An der Armut im Ruhrgebiet sind nicht die „Ausländer“ schuld

 

Nee, nicht ‚Die Ausländer‘, die ‚Deutschen die Lebensmittel in den Tafelläden wegnehmen‘, sind schuld an der strukturellen Misere im Ruhrgebiet.

Das Ruhrgebiet war schon immer eine Region, in die Menschen gekommen sind. Zum Arbeiten. Zum Leben.

Die „Ruhrpolen“ schon Ende des 19. Jahrhunderts, in der Zeit des Wirtschaftswunders die Gastarbeiter, und immer auch Menschen die in Deutschland Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen und Menschen, die herkommen um der bitteren Armut und sozialen Ausgrenzung in ihren Heimatländern zu entfliehen.

Das Ruhrgebiet war nie „heimelig deutsch“ sondern eine multikulturelle Industrie- und Arbeiterregion.
Nur: Diese Industrie- und Arbeiterregion gibt es heute nicht mehr. Die Zechen, die früher Arbeit und einen bescheidenen Wohlstand versprachen, sind alle dicht. Große Industrieunternehmen wie Opel und Nokia sind weggezogen. Viele Tausend Menschen, ob deutsch oder nicht, verloren ihre Jobs.

Und viele fanden keine neuen Jobs.



Es entstanden Stadtteile, die soziale Brennpunkte sind. Weil dort die Mieten noch billig sind. Und selbstverständlich ziehen dort auch die Menschen hin, die von anderswo kamen. Denn meist können die sich auch keine hohen Mieten leisten. Es ist eine Spirale, die sich in diesen Stadtteilen dreht.
Eine Spirale, die arme Menschen anzieht und Menschen auch nicht aus der Armut entkommen lässt.

Hier einen Unterschied zwischen Pässen zu machen und Menschen mit bestimmten Nationalitäten die Schuld für die Misere zu geben, ist ein völlig falscher Ansatz.

Wer hat es denn verpennt, in den Strukturwandel im Ruhrgebiet zu investieren? Das war die Politik. Wenn wieder ein großes Unternehmen wegzog und hunderte Arbeitsplätze wegfielen, dann gab es warme Worte von den jeweiligen Ministerpräsident*innen. Aber wenige Ideen, wie man neue Wirtschaftszweige in der Region ansiedeln könnte Dabei wäre das Ruhrgebiet als Ballungszentrum und hervorragender Verkehrsanbindung, eigentlich prädestiniert für Wirtschaft und Innovation. Aber davon hört man eher wenig. Stattdessen verfällt die Infrastruktur, die Autobahnen rotten vor sich hin, etc.

Der Trugschluss, dass ‚die Anderen‘, ‚Die Hinzugekommenen‘ Schuld sind an der desolaten Lage im Ruhrgebiet, der manifestiert sich jetzt am Beispiel der Essener Tafel.

Aber Rassismus und Vorurteile sind nicht die Lösung in einer Region, in der die Politik es komplett versaut hat, auf den strukturellen Wandel zu reagieren. Es nützt eben nicht einen hip-nostalgischen Bergarbeiterkult zu erschaffen und ein paar hübsche Monumente auf die Ruhegebietshalden zu stellen. Marketing allein schafft keine Perspektiven.

Da sind Ansätze gefragt. Und zwar von der Politik. Der Landesregierung, der Bundesregierung.
Unser schönes multikulturelles Ruhrgebiet hat es nicht verdient durch Rassisten gespalten zu werden, die Arme gegen Arme aufhetzen.




Was nützen mir kostenfreie Busse, wenn keine Busse kommen?

Ein kostenloser ÖPNV ist eine wirklich gute Idee, aber einen wirklichen Nutzen hat die Maßnahme nur, wenn die Streckennetze konsequent ausgebaut werden. Wenn investiert wird. Wenn die Strecken auch in Kleinstädten und ländlichen Regionen eine höhere Taktung bekommen bzw. überhaupt erst einmal ein Bus fährt.

Die Bundesregierung denkt laut über Modellprojekte zum kostenlosen ÖPNV nach. Der Grund dafür sind die miesen Feinstaubwerte in den Städten, die einfach nicht in den Griff zu bekommen sind. „Yeah!“ dachte ich mir da erst. Immerhin fahre ich jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit. Und mein Busticket ist schon ziemlich teuer.  „Aber…“ war dann mein zweiter Gedanke.



Denn selbstverständlich wäre es schon cool, wenn der ÖPNV günstiger oder gar kostenfrei wäre. Aber… was nützen mir kostenfreie Busse, wenn keine Busse kommen?

Was nützen mir kostenfreie Busse, wenn keine Busse kommen?

Ich wohne ja in einer Kleinstadt am Rande des Ruhrgebiets. Ich wohne in einer Gegend, die verkehrsmäßig und auch vom Bahnnetz her eigentlich sehr gut erschlossen ist.

Und dennoch: Nach 20 Uhr fahren die Buslinien hier nur noch einmal die Stunde. Weggehen und nach Mitternacht heimfahren wollen? Was für Ansprüche habe ich eigentlich? Am Sonntag komme ich in manche Stadtteile auch erst vormittags und auch nicht unbedingt einmal in einer Stunde.

Und weil das Streckennetz so schlecht ist, fahren natürlich auch nicht so viele Leute Bus. Das führt dazu, dass die vorhandenen Linien nicht ausgelastet sind und ausgedünnt werden. Das führt dazu, dass nicht so viele Leute Bus fahren. Das führt dazu, dass die vorhandenen Linien nicht ausgelastet sind und ausgedünnt werden. Das führt dazu, dass nicht so viele Leute Bus fahren….

Ein Kreislauf, der dazu führt, dass der ÖPNV schlicht langsam stirbt.

Ich habe wirklich lange bewusst den Bus genutzt. Weil ich es auch für eine ökologischere Variante halte. Aber jetzt mache ich tatsächlich gerade meinen Führerschein. Ab Sommer werde ich ein Studium in der Abendschule beginnen. Und weil die Busverbindungen in meine Kleinstadt Abends so schlecht sind, müsste ich danach immer erst fast eine Stunde in der Stadtmitte der nächstgrößeren Stadt warten – was nicht unbedingt angenehm ist – und wäre dann noch mal fast eine Stunde unterwegs nach Hause brauchen.

Mit dem Auto werde ich vielleicht 25 Minuten brauchen. Das ist zwar teurer und unökologischer, aber schlicht nicht anders machbar.

Ein kostenloser ÖPNV ist also eine wirklich gute Idee, aber einen wirklichen Nutzen hat die Maßnahme nur, wenn die Streckennetze konsequent ausgebaut werden, statt eingedampft. Wenn investiert wird. Wenn die Strecken auch in Kleinstädten und ländlichen Regionen eine höhere Taktung bekommen bzw. überhaupt erst ein Bus fährt.

Ansonsten wird so eine Idee verpuffen. In Feinstaubwölkchen.




5 Sätze, die Menschen mit ADHS nicht mehr hören können

Unsere Autorin Maja wurde vor einigen Monaten mit ADHS diagnostiziert und hat seitdem viele Vorurteile gehört.

ADHS, die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, ist eine Störung des Gehirnstoffwechsels. Reize werden anders verarbeitet als bei anderen Menschen. Das bedeutet, dass Sinneseindrücke weniger gut gefiltert werden können und Menschen mit ADHS größere Probleme haben, strukturiert zu denken und Aufgaben zu priorisieren. Deshalb lassen sie sich schnell ablenken, wenn etwas Interessantes in der Nähe passiert.

Auch die Impulskontrolle ist gestört. Daher rührt unter anderem das berühmte Zappeln.

Und obwohl ADHS heute als Modediagnose verschrien ist, gibt es viele Vorurteile und falsche Informationen.



1. „Ach komm, das haben doch nur kleine Jungs!“

 

Nein, das stimmt nicht. ADHS hat man – oder eben frau – sein ganzes Leben lang. Aber viele Menschen finden als Erwachsene Wege, damit umzugehen. Außerdem können Erwachsene viel besser einschätzen, welches Verhalten angebracht ist und welches nicht und kontrollieren sich deshalb besser.

Bei Mädchen ist ADS – also die Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität – häufiger. Sie gelten dann als sehr verträumt und lassen sich schnell ablenken – von dem sprichwörtlichen Eichhörnchen vor dem Fenster. Das fällt nicht so schnell auf wie ein dauer-zappeliges und kribbeliges Kind.

Die Probleme bleiben die gleichen, aber oft werden Frauen dann erst im Erwachsenenalter diagnostiziert. Bis zur Diagnose machen viele einen Leidensweg durch, weil sie an vielen Stellen nicht ganz ‚reinpassen‘, Dinge nicht zu Ende bringen und deshalb beispielsweise beruflich hinter ihren Möglichkeiten zurück bleiben, manchmal Süchte entwickeln und vieles mehr. Dann ist es eine ungeheure Erleichterung, mit der Diagnose zu wissen, dass man nicht einfach nur eine komplette Versagerin ist, sondern dass es eine Ursache hat und man daran arbeiten kann.

 

2. „Das kommt doch nur von den Handys!“

 

Na wenn das mal so einfach wäre! Wobei die ständige Flut an Informationen, die einem heute aus den sozialen Netzwerken entgegen strömt, für Menschen mit einer gestörten Reizverarbeitung natürlich nicht grade eine positive Wirkung hat. So viele Eindrücke, so viele Informationen, so viel Raum, um sich ablenken zu lassen!

Dabei sind Netzwerke wie Twitter auch ein idealer Mülleimer für das Gedankenchaos, das Menschen mit ADHS ständig im Kopf haben. Twitter auf, Gedanke rein, Twitter wieder zu. Auch eine Kompensationsmethode.

Aber nein, man kriegt von den Handys kein ADHS. Man hat es oder man hat es nicht. Es begünstigt höchstens die Symptome.

 

3. „Ja, also… ich kann mich auch manchmal nicht konzentrieren!“

 

Diesen Satz hat die Autorin sogar von ihrem Hausarzt gehört, als sie mit der Bitte um eine Überweisung zum Experten in seine Praxis kam.

 

Ja, natürlich hat jeder mal einen schlechten Tag und kann sich dann nicht konzentrieren. Aber es ist ein klitzekleiner Unterschied, ob man mal einen schlechten Tag hat, oder jeden einzelnen Tag damit lebt.

Stell dir einfach mal eine vierspurige Autobahn vor, auf der viele Autos mit Höchstgeschwindigkeit fahren. Und jetzt stell dir vor, du stehst auf der Fahrbahn im Gegenverkehr und die entgegenkommenden Autos, denen du ausweichen musst, sind deine Gedanken. Dann hast du eine kleine Idee, wie es im Kopf eines Menschen mit ADHS aussieht. Das ist Stress pur. Jeden Tag.

 

4. „Mach doch einfach mal Sport oder geh‘ in den Wald!“

 

„Wald statt Ritalin!“ Wenn du mal einen Menschen mit ADHS richtig verärgern willst, dann postest du dieses Bild.

Sport kann Menschen mit ADHS helfen, weil man sich auspowert und die körperliche Anspannung, die durch das alltägliche Gedankenchaos entsteht, abgebaut wird. Und so ein Waldspaziergang ist natürlich beruhigend, weil man dann nicht die ganzen Sinneseindrücke einer Stadt hat, die auf einen einströmen und die man nicht filtern kann.

Aber: Beides heilt ADHS nicht.

Am nächsten Tag ist man auf der Arbeit wieder gestresst und die Stadt ist wieder laut. Deshalb ist dieser Ratschlag einfach nur nervig und frustrierend.

5. „Aber nimm bitte keine Medikamente, die stellen dich doch bloß ruhig!“

 

Ja, Ritalin. Das ist ein beliebtes Thema, zu dem Menschen mit ADHS ungefragt gesagt bekommen, was sie zu tun haben.

Zunächst einmal: Ja, Ritalin ist ein Medikament und zwar kein harmloses. Es fällt nicht umsonst unter die verschreibungspflichtigen Betäubungsmittel und ist vom Aufbau her ähnlich wie ein Amphetamin.

Aber wie Amphetamine auch hat es eigentlich eine stimulierende Wirkung und ist zum Ruhigstellen nicht geeignet. Da es sich aber auf den gestörten Hirnstoffwechsel von Menschen mit ADHS auswirkt, sorgt es dafür, dass diese sich besser konzentrieren und strukturierter denken können. Deshalb bringt es sie auch runter, aber ruhig gestellt wie bei einer Betäubung sind sie nicht.

Viele Menschen mit ADHS berichten von ihrer ersten Einnahme von Ritalin als ein ‚Aha-Moment‘ in dem die Gedanken plötzlich nicht mehr das komplette Chaos waren und vielen Menschen hilft es sehr dabei, besser im Alltag klarzukommen.

Aber es hat auch Nebenwirkungen und nicht jeder verträgt es gleich gut.

Deshalb sollte jeder ADHS Patient gemeinsam mit dem behandelnden Arzt abwägen, ob das Medikament das Richtige für ihn oder sie ist.




Warum ich Feministin bin, obwohl mich das Thema eigentlich nur nervt

Ich dachte früher, Frauen würden gleich behandelt werden. Bis ich in die Politik ging. Plötzlich war ich die hysterische Frau, die sich mal nicht so aufregen soll. Oder das Dummchen, dass doch keine Ahnung vom Leben hat. Oder auch gerne die Frau, die untervögelt ist und deshalb so unzufrieden, dass sie sich erdreistet, eine Meinung zu haben.

Es gibt diese Themen, mit denen befasst man sich gern. An denen hängt das Herz. Und für die brennt man.

Bei mir ist soziale Gerechtigkeit so ein Thema. Ich hätte mir auch 10 andere politische Themen aussuchen können, von denen ich persönlich auch denke, dass sie sehr wichtig sind, aber bei denen bin ich nicht mit dem Herzen dabei.

Und dann gibt es aber auch politische Themen, die mich eigentlich richtig nerven. Die mir Stresspusteln verursachen und einen hohen Blutdruck. Aber mit denen ich mich trotzdem immer wieder befassen muss, weil sie mir immer wieder vor die Füße fallen.

Das sind unter anderem feministische Themen.



Ich habe mich früher ausdrücklich nicht als Feministin bezeichnet. Inzwischen bezeichne ich mich ausdrücklich als eine.

Ich bin in der festen Überzeugung aufgewachsen, dass Männer und Frauen gleich sind. Dass sie gleichberechtigt sind und auf einer Stufe stehen. Und dass Frauen und Männer natürlich auch die gleichen Chancen haben, das war für mich eigentlich eine völlig logische Schlussfolgerung.

Meine Eltern sind überhaupt nicht sonderlich politisch oder feministisch oder emanzipatorisch, aber sie haben nie auf solche Klischees wie man als Mädchen zu sein hat oder wie man als Junge zu sein hat wert gelegt. Ich habe zugegebenerweise als Kind viele typische Mädchendinge gespielt und mochte Lila am liebsten. Aber meine Schwester hatte ihre Matchboxautos und ihren Autoteppich und ihre Rennbahn und es war nie ein Thema, dass das etwas besonderes sei, weil sie ein Mädchen ist.

Und es gibt Fotos von meinem kleinen Bruder auf denen er freudestrahlend seine Puppe in einem Puppenkinderwagen durch die Gegend schiebt.

Von Genderrollen und Gleichberechtigung

Wenn ich heute Texte von feministischen Müttern lese, die stolz darauf sind, dass ihre Kinder sich eben nicht nur genderrollengemäß verhalten, dann muss ich an unsere eigene Kindheit denken und daran, dass solche Dinge für uns auch schon Realität waren, auch wenn meine Mutter das nie als einen Akt des Feminismus angesehen hätte uns diese Freiheiten zu lassen.

Die einzige Begebenheit, an die ich mich in Sachen Rollenbilder erinnern kann, und das vor allem, weil sie seit nunmehr fast 30 Jahren immer wieder aufgewärmt wird, ist, dass meine Schwester einmal im Kinderwagen sitzend für einen Jungen gehalten wurde, weil sie so kurze Haare hatte. Das kriegt meine Mama von meiner Oma noch heute aufs Brot geschmiert.

Aber ich habe es eigentlich immer als Fakt und gegeben genommen, dass die Geschlechter gleichberechtigt sind. Und dass dies auch allgemeiner gesellschaftlicher Konsens ist.

Bis ich anfing mich politisch zu engagieren.

Wenn es um Politik und Meinung und letztendlich auch Macht geht – und wenn es nur die ‚Meinungsmacht‘ ist – dann wird es schmutzig.

Denn wenn es darum geht, meiner Meinung etwas entgegenzusetzen, greifen manche Menschen -meist Männer- nicht zu sachlichen Argumenten. Nein.

Plötzlich bin ich die hysterische Frau, die sich mal nicht so aufregen soll.

Oder das Dummchen, dass doch keine Ahnung vom Leben hat.

Oder auch gerne die Frau, die untervögelt ist und deshalb so unzufrieden, dass sie sich erdreistet, eine Meinung zu haben. Skandal!

Wenn es ganz schäbig wird – und das wurde es zu den Zeiten, als viele Geflüchtete nach Deutschland kamen und ich für Willkommenskultur argumentiert habe, besonders oft – dann wünscht man mir vergewaltigt zu werden.

Ernsthaft. Manche Männer wünschen mir, dass mir andere Männer Gewalt antun, nur weil ich anderer Meinung bin als sie. Ist das zu glauben?

Auch gerne genommen werden sonstige Unterwerfungsfantasien. Bilder von gefesselten Frauen, die ich geschickt bekam oder Andeutungen, was man gerne höchstselbst mit mir täte – es ist einfach nur eklig.

Am Ende ist der Mechanismus ein ganz einfacher – indem man nicht auf meine Meinung eingeht, sondern mein Geschlecht und meine sexuelle Selbstbestimmung eingeht, nimmt man meiner Meinung die Berechtigung.

Wenn ich in der ‚Rangfolge‘ unter jemandem stehe, ist meine Meinung eben auch nichts, was man ernst nehmen müsste oder mit dem man sich auf einer Sachebene mit Argumenten auseinander setzen müsste.

Ich bin ja nur eine dumme, hysterische Frau und deshalb zählt meine Meinung nicht. Somit entzieht man sich jeglicher Diskussion.

Für eine politisch aktive Frau gehören Vergewaltigungsdrohungen zum Alltag

Frauen, besonders welche mit feministischen und linken Meinungen, erleben so etwas oft. Eigentlich kenne ich wenige politisch aktive Frauen, die sich in diesem Spektrum öffentlich äußern, die noch nie Vergewaltigungsdrohungen oder Unterwerfungsfantasien gelesen haben. Das ist quasi Standard. Darüber hinaus kenne ich sogar einige (linke) Männer, denen sowas auch passiert ist.

Viele von uns haben sich daran gewöhnt. Am Anfang ist es noch schockierend, aber wenn dir das zehnte mal jemand wünscht vergewaltigt zu werden, dann seufzt du nur noch.

Aber ist es wirklich etwas, mit dem man sich abfinden sollte? Dass es nun mal Leute gibt, die einem wünschen Gewalt zu erfahren?

Und diese Mechanismen funktionieren auch auf sehr viel harmloseren Ebenen. Wenn typisch Frau, typisch Mann Witze gemacht werden, wenn wir gefragt werden ‚ob wir unsere Tage haben‘ wenn wir schlecht gelaunt sind, wenn Werbung wieder einmal nackte Frauenkörper als Projektionsfläche benutzen, wenn uns wieder mal jemand die Welt erklären will, weil er uns für unterlegen hält. Wir kennen all das, haben es tausend mal gesehen und gehört.

Wir sind daran gewöhnt. Aber ist es deswegen okay? Nein, ist es natürlich nicht.

Meistens bin ich allerdings trotzdem in diesem Gewöhnungs- und Ignoranzmodus. Einfach, weil es leider besser für meinen Blutdruck ist. Und weil mir eben andere Themen mehr am Herzen liegen.

Aber alle halbe Jahr fällt mir wieder ein besonders ätzender Fall vor die Füße und mir wird wieder bewusst: Wir haben als Frauen viel erreicht. Aber wir werden trotzdem viel zu oft auf unser Geschlecht reduziert und wegen unseres Geschlechtes objektifiziert..

Feminismus ist weiterhin notwendig und wichtig. Schon allein, weil wir als Frauen andere Themen nicht voran bringen können, wenn uns wegen unseres Geschlechtes die grundsätzliche Kompetenz abgesprochen wird.

Und genau deswegen bin ich Feministin.