WIE VIEL MUSS SICH EINE FRAU GEFALLEN LASSEN? IM NETZ AUGENSCHEINLICH ALLES …

Vor wenigen Monaten noch habe ich über den Fall Sigi Maurer berichtet.

Es ging damals in dem Artikel um Sigi Maurer, ehemalige Wissenschaftssprecherin der Grünen, die (nach eigenen Angaben) auf offener Straße schon blöd angemacht, dann kurze Zeit später auch noch von vermutlich selbigem Personenkreis via Privatnachricht mit den oben stehenden Worten (unter anderem) beschimpft. Daraufhin hat sie den Schritt nach vorne gewagt und die Beschimpfung in Form eines Screenshots veröffentlicht, was natürlich zu einer entsprechenden Resonanz gerade führt. (Der gesamte Artikel dazu hier, es ist nicht notwendig, alles nochmal zu wiederholen)




Es kam natürlich zu einer Gerichtsverhandlung und heute wurde das Urteil gesprochen: Sigi Maurer ist schuldig. Ok. das war zu erwarten, ich habe es in meinem ersten Artikel zu diesem Thema auch schon angemerkt, dass ihre Veröffentlichung problematisch sein dürfte:

Gleichzeitig erweckt diese Veröffentlichung in mir auch die Angst, dass am Ende aus der gesamten Situation juristisch eine Täter-Opfer Umkehr entsteht, denn das Veröffentlichen privater Nachrichten ist wieder eine Sache für sich.

Maurer wurde im Fall der üblen Nachrede verurteilt, hingegen vom Vorwurf der Kreditschädigung freigesprochen. Das war beides irgendwie zu erwarten, denn der Betreiber, so hat es sich im Laufe der Verhandlung gezeigt, hat keine Einbußen erlitten. Man kann davon ausgehen, dass er in seinem Umfeld auch nicht wirklich einen Reputationsschaden erlitten hat. Aber das ist in meinen Augen nicht der wirklich relevante Punkt an der Urteilsverkündung.

Nicht gelungen zu beweisen

An dieser Stelle erreichen wir einen Punkt, an dem sich die Ohnmacht der Justiz vor Social Media offenbart. Der österreichische Standard beschreibt den Urteilsspruch des Richters gleich wie eine Kapitulation vor anonymem Hass und Beleidigungen auf Facebook:

Er sei zwar überzeugt, dass der Kläger lüge, sagte Richter Apostol in seiner Urteilsbegründung. Dennoch sei es Maurer nicht gelungen zu beweisen, dass sämtliche Postings vom Bierladenbesitzer stammen.

Nochmal deutlich: Dem Richter war klar, dass der Kläger lügt. wenn man das Verfahren verfolgte, konnte man auch ohne Probleme diesen Eindruck gewinnen. Gerade als es um die Abrechnungen des Umsatzes aus den Monaten nach dem Vorfall ging, verstrickte der Kläger sich in Widersprüche.

Doch sei es drum, trotz Überzeugung, trotz direkter Vergleiche von Punktationen, Schreibstil und auffälligem Vokabular konnte nicht zweifelsfrei bewiesen werden, dass nicht jemand anderes diese Mitteilung an Maurer versendet hätte. Der Clou: Der Kläger behauptete direkt zu Beginn des Verfahrens. Bereits an einem früheren Verhandlungstag wurde genau das thematisiert, aus einem Artikel der Presse vom 04. September 2018 erfährt man:

Auch auf die fehlerhafte Interpunktion in den Postings und Nachrichten wurde der 40-Jährige angesprochen. „Was haben Sie in Deutsch gehabt? Wo haben Sie Interpunktion gelernt?“, fragte Apostol. „Was ist das?“, wollte der Lokalinhaber wissen. „Das ist das, was Sie nicht können“, meinte der Richter.

Und nun stehen wir bei der Beweislast. Natürlich kann niemand auf Social Media wirklich beweisen, dass der Absender / die Absenderin auch wirklich die reale Person ist, dessen Accountname man vor sich hat. Dazu benötigt man Augenzeugen oder hinreichende Parallelnachweise.

Ärgerlich!

Das bedeutet aber auch: Man kann noch so viel Bullshit schreiben, die Hasskanone abfeuern oder sich sonstwie verwerflich äußern – der Moment, in dem man nur irgendwie darstellen kann, dass eine Dritte Person Zugriff auf einen Account hätte haben können, macht dann „immun“.

Gleichzeitig lässt die Begründung auch vermuten, dass man selbst gar nicht wirklich verantwortlich für den eigenen Account ist, solange man sich dieses Hintertürchen offen lässt. Was lernt man also als „Good guy“ daraus? Wir müssen dringend den Status der Verantwortung über Accounts klären. Es gilt, die reale Justiz an die virtuelle Welt anzupassen.

Was lerne ich als „Bad guy“ daraus? Hintertürchen bauen! TeamViewer installieren beispielsweise, dann kann man immer behaupten, Dritte hätten Zugriff. Zwischendurch den ein oder anderen Kumpel mal was über den eigenen Account posten lassen. Macht sich vor Gericht gut (*ironieOff)

Wie bereits anfangs erwähnt: Das Urteil selbst habe ich so erwartet. Die Machtlosigkeit der Justiz vor Social Media verärgert mich jedoch.

Über das Urteil Hier und Hier

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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BILD DER FRAU

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In wenigen Wochen wird mein Hostingvertrag für meinen privaten Blog enden und ich werde diesen nicht verlängern. Bevor dann einige der dort veröffentlichten Inhalte für immer verschwinden, möchte ich sie hier einfach nochmals veröffentlichen.
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Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um einen Repost meines Artikels „Bild der Frau“ vom 7. Dezember 2016.

Tweets und Facebook-Posts à la AfD: Mal sind sie nicht in der Lage, bei Lidl Brötchen aus dem Brötchengitter zu holen, dann wittern sie in Möbelhauskatalogen wiederum ideologische Fachbücher, sind nicht in der Lage, mit Photoshop vernünftig umzugehen oder aber kriegen das mit der Haftung bei Geschenken nicht so auf die Reihe. Alles immer wieder irgendwie lustig.

Ganz und gar unlustig ist der teils unterschwellige, teils offensichtliche Versuch, Frauen aus der Mitte der Gesellschaft zu verdrängen. Frauen? Was ist das!? Diese viel zu übergebildeten, selbstbewussten Karrieremenschen, die vergessen haben, wo ihr eigentlicher Platz ist und was ihre Aufgabe ist? Darwin würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sehen würde, dass viele Frauen einfach keine Kinder mehr gebären wollen! Was bei mir eher ironisch gemeint ist, wird auf Seiten der AfD durchaus anders kommuniziert.

 



Familismus

Den Begriff Familismus habe ich an dieser Stelle nicht selbst erfunden (leider), sondern er wurde bereits auf das Motiv des folgenden Plakates angewendet, welches am 19. November 2016 von Gunnar Lindemann (AfD Berlin, MdA) auf Twitter gepostet wurde. Mittlerweile gelöscht, so trug es seinerzeit den Begleittext “Familie stärken!”

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(Screenshot: Facebook, GegendieAfD)

Man beachte bei diesem Bild die faszinierenden Gesten! Die außenstehenden männlichen “Säulen” der Familie nehmen schützende Positionen ein. Tochter und Familienhund werden mit nach unten gerichteten Gesten behütet, sie tragen Sorge. Hingegen die inneren, geschützten Positionen von den weiblichen Familienmitgliedern eingenommen werden, die eine empfangende Geste an den Tag legen. Mit eng geschnürten Mänteln, welche sie tragen.

Wie bereits angeführt: zu diesem Motiv gehört der Begriff “Familismus”. In der Rezension zum Buch von Gisela Notz, Kritik des Familismus, beschreibt die Sozialmarketing- und Kommunikationsberaterin Peggi Liebisch den Familismus [1]. Ideologisch genutzt, wirkt er drückend, ja nahezu wie eine Fessel, welche der Frau auferlegt wird und ein Relikt der NS-Zeit ist. Ein Mittel der patriarchalen Unterdrückung, in der die Frau nicht mitbestimmt, jedoch schweigend lächelnd ihren Platz einnimmt:

Seine Ideologisierung und Instrumentalisierung ist ein geschickter politischer Schachzug, denn er vereint die Nähe von Mann und Frau, von Frau und Kind sowie von Ehe und Haus aufs Vorzüglichste als Mittel zur patriarchalen und nationalistischen Macht. Seine enorme Eigendynamik konnte er entwickeln aus mangelndem Widerspruch, der andauernden Ungleichheit an (Bürger-) Rechten der Frauen und einer christlich konservativen Familienpolitik, die vor allem in den 1950 Jahren enormen Aufschwung erhielt, als sie es unterließ, aus dem nationalsozialistischen Regime angemessen auf Distanz zur Mutterideologie zu gehen.

Und diesem Bild bedient sich die AfD. Eine Familie mit festen Strukturen, visuell mit einem Bild dargestellt, welches bis in die 40er Jahre des letzten Jahrhunderts (wer zu Übertreibungen neigen möchte, darf auch die Phrase “des letzten Jahrtausends” hier wahlweise nutzen) zurückreicht und seine ganz eigene Botschaft transportiert. Nun, dass dieses Bild nur bedingt ein “deutsches Ideal” darstellt und ob es so Einzug in den CSU-Leitkulturenkatalog findet, muss man anhand seiner Herkunft betrachten.

Ham wa uns jemopst!

Kein AfDler hat hier das Rad der Kunst neu erfunden und einen Künstler eigens dafür engagiert, sondern für diese Familienillustration hat man auf bestehende Werte zurückgegriffen. Die fröhliche Manteldarstellung der vorjahrtausend Idealfamilie ist bereits auf Werbeplakaten von “Firestone” zu sehen. “Marvelous Firestone Velón keeps you dry and comfortable …”  lautete es in den 40er Jahren auf der fröhlich bunten Vorlage, die nicht etwa für Reifen wirbt, sondern für Regenmäntel. Die nette Familienfrau mit der irren Wespentaille betet also nicht etwa den Schriftzug “Familie” an, so wie es die AfD Darstellung vermuten lässt, sondern sie wartet in Wirklichkeit auf den einsetzenden Regen (“rain rain come again”), vor dem sie dank der bunten Regenkleidung optimal sich und ihre Familie schützt.

Überhaupt gemopst und so … der weiterführende Teil zeigt ebenfalls, dass man es mit Herkunftsangaben, Quellnennungen und Credits nicht so hat.

Warum man sich diese Frauen zurückwünscht

Und überhaupt! Es gibt einen klaren Grund, warum man bei der AfD durchaus ein Problem mit gebildeten Frauen hat, die gerne auch arbeiten gehen und nur bedingt den Focus auf die Familienplanung legen: diese Frauen wählen die AfD einfach zu selten. Wie ich darauf komme? Zu diesem Gedanken hat mich die AfD ganz allein und nahezu explizit inspiriert. Es war die AfD Heidelberg, die ganz offen auf Twitter am 05. Dezember 2016 monierte, dass der “Feminismus” ein Teil des Klassenkampfes sei. Feminismus ist dementsprechend also Bildung, Selbstständigkeit.

Und was die AfD hier ohne Quellenangabe mal soeben als gleichgeschaltete, höher gebildete junge Frauen präsentiert, stammt zum einen als Screenshot aus der Mobilversion der ZEIT [2] und zeigt zum anderen lediglich, dass diese Gruppe einfach keinen Bock auf rechtskonservative Ideale hat.

Aha, hier muss also laut AfD etwas repariert werden. Behalten wir zunächst im Kopf.

Es sind also eben jene Frauen, die offensichtlich Rechtspopulisten Angst einjagen. Am besten noch in einer WG wohnend, mit Hosen gekleidet und belesen. Aber das ist jetzt reine Interpretation. Dennoch zeigt die WählerInnenanalyse der gerade stattgefundenen Bundespräsidentenwahl in Österreich, dass es deutliche Unterschiede im Wählerverhalten zwischen den Geschlechtern in Kombination mit den erreichten Bildungsabschlüssen gibt. Um es überspitzt herunterzubrechen: laut der aktuellen Statistik ist ein Mann im Alter zwischen 30 und 59, der als Arbeiter angestellt ist und kein Matura, jedoch eine Lehre nach dem Pflichtschulabschluss abgeschlossen hat, eher dazu geneigt, eine rechtspopulistische Partei zu wählen.

Hingegen Frauen bis 29 Jahre, die ein Abitur (Matura) haben und eine Universität besuchen, haben indes nahezu kein Interesse daran, eine rechtspopulistische Partei zu wählen.

Was macht man also mit diesen Frauen? Dem natürlichen Gegenbild einer Partei? Man stellt ihre Ideale in Abrede und errichtet eben ein völlig anderes Frauenideal. Das Bild einer Frau, die für Familie, für Ehemann und Kinder da ist und sich diesen Zwecken unterordnet. Bildung ist da ok, aber ob auch zwingend notwendig, dass lässt sich schwerer interpretieren.

Hier wird dann auch recht deutlich: was sich nicht in die Strukturen des Familismus einsortieren lässt, ist augenscheinlich ein “Kaputtszenario”, welches also repariert werden muss (wollten wir uns ja im Kopf behalten).

Strukturen, die vom Familismus abweichen, sind natürlich Modelle alleinerziehender Elternteile, homosexuelle Lebensgemeinschaften und Ehen, Lebensgemeinschaften und Ehen ohne Kinder und eben am Ende auch jede Art von Lebensmodell, die eben keine 2 Kinder von braver Ehefrau und einen Hund zum Gassigehen hervorbringt.

Doch sind es gerade diese Lebensmodelle, welche unsere europäische Kultur auszeichnen, denn wir haben die freie Wahl dazu, so zu leben, wie wir es wollen. In meinen Augen ist diese Freiheit in der Wahl der Lebensweise sogar ein Teil der Leitkultur (ja, liebe CSU!). Und wenn nun Menschen davor Angst haben, diese Werte zu verlieren, dann hat das nichts mit einem “kaputten” Zustand zu tun, der repariert werden muss, sondern einem konsequenten und logischen Schritt, sich eben nicht bedrängen lassen zu wollen.

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9 unsinnige Mythen über einen Gutmenschen

Jedoch entspreche ich in keiner Weise dem Bild eines Gutmenschen, wie es gerne mal dargestellt wird. Lammfromm, naiv und mit Strickliesel bewaffnet und immer einen Teddybären zum werfen dabei? Nein, dass bin ich nicht. Ich gehe auch davon aus, dass es sich um stereotypische Mythen handelt, die gerne mal benutzt werden, um den eigentlich positiven Begriff Gutmensch durch gezieltes Framing ein negatives Image zu verpassen.

Daher – ZACK -räumen wir mal an dieser Stelle mit den Mythen ein wenig auf.



1. Gutmenschen sind naiv und lassen alles mit sich machen

Sicher nicht. Man sollte niemals Freundlichkeit mit Naivität verwechseln. Nur weil ich jedem Menschen anfangs auf einem positiven Level begegne und eine erste Chance (naja, manchmal auch eine Zweite) einräume, würde ich niemals alles mit mir machen lassen.

Dennoch halte ich mich für äußerst konsequent und diese Konsequenz weiß ich umzusetzen.

2. Gutmenschen sind immer freundlich

Nein. Und dazu gibt es auch keinen Anlass. Spätestens dann, wenn man bemerkt, dass die Situation keine Freundlichkeit zulässt oder die Person gegenüber keiner Freundlichkeit an den Tag setzt, dann ist Schluss mit lustig. Auch bei Gutmenschen wie mir. Und dann ist der Knall umso lauter.

3. Gutmenschen sind immer bunt gekleidet

Das hätte man vielleicht gerne, wenn man über Gutmenschen lachen will. Bunt gekleidete „Clowns“ in weiten Baumwollgewändern. Am besten noch mit der Wolf-Biermann-Gedächtnisgitarre oder einer Strickliesel im Gepäck. Doch das kann ich zumindest bei mir nicht nachvollziehen. Ich kann weder stricken, noch Gitarre spielen. Und am liebsten trage ich dann doch dunkle Hoodies.

4. Gutmenschen sind Vegetarier oder Veganer

Uhhhh …. Jetzt hättest du mich fast gekriegt. Ich gebe es zu, dass ich meinen Fleischkonsum bewusst sehr stark eingeschränkt habe, jedoch am Ende nicht komplett verzichte. Jedoch entscheide ich mich dann gegen billige Massenware.

5. Gutmenschen fahren kein Auto … oder wenn, dann nur einen alten Volvo oder so …

Spätestens dann, wenn mein dicker Alfa auf der Autobahn bei 220 km/h hinter dir ist, wirst du merken, dass dieser Mythos Bullshit ist.

6. Gutmenschen sind immer politisch korrekt und unlustig

Nun, ich kann durchaus differenzieren, was ich wann und wie zu sagen habe. Ich würde übrigens auch nicht auf die Idee kommen, an dem Begriff „Zigeunerschnitzel“ herumzudoktern. Ich glaube, da kann man mich manchmal auch kritisieren, aber ich bin von meinem Naturell her nicht der Leiseste und hin und wieder auch forsch. Was mir jedoch fern liegt: Jemanden zu beleidigen.

(Hier in ganzer Länge)

7. Gutmenschen besitzen keinen Nationalstolz

Das ist ein interessantes Thema. Die Frage, die ich mir an diesem Punkt immer stelle, wie man auf etwas stolz sein kann, was man zufällig (per Geburt) erlangt? Ich bin meist eher auf Leistungen stolz. In diesem Umfang bin ich natürlich stolz auf Leistungen, die in der Bundesrepublik Deutschland geschafft wurden. Seien es manifestierte Menschenrechte, ein (im Vergleich zu vielen anderen Staaten) funktionierendes Gesundheits- und Sozialsystem oder eine recht gute Infrastruktur.

8. Gutmenschen lassen bei Flüchtlingen alles durchgehen

Gesetz ist Gesetz. Und das gilt für alle gleich. Ausnahmslos.

Artikel 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

9. Ihr Gutmenschen seid doch auch alle gleich!

Nein. Lediglich vor dem Gesetz. Das wir ansonsten nicht alle gleich sind, dürften die Reaktionen anderer Gutmenschen auf diesen Artikel zeigen 😊

 




Wie viel muss sich eine Frau gefallen lassen?

„Bitte wenn Du nächstes Mal vorbei kommst darfst Ihn ohne Worte in deinen Mund nehmen und ihm bis zum letzten Tropfen aussaugen […] aber da Du prominent bist, ficke ich Dich gerne in deinen fetten Arsch, damit dir einer abgeht, du kleine dreckige Bitch !!!“

Ich bin verärgert. Nicht schockiert, sondern verärgert. Was ist passiert?

Da wird eine Frau (nach eigenen Angaben) auf offener Straße schon blöd angemacht, dann kurze Zeit später auch noch von vermutlich selbigem Personenkreis via Privatnachricht mit den oben stehenden Worten (unter anderem) beschimpft. Daraufhin hat sie den Schritt nach vorne gewagt und die Beschimpfung in Form eines Screenshots veröffentlicht, was natürlich zu einer entsprechenden Resonanz gerade führt.

Gleichzeitig erweckt diese Veröffentlichung in mir auch die Angst, dass am Ende aus der gesamten Situation juristisch eine Täter-Opfer Umkehr entsteht, denn das Veröffentlichen privater Nachrichten ist wieder eine Sache für sich.

Natürlich dürfte hinter dieser Geschichte auch wieder eine Geschichte stecken, denn bei der Veröffentlichenden handelt es sich um die ehemalige Wissenschaftssprecherin der Grünen Sigi Maurer, bei dem Accountinhabern, von dessen Account die Beleidigungen stammen, um einen Lokalbetreiber, dem man anhand der getätigten Likes in der öffentlichen Ansicht seines Accounts ohne jegliche Spekulationen ein Interesse an FPÖ und FPÖ-nahen Inhalten attestieren kann.

(Screenshot: Öffentliche Likeangaben)




Dennoch. Wir müssen auf diesen Punkt eingehen und uns fragen, wie selbstverständlich repressiv Teile der Gesellschaft handeln. Ich meine, wenn man so eine Nachricht verfasst, muss doch irgendwie von vorn herein das Mindsetting vorherrschen, dass die Empfämgerin minderen Wert habe und dadurch eine derart sexistische Erniedrigung legitim sei.

Ich habe heute zu diesem Thema die Frage gestellt bekommen, wie ich als Mann die Sache sehe? Ich glaube, ein wenig erschreckt hat mich gar die Begleitfrage dazu, ob man das als Frau, der das öfter passiert, vielleicht zu zu „freundlich“ sieht? Wie ich als Mann das sehe, ist für meine Person recht einfach zu sagen: Das Verhalten des Absenders der PN widert mich an. Es ist zum Kotzen. Diese Art von Verhalten gegenüber anderen Menschen ist nicht meine Lebensweise.

Ob man das als Frau, der das öfter passiert, vielleicht zu zu „freundlich“ sieht? Das wiederum kann ich kaum und wenn dann nur unbefriedigend beantworten. Natürlich kenne ich es aus der eigenen Erfahrung, wenn dann mal eine Morddrohung oder eine üble Beschimpfung per E-Mail oder Nachricht ins Haus flattert. Ja, die erste Drohung ist immer die unangenehmste. Mit der Zeit relativieren sich die „Schmerzen“. Man neigt dazu, diese Art der Beleidigungen und Drohungen leichter abzutun.

Ich ertappe mich selbst, wie auch mein Umgang mit Drohungen und Beleidigungen immer flapsiger wird.

Doch ist das auch richtig? Gewähren wir damit nicht den immer unterschiedlichen Tätern die Freiheit, immer weiter, immer fieser und immer verächtlicher ihre Ergüsse zu formulieren? Muss man nicht eigentlich direkt und immer die Grenzen aufzeigen? Mir ist natürlich völlig klar, dass dies nicht immer so einfach ist, wie ich es gerade schreibe. Es kostet unheimlich viel Kraft, zum einen überhaupt mit Anfeindungen umzugehen, zum nächsten dann auch, diesem juristisch ein Ende zu setzen und zum Schluß sich dann auch noch sicher sein zu können, das diese (berechtigte) Abwehr nicht auch noch ein Nachspiel hat. Vor Rache ist man erstmal nicht geschützt.

Nun, um auf die Beifrage zurück zu kommen. Ja, ich als Mann dürfte kaum nachvollziehen können, wie so eine dreckige Beleidigung die im Grunde nur auf die Würde der anderen Person als Frau abzielt, am Ende wirkt. Der Inhalt ist eine reine Erniedrigung, es geht gar nicht um eine konstruktive Auseinandersetzung, es geht die reine Darstellung der geschlechtlichen Unterwerfung.

Der Inhaber des Accounts, von dem die Beleidigung stammt, erklärt in einem Statement auf die Veröffentlichung des Chats übrigens, dass die Privatnachricht nicht von ihm direkt verfasst wurde, sondern jemand anders den Büro-PC benutzt haben muss. Dementsprechend muss es jemand anderes sein, der dieselbe Interpunktions- und Rechtschreibschwäche besitzt. Ich kenne mich da nicht so aus, aber man muss zunächst von der Unschuldsvermutung ausgehen, auch wenn es manchmal in der Tat schwer fällt.

Denn …. man stelle es sich einfach nur mal vor … der Herr, der erst ganz groß von seinem Schwanz schreibt, zieht am Ende selbigen ein und würde gar lügen. Wo kämen wir den da hin!

(Anmerkung: Chat-Screenshot nachgestellt)

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