9 unsinnige Mythen über einen Gutmenschen

Jedoch entspreche ich in keiner Weise dem Bild eines Gutmenschen, wie es gerne mal dargestellt wird. Lammfromm, naiv und mit Strickliesel bewaffnet und immer einen Teddybären zum werfen dabei? Nein, dass bin ich nicht. Ich gehe auch davon aus, dass es sich um stereotypische Mythen handelt, die gerne mal benutzt werden, um den eigentlich positiven Begriff Gutmensch durch gezieltes Framing ein negatives Image zu verpassen.

Daher – ZACK -räumen wir mal an dieser Stelle mit den Mythen ein wenig auf.



1. Gutmenschen sind naiv und lassen alles mit sich machen

Sicher nicht. Man sollte niemals Freundlichkeit mit Naivität verwechseln. Nur weil ich jedem Menschen anfangs auf einem positiven Level begegne und eine erste Chance (naja, manchmal auch eine Zweite) einräume, würde ich niemals alles mit mir machen lassen.

Dennoch halte ich mich für äußerst konsequent und diese Konsequenz weiß ich umzusetzen.

2. Gutmenschen sind immer freundlich

Nein. Und dazu gibt es auch keinen Anlass. Spätestens dann, wenn man bemerkt, dass die Situation keine Freundlichkeit zulässt oder die Person gegenüber keiner Freundlichkeit an den Tag setzt, dann ist Schluss mit lustig. Auch bei Gutmenschen wie mir. Und dann ist der Knall umso lauter.

3. Gutmenschen sind immer bunt gekleidet

Das hätte man vielleicht gerne, wenn man über Gutmenschen lachen will. Bunt gekleidete „Clowns“ in weiten Baumwollgewändern. Am besten noch mit der Wolf-Biermann-Gedächtnisgitarre oder einer Strickliesel im Gepäck. Doch das kann ich zumindest bei mir nicht nachvollziehen. Ich kann weder stricken, noch Gitarre spielen. Und am liebsten trage ich dann doch dunkle Hoodies.

4. Gutmenschen sind Vegetarier oder Veganer

Uhhhh …. Jetzt hättest du mich fast gekriegt. Ich gebe es zu, dass ich meinen Fleischkonsum bewusst sehr stark eingeschränkt habe, jedoch am Ende nicht komplett verzichte. Jedoch entscheide ich mich dann gegen billige Massenware.

5. Gutmenschen fahren kein Auto … oder wenn, dann nur einen alten Volvo oder so …

Spätestens dann, wenn mein dicker Alfa auf der Autobahn bei 220 km/h hinter dir ist, wirst du merken, dass dieser Mythos Bullshit ist.

6. Gutmenschen sind immer politisch korrekt und unlustig

Nun, ich kann durchaus differenzieren, was ich wann und wie zu sagen habe. Ich würde übrigens auch nicht auf die Idee kommen, an dem Begriff „Zigeunerschnitzel“ herumzudoktern. Ich glaube, da kann man mich manchmal auch kritisieren, aber ich bin von meinem Naturell her nicht der Leiseste und hin und wieder auch forsch. Was mir jedoch fern liegt: Jemanden zu beleidigen.

(Hier in ganzer Länge)

7. Gutmenschen besitzen keinen Nationalstolz

Das ist ein interessantes Thema. Die Frage, die ich mir an diesem Punkt immer stelle, wie man auf etwas stolz sein kann, was man zufällig (per Geburt) erlangt? Ich bin meist eher auf Leistungen stolz. In diesem Umfang bin ich natürlich stolz auf Leistungen, die in der Bundesrepublik Deutschland geschafft wurden. Seien es manifestierte Menschenrechte, ein (im Vergleich zu vielen anderen Staaten) funktionierendes Gesundheits- und Sozialsystem oder eine recht gute Infrastruktur.

8. Gutmenschen lassen bei Flüchtlingen alles durchgehen

Gesetz ist Gesetz. Und das gilt für alle gleich. Ausnahmslos.

Artikel 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

9. Ihr Gutmenschen seid doch auch alle gleich!

Nein. Lediglich vor dem Gesetz. Das wir ansonsten nicht alle gleich sind, dürften die Reaktionen anderer Gutmenschen auf diesen Artikel zeigen 😊

 




Wie viel muss sich eine Frau gefallen lassen?

„Bitte wenn Du nächstes Mal vorbei kommst darfst Ihn ohne Worte in deinen Mund nehmen und ihm bis zum letzten Tropfen aussaugen […] aber da Du prominent bist, ficke ich Dich gerne in deinen fetten Arsch, damit dir einer abgeht, du kleine dreckige Bitch !!!“

Ich bin verärgert. Nicht schockiert, sondern verärgert. Was ist passiert?

Da wird eine Frau (nach eigenen Angaben) auf offener Straße schon blöd angemacht, dann kurze Zeit später auch noch von vermutlich selbigem Personenkreis via Privatnachricht mit den oben stehenden Worten (unter anderem) beschimpft. Daraufhin hat sie den Schritt nach vorne gewagt und die Beschimpfung in Form eines Screenshots veröffentlicht, was natürlich zu einer entsprechenden Resonanz gerade führt.

Gleichzeitig erweckt diese Veröffentlichung in mir auch die Angst, dass am Ende aus der gesamten Situation juristisch eine Täter-Opfer Umkehr entsteht, denn das Veröffentlichen privater Nachrichten ist wieder eine Sache für sich.

Natürlich dürfte hinter dieser Geschichte auch wieder eine Geschichte stecken, denn bei der Veröffentlichenden handelt es sich um die ehemalige Wissenschaftssprecherin der Grünen Sigi Maurer, bei dem Accountinhabern, von dessen Account die Beleidigungen stammen, um einen Lokalbetreiber, dem man anhand der getätigten Likes in der öffentlichen Ansicht seines Accounts ohne jegliche Spekulationen ein Interesse an FPÖ und FPÖ-nahen Inhalten attestieren kann.

(Screenshot: Öffentliche Likeangaben)




Dennoch. Wir müssen auf diesen Punkt eingehen und uns fragen, wie selbstverständlich repressiv Teile der Gesellschaft handeln. Ich meine, wenn man so eine Nachricht verfasst, muss doch irgendwie von vorn herein das Mindsetting vorherrschen, dass die Empfämgerin minderen Wert habe und dadurch eine derart sexistische Erniedrigung legitim sei.

Ich habe heute zu diesem Thema die Frage gestellt bekommen, wie ich als Mann die Sache sehe? Ich glaube, ein wenig erschreckt hat mich gar die Begleitfrage dazu, ob man das als Frau, der das öfter passiert, vielleicht zu zu „freundlich“ sieht? Wie ich als Mann das sehe, ist für meine Person recht einfach zu sagen: Das Verhalten des Absenders der PN widert mich an. Es ist zum Kotzen. Diese Art von Verhalten gegenüber anderen Menschen ist nicht meine Lebensweise.

Ob man das als Frau, der das öfter passiert, vielleicht zu zu „freundlich“ sieht? Das wiederum kann ich kaum und wenn dann nur unbefriedigend beantworten. Natürlich kenne ich es aus der eigenen Erfahrung, wenn dann mal eine Morddrohung oder eine üble Beschimpfung per E-Mail oder Nachricht ins Haus flattert. Ja, die erste Drohung ist immer die unangenehmste. Mit der Zeit relativieren sich die „Schmerzen“. Man neigt dazu, diese Art der Beleidigungen und Drohungen leichter abzutun.

Ich ertappe mich selbst, wie auch mein Umgang mit Drohungen und Beleidigungen immer flapsiger wird.

Doch ist das auch richtig? Gewähren wir damit nicht den immer unterschiedlichen Tätern die Freiheit, immer weiter, immer fieser und immer verächtlicher ihre Ergüsse zu formulieren? Muss man nicht eigentlich direkt und immer die Grenzen aufzeigen? Mir ist natürlich völlig klar, dass dies nicht immer so einfach ist, wie ich es gerade schreibe. Es kostet unheimlich viel Kraft, zum einen überhaupt mit Anfeindungen umzugehen, zum nächsten dann auch, diesem juristisch ein Ende zu setzen und zum Schluß sich dann auch noch sicher sein zu können, das diese (berechtigte) Abwehr nicht auch noch ein Nachspiel hat. Vor Rache ist man erstmal nicht geschützt.

Nun, um auf die Beifrage zurück zu kommen. Ja, ich als Mann dürfte kaum nachvollziehen können, wie so eine dreckige Beleidigung die im Grunde nur auf die Würde der anderen Person als Frau abzielt, am Ende wirkt. Der Inhalt ist eine reine Erniedrigung, es geht gar nicht um eine konstruktive Auseinandersetzung, es geht die reine Darstellung der geschlechtlichen Unterwerfung.

Der Inhaber des Accounts, von dem die Beleidigung stammt, erklärt in einem Statement auf die Veröffentlichung des Chats übrigens, dass die Privatnachricht nicht von ihm direkt verfasst wurde, sondern jemand anders den Büro-PC benutzt haben muss. Dementsprechend muss es jemand anderes sein, der dieselbe Interpunktions- und Rechtschreibschwäche besitzt. Ich kenne mich da nicht so aus, aber man muss zunächst von der Unschuldsvermutung ausgehen, auch wenn es manchmal in der Tat schwer fällt.

Denn …. man stelle es sich einfach nur mal vor … der Herr, der erst ganz groß von seinem Schwanz schreibt, zieht am Ende selbigen ein und würde gar lügen. Wo kämen wir den da hin!

(Anmerkung: Chat-Screenshot nachgestellt)

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