Freiheit vs. Klima? So wird mit Framing Stimmung gegen Klimapolitik gemacht

Warum nicht beides?

Manchmal braucht es eine BILD-Schlagzeile, um plastisch zu verdeutlichen, was genau hinter dem Framing von rechtskonservativen und liberalen Medien und Politikern steckt, die Stimmung gegen Klimapolitik machen. Bei einer äußerst schrägen Gegenüberstellung von Greta Thunberg und Joshua Wong fragt die BILD „Was ist wichtiger – Klima oder Freiheit?“

Die linksgrüne Twitteria (und ich meine das mit viel Liebe), die diese konservative und liberale Welt von außen betrachten kann, hat diesen Unsinn schon mehrfach zerlegt.

Denn natürlich soll damit suggeriert werden, wer Freiheit möchte, könne, nein dürfe! sich nicht für Klimapolitik einsetzen. Denn den Planeten retten ist irgendwie inhärent autoritär. Und Klimadiktatur yadda yadda Klimahysterie yadda yadda „Ist es überhaupt so schlimm mit dem Klimawandel?“ bis hin zu dem Blödsinn, dass es die Klimakrise gar nicht gibt und das alles nur eine grüne Verschwörung ist, um von Migration abzulenken. True story.

Aber lassen wir die Spinner der AfD und der Klimawandelleugner einmal bei Seite liegen. Wer aus einem abgebrochenen Gerichtsprozess über eine Beleidigung mit völlig irrer Logik und vielen Lügen einen (verlorenen) Prozess um den Beweis der Existenz des Klimawandels basteln kann, den kann und sollte man nicht ernst nehmen.

Fake News! Der Klimawandel ist vor Gericht in Kanada NICHT widerlegt worden



Nein, subtiler: Freiheits-Framing

FDP, FAZ und Co geben sich weniger mit den rechten Schmuddelkindern ab, die den Klimawandel leugnen und schamlos ihre eigene Mutter belügen würden, wenn man damit Stimmung gegen Flüchtlinge machen könnte. Nein, dort wird subtil, weil nur im Kontext, suggeriert, Freiheit und Klimapolitik schließen sich gegenseitig aus. Das ist nichts Neues, aber die BILD hat es so schön dargestellt.

Das sieht man allein schon daran, dass viele, besonders rechtslehnende Medien manchmal gar nicht anders können, als Vorschläge grüner Politiker*innen als „Verbot“ zu bezeichnen und völlig zu übertreiben, selbst wenn diese gar nichts damit zu tun haben. So jüngst mit dem „Luftballonverbot“, das gar keines ist. Der Vorschlag war lediglich, dass auf städtischen Veranstaltungen auf Heliumsballons verzichtet werden sollte.

Wieder falsches Verbot-Framing: Kein „Luftballonverbot“ von Grünen gefordert

Denn Verbote sind natürlich das Gegenteil von Freiheit. Wer etwas verbietet, schränkt die Freiheit ein. Das macht auch gerne die FDP und Christian Lindner. Also, das so framen. Die positionieren sich auch gegen das vage Bild der grünen Verbote – und für die Freiheit. Da wirft Lindner Habeck auch schon mal ein Schnitzelverbot vor, das dieser niemals gefordert hat.

Lindner labert wieder Scheiße oder warum er gegen Verbote wettert, die keiner fordert

Bauchgefühlfreiheit vs. Klimarettung

Wie so oft in der populistischen Politik liegt dahinter nicht wirklich formulierte Politik, sondern ein Bauchgefühl. Ein Framing, das Freiheit der Klimapolitik gegenüberstellt. So formuliert es mein persönlicher Nemesis von Altenbockum bei der FAZ besonders absurd, aber dafür umso mehr auf den Punkt gebracht: „Lieber zwei Grad höhere Temperatur als zwei Grad weniger Freiheit“ .

Das darf doch nicht wahr sein! Der dümmste Satz zur Klimakrise bisher

Doch wie eingangs erwähnt: Warum muss sich das ausschließen? Klar, wenn wir kollektiv nicht so weitermachen können wie bisher, ohne das Klima in den Dreck zu fahren, müssen wir unser Verhalten ändern. Aber wir müssen nicht unsere Freiheit aufgeben. Zumindest sollten wir von einem Verständnis von Freiheit ablassen, das anderen und uns schadet. Niemand beklagt den Verlust der Freiheit, einen Mord zu begehen.

Verbote, Freiheit vs. Klimarettung, wozu diese ganze, sinnlose Gegenüberstellung? Wir müssen unser Konsumverhalten drastisch ändern, das wissen wir alle. Schon seit Jahrzehnten. Nicht weil grüne Politiker gerne Dinge verbieten, sondern weil die Alternative noch mehr Verluste von Freiheit bedeuten. Hungersnöte, Dürren, Klimakatastrophen, Millionen Klimaflüchtlinge. Aber halt erst in zehn bis zwanzig Jahren. Obwohl es jetzt schon anfängt.

Der liberalste Ansatz: CO-Bepreisung

Und wer keine Fahrverbote oder andere Dinge will, der muss eben Alternativen fördern. Wir können nicht auf die magischen Innovation warten, wir müssen aufhören, klimaschädliche Dinge zu subventionieren wie Kerosin Fleisch. Nicht verbieten, aber die Wettbewerbsvorteile streichen. Das ist doch extrem liberal. Und umgekehrt mehr Radwege bauen, den Bahnverkehr ausbauen, geilere Schnitzel auf Erbsenproteinbasis anbieten. Wäre für viele Menschen ein kostenloser ÖPNV nicht unglaublich freiheitlich? Wenn es Alternativen gibt, wird ein Wechsel von selbst entstehen. Und ohne Verbote.

Deshalb brauchen wir auch einen CO2-Preis. Dringend. Wer bereits einen CO2-Preis als illiberal ablehnt, der soll nie wieder etwas von den Vorteilen eines Marktes erzählen. Und egal, ob es Emissionshandel ist oder eine Steuer: Es ist das beste Werkzeug, um den Markt liberal über Anreize dazu zu bringen, weniger Emissionen zu erzeugen. Klar, mit Handel kann man die Menge festlegen, aber wie man es an der EU gesehen hat, ist diese Menge aufgrund von Lobbyeinflüssen eher zu groß.

Die Steuer hat den Nachteil, dass man raten muss, welches der beste Preis ist, aber dafür geht er schnell und wirkt sofort. Wer mehr darüber wissen will, kann hier nachlesen. Aber ganz wichtig: Wenn die Grünen den Bahnverkehr ausbauen wollen, dann wollen sie eben keine Flüge verbieten. Wenn wir CO2 Bepreisen, dann müssen wir keine Verbrennungsmotoren (ab 2035) verbieten.

Wer Freiheiten möchte, soll dann eben liberale Klimapolitik betreiben. Aber nicht rumjammern und nichts tun. Und jeden sinnvollen Ansatz boykottieren. Alles andere ist nur der Versuch, über Framing sinnvolle und notwendige Klimamaßnahmen zu verzögern. Und genau dagegen geht FridaysForFuture auf die Straße übrigens.

Artikelbild: Screenshot twitter.com

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Fake News! Der Klimawandel ist vor Gericht in Kanada NICHT widerlegt worden

Manipulation der klimawandelleugner

Die rechten Klimawandelleugner und Verschwörungstheoretiker haben ein neues Narrativ, das in den letzten Wochen massiv verbreitet wurde. Auch AfD-Parteichef Jörg Meuthen hatte es jüngst aufgegriffen, wir haben gestern davon berichtet. Die rechten Blogs und Anti-Klima-Lobby-Gruppen verbreiteten solche Schlagzeilen:

Achgut

Eike

Tichys Einblick

KenFM u.v.m.

Die Fake News geht so: In einem Gerichtsprozess habe Michael Mann, der eine berühmte Klima-Kurve („Hockeyschlägerkurve„) erstellt habe, gegen einen „Professor für Klimatologie“ verloren, der seine Grafik widerlegt habe. Diese Hockeyschlägerkurve sei darüber hinaus die einzige Basis für die „These vom menschengemachten Klimawandel“. Mann müsse außerdem Prozesskosten in Millionenhöhe bezahlen. Ergo: Der Klimawandel sei ein Schwindel. Der Witz: Hier ist eigentlich alles gelogen.

Michael Mann hat keinen Gerichtsprozess verloren, der verklagende Professor ist Geologe, nicht Klima-Experte, die „Hockeyschläger-Kurve“ ist nicht die einzige Basis für den Konsens (nicht These) über die Klimakrise und wurde nicht nur von Mann belegt. Sie wurde auch nicht widerlegt und tatsächlich hatte sie nicht einmal wirklich irgendwas mit dem Prozess zu tun. Mann muss auch keine Kosten tragen. Ja, es gibt kaum ein deutlicheres Beispiel dafür, wie extrem die Wahrheit gebogen wird, um den menschengemachten Klimawandel zu leugnen. Aber von vorne.



Hintergrund

Es geht um einen Rechtsstreit vor dem Supreme Court of British Columbia zwischen Michael E. Mann und Timothy Ball. Mann ist ein US-Klimatologe und gilt als ein führender Klimawissenschaftler. Außerdem gilt er als Begründer der „Hockeyschlägerkurve„. Dadurch wurde er zu einer Hassperson der Klimawandelleugner und erhält regelmäßig Morddrohungen. Zum „Klimapapst“ (Meuthen) stilisieren ihn allerdings nur Gegner. Timothy Ball hingegen ist ein kanadischer, ehemaliger Geografie-Professor und heutiger Kreationist und Klimawandelleugner.

Die „Hockeyschläger-Kurve“, Quelle, Quelle, CC BY-SA 3.0

Im Verfahren geht es um eine Anklage von Michael Mann. Er beschuldigte Ball, ihn vor acht Jahren beleidigt zu haben. „Ins Krankenhaus statt in die Universität“ gehöre Mann, soll der Klimaleugner gesagt haben. Der Ausgang des Gerichtsverfahrens: Das Gericht hat die Klage abgewiesen bzw. den Prozess abgebrochen, da er sich zu lang hinzog.

Außerdem hatte Ball einen „Gnadenersuch“ aufgrund seines Alters, seines Krankheitszustand und seiner geringen wissenschaftlichen Bedeutung eingereicht. Ball erkannte also selbst an, dass sein Leugnen des Klimawandels, die zur Beleidigung geführt hatte, falsch war! Anstatt dass also „der menschengemachte Klimawandel widerlegt“ wurde, hat der Nicht-Experte Ball zugegeben, dass seine Klimawandelleugnung schon von Laien als unglaubwürdig erkannt werden kann. So viel also dazu. Mann muss auch keine Prozesskosten zahlen.

Warum diese glatten Lügen?

Es ist unglaublich, dass dieser peinliche Prozess und Niederlage der Klimawandelleugner derart dreist ins Gegenteil verkehrt wird. Und dazu von diversen rechten Medien aufgegriffen. Wie groß die Glaubwürdigkeit dieser Medien, die solchen Unsinn veröffentlichen, dadurch sein dürfte, sollte auf der Hand liegen. Doch wenn man eine bereits völlig falsche Narrative aufbauen kann, dass nicht nur die Hockeyschläger-Kurve widerlegt worden wäre, sondern dass sie auch noch die einzige Stütze für den Klimakonsens sei, kann man seine lobbyfinanzierten Verschwörungstheorien weiter verbreiten.

Die „Hockeyschlägerkurve“ wurde durch mehrere andere unabhängige Studien bestätigt. Mann sagt dazu:

„Die Tatsache, dass Klimwandelleugner fortgesetzt in Bezug auf etwas lügen, das so einfach überprüfbar ist wie die Verfügbarkeit der Daten, die der originalen („MBH98“) Hockeyschläger- Studie zugrunde liegen, sagt einem alles, was man wissen muss, über ihre Ehrlichkeit und Seriosität (oder eher über deren Mangel).“ [Übersetzung: hpd, via blog.gwup.net] Weitere Details und Fakten haben GWUP in ihren Blog gesammelt.

Klimawandelleugner haben bereits mehrfach bewiesen, dass sie bereits sind, offensichtliche Lügen zu verbreiten, um Klimaaktivisten zu diskreditieren. In Angesichts des wissenschaftlichen Konsens über den Klimawandel bleibt ihnen auch nichts anderes übrig. Die Klimakrise ist ein Fakt. Wenn rechte Blogs und auch die AfD diese Fake News verbreiten, dann sollte das umso mehr zeigen, wie unseriös diese Arbeit und wie weit entfernt von der Wahrheit sie sind. Und wie sehr sie ihre Anhänger und Leser manipulieren.

Diese Anfrage der AfD zum Konsens über den Klimawandel ist ein Eigentor

Artikelbild: pixabay.com, CC0, Screenshots

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Analyse: Anti-Klima-Propaganda der AfD entlarvt

Die AfD hält sich vor allem mit Anti-Klima-Propaganda in der öffentlichen Diskussion

Wer das nicht glaubt, muss nur mal auf die öffentlichen Social-Media-Kanäle der Partei schauen. Egal ob einen da Bilder von Greta Thunberg, Claudia Roth oder Robert Habeck begrüßen – die Anti-Klima-Propaganda ist allgegenwärtig. Und trifft (parallel mit dem Aufstieg der Klimabewegung selbst) auf nach wie vor gute Resonanz. Menschen wollen ungern eigenes Fehlverhalten einsehen und ändern. Stattdessen hackt man lieber auf der bösen Greta Thunberg herum, verspottet Claudia Roth oder betreibt Panikmache vorm „Öko-Diktator in spe“ Robert Habeck.

Doch es gibt ein Problem für die AfD: Der menschengemachte Klimawandel wird nun einmal von nahezu allen relevanten Wissenschaftlern als Konsens betrachtet. Siehe hier:

Menschengemachter Klimawandel: Der Mythos, dass sich 97% der Forscher einig sind

Dann wirkt man natürlich nicht mehr ganz so seriös, wenn man die Klimabewegung als „irre Ideologie“ oder „religiöse Verblendung“ bezeichnet.

Doch wie löst man dieses Problem? Sture Leugnung ist zwar ein einfaches Mittel, doch mehr als die AfD-Stammwählerschaft erreicht man damit auf Dauer nicht. Also versucht sich die AfD selbst an Wissenschaft – und produziert einen der größten Social-Media-Fails seit langem.



Worum geht es?

Eine wichtige Rolle spielt folgender Post des AfD-Parteichefs Jörg Meuthen:

Screenshot, Quelle: facebook.com
Screenshot, Quelle: facebook.com

In der Beschreibung des Sharepics verwendet Meuthen mehrere Absätze, um genüsslich über Michael E. Mann her zuziehen. Ob ihr es wusstet oder nicht: Der Typ ist der „vermeintliche Klima-Papst“. Ich habe zwar noch nie jemand anderen als Meuthen diese Bezeichnung sagen hören aber gut… die religiös Verblendeten, das sind ja wir. Oder so ähnlich. Zurück zur Anti-Klima-Propaganda.

Nach Meuthens Aussage steht dieser „Klima-Papst“ also in Kanada vor Gericht. Im Zuge dieses Gerichtsprozesses weigere er sich, seine wissenschaftlichen Forschungsergebnisse offen zulegen. Und ohne weitere Umschweife sieht Meuthen damit die gesamte Klimabewegung widerlegt. Zitat:

Solange er dies nicht tut (was in der Wissenschaft übrigens vollkommen unüblich ist), können seine Ergebnisse nicht mehr ernsthaft als Grundlage für die CO2-Apokalypse dienen, die uns tagein, tagaus durch die selbsternannte „Klimakanzlerin“ sowie ihre zahlreichen linksgrünen Helfer in den Massenmedien eingehämmert wird. 

Da müssen einem eigentlich sofort zwei Dinge auffallen:

1. Es ist völlig irrsinnig, aus den Handlungen eines einzigen Forschers (und mag er noch so wichtig und bahnbrechend sein) auch nur implizit sehen zu wollen, dass man damit eine gesamte wissenschaftliche These basierend auf 1000en Messreihen etc. widerlegen könnte. Das ist so, als würde man, nur weil Isaac Newton sich weigern würde, vor Gericht seine Aufzeichnungen darzulegen, dessen physikalische Gesetze für ungültig erklären.

2. Dieser Gerichtsprozess hat scheinbar eine riesige Bedeutung – folgt man Meuthen könnte man meinen, dass es hier um die endgültige Lösung der Frage “Gibt es den menschengemachten Klimawandel oder nicht?” geht. Da wundert es mich, dass dieser Prozess mehr oder weniger gar nicht in den Medien ist. Es ist auch schwer, überhaupt Informationen zu dem Thema zu finden, da liefert Meuthen keine Quellen.

Allerdings haben wir nach Recherchearbeit doch eine Quelle gefunden und zwar hier auf blog.gwup.net. Dieser wiederum analysiert einen „Achse des Guten“-Artikel mit dem Titel „Beweise bitte! – Ein Star der Klimaforschung scheitert vor Gericht“. Die Grundaussage dieses „Achse-des-Guten“-Artikels ist, dass der wissenschaftliche Beleg für menschengemachten Klimawandel vor Gericht gescheitert sei.

Was ist eigentlich passiert?

Der Hintergrund ist ein Rechtsstreit vor dem Supreme Court of British Columbia zwischen Michael E. Mann und Timothy Ball. Michael E. Mann ist ja schon bekannt. Das ist der US-amerikanische Klimatologe und führender Klimawissenschaftler, den Meuthen scheinbar als „Klima-Papst“ verehrt (kleiner Scherz). Außerdem gilt er als Begründer der „Hockeyschlägerkurve„. Timothy Ball hingegen ist ein kanadischer ehemaliger Geografie-Professor und heutiger Klimaleugner.

Die „Hockeyschläger-Kurve“, Quelle, Quelle, CC BY-SA 3.0

Im Verfahren geht es um eine Anklage von Michael Mann. Er beschuldigte Ball, ihn beleidigt zu haben. „Ins Krankenhaus statt in die Universität“ gehöre Mann, soll der Klimaleugner gesagt haben. Der Ausgang des Gerichtsverfahrens: Das Gericht hat die Klage abgewiesen bzw. den Prozess abgebrochen, da er sich zu lang hinzog. Außerdem hatte Ball einen „Gnadenersuch“ aufgrund seines Alters, seines Krankheitszustand und seiner geringen wissenschaftlichen Bedeutung eingereicht. Er erkannte also praktisch an, dass sein Leugnen des Klimawandels, die zur Beleidigung geführt hatte, falsch war. Wohl auch deswegen sah es Mann als überflüssig an, den Prozess mit wissenschaftlichen Ausführungen hinauszuzögern.

That´s it. Kein wissenschaftlicher Streit über den Klimawandel. Keine wilde Diskussion mit Belegen und Widerlegungen. Einfach nur ein Verfahren wegen Beleidigung. Man (in Form von Meuthen) muss schon sehr verzweifelt sein, darin die „Widerlegung“ des menschengemachten Klimawandels zu sehen.

Doch es wird noch besser.

Geht es nämlich nach Merkel und ihren Helfern, dann sollen wir alle auf Basis der nicht näher überprüfbaren Erkenntnisse des Herrn Mann in Deutschland das Weltklima „retten“. Das erscheint wirklich hochgradig „sinnvoll“, denn wir haben in Deutschland bekanntlich einen Anteil von etwas über 2% am weltweiten CO2-Ausstoß – oder mit anderen Worten: fast das gesamte CO2 weltweit wird NICHT in Deutschland verursacht.

Kurz zusammengefasst:

1. „Merkel und ihre Helfer“ ist eine sehr fragwürdige Wortwahl. Würde sich Frau Merkel zu einer ähnlich herabwürdigen Wortwahl hinreißen lassen, dann wäre das wohl ein Skandal. Meuthen selbst beansprucht aber für sich, so respektlos über andere Politiker zu sprechen.

2. Es klingt schon wieder so, als würden an Herrn Manns Erkenntnissen die gesamte Klimapolitik festgemacht werden. Was Unsinn ist. In der Wissenschaft beruft man sich nämlich auf einen wissenschaftlichen Konsens, nicht auf Ergebnisse Einzelner (okay, außer man ist die AfD).

3. Zum Thema „Prozentzahlen in Bezug auf CO2“ gibt es etliche Artikel auf Volksverpetzer, zum Beispiel hier

Inside AfD Instagram 4: Dalai Lama, Klimafaktencheck

Doch das Beste kommt noch:

Wie die AfD lügt, ohne zu lügen – für die Anti-Klima-Propaganda

Auf den Punkt brachte es der dänische Wissenschaftler Professor Björn Lomborg, der – obwohl er den Klimawandel für real und menschengemacht hält! – Merkels Energiewende mit einem vernichtenden Urteil bedachte. Er sagte: 
 
„Die Energiewende hat sich als unglaublich kostspielig und unwirksam erwiesen.“

So Meuthen wortwörtlich im oben zitierten Post.

Dass die AfD hier flunkert, fällt niemandem auf, der sich nicht tiefer gehend mit der Materie beschäftigt. Es klingt eindeutig so, als hätte die AfD gut recherchiert und den von den Medien verdrängten, „kritischen Experten“ Prof. Björn Lomborg gefunden. Als wäre dieser Lomborg eine Koryphäe der Klimaforschung, einer, der uns die Wahrheit erzählen kann. Wenn Mann der „Klima-Papst“ ist, dann ist Lomborg also der „Klima-Jesus“?

Nicht ganz. Grob gesagt hat Lomborg eigentlich gar keine Ahnung. Er ist einmal „nur“ Professor für Politikwissenschaften (siehe hier), hat also von Fach wegen nicht ganz so viel Ahnung, wie Meuthen impliziert. Außerdem ist Lomborg nicht einmal sonderlich geschätzt. Zitat Wikipedia:

Lomborg ist aufgrund seines provokanten Auftretens, seines Umgangs mit Statistiken sowie der als einseitig kritisierten Ergebnisse seiner Bücher umstritten.

Seine Rezeption als Wissenschaftler ist also eher negativ. Er hat sogar bereits eine Rüge durch das Dänische Komitee für unredliches Verhalten in der Wissenschaft erhalten. Toller Experte, auf den sich auch weitere Absätze des Posts berufen, lieber Herr Meuthen.

Doch da Herr Meuthen nie sagt, dass Lomborg wirklich auch anerkannter Klimaexperte ist (es wird nur stark impliziert), lügt er nicht wirklich. Das ist ein Musterbeispiel, wie Jörg Meuthen es versteht, zu lügen ohne dabei wirklich zu lügen.

Doch was hat das mit Ölheizungen zu tun?

Richtig, Kernaussage des Posts ist: „Umweltministerin Svenja Schulze will Ölheizungen verbieten lassen.“ dazu bemüht Meuthen das Handelsblatt als Quelle. 

Aussage Meuthen:

 “Sollten Sie, liebe Leser, dann [ab 2030] zu den derzeit 20 Millionen Menschen in Deutschland gehören, deren Wohnung durch eine Ölheizung gewärmt wird, dann haben Sie einfach Pech gehabt.
Oder Sie sind frühzeitig ganz brav und hören auf die brillanten Ratschläge aus dem Umweltministerium: Dort empfiehlt man Ihnen derzeit, sie sollen doch einfach auf Gas umsteigen.” 

Das klingt wie: “Die Politik lässt euch alleine, müsst ihr halt frieren.” ABER: In dem von Meuthen verlinkten Artikel steht auch [Zitat Svenja Schulze]:

Wir sollten zum Beispiel sagen: Für die nächsten zehn Jahre helfen wir euch beim Umrüsten alter Ölheizungen, danach sind sie komplett verboten. Anders wird es nicht gehen. Nur die Appelle an die Vernunft genügen nicht.

Es stimmt also nicht, dass die Regierung die Menschen allein lässt. Vielmehr wird mal wieder ein Konzept schlecht geredet, bevor es überhaupt eingesetzt wurde. Diese destruktive Art der AfD ist hinlänglich bekannt. 

Fazit

Die Anti-Klima-Propaganda der AfD kennt mittlerweile keine Grenzen mehr.

Simple Gerichtsverfahren völlig überhöhen, um damit den gesamten menschengemachten Klimawandel zu „widerlegen“? Einfach einen geächteten Politikwissenschaftler als Klimaexperten verkaufen? Der Umweltministerin das Wort im Mund umdrehen? Kein Problem für die AfD.

Wichtig ist nicht mehr der „Mut zur Wahrheit“. Was die AfD aufdeckt, muss nicht die Wahrheit sein. Es muss nur „dagegen“ sein, gegen die Regierung, gegen die Grünen. Hauptsache, es passt in die Anti-Klima-Propaganda.

Mehr Anti-Klima-Propaganda lesen?

Kleines Ratespiel zum Abschluss: Woran erkannt man, dass Jörg Meuthen seine Felle bei der AfD davon schwimmen sieht und er trotzdem dringend seine Machtpositionen behalten möchte?

Richtig, er verbreitet noch häufiger Fake News als zuvor. Deswegen schafft er es auch bei uns in letzter Zeit gehäuft auf die Startseite, zum Beispiel hier:

Was Meuthen verschweigt: Wie die AfD lügt, ohne direkt zu Lügen

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Umwelthilfe & SUV: Grüne instrumentalisieren so schlimm wie die AfD?

Die Instrumentalisierung von toten

In der Berliner Invalidenstraße wurden am Freitag vier Personen bei einem schrecklichen Verkehrsunfall getötet. Mein Beileid für die Angehörigen der Opfer. Das betreffende Fahrzeug war ein SUV. Die Deutsche Umwelthilfe twitterte daraufhin:

Ein Politiker der Grünen forderte heute eine „Obergrenze“ für SUVs in Innenstädten.

Tote als Anlass zu nehmen, um ein politisches Ziel zu bekräftigen? Von „Obergrenzen“ sprechen? Das klingt doch irgendwie bekannt. Das fällt auch gleich einigen auf.

Screenshot twitter.com

Und damit keine Missverständnisse entstehen: Ja, das ist eine Instrumentalisierung. Aus einem Unfall, dessen Ursache noch ermittelt wird, einen „Raser-Unfall“ zu machen ist polemisch und populistisch. War es überhöhte Geschwindigkeit, ein medizinischer Notfall? Es gibt einen Grund, warum man abwartet, bevor man sich äußert.

Das Problem ist nicht, politische Konsequenzen zu fordern, wenn aufgrund einer Tragödie das jeweilige Thema mediale Aufmerksamkeit erhält. Das Problem ist Pietätlosigkeit und Timing. Und Kausalität. Insbesondere die Deutsche Umwelthilfe sollte sich schämen, dass sie es nicht abwarten konnte. Nicht einmal eine Beileidsbekundung vorneweg zu formulieren. Aber aus einer bestimmten Ecke kommt besonders drastische Kritik.



instrumentalisierung von rechts instrumentalisiert?

Im Focus steht „SUV-Panikmache der Linkspopulisten ist genauso schäbig wie die Hetze der Rechten“, die BILD bringt „Lobby“ und „Propaganda“ ins Spiel, Jan Fleischhauer hält „grünen Populismus“ für nicht „sehr viel weniger eklig“ als rechten. Und wie bereits erwähnt, den Tod von Menschen für politische Zwecke zu nutzen ist schamlos und eklig.

Aber wenn die Kritik von Fleischhauer kommt, der nach den Übergriffen in Silvester in Köln härtere „Abschiebegesetze“ forderte oder nach Kandel härtere Asylkontrollen ist das anders? Von der BILD brauchen wir natürlich gar nicht erst anzufangen. Und natürlich ist das ein Whataboutismus, deswegen will ich da gar nicht mehr verweilen. Instrumentalisierungen sind „eklig“, da hat Fleischhauer Recht. Aber dann gilt das auch für alle. Und das richte ich auch an alle. Aber die wichtigere Frage:

Grüner Populismus so schlimm wie „blauer“ Populismus?

Das „Alle Extreme gleich schlimm“-Narrativ muss ich auch zurückweisen. Denn so pietätlos die Instrumentalisierung der DUH auch ist, gegen die Hetze der AfD und einiger rechtskonservativer Medien ist sie gar nichts. Und genau wie bei Straftaten von Extremisten gilt: Beides ist schlimm, aber beides ist nicht gleich schlimm.

Vergiss Lübcke: Du wirst nicht glauben, wie kriminell die Antifa ist!

Denn einmal ist „Hetze“ gegen einen Fahrzeugtyp schon von der Skala überhaupt nicht mit der Hetze gegen Menschen anderer Hautfarbe zu vergleichen. Ein SUV kann nicht diskriminiert werden. Ein SUV hat keine Rechte. Und ja, man mag an dieser Stelle um die armen SUV-Fahrer weinen, aber es ist etwas anderes, ob man als reicher Deutscher (Wer kann sich denn so einen Wagen leisten…) wegen seiner Fahrzeugwahl kritisiert wird oder als armer Schutzsuchender, wegen seiner Existenz, dem die Abschiebung in ein Kriegsgebiet droht? Also wirklich.

Zweitens haben wir hier die DUH und vielleicht eine Handvoll Grünen-Politiker, die meines Wissens zum ersten Mal wirklich diese Debatte derart angestoßen haben. Ich bewege mich in der „grünen Filterblase“ – was man mir sonst als Kritik vorwirft – und mir war das „SUV-tötet“-Narrativ nicht bekannt. Ich wüsste nicht, dass bei jeder Meldung eines Verkehrsunfalls Grünen-Trolle über den Fahrzeugtyp spekulieren und von „Lindners Killer-SUVs“ faseln oder wasweißich. Und Punkt Nummer drei: Wenn Grüne anfangen würden, Verkehrstote durch SUVs genau so populistisch auszuschlachten wie die AfD Straftaten von Schutzsuchenden, hätten die Rechten ein Problem.

Ist an der Kritik an SUVs ist etwas dran?

Während die AfD und die BILD verzweifelt mit Falschmeldungen, Lügen und Fake News z.B. das „Messer-Narrativ“ ausschmücken müssen (Mehr dazu), müssten grüne Populisten gar nicht so lange suchen, um Verkehrstote zu finden. Während wir für das Jahr 2018 höchsten 20 Tötungsdelikte mit mindestens einem tatverdächtigen „Zuwanderer“ finden, bei einem gleichzeitigen Rückgang jeglicher Kriminalität in Deutschland (Mehr dazu), gab es 2018 3.275 Verkehrstote – Ein Anstieg von 3% (Quelle).

Und einige Studien führen das auch auf den SUV-Boom zurück (Quelle). Unaufmerksamkeit, nicht genügend abgesicherte Fußwege und Alkohol sind Gründe für mehr Todesopfer unter Fußgängern – und SUVs, mit dem die Überlebenschancen geringer seien. Überhöhte Geschwindigkeit sind allerdings unabhängig vom Fahrzeugtyp gefährlich. Als 2017 ein BMW X5 auf einen Opel Corsa crashte, starben fast alle Insassen des Opels (Quelle). Und wenn man die Meldungen durchgeht, findet mehr solcher Fälle (Hier z.B.)

Für Fußgänger sei aber laut Unfallforschung der Versicherer (UDV) die höhere Tödlichkeit nicht belegt, es liegt dabei weniger am Fahrzeugtyp als an der Höhe des Fahrzeugs und der der Passanten. Hier spielt die „Abwickellänger“ eine Rolle, und ob man den harten Scheibenrahmen trifft. Während ein deutscher 25-Jähriger dreimal wahrscheinlicher kriminell ist als ein 25-jähriger anerkannter Flüchtling, scheinen SUVs wirklich aufgrund ihrer Masse im Straßenverkehr gefährlicher zu sein. Hier gibt es wohl mehr Substanz.

Kriminalstatistik: Messer-Martin dreimal so kriminell wie Chorknabe Chalid?

Instrumentalisierung

Ja, wenn „Grüne“ die Toten der Invalidenstraße dafür instrumentalisiert, um Stimmung gegen SUVs zu machen, weniger, weil diese wirklich tödlicher sind, sondern wegen ihrer Umweltbilanz, ist das schäbig. Es ist ein Spielen mit Emotionen und mit Leid. Um politisches Kapital daraus zu schlagen, das nicht wirklich etwas mit dem Vorfall zu tun hat. Deshalb ist die Herkunft eines Täters völlig egal, wenn es nichts mit der Tat zu tun hat. Und die Art des PKWs, wenn der Unfall wegen anderer Dinge geschehen ist. Ein medizinischer Notfall oder eine Geschwindigkeit, die unabhängig vom Fahrzeug tödlich wäre.

Wenn die Toten in Berlin noch leben würden, wenn das Fahrzeug kein SUV gewesen wäre, aber sonst alle anderen Umstände gleich – Dann können wir darüber reden. Alles andere ist Instrumentalisierung. Und hier kann die AfD etwas lernen: Wenn eine Schreckenstat begangen worden wäre, auch wenn es die „Willkommenskultur“ nicht gegeben hätte, dann hatte sie wohl nichts damit zu tun. So war es nämlich beispielsweise am Frankfurter Hauptbahnhof. Und das ist dann Instrumentalisierung und Hetze.

Der endgültige Beweis, dass alle Frankfurt-Hetzer nur Rassisten sind

 

Und das gilt dann in alle Richtungen. Die Motoren werden zwar immer sparsamer, aber wer sich immer größere und leistungsstärkere Autos kauft, zieht die Co2-Bilanz des Verkehrs trotzdem weiter herunter (Quelle). Deswegen müssen wir auch über diesen Trend reden und wie man ihn rückgängig machen kann. Ein SUV ist sicherlich schlechter für die Umwelt und verdient eine Debatte. Aber Verkehrstote haben dann damit nichts zu tun. Und die Hetze von Rechtspopulisten und -extremisten aber auch nicht.

Artikelbild: pixabay.com, CC0, Screenshot twitter.com

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Was Meuthen verschweigt: Wie die AfD lügt, ohne direkt zu Lügen

So manipuliert die AfD ihre Wähler

Regelmäßig berichten wir von Fake News und Lügen der AfD, die chronisch auf Falschmeldungen zurückgreifen muss, um die Empörung ihrer WählerInnen aufrecht zu erhalten und ihre überzogenen Feindbilder zu konstruieren. Ziel dieser Polarisierung ist es natürlich, ihre Anhänger immer kompromissloser zu machen und fester an sich zu binden. Dadurch erhält sie Anhänger, die derart treu sind, dass sie der AfD folgen, völlig egal, was diese tut. Aber dadurch verliert sie auch den Anschluss zum demokratischen Spektrum. Hier mehr dazu:

Mit Rechten leben: Die Zeit der „großen Erfolge“ der AfD ist schon lange vorbei

Ein Teil der Strategie ist das Dämonisieren aller ihrer Feindbilder. Seien es Merkel, Flüchtlinge oder Grüne. Dies kann sie auf verschiedene Art und Weise erreichen. Die ehrlichste Strategie, die auch viele andere Parteien nutzen, ist, tatsächliche Aussagen oder politische Maßnahmen mit Fakten zu kritisieren. Oder anhand aktueller medialer Vorfälle eine Politik zu kritisieren. Doch das findet sich bei der AfD eher selten.

Die AfD und rechtsextreme Medien „kritisieren“ oft geplante politische Maßnahmen oder Zitate ihrer politischen Gegner, die sie nie gefordert haben. Mal ist es ein erfundenes Zitat auf einem Sharepic, mal ist es rechte Pseudo-Satire zum Beispiel über ein „Kerzenverbot“ der Grünen, das es nie gab (Mehr dazu). Eine andere Methode, und eine der gefährlichsten, ist die, die ich heute analysieren möchte. Man nimmt echte Zitate und echte Forderungen, reißt sie aus dem Kontext und verdreht so absichtlich ihre Bedeutung.



Meuthen hat hier bewusst eine wichtige Info ausgelassen

Nehmen wir ein aktuelles Beispiel. In einem Facebook-Post bezeichnete Meuthen die Energiepolitik Merkels als „Desaster“, weil „in Zukunft […] planmäßige Stromabschaltungen in ganzen Städten“ drohen. Dabei beruft er sich auf den Energie-Experten McKinsey. Er nutzt dessen Aussage, dass ein „Versorgungsengpass“ drohe, aus, um den Kohleausstieg zu kritisieren. Was er unterschlägt ist diese Passage, in der McKinsey sagt:

„Um keine Versorgungsengpässe zu riskieren, sollten daher die Erneuerbaren weiter ausgebaut werden, insbesondere der ins Stocken geratene Windenergieausbau. Zudem müssten neue flexible Kraftwerke errichtet oder vorhandene Kraftwerke als Reserve erhalten werden. Auch die Transportnetze müssten verstärkt werden. Doch gerade bei den Transportnetzen liegt Deutschland weit zurück.“ (Quelle)

Der Hetzprofessor veröffentlichte gestern ein sogar für seine Verhältnisse sehr langes Buchstabenhetzgebilde. Dabei vergaß er ganz seinem Hetzpublikum den Kern der Geschichte zu erzählen.

Gepostet von AfD-Watch am Freitag, 6. September 2019

Es ist keine direkte Lüge, aber dennoch das gezielte Weglassen von Informationen, um seine eigenen WählerInnen zu täuschen. Denn die AfD kritisiert vehement den Ausbau von erneuerbaren Energien, zitiert aber extra nur die Aussagen eines Experten, die in ihre Politik passen. Besonders kritisch ist das zwar korrekte Wiedergeben, aber aus dem Kontext Reißen von Zitaten, wie Meuthen es gestern schon mit Ralf Stegner (SPD) tat.

Zitate und pläne absichtlich falsch darstellen

Auf einer Veranstaltung in Saarbrücken sagte der SPD-Politiker, dass Menschen in Deutschland andere Probleme als die von der AfD imaginierte „Islamisierung“ haben, wörtlich: „Die meisten Menschen haben kein Problem, dass ihre Gemeinde islamisiert wird“. Damit meinte er, wie er später auf Twitter erklärte: Menschen „haben NICHT DAS Problem, DASS ihre Gemeinde islamisiert wird, sondern ob die Rente reicht, wie sie ihre Miete bezahlen sollen..“

Meuthen und rechtsextreme Medien machten daraus bewusst „Die meisten Menschen haben kein Problem damit, islamisiert zu werden“. So, als ob Stegner eine „Islamisierung“ bestätigt hätte und behauptet hätte, dass diese begrüßt werde. Mehr dazu hier:

Faktencheck: AfD täuscht ihre Fans mit Zitat über Ralf Stegner (SPD)

Aus dem Kontext, welchen man im Video selbst sehen kann, ist klar, dass er das auf gar keinen Fall so gemeint hat. Das verschweigt Meuthen bewusst. Ein weiteres Beispiel ist die Behauptung der AfD, dass in Schleswig-Holstein der Unterricht fortan „auf Türkisch“ gehalten werde. Dabei ist lediglich geplant, an zwei Pilotschulen Türkisch-Unterricht anzubieten. Auch hier wird der Kontext um einen Satz wie „In Schleswig-Holstein wird Türkisch unterrichtet“ zum entscheidenden Bedeutungsgeber.

AfD-Fake: In Schleswig-Holstein wird NICHT auf Türkisch unterrichtet

Wortspielereien und haarspalterei?

Bei all diesen vermeintlich minimalen Unterschieden wurde uns bei unseren Faktenchecks vorgeworfen, wir würden lediglich „Haarspalterei“ betreiben. Schließlich hat Stegner genau diesen Satz gesagt, schließlich stimmt die Aussage mit dem türkischen Unterricht „irgendwie“. Doch damit steht und fällt die gesamte Propaganda der AfD. Nur weil die Aussage in einem völlig anderen Kontext so getroffen wurde oder wahrheitsgemäß ist, heißt das nicht, dass das, was die AfD daraus macht, stimmt.

Die AfD bedient sich sehr gerne dieser Technik des Framings und der Neukontextualisierung in ihre rechtsextremen Narrative. Denn es ist eine Lüge, eine Manipulation, die man ihr enorm schwer nachweisen kann. Sie wartet nur auf Aussagen, die doppeldeutig sein können, um es in ihrem Sinne auszulegen. Denn ihre Anhängerschaft, die auch glatte Lügen glaubt, wird sich nicht von einem „So war das gar nicht gemeint“ überzeugen lassen.

Verwirr-taktik: der Kontext ist gelogen

Denn es ist die gleiche Verwirr-Taktik, die AfD-Politiker anwenden, um rassistische oder rechtsextreme Aussagen zu rechtfertigen. Dort wird schamlos eine absichtliche Fehlinterpretation ihrer Gegner unterstellt oder ein eigenes Versehen („mausgerutscht“), wenn man ihre verbalen Grenzüberschreitungen kritisiert. Die Anhänger feiern die in Wirklichkeit genau so gemeinten, rassistischen Aussagen, während man sich vor Kritikern durch die Möglichkeit der Leugnung immunisiert.

Doch ihre Anhänger wissen: Es war genau so gemeint. Und wenn ein SPD-Politiker sich gegen die falsche Auslegung seiner Aussagen wehrt, wird ihm nicht geglaubt, denn so hat man es von „seinen“ Politikern gelernt. Es ist ja sonst immer doch so gemeint. Man versteckt sich hinter Wortspielen. Das ist keine „schwache Rechtfertigung“, sondern die Demaskierung von Propaganda. Und es ist eine Lüge, auch wenn nicht direkt gelogen wurde.

Artikelbild: Screenshots facebook.com

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Antisemitischer Fake: KEIN Foto von Greta Thunberg mit George Soros!

Faktencheck!

Wie die Recherchegruppe #DieInsider berichtet, wird in AfD-nahen Gruppen und Seiten eine Fotomontage geteilt, die Greta Thunberg zusammen mit dem jüdischen US-Milliardär George Soros zeigen soll.



„Noch fragen?“ Ja, viele!

Zuerst ist das Bild offensichtlich eine Fotomontage. Das Originalbild mit Al Gore hat sie im Dezember 2018 in Davos veröffentlicht. Hier das Original:

Über Greta Thunberg sind enorm viele Fake News, Falschbehauptungen und Verschwörungstheorien im Umlauf, wir haben die neuesten hier zusammengefasst:

6 Fakten über Gretas Segelreise: Keine 5 extra Flüge, kein „Filmteam“

Bereits zuvor hat man dieses Bild verbreitet, mit der man eine Verbindung von Greta Thunberg zu der jüdischen Rothschild-Familie ziehen wollte.

Nein, Greta segelt NICHT mit einem „Rothschild-Boot“: Mit Antisemitismus gegen das Klima?

Warum Greta Thunberg mit George Soros oder anderen jüdischen Bankerfamilien in Verbindung gebracht werden soll? Die Antwort ist ganz offensichtlich Antisemitismus.

Antisemitismus?

Die Verbreitung des Bildes und die Behauptung, sie hätte etwas mit George Soros zu tun, ist demnach ein weiterer Versuch der Diskreditierung. Nicht nur will man sie so in die Nähe von jüdischen Milliardären rücken, womit eine finanzielle Agenda hinter der Klimarettung suggeriert werden soll. Mit „Rothschild-Boot“ und George Soros bringt man sie auch in die Nähe von antisemitischen Verschwörungstheorien. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung informiert, ist moderner Judenhass oft kodiert und ersetzt das „Internationale Finanzjudentum“ mit Begriffen wie einer „internationalen Finanzelite“.

Dabei werden besonders Namen und Schlagworte als Hinweise darauf gestreut, die diese mit Juden in Verbindung bringen sollen. Dazu gehört auch die Erwähnung von „Goldman Sachs“. Oder eben den „Rothschilds“, denen seit jeher unterstellt wird, heimlich die Weltgeschicke zu manipulieren. Das gleiche behaupten Neonazis auch über George Soros. Auf die Rothschilds bezogen sich auch die Nationalsozialisten sowie die heutigen Neonazis (Mehr dazu). Es ist also ebenfalls ein Code für rechtsextreme Greta-Hasser, um die Klimaaktivistin mit einer antisemitischen Verschwörung zu verknüpfen und so weiter zu diskreditieren.

Zum Thema:

4 Gründe, warum Greta Thunberg deinen Hass verdient hat!

Artikelbild: Screenshot DieInsider

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Diese Anfrage der AfD zum Konsens über den Klimawandel ist ein Eigentor

Anfrage zum Klimawandel ging nach hinten los

Die AfD leugnet als einzige Partei den Stand der Wissenschaft, der besagt,  dass der Klimawandel menschengemacht ist. Mit dieser Einstellung und diesem Abstimmungsverhalten ist sie die vielleicht klimafeindlichste Partei Europas (Studie). In einer aktuellen Kleinen Anfrage an die Bundesregierung wollte sie den vielfach zitierten Konsens von „97% aller Wissenschaftler“ in Frage stellen, die die Theorie vertreten, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Die AfD versucht ständig, mit unlauteren Mitteln Zweifel an der Klimakrise zu säen. Siehe hier:

Mit diesen 4 Fake News über die Klimakrise wollen dich AfD & Co verarschen

Die AfD kommt in ihrer Anfrage (Quelle) zu dem Schluss, dass die Aussage mit den 97% aller Wissenschaftler „nach Meinung der Fragesteller jedoch in vielerlei Hinsicht falsch“ sei und „daher der Richtigstellung“ bedürfe. Sie fragt die Bundesregierung also, woher sie ihren Konsens nehme und ob sie präzise diesen Konsens belegen könne. Die Antwort der Bundesregierung mag vielleicht einige überraschen, denn die Bundesregierung nutzt wirklich nicht mehr die „97%“.



Sondern 99 Prozent

Screenshot

Die Bundesregierung schreibt ausführlich in ihrer Antwort:

„Die in der Anfrage zitierte Untersuchung von Cook et al aus dem Jahr 2013, aus der die Zahl von 97 Prozent der Wissenschaftler stammt, wird mittlerweile durch aktuellere Studien ergänzt. So analysiert James Powel [sic] in einer Metastudie aus dem Jahr 2016 insgesamt 54 195 durch Fachkollegen geprüfte (peer reviewed) wissenschaftliche Artikel aus dem Zeitraum von 1991 bis 2015. Davon bejahen
im Durchschnitt 99,94 Prozent den menschengemachten Klimawandel.

Eine frühere Untersuchung von Powel [sic] zu geprüften Fachaufsätzen für den Veröffentlichungszeitraum 2013 bis 2014 zeigt dieselbe Tendenz zu einem weitgehenden Konsens in der Wissenschaftswelt: Hier stehen 4 von 69 406 Verfassern (0,0058 Prozent) dem menschengemachten Klimawandel kritisch gegenüber.

Vor dem Hintergrund dieser neueren Erkenntnisse vertritt die Bundesregierung
nunmehr die Auffassung, dass rund 99 Prozent der Wissenschaftler, die Fachaufsätze zum Klimaschutz veröffentlichen, der Überzeugung sind, dass der Klimawandel durch den Menschen verursacht ist. „

Woher die 97% kommen

Bei der Zahl der 97% aller Klimaforscher, die den menschengemachten Klimawandel nicht anzweifeln, wird in der Regel und auch von der AfD einiges angezweifelt. Klimawandelleugner wie beim Kopp-Verlag „entdeckten“ hierbei, dass bei der Studie, der angeblich diese Zahl zu Grunde liegt, „nur 3146 Wissenschaftler“ von 10 257 Befragten geantwortet hätten. Nur wie der Blog KlimaLounge feststellt, ist erstens mehr als 30% Antworten eine verdammt gute Reaktionsquote und zweitens wurden die Wissenschaftler auch nach Fachgebiet und Fachpublikationen befragt.

Warum das relevant ist? Weil diejenigen der Wissenschaftler, die auch tatsächlich überwiegend zu Klimaveränderungen forschen und veröffentlichen der Aussage, dass der Klimawandel menschengemacht ist, zustimmen. Nämlich zu 97%. Wirtschaftsgeologen nur zu 47% und Meteorologen nur zu 64%. Aber das sind ja auch keine Klimaforscher. (Quelle) Das gilt auch für Lungenärzte und Grenzwerte übrigens:

Keine Belege, keine Experten: 5 Fakten zu den 100 Lungenärzten gegen Schadstoffgrenzwerte

Eine andere Quelle dürfte aber die Untersuchung von John Cook von der University of Queensland aus dem Jahr 2013 sein. Die sagt nämlich: „Von allen Fachveröffentlichungen zum Klimawandel, die zwischen 1991 und 2011 erschienen (ca. 12.000), stimmten mehr als 97 Prozent mit dem wissenschaftlichen Konsens überein.“ Die Studie wurde von der Fachzeitschrift Environmental Research Letters zum besten Artikel 2013 gewählt.

Die Studie von powell & die 99,9%

Der US-Geologe James Lawrence Powell wies im Skeptical Inquirer: auf methodische Schwächen von Cook et al. hin und sagt, dass die 97% falsch seien. Er meint, dass es hingegen „mindestens 99,9%“ sind. Denn anstatt nach Artikeln zu suchen, die explizit bestätigen, dass der Klimawandel menschengemacht ist, hat er gezählt, wie viele Artikel dieser Tatsache widersprechen. Und das sind nur 0,0058%.

„Dieses Ergebnis würde die Behauptung zulassen, dass 99,99% aller Wissenschaftler, die zum Klimawandel Studien veröffentlicht haben, der Meinung sind, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt. Aber um auf der sicheren Seite zu sein, sage ich lieber nur über 99,9%.“

Experten sind sich einig

Wem diese oder jene Studie oder Umfrage nicht passt, kann sich andere heraussuchen. Sie sagen alle das Gleiche: Wer Ahnung hat, weiß, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Ja, der aktuelle Stand der Forschung ist eindeutig. Nein, nur weil ein rechter Blog oder auch mal der Spiegel mit seltsamen Argumenten die überwältigende Übereinstimmung anzweifelt, ändert das nichts an der Tatsache.

Die AfD, die in ihrer Anfrage so tut, als würde die Bundesregierung nur „selektiv“ eine Studie hernehmen, die einen Klimakonsens bestätigt, geht so also gehörig nach hinten los. Denn dieser Konsens ist noch viel größer als es die Klimawandelskeptikerpartei wahr haben möchte.

Zum Thema:

Dafür zahlen wir Steuergelder? Die 12 peinlichsten Anfragen der AfD

Artikelbild: pixabay.com, CC0, Mark Nazh, shutterstock.com / Screenshot

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Faktencheck: Sind die Brände in Afrika schlimmer als im Amazonas?

Die Welt in Flammen: Amazonas vs Afrika?

Die aktuellen Satellitenaufnahmen der NASA FIRMS (Fire Information for Resourde Management System) zeigen weltweit aktuelle Brände. Besonders stark konzentrieren diese sich auf die Gebiete des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien und auf den Regenwald und Weidegebiete südlich des Kongo-Beckens in Afrika.

Im ersten Augenblick sieht es so aus, dass die Brände in Afrika mehr sind und diese dann auch verheerender sein müssten als die in Brasilien. Rein flächenmäßig gesehen mag das den Anschein erwecken, jedoch muss man hier stark differenzieren zwischen den Bränden.

Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick über die Verhältnisse, die Zusammenhänge und Auswirkungen geben.



Amazonas:

Innerhalb von fünf Tagen verbrannten im August 2019 471.000 Hektar Regenwald, Weiden und Felder. Die Brände entstanden überwiegend durch Menschen, die Feuer zur Brandrodung gelegt hatten.

Der Regenwald ist maßgeblich verantwortlich für die Bindung des CO2 (ca ein Viertel der Welt) und produziert um die 20% des weltweiten Sauerstoffs. Ferner wird durch dieses Gebiet das Klima beeinflusst und auch teilweise bestimmt. Neben den Ozeanen ist der Amazonas-Regenwald der größte Niederschlags-/Regenlieferant weltweit. Durch ihn werden die Temperaturen und auch die Erderwärmung reguliert. Das bedeutet, dass der größte zusammenhängende Wald teilweise der menschengemachten Erderwärmung gegensteuert. Er ist auch überwiegend für die Lebensgrundlagen der Menschen und Tiere zuständig.

Durch die Brände gelangen nun mehr Treibhausgase und CO2 in die Atmosphäre und die Erderwärmung wird dadurch beschleunigt, so dass die Ziele der Weltklimagipfel nicht mehr einzuhalten sind. Dies hat zur Folge, dass die Polgebiete schneller schmelzen und der Wasserspiegel weltweit ansteigt und auch die Lebensräume der dort lebenden Tierwelten verschwinden.

Es dauert zwischen 40 bis 50 Jahre bis sich in den verbrannten Gebieten ein Sekundärwald (nachgewachsene Vegetation) gebildet hat und mindestens 100 Jahre bis sich der Regenwald komplett regeneriert hat. Jedoch kann sich durch den Klimawandel und den damit weniger Niederschlägen die Zeitspanne wesentlich erhöhen. Die Brände haben massive Auswirkungen auf die Flora und Fauna und können zum Aussterben von Pflanzen- und Tierarten führen.

Afrika:

Über den Zeitraum eines Jahres brennen viele kleine Feuer mit einer Fläche von insgesamt zwischen 300 und 600 Millionen Hektar. Diese Brände sind überwiegend Wildbrände, dh. durch Blitzschläge, Trockenheit und anderen natürlichen Ursachen. Ein kleiner Teil sind gezielte Brände durch den Menschen in Savannen und Weidegebieten. Überwiegend brennen hier Büsche und Bäume, die kaum CO2 speichern können.

Diese Bäume sind resistenter gegenüber Feuer und verbrennen nicht komplett. Aus diesem Grund haben die Brände in Afrika weniger bzw kaum Auswirkung auf die Atmosphäre und den Klimawandel. Ohne diese Feuer verwildern die Savannen und der Lebensraum der Tiere wird verkleinert, da sie dann weniger Bewegungsfreiheit haben und weniger Futter finden. Hier regeln die natürlichen Feuer die Lebensgrundlage und den Lebensraum der Flora und Fauna.

Die Flora hat sich über Generationen auf diese Tatsache eingestellt und die besten Überlebenschancen entwickelt. Die Tiere können vor den Feuern flüchten, da die Savannen weitläufig sind.

FAZIT:

Der Amazonas-Brand bedroht unseren Lebensraum und unser Überleben und die vielen Brände in Afrika-sind ein natürlicher Regulator des dortigen Lebensraums! Nur weil es viele kleine Feuer sind, die alle einen kleinen roten Punkt auf der Karte erhalten, heißt es nicht, dass diese gleich groß, gefährlich oder bedeutend sind.

Zum Thema:

Falsche Bilder, Wer hat Schuld? 3 Fakten über den Amazonas-Regenwald-Brand

Artikelbild: Screenshot facebook.com/NASA FIRMS (Fire Information for Resourde Management System)

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Es reicht! Abrechnung mit der „systematischen PR-Kampagne mit Greta“

Weitere mythen über greta

Ich habe schon lange keine Lust, über Greta Thunberg zu schreiben. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich nach dem ersten Artikel im Dezember auch gar nichts mehr darüber geschrieben. Wie ich vergangene Woche bereits geschrieben habe, bin ich kein „Fan“ von Greta Thunberg. Ich finde es gut, dass sie die Klimabewegung angestoßen hat, die schon lange überfällig war, aber ob sie mal was mit Plastik gekauft hat oder auf ihrer Überfahrt über den Atlantik in Eimer kackt, ist mir total egal.

Aber ich mache eine Seite, die propagandistische Narrative und Fake News verfolgt, analysiert und aufdeckt. Und wenn „Greta-Hasser“ reihenweise Hass, Gewaltdrohungen und Lügen über ihre Person verbreiten, dann werde ich das nicht unkommentiert lassen. Erst Recht, wenn jemand einen „dumme Göre“-Kommentar ablässt und dann meint, damit sei die Klimadebatte erledigt. Geheimtipp: Wenn ihr den Medien nicht so viele Klicks und Kommentare liefert, jedes Mal, wenn sie Greta Thunberg aufgreifen, dann werden die auch weniger berichten.

Und wenn ihr keine Fake News und Verschwörungstheorien über sie verbreitet, kann ich das Thema auch ad acta legen. Ich wäre sehr froh, wenn wir das Thema von dem persönlichen Leben der Schwedin weg und hin zu Debatten beispielsweise über CO2-Bepreisung verschieben können. Es liegt an euch. Aber gut, einer der ältesten Vorwürfe an Greta Thunberg ist, dass hinter ihr „nur“ eine PR-Kampagne steckt, von dem sie und/oder ihre Eltern profitieren. Schauen wir uns das einmal an.



„Rein zufällig“ wird sie entdeckt?

Jain. Da gab es diesen Kettenbrief, den auch die Kollegen von Mimikama bereits ausführlich geprüft haben, deshalb nur das wichtigste hier:

„Greta sitzt mit selbstgebasteltem Pappschild an einer Hauswand in Schweden auf dem Boden. REIN ZUFÄLLIG kommt an genau diesem Tag, in genau dieser Stunde, an genau diesem Ort Ingmar Rentzhog, REIN ZUFÄLLIG PR-Experte, dort vorbei. Macht Fotos. REIN ZUFÄLLIG hat Herr Rentzhog auch exzellente Kontakte zu Organisationen, die mit viel Geld ausgestattet sind und dichte, global verzweigte Netze und sehr reiche Geldgeber haben.“

Greta saß am 20. August nicht an irgendeiner Hauswand, sondern am schwedischen Parlament. Nicht sehr unauffällig. Sie wollte gesehen werden, also ist es nicht verwunderlich, dass sie gesehen wurde. Außerdem sind ihre Eltern schließlich nicht völlig Unbekannte, ihr Vater ist Schauspieler und Produzent, die Mutter eine Opernsängerin. Zu den Eltern später mehr. Der Unternehmer Ingmar Rentzhog hat wirklich zufällig von ihr erfahren.

Weitere Falschbehauptungen des kettenbriefs

Er hat wirklich ein ein Finanzmarkt-Kommunikationsbüro und war 2007 Mitglied der von Al Gore gegründeten Organisation Climate Reality. Aber das war keine abgesprochene Aktion, sondern er hat eine Chance gesehen, ihren Streik aufzugreifen und hat dies nun mal getan. Keine Magie dahinter, er ist auf den Zug aufgesprungen. Er ist aber nicht Vorsitzender des Think Tanks „Global Challenge“, die auch nichts mit irgendeiner Ministerin oder Milliardärin zu tun hat. Weitere Lügen und Falschdarstellungen in dem Kettenbrief wie gesagt bei Mimikama oder auch bei Correctiv.

Es steckt also keine geplante PR-Kampagne dahinter, der Unternehmer war einfach einer der ersten, der Greta entdeckt hatte. Auf Facebook äußerte er sich auch zu den Vorwürfen. Er hatte Thunbergs Namen für ein Prospekt seiner Firma ohne ihr Wissen verwendet, Thunberg war kurzzeitig „Youth Advisor“ für die Stiftung des börsenorientierten Unternehmens We Don’t Have Time AB, trat jedoch zurück, als sie erfuhr, dass ihr Gesicht und Name ebenfalls ohne ihr Einverständnis für Werbung verwendet wurde. Selbstverständlich erhielt sie nie Geld für diese Instrumentalisierungen.

Andere verdienen geld mit greta

Entgegen der Unterstellungen verdient Greta auch kein Geld mit dem Aktivismus. Wenn Unternehmen oder Agenturen ihr Bild und ihren Namen verwendet hatten, dann meist ohne ihr Einverständnis, geschweige denn gegen Bezahlung. Ja, es gibt Leute, die Geld mit Greta verdienen wollen. Dafür kann sie nichts. Auch dubiose Agenturen im Netz, die behaupten, man könne sie für Workshops buchen, sind lediglich Abzocke und Instrumentalisierung ihrer Person. Sie verlangt kein Geld für ihre Reden und spendet ihre Einnahmen aus Büchern und Auszeichnungen an wohltätige Zwecke. Mimikama hat hier ein paar dieser Fake-Agenturen entlarvt.

Auch ihre Eltern haben nichts mit ihrem Aktivismus zu tun, Greta beschrieb, dass ihre Eltern zuvor alles andere als KlimaaktivistInnen waren. Erst durch ihren Aktivismus setzten sie sich mit der Thematik auseinander und begannen, sie dabei zu unterstützen (Mehr dazu). Die Firmen ihres Vater erzielten 2018 keine höheren Gewinne als zuvor (Quelle), auch das Buch, welches die Familie Thunberg veröffentlichte, hat nichts mit ihren Schulstreiks zu tun.

Das Buch wurde bereits lange vor dem Streik geplant und geschrieben und dass der Veröffentlichungstermin zeitlich so nah an ihrem ersten Streiktag lag, ist nicht von der Familie so terminiert worden. Es gab nämlich zuvor Streitigkeiten mit dem Herausgeber, sonst wäre das Buch längst veröffentlicht gewesen. Der Schulstreik lag auch am ersten Tag nach den Schulferien und war damit auch nicht willkürlich. 100% der Gewinne gehen ohnehin an acht verschiedene Wohltätigkeitseinrichtungen. Das merkt man auch daran, dass das Buch noch mehr mit der Bekanntheit der Mutter wirbt, als mit ihrer Tochter, die damals noch unbekannt war (Mehr dazu).

Keine systematische PR-Kampagne

Die meisten Behauptungen rund um Greta Thunberg und ihre Prominenz sind dazugedichtet oder werden dramatisiert. Nur weil Greta bekannt geworden ist, heißt das nicht, dass dahinter ein dubioser Plan irgendwelcher bösen Mächte steht. Es stimmt, viele Leute wollen mit ihrem Gesicht und ihrem Namen Geld verdienen. Übrigens auch viele, die sich über sie aufregen und Falschbehauptungen über sie aufstellen. Das ist auch lukrativ, wie man sehen kann.

Und überhaupt: Will man einer Klimaaktivistin, die Aufmerksamkeit für ein Problem erzeugen wollte, wirklich vorwerfen, dass sie Aufmerksamkeit bekommen hat? Eine Aktivistin dafür zu kritisieren, dass sie bekannt wurde, ist auch ein wenig absurd. Das war ihr Ziel, wer hätte es gedacht. Das wäre so, als würde mann Müllmännern vorwerfen, den Müll zu „klauen“. Greta verdient kein Geld damit und spendet ihre Preisgelder. Und selbst wenn sie davon leben würde, macht es die Klimakrise nicht weniger real oder gefährlich. Das ist alles eine große Diskussion, die völlig am Thema und an der Realität vorbei geht.

Keine „Greta-Religion“

Ich kenne keine „Greta-Jünger“, die Greta als „Prophetin“ „verehren“ wie eine „Heilige“. Ich tue es sicher nicht, und keiner um mich herum macht das. Und mir und meinem Umfeld wird dieser schwachsinnige Vorwurf ständig gemacht. Wer Greta gut findet, der bedankt sich bei ihr, dass sie ihr ökologisches Verständnis aufgerüttelt hat. Keiner baut ihr einen Schrein, wir beten nicht fünfmal am Tag Richtung Stockholm. Merkt denn keiner, wie sehr dieses manipulative Framing von Rechtsextremen und Klimawandelleugnern um sich greift? Solche Formulierungen sind keine sachliche Kritik.

Besonders, wenn der unglaubliche Hass, der fast nur aus vulgären Beleidigungen, Lügen und Falschbehauptungen besteht, völlig verharmlost wird. Das ist keine „Kritik“. Diskutiert meinetwegen über die Klimaneutralität von Gretas Trip, oder ob eine Videokonferenz sinnvoller gewesen sei. Aber Beleidigungen und das hundertste „Greta-Jünger“-Gerede könnt ihr euch sparen. Wenn die junge Aktivistin so viel Aufmerksamkeit bekommt, dann nicht, weil böse, „grüne“ Mächte euch manipulieren wollen.

Sondern weil euch lobbyfinanzierte Gruppen, die den Klimawandel leugnen, dazu manipulieren wollen, eine junge Frau irrational zu hassen. Weshalb ihr alle Medien mit Interaktion und Klicks belohnt, sobald sie irgendetwas über sie schreiben – sei es positiv oder negativ. Die machen das für euch, nicht für nicht-existente „Jünger“. Es gibt genau so Leute, die mit eurem Hass auf Greta Geld verdienen. Das macht euch nicht zu… Greta-Heiden? Aber zu einem wütenden Mob, der sich vielleicht einmal bewusst werden sollte, dass er eine junge Frau beleidigt und Lügen über sie verbreitet. Und vielleicht kann ich dann auch endlich mal über etwas anderes schreiben.

Artikelbild: 360b, shutterstock.com

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So sehr hat sich mein Leben wegen Greta Thunberg verändert

Ich muss mich outen, ich bin ein Fan von Greta Thunberg.

Diese junge Frau hat in einem Jahr eine globale Bewegung geschaffen und es geschafft, dass sich die Generation, der immer nachgesagt wurde, sie würde sich nur für Handys interessieren, politisiert. 

Das ist großartig! Sie hat auch dazu beigetragen, dass sich Menschen ganz persönlich Gedanken darüber machen, wie sie im Alltag zum Klimaschutz beitragen können. Sie hat dazu beigetragen, dass ich mir persönlich Gedanken mache, wie ich im Alltag das Klima und die Umwelt schützen kann. 

Nach zwei Dürresommern mit immer neuen Hitzerekorden, mit Nachrichten über schmelzende Gletscher und brennende Tundras, dürfte eh dem und der Letzten klar sein, dass die Erde wirklich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dass sich ganz schnell etwas ändern muss, wenn wir weiter auf unserer kleinen blauen Kugel wohnen wollen. 

Ich finde es ja auch gut, dass selbst die Politik langsam aber sicher zu begreifen zu scheint, dass Klimaschutz ein Thema ist, welches Menschen bewegt.



Aber ganz ehrlich? Die Vorschläge sind derzeit eher dürftig.

Fleischsteuer? Nett. Aber dann wird vermutlich eher die Qualität des Fleisches sinken und an den Haltungsbedingungen gespart werden, statt die Preise für die Verbraucher*innen anzuheben. Viel eher bräuchten wir gesetzliche Bestimmungen, die die Massentierhaltung eindämmen. (Gerne auch ganz beenden, sorry, lästige Veganerin hier!)

Plastiktütenverbot? Träumchen, ich bin dabei! Aber was ist mit all den Lebensmitteln, die doppelt und dreifach mit Plastik verpackt sind? Schon allein an der Obst- und Gemüsetheke meines Supermarktes um die Ecke ist es fast unmöglich, plastikfrei einzukaufen. Natürlich könnte ich auch zu einem größeren Supermarkt mit einer größeren Obst- und Gemüsetheke fahren, aber das ist natürlich auch nicht Sinn der Sache.

Immerhin, es tut sich ja etwas in kleinen Schritten. Ich muss zugeben, ich liebe diese kleinen Cherrytomaten, aber es gab sie immer nur in Plastikverpackung. Mittlerweile kriegt man sie auch ohne. So macht man mich glücklich, auch wenn es kleinteilig ist. Dass ich meinen Staudensellerie dann trotzdem nur mit Plastikverpackung bekommen habe, hat mich dann wieder betrübt.

Allerdings macht es schon auch Spaß beim Einkaufen nach Alternativen mit weniger Plastikmüll zu suchen. Ich vermeide mittlerweile Plastikflaschen und habe mir einen Wassersprudler gekauft und brauche endlich mal meine ganzen Kosmetika auf, statt mir ständig neue zu kaufen und am Ende lauter halb leere Flaschen zu haben. Den eigenen Konsum zu hinterfragen ist manchmal anstrengend, aber wenn ich dadurch auch an der einen Stelle Geld spare, kann ich vielleicht an einer anderen auf nachhaltigere, aber etwas teurerer Produkte zurückgreifen.

Trotzdem – ohne gesetzliche Regelungen geht es nicht.

Anderes Thema: Keine Inlandsflüge mehr machen?

Top, gerne doch! Aber seien wir ehrlich, solange die Bahn immer teurer wird bei gleichbleibender Unzuverlässigkeit, kann ich verstehen, wenn sich Menschen lieber schnell in einen Flieger setzen. Die Probleme in Sachen Verkehrspolitik fangen doch schon woanders an. Ich habe letztes Jahr meinen Führerschein gemacht. Mit 32 Jahren. Vorher bin ich immer Bus und Bahn gefahren.

Warum so spät? Ganz einfach: Ich habe angefangen mich weiterzubilden und mache jetzt neben meinem Vollzeitjob den Betriebswirt in der Abendschule. Das wäre mir ohne Führerschein nicht möglich gewesen, weil ich mit dem ÖPNV Abends nicht mehr sinnvoll nach Hause gekommen wäre. Die Verbindungen sind so schlecht, dass ich erst eine gute Stunde hätte warten müssen um dann noch eine Dreiviertelstunde mit dem Bus zu fahren. Nach einem 8-stündigen Arbeitstag und 3 Stunden Schule am Abend… irgendwann brauche selbst ich mal Schlaf.

Jetzt fahre ich halt 20 Minuten mit dem Auto und bin daheim. Wenn Flüge und auch Autofahrten reduziert werden sollen, dann ist es keine Lösung beides nur teurer zu machen, es müssen auch die Voraussetzungen geschaffen werden, sinnvoll vom Fleck zu kommen.

Wichtig in der ganzen Konsum- und Klimaproblematik sind ganzheitliche und logische Ansätze.

Ganz, ganz toll, wenn mir Menschen immer wieder predigen, dass SUVs mittlerweile fast genauso sparsam und wenig klimaschädlich sind, wie ältere Kleinwagen. Aber mehr und größere Autos benötigen mehr Platz, was dann wieder zu mehr Oberflächenversiegelung führt und zum nächsten Problem. Was nützen uns Städte voller riesiger Autos, die zwar total wenig Sprit verbrauchen und Abgase ausstoßen, wenn für diese mehr Parkplätze gebaut werden müssen, was dazu führt, dass sich durch eben die Bodenversiegelung die Städte im Sommer noch weiter aufheizen?

Ja ich weiß, Parkplätze sind genormt. Aber habt ihr mal versucht, in eine Parklücke zwischen zwei SUVs zu kommen? Aber bei allem Gemecker: Schon allein, dass ich mir über so etwas Gedanken mache und meinen Konsum verändere, lässt mich hoffen, dass es auch andere tun. Und das ist auch der Verdienst der jungen Schwedin Greta Thunberg, die es geschafft hat, eine weltweite Bewegung zu gründen. 

Hatte sie dabei Hilfe von Menschen, die sich mit Marketing auskennen? Womöglich. Aber was genau ist schlimm daran? Wer eine wichtige Forderung hat, kann diese nur mit der richtigen Reichweite in die Welt hinaus tragen. Botschaften verbreiten sich nur, wenn sie weiter getragen werden, und die heutige mediengeprägte Welt verlangt auch nach guten Bildern.

Es gibt keinen Grund, gegen sie zu hetzen, nur weil sie es schafft, ihre Botschaft medienwirksam zu verbreiten. Besser, die Welt mit guten Bildern retten, als sie ohne Bilder weiter in den Abgrund zu reißen.

Zum Thema:

Mir reicht’s! Eine Abrechnung mit den Greta-Hassern

Artikelbild: Per Grunditz, shutterstock.com

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