin sind jene noch nicht bei Beerdigungen darauf gekommen die Hinterbliebenen zu ermahnen, dass doch mehr Menschen im Mittelmeer ertrinken und sie sich darum doch auch mal Gedanken machen sollten. Aber es wäre dasselbe niedrige Niveau.

Aus TITANIC 05/2015

Gepostet von Hauck & Bauer am Dienstag, 16. April 2019

Wen will man damit überhaupt erreichen?

Bedenkt man nun, dass all jene, die solche Äußerungen von sich gaben, sich dabei noch für gute Menschen halten. ist es umso widerlicher. Es gibt zwar eine Antwort darauf, warum solche Fragen aufgeworfen werden: Weil es Menschen gibt, die um Notre Dame trauern, die sich aber weder für die Geflüchteten noch den Klimawandel interessieren.

Ja die gibt es! Und wie viele sind das im Vergleich zur Gesamtbevölkerung? Wer ist das? Ist es deswegen gerechtfertigt, den Rest mit solchen Aussagen mitzuverdächtigen? Muss man sich darauf reduzieren, diese Leute zu provozieren und gleichzeitig die anderen vor den Kopf zu stoßen? Dadurch wird doch niemand seine Meinung ändern.

Das wären mal Fragen, die sich bestimmte Leute selber stellen sollten. Denn nicht jede Person, die um Notre Dame trauert ist ein Heuchler. Vielleicht sind jene, die andere als Heuchler bezeichnen nur selber so zynisch und destruktiv, dass sie es wirklich nicht mehr anders sehen können, weil sie selber nur so monokausal an Sachverhalte gehen können, wie sie es anderen vorwerfen. Und solche Leute bilden sich dann ein, kritisch zu sein.

Artikelbild: Cookie Studio, shutterstock.com, Screenshots instagram.com/twitter.com/facebook.com

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Meine Abrechnung zu den Reaktionen auf den Brand von Notre Dame

Deutschland reagiert auf notre dame

Als ich vom verheerenden Brand von Notre Dame vorgestern erfuhr, war ich natürlich bestürzt. Nicht zuletzt als Literaturwissenschaftler war ich mir der kulturellen und historischen Bedeutung des Gebäudes bewusst, meine Gedanken waren beim armen Victor Hugo. Ich hoffte, dass kein Mensch zu Schaden gekommen war. Und damit war das Thema eigentlich für mich abgeschlossen. Hier beim Volksverpetzer gab es eigentlich keinen Grund, darüber zu berichten. Wir sind ein Blog, der politische Narrative und Fake News aufdeckt, was soll ich mit einem Brand in einer Kirche?

Falsch gedacht. Nur kurz nach den ersten Meldungen wurde ich mit den Recherchen der Gruppe #DieInsider bombardiert, die dokumentierten, wie sehr Rechtsextreme die Tragödie ausschlachteten. Sie verbreiteten Verschwörungstheorien, Unterstellungen und Fake News. Sie sprachen von Terror, Brandstiftung und Muslimen. Und alles völlig aus der Luft gegriffen. Also griff ich das Thema auf und analysierte die Hetze.

So instrumentalisiert die AfD das Feuer von Notre Dame – Verschwörungstheorien & Unterstellungen



Alles muss instrumentalisiert werden

Und das Thema riss einfach nicht ab. Alles mögliche ließen sich die Rechten einfallen, um irgendwie diese Tragödie in ihre Agenda zu pressen. Es war ermüdend. Und dann wurde uns vorgeworfen, wir würden es instrumentalisieren, weil wir auf die Instrumentalisierungen von Rechten berichten… Alles ein großer WTF-Moment. Während die rechten Fake News selbstverständlich das größte Problem waren, so hatten doch so einige auch seltsame Meinungen zu Notre Dame.

Klar, wenn manche Menschen vielleicht etwas überdramatisch reagierten. Wenn sich manche direkt an dem Spektakel und dem Sensationalismus aufgeilten und bei „Watch Partys“ mitmachten, kann man das vielleicht kritisieren. Aber anderen ihre Trauer oder Entsetzen als für nicht legitim zu erklären ist einfach unfair. Lasst den Menschen doch ihre Gefühle. Ihr wisst nicht, was sie erlebt haben. Vielleicht haben sie eine besondere Beziehung zu diesem Ort. Trauer ist legitim. Auch wenn es „nur“ um eine Kirche geht.

Deswegen sind auch diverse Whataboutismen fehl am Platz. Ja, natürlich sind die ertrinkenden Menschen im Mittelmeer menschlich gesehen die größere Tragödie. Ja, natürlich ist es seltsam, dass für die Renovierung der Kirche plötzlich so viel Geld da ist, aber nicht für andere Dinge. Das ist ja alles richtig. Aber es darf auch Platz geben für Kultur, Architektur und Geschichte. Das für invalid zu erklären, weil man es selbst nicht nachvollziehen kann ist unfair und unsensibel.

Laschet und die ARD

Nicht nur der NRW-Ministerpräsident Laschet hatte es kritisiert: Die ARD habe keinen „Brennpunkt“ – trotz des naheliegenden Wortspiels – zu Notre Dame gebracht. Aber was sollte die ARD denn berichten, außer, dass es brennt? Mit allen Hetzern spekulieren, was die Ursache war und noch mehr Öl ins sprichwörtliche Feuer des Netz-Hasses gießen? Wer sensationsgierig war, konnte ja auf Facebook die Live-Streams sehen. Aber der ÖR ist etwas seriöser als das.

Sind wir etwa schon so abgestumpft, dass wir von den News immer Drama, Action und Panik brauchen? Spektakuläre Breaking News, Sensationsberichte? Die haben uns doch genau dahin gebracht, wo wir politisch gerade sind. Wenn es keine Verschwörungen gibt und Täter, die man hassen kann, werden sich selbst welche gebastelt. Man will sofort mit Fingern zeigen, auch wenn man noch nichts weiß. Da haben ARD und ZDF (endlich einmal) seriös gehandelt und nichts gesagt, weil es nichts zu sagen gab. Mehr dazu hat der Kollege Christoph Sterz beim DLF zu sagen (Hier).

Sensationsgier und instrumentalisierung

Können Tragödien nicht einfach Tragödien bleiben? Müssen die Twitter-Accounts versuchen, so früh wie möglich einen spitzfindigen Spruch zu bringen, um auf der Welle der trendenden Hashtags zu reiten? Kann man einfach mal die Klappe halten, wenn man keine Informationen hat? Kann man anderen nicht ihre Trauer lassen? Kann man einmal nicht versuchen, alles auszuschlachten, um den Hass gegenüber irgendeiner Minderheit zu rechtfertigen?

Notre Dame wurde zum Glück gerettet. Und kann in fünf bis zehn Jahren wieder in alter Pracht stehen. Es war höchstwahrscheinlich ein Unfall. Rechte verbreiten dazu Fake News, wie sie es immer tun. Andere kommen mit Whataboutismen, wie sie es immer tun. Und andere wollen sich halt an dem Spektakel aufgeilen. Und am Ende komme ich und kommentiere das alles. Entspannt euch ein wenig. Leben und Leben lassen.

Artikelbild: Screenshot ARD, Screenshot facebook.com, Golubovy, shutterstock.com, changes were made

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So instrumentalisiert die AfD das Feuer von Notre Dame – Verschwörungstheorien & Unterstellungen

Andeutungen reichen inzwischen

Seit kurzem ist der Brand der Kirche Notre Dame de Paris endlich gelöscht (Quelle). Aus bisher unbekannten Gründen entzündete sich am Montag Abend der obere Teil des Gebäudes. Experten der Feuerwehr gehen bisher davon aus, dass der Brand mit den Renovierungsarbeiten zusammenhängen könnte. Es wurden bereits hunderte Millionen Euro für den Wiederaufbau gespendet, der aber Jahrzehnte dauern könnte. So viel zu den Fakten.

Wie wir bereits gestern berichteten, nutzen rechtsextreme Hetzer, Blogger und Accounts die Berichterstattung um die Tragödie, um daraus politisches Kapital zu schlagen. Wie so oft bei Anschlägen und Tragödien nutzen die rechtsextremen Influencer die Verunsicherung und den Mangel an Informationen, um schon vorab ihre „alternativen Informationen“ zu verbreiten. Ziel ist es, durch mehr oder weniger verschleierte Andeutungen den immer gleichen Sündenbock auszumachen. Mehr dazu in unserem Bericht:

Feuer in Notre Dame: Rechte wünschen sich Terroranschlag



Auch die AfD beteiligt sich an der hetze

Die direkte Hetze findet durch Fake-Accounts und in geheimen rechten Gruppen statt. Wie unsere Freunde von Mimikama hier gesammelt haben, werden verschiedenste (falsche) Bilder und Behauptungen verbreitet, um gegen Muslime zu hetzen. Ziel ist es, auch bei einem bisher ursachenlosen Brand immer den gleichen Schuldigen zu finden. So soll das zuerst erzeugte Feindbild im Nachhinein gerechtfertigt werden. Doch wir erinnern uns: Bisher ist alles reine Spekulation. Für Brandstiftung gibt es noch kein Indiz.

Die führenden AfD-Politiker*innen gehen dabei sehr subtil vor. Um sich vor dem Vorwurf schützen zu können, sie würden eine direkte Verbindung ziehen, reicht es, nur Andeutungen zu machen. In Kombination mit vergangener Hetze und in Tandem mit den zahlreichen Kommentaren und Screenshots, mit welchen ihre Anhängerschaft bombardiert wird, genügt das, um das gewünschte Bild zu erzeugen. Wir analysieren die drei Strategien der Hetze.

Strategie 1: „Spekulieren“

 

Screenshot

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Eine beliebte Strategie bei AfD-Accounts und noch mehr bei rechtsextremen Blogger*innen und Influencern, ist es, die Unterstellungen als Fragen zu formulieren oder sogar zu „hoffen“, dass es eben kein Islamismus gewesen sei. Warum das problematisch ist? Wie gesagt: Bis jetzt gab es nur einen Brand, die Feuerwehr hat früh gesagt, dass sie denkt, es könne mit den Renovierungsarbeiten zusammenhängen. Niemand hat „Terror“ erwähnt, niemand hat „Brandstiftung“ erwähnt. Und selbst wenn, eine Brandstiftung hätte jeder verüben können, nicht nur Muslime.

Die Spekulationen und Fragen mögen vielleicht von der Meinungsfreiheit gedeckt sein, aber sie haben offensichtlich das Ziel, dass wir bisher völlig ohne Grund über Muslime und Terror sprechen. Sollte die Realität später ganz anders aussehen, lässt sich so leichter bei der eigenen Anhängerschaft behaupten, „man“ wolle „die Wahrheit vertuschen“. Oder man nimmt irritierenderweise die eigene Paranoia und Panikmache zum „Beweis“, dass das politische Klima angeblich so schlimm wäre, dass man „natürlicherweise“ einen Anschlag hätte vermuten müssen. Was eine sinnlose Zirkelargumentation ist, da man seine eigenen Taten als Beweis dafür her nimmt, dass man so reagiert habe.

2. Von „Symbolen“ sprechen – „Islamisierung“ erwähnen

Screenshot, Link

 

Screenshot, Link (Und kleine Anmerkung, wenn er die Kirche tausendundeinmal wieder aufbaut, stehen am Ende zwei Kirchen)

Die zweite Strategie sieht sehr ähnlich aus. Aus den gleichen Gründen wie vorhin wird „Islamisierung“ erwähnt, die Triggerworte wie „europäisches Erbe“ und „apokalyptische Zeit“ werden erwähnt, um das seit Jahren vorbereitete Narrativ des „Wir-gegen-Sie“ aufzurufen. Die Anhängerschaft soll wieder daran erinnert werden, dass sie „bedroht“ sei. Und ja nicht vergessen, wer angeblich Schuld daran habe. Hier „entschuldigt“ man die Verschwörungstheorien und Unterstellungen durch den Verweis auf „Symbole“.

Poggenburg behauptet, es sei „Symbol für die Islamisierung“, Höcke fragt, welches Bild könne die „apokalyptische Zeit“ besser beschreiben. Zur Erinnerung: Es handelt sich bisher um einen zwar tragischen Brand, aber es gibt keine Anzeichen für Brandstiftung, geschweige denn Täter. Wie soll ein Unfall Symbol für das rechtsextreme Narrativ der „Islamisierung“ sein? Erneut wird dieses falsche Narrativ erwähnt, das zu Anschlägen wie Christchurch geführt hat.

6 Dinge, die der Christchurch-Terrorist mit AfD & Co. gemeinsam hat

3. Verweis auf andere Brände – Unterstellung, wer Schuld sei

Die dritte Strategie ist der Versuch, Notre Dame nicht als tragischen Unfall aussehen zu lassen – was er nach aktuellen Informationen immer noch ist – sondern als neuestes und prominentestes Beispiel eines Trends.

Screenshot, Link

Screenshot, Link

Screenshot, Link

Zu den Fakten: Im März gab es auch einen Brand in der zweitgrößten Kirche von Paris, Saint Sulpice. Niemand wurde verletzt, es brannte nur kurz. Wichtig: Die Brandursache ist unbekannt (Quelle). Doch hier wird ein Ansatz für einen Trend gesehen. Und tatsächlich gibt es viele Angriffe vor allem auf katholische Kirchen in Frankreich (Quelle). Doch in den meisten Fällen sind die Täter unbekannt. Verantwortliche sehen in den Motiven vor allem den anti-katholischen Laizismus, den es bereits seit der französischen Revolution gibt. Doch Fakt ist: Alle Behauptungen, wer (haupt-)verantwortlich ist, sind Spekulationen.

Doch diese Darstellung – oft mit Verweisen auf (rechtsextreme) Blogs, oft ohne Impressum, die absichtlich hervorheben, dass die Täter auch Muslime sein könnten – erzeugt den gewünschten Effekt. Denn wie bereits erklärt, ist das kommunizierte Narrativ klar: Wenn es Angriffe auf christliche Gebäude gibt, dann kann es in diesem Weltbild nur einen Schuldigen geben. Weil das rechtsextreme Weltbild nur Gut/Böse kennt und nur zwei Seiten. Die Vorstellung, dass es anti-christliche Franzosen gibt – das können auch Atheisten sein – wird gar nicht erst in Erwägung gezogen.

Keiner nimmt die Worte „Islam“ oder „Muslime“ in den Mund, das müssen sie auch nicht. Denn ihre Kommentierenden wissen genau, wer gemeint ist. Und sprechen das dann auch deutlich aus, wie man sehen kann. Dies ist quasi indirekte Hetze, von welcher sie sich semi-glaubwürdig freisprechen können. Doch diese Aussagen passieren ja in keinem Vakuum. Es ist klar, was gemeint ist. Der Effekt ist auch der Gleiche: Die Schuld wird wieder dem alten Feindbild gegeben.

Subtile Hetze und Spekulationen

Doch noch einmal: Die Brandursache ist unbekannt. Es war mutmasslich keine Brandstiftung. Alle Unterstellungen, Andeutungen, Behauptungen und Pseudo-Fragen haben derzeit nur einen Zweck: Hetze. Das Verbreiten von Angst. Angst, die ausgenutzt werden kann. Wie immer wird das Feindbild zuerst erzeugt, dann mit Vorfällen wie Notre Dame – die nichts damit zu tun haben! – verknüpft, um so die Angst angeblich zu „bestätigen“.

Man erzeugt das Problem erst, vor dem man angeblich warnt. Und das macht man mit jeder neuen Newsmeldung, jeder Tragödie. Ob es wie in Münster ein deutscher Amokfahrer war oder wie in Christchurch ein weißer Faschist, der Menschen umbringt. So lange noch keine Informationen vorhanden sind, wird das ausgenutzt, um das Feindbild immer tiefer in die Köpfe ihrer Anhängerschaft zu hämmern. Um ihre eigene Macht zu zementieren. Um den Hass zu schüren. Und am Ende kommt was heraus?

Genau, hunderte islamfeindliche Taten. In Dresden gab es einen Bombenanschlag auf eine Moschee. In den ersten neuen Monaten 2018 wurden nach vorläufigen Erkenntnissen 578 islamfeindliche Straftaten gezählt. Die Täter: Fast immer Rechtsextremisten (Quelle). Und vergessen wir nicht Christchruch. Am Ende hetzt man die Anhängerschaft also genau zu den Taten auf, die man angeblich anprangert.

Artikelbild: Vulp, shutterstock.com, Screenshot facebook.com/Screenshot ARD

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter




Feuer in Notre Dame: Rechte wünschen sich Terroranschlag

Rechte terrorwünsche

Zuerst zu den Fakten: In der weltberühmten Kathedrale in Paris ist ein Feuer ausgebrochen. Laut Feuerwehr befindet sich der Brand im oberen Bereich des Gebäudes, welches zur Zeit zur Renovierung eingerüstet steht. Der kleine Spitzturm ist bereits zusammengebrochen. Die Ursache ist derzeit noch unklar, die Feuerwehr glaubt, es könne mit den Renovierungsarbeiten zusammenhängen (Mehr dazu).



Rechte „Watch partys“

Soweit, so schrecklich. Social Media wird mit Äußerungen des Bedauerns und Entsetzens überschwemmt. Die Hashtags #NotreDame, #Feuerwehr, #Paris trenden. Aber auch #Brandstiftung. Doch rechtsextreme Hetzer und Influencer nutzen die Gunst der Stunde, um das Thema politisch auszuschlachten und ergötzen sich an dem Spektakel. In den rechten Hetzgruppen werden laut Recherchen von #DieInsider sogenannte „Watch Partys“ abgehalten.

 

Screenshots facebook.com/DieInsider

In Live-Streams kremlnaher Medien werden Verschwörungstheorien verbreitet und wilde Spekulationen über die Tragödie formuliert. Ein Großteil der Kommentare unterstellt nicht nur Brandstiftung, sondern weiß auch die Schuldigen:

Screenshots facebook.com/DieInsider

Auch rechte Blogger verbreiten die Falschmeldung:

Screenshot twitter.com

Auch offizielle AfD-Accounts beteiligen sich an den Spekulationen:

Screenshot facebook.com/link

Ein erst kürzlich erstellter Fake-Account verbreitet auch die Falschmeldung, dass es sich um einen Terroranschlag handele:

Auch andere beobachten das rasante Verbreiten der rechten Spekulationen und Verschwörungstheorien:

Auch werden andere Verschwörungstheorien verbreitet, wie die Behauptung das Ereignis sei inszeniert:

An der Angst aufgeilen

Zur Erinnerung: Bis jetzt ist die Brandursache unklar, es gibt nach ersten Angaben zum Glück auch keine Verletzten. Wie so oft bei Anschlägen und Tragödien nutzen die rechtsextremen Influencer die Verunsicherung und den Mangel an Informationen, um schon vorab ihre „alternativen“ Informationen zu verbreiten. Ziel ist es, das Feindbild der „Linken“, der „Regierung“ und der „Muslime“ zu zementieren und die Angst auszunutzen.

Sollte die Realität später ganz anders aussehen, lässt sich so leichter bei der eigenen Anhängerschaft behaupten, man wolle „die Wahrheit vertuschen“. Oder man nimmt irritierenderweise die eigene Paranoia und Panikmache zum „Beweis“, dass das politische Klima angeblich so schlimm wäre, dass man „natürlicherweise“ einen Anschlag hätte vermuten müssen. Was eine sinnlose Zirkelargumentation ist, da man seine eigenen Taten als Beweis dafür her nimmt, dass man so reagiert habe. Es ist ein perverses Zelebrieren der Angst und der Unsicherheit, ein regelrechtes Applaudieren des Terrors, damit die eigene Panikmache und Hetze gerechtfertigt scheinen.

Update:

So instrumentalisiert die AfD das Feuer von Notre Dame – Verschwörungstheorien & Unterstellungen

Artikelbild: Screenshots facebook.com/DieInsider

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Fake! AfD hetzt mit gefälschtem Bild gegen Berliner Bürgermeister

AfD teilt wieder fake news

Die AfD mag viele Dinge nicht, darunter auch den Bürgermeister Berlins, Michael Müller. Unter anderem, weil dieser zur #AfDWegbassen-Demo am 27. Mai 2018, zu welcher er beziehungsweise sein offizieller Account twitterte: „Zehntausende in #Berlin heute auf der Straße, vor dem #BrandenburgerTor und auf dem Wasser. Was für ein eindrucksvolles Signal für Demokratie und #Freiheit, gegen Rassismus und menschenfeindliche Hetze.“

Die AfD verklagte ihn daraufhin, weil sie sich dadurch in der Chancengleichheit beschränkt gesehen habe. Doch der Verfassungsgerichtshof wies die Klage zurück. Müller habe im Tweet die AfD nicht genannt und auch nichts anderes gesagt, als das, was in der Verfassung stehe (Quelle). In anderen Worten: Gegen Rassismus und menschenfeindliche Hetze darf man sich äußern, selbst wenn das der AfD nicht gefällt.



Die „Rache“ mit gefälschtem Bild

Jetzt hat der AfD Kreisverband Dahme-Spreewald ein inzwischen wieder gelöschtes Bild verbreitet, das dem Bürgermeister Unsinn in den Mund legt. Sie teilten ein Bild, auf welchem Müller ein Schild mit der Aufschrift: „Kältebus rettet leben! 0178/5235838“ hochhält, was durch eine schlechte Fotomontage zu „Alle nach #Berlin“ verändert wurde. Hier der Screenshot:

Screenshot facebook.com

Hier der Original-Tweet des Berliner Bürgermeisters:

Müller hat inzwischen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet (Quelle).

Billige Propaganda

Das Zitat, das unterstellen soll, der Berliner Bürgermeister wolle alle im Mittelmeer Ertrinkenden aufnehmen – und dass das etwas Schlechtes sei -. sagt jedoch mehr über die AfD aus als über Müller. Nicht nur zeigt die AfD damit, was sie davon hält, dass man versucht, Obdachlose vor dem Erfrieren zu retten. Auch dass das Retten von Menschenleben im Mittelmeer etwas Empörenswertes sei. Die Versuche, Menschen vor dem Ertrinken oder Erfrieren zu Retten werden beide instrumentalisiert.

Es spricht nicht für die Partei und ihre Gleichgesinnten, dass sie vermeintliche Doppelmoral oder ins Groteske verzerrte Aussagen ihren Gegner*innen in den Mund legen muss. Findet sie etwa nicht genug echte Kritikpunkte? Es zeigt, wie wenig man der AfD vertrauen kann, wenn sie Nachrichten verbreitet. Und es zeigt auch, wie harmlos die vermeintlichen Probleme, die sie anspricht, sein müssen, wenn die AfD sich immer wieder erst die Dinge ausdenken muss, über die sie sich aufregen möchte.

Zum Thema:

Polizei korrigiert Fake News über Chemnitz: AfD auf Twitter bloßgestellt

Artikelbild: Screenshot facebook.com/Danke an RBB|24

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Nach Blamage bei Lanz: AfD-Mann mit lächerlicher Ausrede für peinlichen Auftritt

Was ist das für eine ausrede?

In der Ausgabe von Markus Lanz vom 9. April (ganze Sendung hier), bei welcher neben Kevin Kühnert, dem Juso-Chef, und Guido Reil, Europakandidat der AfD, der Dokumentarfilmer Jan Haft und die Ärztin Dr. Anne Fleck zu Gast waren, wurde für den AfD-Politiker eine große Blamage. Außer Verschwörungstheorien, Populismus und einer gehörigen Menge an Unwissen hatte er nichts zu bieten und war so leichte Beute für den sachlichen Lanz und einen gut aufgelegten Kühnert. Unseren Bericht dazu hier:

Peinlich! Markus Lanz und Kevin Kühnert stellen ahnungslosen AfD-Mann Reil bloß

Mehrfach blamierte er sich mit Falschaussagen und völlig unbelegten Behauptungen, die sofort aufgedeckt und entlarvt wurden. So stellte er beispielsweise die Behauptung auf, dass EU-Parlamentarier 1,2 Millionen Euro im Jahr verdienen würden – was Lanz prompt widerlegte: „Sie hauen da einfach so eine Zahl raus! Die stimmt doch nicht. Es sind 585.000 Euro.“ Dass Reil sich über die Detailfragen beschwerte, warf auch kein gutes Licht auf ihn. Selbst AfD-Anhänger schämten sich für den Auftritt.

Screenshot twitter.com



ReiL: „Mit Kühnert haben die sich abgesprochen.“

Bei einem Wahlkampfauftritt in Ennepetal am Freitag äußerte sich Reil zu der Sendung – Mit lächerlichen Ausreden (Quelle). Er sei gar nicht inkompetent und schlecht vorbereitet gewesen, Lanz, das ZDF und Kühnert hätten sich nur in Wahrheit gegen ihn verschworen. Das ZDF habe ihn vorher „analysiert“, um seine Schwächen herauszufinden. „Und mit Kühnert haben die sich vorher abgesprochen. Alle seine Antworten kamen wie aus der Pistole geschossen.“

Sogar die Zuschauer*innen sollen mit drin stecken! Er habe nur „drei Freunde“ mitbringen dürfen und der Rest sei voreingenommen gewesen und habe ihn ausgelacht und „gestört“. Nur habe man das natürlich nicht Hören können, weil das ZDF extra die Mikros heruntergedreht habe. Außerdem habe man ihn zu Themen befragt, worüber er zu wenig wisse, was natürlich auch unfair gewesen sei. Entschuldigung, aber: Mimimi?

Typisch AfD: Immer die anderen Schuld

Dementsprechend zog sich Reil auch Spott von Kühner auf Twitter zu:

Wenn Reil zugibt, dass er sich mit dem Klimawandel nicht auskennt, dann hätte er in der Sendung nun vielleicht nicht so vehement den Fakten zum Klimawandel widersprechen sollen? Es ist keine Schande, von einem Thema zu wenig Ahnung zu haben, aber wenn man in einer Partei ist, die nur dagegen ist, ohne Fakten oder Argumente zu haben, dann steht man nun mal ohne Fakten und Argumente in einer Talkshow da. Was kann das ZDF dafür, dass Reil keine Ahnung von den Dingen hat, die er so selbstbewusst verkündet?

Es ist die typische AfD-Masche: Immer sind die anderen Schuld. Merkel ist schuld, Flüchtlinge sind schuld, die EU hat Schuld. Es passt perfekt in das lange gepflegte Bild der „Lügenpresse“. Dass es nicht sein kann, dass Markus Lanz und Kevin Kühnert sich einfach gut vorbereitet hatten und Ahnung von dem haben, was sie sagen. Das ZDF hat einfach eine Kamera auf Reil gerichtet, die schlechte Leistung hat ganz allein er selbst abgeliefert.

Die AfD beklagt eine Verweichlichung der Gesellschaft, „Politische Korrektheit“, glaubt, Deutschland und die Deutschen ließen sich von allen herumschubsen. Aber anstatt bei einem schlechten Auftritt einfach mal den Mumm zu haben, zu sagen: Ok, das war nichts, wird herumgejammert, dass alle anderen so gemein zu einem waren. Das ist schwach, wo entspricht das dem eigenen Selbstbild? Es macht die ganze Blamage in der Sendung umso trauriger. Denn es scheint das Beste zu sein, was die AfD abliefern kann.

Artikelbild: Screenshot ZDF

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So gnadenlos zerlegt Philipp Amthor (CDU) die AfD in 4 Minuten

„Mettbrötchenfraktion“

Wenn man nicht so fit im Verfassungsrecht ist, ist das ja in Ordnung. Nicht aber, wenn man die AfD ist und mit Halbwissen gegen das „System“ und „die Altparteien“ zetert. Das hat Philipp Amthor (CDU) am Donnerstag nicht unkommentiert stehen lassen und der AfD eine Standpauke gehalten. Die wöchentliche „Schmierenkomödie“ der rechtsextremen Partei fertigte Amthor in vier Minuten so gekonnt ab, es hätte fast ein Diss-Track sein können.

Die AfD solle erst mal den „Dreck vor der eigenen Haustür“ wegkehren, bevor sie Dinge kritisiert, von welchen sie keine Ahnung hat. „Ganz ehrlich, Steuergeldverschwendung, die Mettbrötchenfraktion, mehrere 10.000 Euro in den ersten Wochen!“, hält Amthor die Finger in die Wunden der Partei. Er spielt auf die Meldung an, dass bereits 2 Monate nach der Bundestagswahl beim Catering der AfD-Fraktionssitzungen Rechnungen in der Größenordnung von mehreren 10 000 Euro angefallen waren.



afd kriegt nachhilfe im Verfassungsrecht

Anschließend erklärt Amthor anlässlich der Aussagen und Vorwürfe der AfD Fraktion, was in der Verfassung überhaupt drin stehe. Die AfD hatte beklagt, dass Abgeordnete Parlamentarische Staatssekretäre seien und dies angeblich verfassungswidrig sei. Doch Amthor erklärte süffisant, dass das selbstverständlich möglich ist und die AfD beweise, dass sie nicht weiß, wovon sie redet.

Seine Rede beendete er mit einem Treffer gegen die AfD. Wenn die AfD sich darüber beschwere, dass Abgeordnete nicht gleichzeitig Staatssekretäre sein können, dann solle sie erstmal erklären, wie man denn in der AfD gleichzeitig Bundestagsabgeordneter und Landtagsabgeordneter sein könne, wie es in Mecklenburg-Vorpommern und anderen Fällen war. Der ganze demokratische Teil des Bundestages applaudierte und lachte.

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