AfD-Uniform auf einem Parteitag: Wundert das noch jemanden?

Uniformiert

Vor kurzem erreichte uns ein Foto vom AfD-Parteitag in Greding, Bayern.

Achtung: Kein Scherz! đŸ˜± Die rechtsextreme #AfD in #Greding weiß was sich gehört. Da trĂ€gt man schon mal fleißig die neue…

Gepostet von Michael Erich Pilarczyk am Samstag, 14. September 2019

Es zeigt einen Menschen, der sich nicht zu schade ist, dort in einer AfD-Uniform aufzulaufen.

Der Aufschrei ist groß, die Symbolik eigentlich noch nicht einmal diskutabel, es starten Diskussionen, ob die Uniform gegen das Versammlungsrecht, Art. 21, Abs. 1, Nr. 2 BayVersG verstĂ¶ĂŸt.



De-Maskiert

Aber jetzt mal unter uns.

Was haben wir seit Bestehen der AfD gelernt? Ja, wir sehen große und kleine Skandale im Minutentakt. Wie wir alle wissen, ist genau diese Frequenz, diese Abstumpfung ein Teil des Plans.

Wir sehen Personal, welches sich gerne und immer öfter de-maskiert, welches ihr wahres blaubraunes Gesicht in die Kameras der Republik hĂ€lt. Welches offen hetzt, ZukunftsplĂ€ne fĂŒr die ertrĂ€umte MachtĂŒbernahme schmiedet und sich auch gerne mal selbst zerfleischt.

Bremen: So hat sich eine ganze AfD-Fraktion aufgelöst

Schockt uns das?

Schockt uns das noch? Ja, eigentlich sollte es das.

Tut es dies wirklich noch? Nein, wir gewöhnen uns scheinbar daran, sind genervt oder halt schon gleichgĂŒltig.

Ignoranz statt Affentanz

Ich bin kein Freund der Stöckchentheorie – dass wir also alle Steilvorlagen der AfD fĂ€lschlicherweise mitnehmen, anstatt sie zu ignorieren. Freunde sagen, ich soll einfach mal abschalten, meine Scheuklappen aufsetzen. So wie es ihren WĂ€hlern scheinbar egal ist, was sie noch alles verbocken (solange sie nur rechtsaußen und anti-bĂŒrgerlich sind), einfach mal die Klappe halten.

Nein, das kann ich im Normalfall nicht, aber in diesem Fall sehe ich die Probleme eher woanders.

Die IdentitĂ€ren marschieren als III. Weg durchs Vogtland, uniformiert und völkisch, die Polizei lĂ€sst sie gewĂ€hren. Warum soll ich mich da ĂŒber jemanden aufregen, der auf diesem Niveau provoziert?

Kontrollverlust

Ich bin soweit zu sagen, dass sich die AfD 2019 so sehr demaskiert hat, dass es mir egal ist, wie sie sich optisch geben. Wir wissen halt, dass hinter der Dackelkrawatte verbitterte Menschen stecken, die gefĂ€hrliche Hetzreden schwingen. Ob sie das jetzt uniformiert tun, als Clown, in Jogginghose oder im AdamskostĂŒm, das spielt eigentlich keine Rolle mehr, denn die erforderliche Kontrolle ĂŒber ihr Leben haben sie lĂ€ngst verloren. Und genau dies macht sie gefĂ€hrlich, nicht ihre Optik – die inneren Werte zĂ€hlen.

Artikelbild: Michael Erich Pilarczyk, Roland Sauer / twitter.com

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Diese wichtige Lehre aus dem Höcke-Interview wird derzeit wenig beachtet

so wurde höckes sprache entlarvt

Man spĂŒrt förmlich sein Unbehagen, wenn B. Höcke das Einspielvideo zu seinem Interview fĂŒr das ZDF-Magazin „Berlin direkt“ anschaut. Redakteur David Gebhard hatte die Idee, AfD-Parteifreunden Zitate aus Höckes Buch „Nie zweimal in denselben Fluss“ vorzutragen. Die Freunde sollten entscheiden, ob die Zitate nun von Höcke oder aus Hitlers „Mein Kampf“ stammen. Sie konnten die Frage nicht beantworten.

Und das mal vorab: Der eigentliche Skandal liegt nicht darin, dass Höcke ein Interview abgebrochen hat. Der eigentliche Skandal ist, dass die Sprache des AfD-Spitzenpolitikers und ThĂŒringer AfD-Landesvorsitzenden B. Höcke nicht von der Sprache Adolf Hitlers zu unterscheiden ist! Hier geht’s zum entsprechenden Interview.



AfD-Mitglieder können Höcke-Zitate nicht von Hitler-Zitaten unterscheiden

Die Reaktionen von Höcke zeigen, dass er ganz genau um die Situation weiß, in der er sich vor der laufenden Kamera befindet, und auch, wenn er nun verschiedene Begriffe wie „entartet“ und „Volksverderber“ verteidigt („Lebensraum“ komme in der Biologie sehr hĂ€ufig vor!), so bleibt hĂ€ngen, dass seine Kollegen nicht nur NS- und Höcke-Sprache nicht auseinanderhalten können. Es wird ganz nebenbei auch deutlich, dass sie sein Buch nicht einmal kennen. Aber bereits im Oktober 2018 wurden einige Zitate hier bewertet.

Höckes Pressesprecher, der ehemalige Welt-Journalist GĂŒnther Lachmann, erkennt die Situation hingegen und schreitet ein, und ganz plötzlich ist auch Höcke emotionalisiert, wie er erklĂ€rt. Er war wohl vorher in einer anstrengenden Verhandlung. Ganz der Profi, hat er wohl schon die rĂŒhrige Opferrolle vor Augen, die er nun ausspielen kann. Seine AnhĂ€nger werden ihm folgen.

Und na klar, sie folgen ihm, wie die Screenshots der Recherchegruppe #DieInsider belegen.

Viele Berichte zu diesem abgebrochenen Interview handeln nicht von der Sprache Höckes oder davon, wie er sich im Grunde in wenigen Minuten so schutzlos und authentisch wie nur möglich zeigt.

Die Hilflosigkeit Höckes bei der Konfrontation

Erst als Lachmann eingreift, berappelt er sich, spielt die emotionale Karte und geht, nachdem der Vorschlag seines Pressesprechers, das Interview noch mal von vorne zu beginnen, abgelehnt wird, zum Angriff ĂŒber. Auch das werden seine Follower gerne sehen. Er droht mit „massiven Konsequenzen“, will dann aber nur gemeint haben, mit diesem Redakteur keine weiteren Interviews zu fĂŒhren:

„Passen Sie auf. Wir beenden das Interview, nur, dann ist klar … Wir wissen nicht, was kommt.  … Dann ist klar, dass es mit mir kein Interview mehr fĂŒr Sie geben wird.“

„Ist das ne Drohung?“

„Nein, das ist nur ’ne Aussage, weil auch ich nur ein Mensch bin.“

Das wirkt wie das Versetzen einer Grenze, um dann gleichzeitig zurĂŒckzurudern. Die Grenze ist aber neu gesetzt. Alte Taktik oder unbedachter GrĂ¶ĂŸenwahn? Als der Redakteur erneut fragt, wie denn die „Konsequenzen“ aussehen könnten, meinte Höcke nur: „Vielleicht werde ich mal ’ne interessante persönliche, politische Person in diesem Land. Könnte doch sein.“ Und schließlich: „Dann wĂŒnsche ich Ihnen noch viel Erfolg in Ihrer Karriere.“ Ich bin sicher, Höcke hat das bewusst als subtile Drohung gemeint.

Dass B. Höcke ein anderes DemokratieverstĂ€ndnis hat, ist nicht neu. Neu hingegen ist die Hilflosigkeit, wenn man ihn auf den Punkt genau konfrontiert. Sobald er sich allerdings gesammelt (und Hilfe bekommen) hat, ist er wieder in der Spur. Er bemĂ€ngelt die „Nazi-Keule“, will falsch verstanden worden sein, ist emotional angefasst, weil er „auch nur ein Mensch“ ist.

Höckes Sprache ist die Sprache des Nationalsozialismus

Was aber untergeht: Seine Sprache ist NS-Sprache. Experimentell bestĂ€tigt, wenn man so will. Seine Sprache betont die Ungleichheit von Menschen. Seine Sprache grenzt nicht nur aus, sondern fordert Konsequenzen ein. Notwehr. Um dem „Volkstod“ entgegenzuwirken.

Die ganze Aufregung um ein abgebrochenes Interview ist eigentlich unnötig. Es ist nicht das erste Interview, das abgebrochen wurde, und es wird nicht das letzte sein.

Was aber viel mehr Aufregung verdient hĂ€tte: Höcke selbst beschreibt sowohl in seinem Buch, als auch in seinen Reden ganz genau, was er vorhat, sollte er mal Macht bekommen. Im Interview deutet er es an. Es kann also in Zukunft wirklich niemand ĂŒberrascht sein und nichts davon gewusst haben.

Zum THema:

21 Aussagen, die zeigen, wie rechtsradikal die AfD wirklich ist

Artikelbild: Screenshot zdf.de

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Wir haben uns CSYOU Teil 2 angeschaut, damit ihr es nicht tun mĂŒsst

Armin und „CSYOU“ – KLappe die Zweite

Das erste Video vom Format „CSYOU“ ist gut zwei Wochen alt. Die Reaktionen darauf waren enorm: „Übertrieben“, „Unpassend“, „LĂ€cherlich“ – das waren wohl noch die gewĂ€hltesten Kritiken am Video. Bringen wir es auf den Punkt: Die CSU hat sich blamiert wie lange nicht mehr. GĂ€be es Andreas Scheuer und seine Skandalmaut nicht, „Armin“ und sein Video wĂ€ren wohl die grĂ¶ĂŸte Blamage der jĂŒngeren CSU-Geschichte geworden. Mehr zum Video hier:

Billig, niveaulos und unreflektiert: Die Zerstörung der CSYOU

Seit diesem Wochenende ist der zweite Teil raus. Und, diese Aussage verfasse ich, bevor ich das Video gesehen habe: Immerhin hat die CSU den Mut, weiterzumachen. Ich weiß nicht, ob ich nach dem Gegenorkan, der auf den völlig misslungenen ersten Teil folgte, das Ganze nicht einfach abgebrochen hĂ€tte. Aber gut, nun zu CSYOU Teil 2.



Kann die CSU doch lernen?

Den Einstieg liefert Michael Kuffer, CSU-Abgeordneter im Bundestag. Er sieht zugegebenermaßen etwas Ă€lter aus, als seine 47 Jahre vermuten lassen. Auch bin ich kein großer Fan von Ă€lteren MĂ€nnern mit bayrischem Dialekt, die mir auf YouTube Politik erklĂ€ren (Ja, ich merke selbst, dass Kuffer der einzige ist, der in diese Kategorie fĂ€llt). Dennoch wirkt er sympathisch, man befĂŒrchtet sogar, die CSU könnte Selbstkritik ĂŒben. Auch die Schnitte sind entspannter, wenn auch nach wie vor Rudeltiere. Das Akkordeon im Hintergrund ist fast schon sympathisch.

Warum genau in die Beteuerung „Das muss ma ruhig mochn, sachlich“ dann aber Szenen geschnitten werden, in denen der Politiker alles andere als ruhig und sachlich ist, zerstört diesen Eindruck sofort. Soll das Selbstironie sein? Es klingt eher so, als wolle man sich ĂŒber die Kritiker lustig machen. Man hat das GefĂŒhl, die CSU versuche verzweifelt, witzig zu sein und eine Aussage zu verbreiten. Nur was diese Aussage genau sein soll, erschließt sich nicht.

Inhaltlich geht es erst einmal um Migration. Ein kleiner Spaß („Uns konn ma natĂŒrlich net Oangst mache“) wirkt genauso fehl am Platze wie der Moderator der Show. Immerhin die Tatsache, dass man, im Gegensatz zum ersten Teil, das Video lĂ€nger als 60 Sekunden schauen kann ohne wegen der Effekte Kopfschmerzen zu bekommen, spricht fĂŒr die CSU. Und auch die Thematik wird souverĂ€ner und mit mehr Fakten und weniger Polemik behandelt als der erste Teil.

Und dann kommt Armin

Armin Petschner, „Fail-Armin“ oder wie er noch so genannt wurde. Der misslungene Gegenentwurf zu Rezo, mit seiner gezwungenen Optik und teils ĂŒberdrehter Stimme. Immerhin: Die Effekte sind nicht mehr verstörend, nur noch nervig. Und er ĂŒberrascht:

Die CSU ist nĂ€mlich offenbar DIE Klimaschutzpartei – aber mit „Innovationen statt Verboten“ und „Anreizen statt Belastungen“. Und dazu prĂ€sentiert er uns DEN Masterplan: Die CSU möchte BĂ€ume pflanzen, beim Ersetzen von Ölheizungen helfen, ElektromobilitĂ€t stĂ€rker fördern. Als ich mich gerade frage, ob die CSU wirklich nicht merkt, dass sie buchstĂ€blich die letzte seriöse Partei ist, die das erkannt hat und ob sie wirklich glauben, dass diese „genialen Neuerungen“ als ihre eigenen Ideen durchgehen, deckt Armin einen weiteren Skandal auf:

„9 Euro fĂŒr einen Flug von Berlin nach Prag – das ist kein fairer Preis!“

Was fĂŒr eine Erkenntnis. Vielleicht sollte man das Format umbenennen in „CSU investigativ“.

Aber ganz ehrlich: SpĂ€testens bei diesem Punkt dĂŒrfte jedem klar sein, dass die CSU einfach nur billig die Positionen der GrĂŒnen geklaut hat. Das Video ist kein Schrittmacher – es ist ein Ruf der Verzweiflung. Die CSU entdeckt das Einmaleins, wĂ€hrend andere Parteien lĂ€ngst Infinitesimalrechnung betreiben.

Und sogar eine AfD-Position wird eingestreut: Man wolle „mehr Geld in den internationalen Klimaschutz“ stecken. Klingt erstmal gut, dahinter versteckt sich aber das Narrativ „Wir tun ja schon viel, wir mĂŒssen jetzt auf die anderen LĂ€nder zeigen, die noch weniger machen als wir!“. Traurig.

Mein Highlight:

„Und wenn unsere Maßnahmen […] eine breite Bewegung fĂŒr den Klimaschutz schaffen, dann satteln wir noch einen Emissionshandel obendrauf“. Der Kollege, dessen YouTube-Karriere mit einem völlig verlorenen Angriff auf Greta Thunberg begann, trĂ€umt wohl davon, dass die Jugend auf die Straße geht… um gegen den Klimawandel mobil zu machen… die jeden Freitag demonstrierend durch die StĂ€dte zieht und so weiter.

Die anderen wollen, laut Armin, „mit einer CO2-Steuer [seltsam-enttĂ€uschtes, unpassendes Stöhnen] erstmal Benzin verteuern und dann schauen, was passiert.“ Das ist eine polemisch-billige Vereinfachung. Tatsache ist, dass seit Monaten ĂŒber die CO2-Steuer debattiert, diskutiert und beraten wird. Damit alle möglichen Effekte vorher ĂŒberdacht werden können und auch der Verbraucher nicht zu kurz kommt. Bei Armin klingt es aber nach einer fixen Idee, die mal spontan durchgezogen wird, ohne dass die Konsequenzen bedacht wĂŒrden. Damit mĂŒsste sich doch aber die CSU um Andi „AuslĂ€ndermaut“ Scheuer ganz gut auskennen?!

Das „CSU-Klimakonzept“ wird jedenfalls nicht mehr innovativer. Auch nicht, wenn Armin es als „smarter, fairer und besser“ verkaufen will.

„Schwarze Null“-Armin

Armin meint weiterhin, dass 360 Milliarden Euro im Haushalt ja eine ganze Menge Geld seien. Nur die bösen „Linken, GrĂŒnen und Teile der SPD“ wollen sich noch mehr verschulden. Dazu ein Video, in dem Alexander Dobrindt (CSU) die krumme These aufstellt, grĂŒne Politik sei nur ein Deckmantel um „Den Haushalt in die roten Zahlen zu treiben“. Die CSU möchte das natĂŒrlich nicht. Stattdessen will man „beste Startbedingungen fĂŒr die junge Generation, ohne Altlasten.“

Fun Fact: Die Jugend sitzt in verfallenden Schulen, wartet nachmittags 2 Stunden auf den Bus und kann in der Zeit noch nicht mal das Video von „CSYOU“ schauen. Die Netzabdeckung ist schlicht zu schlecht. Die Jugendlichen haben keine Angst vor Schulden oder „Altlasten“. Die Jugendlichen wollen sehen, dass sich die Politik um sie kĂŒmmert, dass Mut zu Investitionen da ist, dass die Infrastruktur auf dem Land in allen Bereichen verbessert wird. Genau da liegt nĂ€mlich das Problem.

Fazit

Die CSU versteht es einfach nicht. Ja, es waren zu viele Effekte und hektische Schnitte. Ja, das Problem habt ihr reduziert. Aber: Den Inhalt macht das keinen Deut besser.

Kaum ein Jugendlicher wird langfristig eine Partei wĂ€hlen, die sagt „Ihr habt Lehrermangel, kaputte Schulen und kein Internet? Wir haben die schwarze Null! Kommt zu uns!“.

Abgesehen davon, dass Armin ein Fail und „CSYOU“ bestenfalls ein Rohrkrepierer ist: Eure Inhalte sind und bleiben schlecht. Auch in grĂŒner Verkleidung wird das nicht besser. Schade.

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Grönemeyer: So irre reagieren Rechte – Das ist der Grund

Wenn rechte trolle im bundestag hetzen

Hat Herbert Grönemeyer irgendetwas Kontroverses gesagt? Hat er irgendetwas Neues gesagt, was wir nicht ĂŒber ihn wussten? Nein. Schon vor 26 Jahren hat er den Song „Die HĂ€rte“ veröffentlicht, der sich gegen Nazis richtete. Eigentlich regelmĂ€ĂŸig spricht er sich gegen Hass und Hetze aus. Auch auf seinen Konzerten. Auch bei seinem Konzert in Wien am Donnerstag war alles wie immer.

Was sagte er konkret? „Ich kannte das nur vom Hörensagen, in Zeiten zu leben, die so zerbrechlich, so brĂŒchig und so dĂŒnnes Eis sind“, rief er. „Und ich glaube, es muss uns klar sein, auch wenn Politiker schwĂ€cheln – das ist, glaube ich, in Österreich nicht anders als in Deutschland – dann liegt es an uns.“ Und nach einer Unterbrechung durch Applaus:

„Dann liegt es an uns zu diktieren, wie ne Gesellschaft auszusehen hat. Und wer versucht, so eine Situation der Unsicherheit zu nutzen, wer rechtes Geschwafel fĂŒr Ausgrenzung (sic!), Rassismus und Hetze, der ist fehl am Platze! Diese Gesellschaft ist offen und humanistisch.“ Er beendet: „Keinen Millimeter nach rechts! Keinen einzigen Millimeter nach rechts! Und das ist so. Und das bleibt so.“



Und wo ist der Skandal?

Die rechtsextremen Trolle – und dazu zĂ€hlen inzwischen leider auch Bundestagsabgeordnete (von der AfD) – machen aus diesem harmlosen, gar selbstverstĂ€ndlichen Statement einen Skandal. Sie stoßen sich an dem Wort „diktieren“. Völlig irre wird ein Vergleich mit dem Nationalsozialismus gemacht – obwohl er sich explizit fĂŒr eine offene, humanistische Gesellschaft einsetzt. Und in den rechten Gruppen wird Grönemeyer völlig ĂŒberzogene Dinge in den Mund gelegt, wie die Recherchegruppe DieInsider zeigt:

Auch AfD-Bundestagsabgeordnete entblöden sich nicht, einen Aufruf, eine offene und pluralistische Gesellschaft gegen ihre Feinde zu verteidigen, in einen Aufruf zu einer „Diktatur“ zu verdrehen. Götz Frömming bringt sogar einen Vergleich mit dem „Sportpalast“. Beatrix von Storch spricht gar von „furchterregendste,ĂŒbelste,totalitĂ€rste Hassrede“ [sic]. Tiefer stapelt die Rechtsextremistin wohl nicht.

Wenn man es nicht besser wĂŒsste, mĂŒsste man glauben, die rechten Trolle – auch die im Bundestag – hĂ€tten völlig den Verstand verloren. Herbert Grönemeyer sich gegen Ausgrenzung, Rassismus und Hetze ausgesprochen. FĂŒr eine offene, humanistische Gesellschaft. Das buchstĂ€bliche Gegenteil einer Diktatur. Wer Freiheit „diktiert“, fordert keine Diktatur. Doch die AfD und ihre rechtsextremen Trolle sind nicht dumm. Sie wissen genau, was sie mit dieser Rhetorik tun.

Warum die AfD so einen offensichtlichen Blödsinn redet

Warum stellen es die Rechtsextremen so dar, als hĂ€tte Grönemeyer genau das Gegenteil dessen gesagt, was er gesagt hat? Es ist ganz einfach: Es ist typisch rechtsextreme Verwirrtaktik. Wenn genau jene Hetzer wie von Storch und die Trolle in den rechtsextremen Gruppen tĂ€glich eben genau jene „furchterregendste,ĂŒbelste,totalitĂ€rste Hassrede“ [sic] betreiben und absolut zu Recht diese Kritik erhalten, drehen sie den Spieß einfach um. Wenn sie genug Leute ĂŒberzeugen können, dass die Verteidiger der Demokratie genau wie sie selbst Feinde der Demokratie sind, haben die Feinde schon gewonnen.

Selbsttest: 6 Anzeichen, dass du zur ANTIFA gehörst

Sie tun einfach so, als wĂŒrden ihre Kritiker, als wĂŒrden die Demokraten genau die gleichen hasserfĂŒllten und verlogenen Taktiken und Worte verwenden. Es ist Verwirrung fĂŒr Menschen, die das Spiel nicht durchschauen. Wer ĂŒberzeugt werden kann, dass der Kampf gegen Rechtsextremismus genau so schlimm wie Rechtsextremismus ist, der ist schon einmal als Hindernis bei der Machtergreifung ausgeschaltet. Und fĂŒr die eigene rechtsextreme Filterblase ist es die Entschuldigung, genau so weiter zu hetzen wie bisher.

„Keinen Millimeter nach rechts!“

Beatrix von Storch und ihre rechtsextreme Partei – die wirklich bereits teilweise vom Verfassungsschutz beobachtet wird – stellt die Tatsachen völlig falsch dar und ĂŒbertreibt völlig. Dieser Irrsinn ist nicht ernst zu nehmen. Es ist reine Verwirrtaktik. Und sie zeigt deutlich, wie unmenschlich, hasserfĂŒllt und verlogen die AfD und ihre Hetzer in den Kommentarspalten vorgehen. Wie sehr sie sich die RealitĂ€t zurechtlĂŒgen. Und wie sehr alle Demokraten die klare Kante zu dieser Partei aufrecht erhalten mĂŒssen. Deshalb hat Grönemeyer recht: „Diese Gesellschaft ist offen und humanistisch.“ […] Keinen Millimeter nach rechts! Und das ist so.“

Artikelbild: Screenshot twitter.com / Screenshot DieInsider

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Nein, diese Komikerin hat nicht gefordert, Chemnitz mit Napalm zu bewerfen

Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen gutem und schlechtem Humor?

Vermutlich entscheidet das jede*r fĂŒr sich selbst.

Maria Clara Groppler hat sich bei NightWash vom 3. Juni fĂŒr einen Witz entschieden, den ich hier nur kurz zusammenfassen möchte: Avocados werden braun, wenn man sie zu lange liegen lĂ€sst. Zitrone drĂŒber trĂ€ufeln, dann wird das wieder. Die Sachsen wurden auch zu lange liegengelassen. Deswegen sind sie braun geworden. Löschflugzeuge ĂŒber Chemnitz, Zitronensaft abkippen. Fertig. „Wenn das nichts hilft, dann Napalm. Punkt.“ (Quelle)

Ich finde, es hÀtte gereicht, wenn sie nach dem Zitronensaft aufgehört hÀtte. Das wÀre aber nicht provokant genug gewesen. Und lustig auch nicht. Also, Napalm hinterher. Ich finde es immernoch nicht witzig. Wo ist der Kniff? Wo die Ironie? Wo der satirische Kontext? Warum also sollte das witzig sein?

Ich erkenne ihn nicht, den Witz.



Kein gewaltaufruf

Was ich aber auch wirklich nicht erkenne: Eine Forderung, dass Chemnitz mit Napalm beschossen werden soll.

Wenn ĂŒberhaupt ist es ein wirklich (aus meiner Sicht) schlechter Scherz. Die Reaktionen im Publikum waren auch ĂŒberschaubar. Es wird aber niemand auf die Idee kommen, nun Napalm zu kaufen, ein Flugzeug zu mieten und ĂŒber Chemnitz zu fliegen. Das geben sowohl der Kontext dieser Veranstaltung („Nightwatch“) als auch des Vortrages nun ĂŒberhaupt nicht her.

Verschiedene rechte Medien, Blogs und YouTuber sehen das aber anders. So schreibt Alexander Wendt in Tichys Einblick: „Um es zu wiederholen: die Bombardierungs- und VerbrennungswĂŒnsche stammen nicht aus Privatecken des Internet, sondern aus gebĂŒhrenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sendern.“

Bombardierungs- und VerbrennungswĂŒnsche! Er schreibt wirklich WĂŒnsche! Das finde ich weit hergeholt, aber er kann das natĂŒrlich so wahrnehmen.

Zweites Beispiel: Tim Kellner, aka: Tim K.

Der ehemalige Polizist und vorbestrafte, rechte Biker (Quelle) mit hoher YouTube-Reichweite hat Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Kann er natĂŒrlich machen.

Was er aber auch macht: „Deine Worte werden niemals vergessen werden! Versprochen!“ schreibt er auf ihrer Facebook-Seite unter ihrem jĂŒngsten Post.

Und auf seiner privaten Seite schreibt er weiter: „Wer sich darĂŒber lustig macht, dass ĂŒber 250.000 MĂ€nner, Frauen, Kinder und Tiere elendig verbrennen sollen, der ist keine „Komikerin“ [sic!], sondern eine Person ohne Moral, Charakter und einem widerwĂ€rtigem und abstoßenden Wesen!“

Frage an Herrn K.: Wenn Sie jemandem versprechen, dass Worte nicht vergessen werden, was folgt daraus? Aus welchem Grund und mit welcher Motivation und welchem Ziel vergisst man denn Worte nicht? Eine Drohung?

Weiter: „ Du wirst nicht Hundertausenden meiner Landsleute folgenlos einen qualvollen Tod wĂŒnschen. Das verspreche ich Dir!“ [sic] Er möchte sich persönlich um sie kĂŒmmern. Immerhin rechtsstaatlich.

Steinbach, Junge und LĂŒbcke

Seine Sprache Ă€hnelt der von E. Steinbach, U. Junge und anderen, die Walter LĂŒbcke zur Rechenschaft ziehen wollten. LĂŒbcke ist nun tot. Er wurde erschossen. Mutmaßlich wegen seiner Äußerungen.

Grausam: So widerlich feiern Rechtsextreme den Mord an LĂŒbcke

Tim K. lĂ€sst den Kontext der Veranstaltung außen vor. Er macht das, um zu skandalisieren und relativiert damit seine eigene verbale Gewalt. Das macht er im Übrigen auch in seinen anderen Videos, wenn er von „Invasionen“ redet oder davon, dass Angela Merkel krank ist. Das wiederum begrĂŒndet er mit ihren politischen Entscheidungen.

Die rechten hassgruppen: Hier sind die VergewaltigungswĂŒnsche ernst gemeint

Seine Videos und seine Sprache stacheln die Kommentatoren in vielen AfD-nahen Gruppen an. Dort wird absichtlich weggelassen, dass es ein (schlechter) Scherz war. Und ihr werden Worte in den Mund gelegt, so dass es nach einer ernst gemeinten Aufforderung klingt. Sie wird auch von einer Komikerin zur „bunten“ „Linksfaschistin“.

Quelle: DieInsider, im rechten Bild (abgeschnitten) wird sie auch falscherweise „Glopper“ genannt, im linken Bild ist nicht Groppler, sondern ein Pornostar abgebildet

Der Kontext dort ist aber im Gegensatz zu „Nightwash“ ein anderer: Sie meinen es dort ernst. Sie wĂŒnschen Maria Clara Groppler eine Vergewaltigung oder ihr und ihren Eltern eine Haftstrafe.

Was Maria Clara Groppler geschafft hat: Dass sich diese Accounts dort weiter demaskieren. Angestachelt von Menschen wie Tim K., der keinerlei Probleme damit zu haben scheint. Denn ein Video, in dem er zur MĂ€ĂŸigung aufruft, habe ich nicht gefunden. Oder wie er selbst unter seinem Facebook-Post zu Groppler schreibt: „Niemand gibt sowas folgenlos von sich!!!“ 2.200 Likes.

Artikelbild: Screenshot youtube.com

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Sorry SPD: Nicht nur die CDU kuschelt mit Neonazis

Lieber Genosse Lars Klingbeil,

dass die CDU nun schleichend beginnt, mit der AfD gemeinsame Sache zu machen, schockiert mich und ist eine Gefahr fĂŒr unsere Demokratie. Das sehen wir beide durchaus Ă€hnlich (Quelle).

Aber gerade Du solltest an dieser Stelle mal ganz kleine Brötchen backen. Im Folgenden einige VorfÀlle der letzten zwei Wochen (!):



3 FĂ€lle von SPDlern, die Nazis hofieren

1. In Wurzen kommt der SPD-OberbĂŒrgermeister Jörg Röglin aus seinem Rathaus heraus gelaufen, um den stadtbekannten gewaltbereiten Neonazi Benjamin Brinsa freundlichst zu herzen und anschließend in das Rathaus zu bitten:

2. In Hanau verleiht der SPD-OberbĂŒrgermeister Claus Kaminsky ohne Not einen Ehrenbrief an den Neonazi Bert-RĂŒdiger Förster. Der sitzt fĂŒr DIE REPUBLIKANER in einer Fraktion mit der NPD im Kreistag. Quelle.

3. In Altenstadt wĂ€hlt der SPD-Ortsbeirat Ali Riza Agdas den Neonazi Stefan Jagsch zum Ortsvorsteher (Jagsch wird wohl als berĂŒhmtester Email-Versender in die Geschichte des Internets eingehen). Quelle.

SPd soll ihre hausaufgaben machen

Die Polemik gegen die CDU, die ich im Übrigen durchaus teile, ist billig und perfide, wenn sie von jemandem kommt, der seinen eigenen Laden nicht im Griff hat.

Sorg bitte dafĂŒr, dass die SPD ihre Hausaufgaben macht, anstatt Dich auf das Niveau des politischen Gegners herab zu lassen.

Herzliche GrĂŒĂŸe,
Dein Stephan

Artikelbild: Screenshot twitter.com

 

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Kein Fake: AfD fragt implizit, warum keine Straße nach Nazi Horst Wessel benannt werden könne

Die unglaublichste AfD-Anfrage

Es ist kaum zu glauben: Mit der Anfrage „Horst Wessel und Silvio Meier“ an den Senat von Berlin zeigt die AfD, wie unverschĂ€mt rechtsextrem sie ist. Der AfD-Abgeordnete Franz Kerker wollte von Berlin wirklich wissen, wieso die Silvio-Meier-Straße in Berlin nach einem Friedensaktivisten benannt wurde, der von Neonazis ermordet wurde. Doch es kommt noch schlimmer: Sie fragt implizit auch, warum man dann die Straße nicht genauso gut nach dem NSDAP-Mitglied und SA-SturmfĂŒhrer Horst Wessel benennen könnte!

Auf die Fragen, die nur so vor Relativierung der Nazis und Verharmlosung von Gewalt triefen, hat der Senat deutliche Antworten. ZunĂ€chst einmal tut die AfD so, als sei der DDR-Menschenrechtsaktivist Silvio Meier, der 1992 von Neonazis ermordet wurde, auch nur annĂ€hernd vergleichbar mit dem SturmfĂŒhrer der SA, der paramilitĂ€rischen Kampforganisation der NSDAP, Horst Wessel. Das Singen des NS-Propagandaliedes, das nach ihm benannt ist, ist in Deutschland strafbar.



Die Antworten des senats

ZunĂ€chst weist der Senat Berlin die Unterstellung zurĂŒck, dass Silvio Meier – im Gegensatz zu einem waschechten Nazi – „kein geistig-politischer Wegbereiter und Verfechter der nationalsozialistischen Ideologie und Gewaltherrschaft“ und „auch kein Verfechter stalinistischer Gewaltherrschaft oder kommunistischer Unrechtsregime“ war. Auch die Unterstellung der AfD, dass Silvio Meier selbst Schuld (!) sei, dass er von Neonazis ermordet wurde, weist der Senat deutlich zurĂŒck:

„Er hĂ€lt die in der Frage enthaltende Unterstellung, dass die Tötung von Silvio Meier von diesem selbst und damit vom Opfer provoziert sei, fĂŒr eine Verharmlosung eines brutalen Gewaltaktes, die sogar als dessen Legitimierung verstanden werden könnte.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg nimmt wie folgt Stellung: „Silvio Meier war ein Mensch, der mutig fĂŒr Freiheit und Demokratie eintrat. Er war in der Friedens- und Menschenrechtsbewegung der DDR aktiv sowie engagiert gegen Rechtsextremismus. Am 21. November 1992 wurde im U-Bahnhof Samariterstraße in Friedrichshain der damals 27-jĂ€hrige Silvio Meier von Neonazis erstochen.“

Das hat die AfD nicht wörtlich so geschrieben?

Die AfD hat nicht direkt nach der Benennung einer Straße nach Horst Wessel gefragt. Doch durch die von ihr erfolgte, direkte GegenĂŒberstellung und Gleichsetzung von Wessel mit Meier und die anschließende Frage, weshalb nach letzterem eine Straße benannt werden dĂŒrfe, enthĂ€lt die implizite Frage, warum Wessel keine Ehrung erhĂ€lt und Meier schon. Das fehlen dieser konkreten Ausformulierung ist allerdings keine Unterstellung innerhalb unserer Berichterstattung, sondern einzig logische Implikation der AfD-Anfrage.

Wenn die AfD nicht unterstellen wollte, man könne genau so gut Straßen nach Horst Wessel benennen, bleibt die Frage, warum sie sonst den absolut falschen Vergleich zwischen Wessel und Meier anstellt und ihre Anfrage buchstĂ€blich „Horst Wessel und Silvio Meier“ genannt hat. Durch ihre Anfrage hat es die AfD so dargestellt, als sei eine Ehrung des Nazis Wessel genauso möglich. Es ist typisch fĂŒr die rechtsextreme Szene, derartige Aussagen alleinig durch den Subtext zu kodieren.

Dadurch kann man sich in die Ausrede flĂŒchten, dies nicht genau so gesagt zu haben, wĂ€hrend jedem klar ist, dass dies genau so gemeint war. Ähnliche Kodierungen finden sich in Codes wie „18“, die jeweils fĂŒr die Buchstaben „A“ und „H“ stehen, also fĂŒr die Initialen Adolf Hitlers. Es gibt jedoch keinen anderen Grund fĂŒr die GegenĂŒberstellung durch die AfD als um diese Implikation zu kommunizieren.

Silvio-Meier-Preis

Auch dem diesjĂ€hrigen PreistrĂ€ger des „Silvio-Meier-Preises“ wird von der AfD unterstellt, gewalttĂ€tig gewesen zu sein („politische Militanz“, die „gerechtfertigt ist, wenn sie von der „richtigen“ Seite kommt“) – was eine bodenlose Frechheit ist, wie auch die Antwort des Senats zeigt:

„Der Silvio-Meier-Preis 2019 wurde unter anderem an Wahab Camara vergeben, der mutiges und entschlossenes Handeln zeigte, als er am 27.10.2018 bei einem Messerangriff auf einen jungen Mann am Görlitzer Park einschritt und dabei selbst zum Opfer wurde. Durch seine selbstlose Tat konnte Wahab Camara Schlimmeres verhindern. Im Moment seines Handelns stellte er das Leben des Opfers ĂŒber seine eigene Person.

Die Konsequenz, eine lebensgefĂ€hrliche Verletzung, nahm er dabei selbstlos in Kauf. “Der Senat ist im Übrigen der Auffassung, dass angesichts erstarkendem Rechtsextremismus, wachsendem Rassismus und diskriminierender Äußerungen im gesellschaftlichen, aber zunehmend auch im politischen und parlamentarischen Raum, das engagierte und gewaltfreie Eintreten fĂŒr Freiheit, Demokratie und Antidiskriminierung gefördert werden sollte. Hierzu trĂ€gt auch der Silvio-Meier-Preis bei.“

Ja richtig, jemand, der einem Opfer einer Gewalttat zu Hilfe kommt, soll eine „Unterhöhlung des
staatlichen Gewaltmonopols“ begehen. Das kommt von der gleichen Partei, die dem von einem Neonazi ermordeten CDU-Politiker LĂŒbcke nicht einmal das Aufstehen wĂ€hrend einer Schweigeminute gönnen wollte:

Bei Schweigeminute sitzen geblieben: So sehr verachtet die AfD den ermordeten LĂŒbcke

Die AfD verharmlost Nazis und verachtet demokraten

„Wieso darf man Das Kapital lesen, aber Mein Kampf nicht?“ „Oder wieso darf ich kein Hitler-Shirt tragen, aber Guevara-Shirts schon?“ „Wieso ist das Leugnen des Holocaust verboten, aber die Linken mĂŒssen sich nicht von Stalin distanzieren?“ Welche Frage und Relativierung kommt von der AfD als nĂ€chstes? Dass sie einen waschechten Nazi-SchlĂ€ger mit einem ermordeten Aktivisten vergleicht, ist Verharmlosung der Nazi-Verbrechen.

Dass sie eine selbstlose Tat, ein Einschreiten bei einem Messerangriff als „politische Militanz“ bezeichnet, ist eine bodenlose Frechheit. Die AfD ist derart auf dem rechten Auge blind, dass sie im Bedeutungskontext Horst Wessel als Opfer stilisiert, wĂ€hrend sie Silvio Meier die Schuld fĂŒr seine Ermordung quasi selbst zuschiebt. Wenn es noch irgendeine Unklarheit darĂŒber gab, welche politische Gesinnung diese Partei hat, dĂŒrfte diese hiermit beantwortet sein. Das ist keine bĂŒrgerliche Partei.

Artikelbild: fizkes, shutterstock.com, Redaktioneller Hinweis: Der Absatz „Das hat die AfD nicht wörtlich so geschrieben?“ wurde aufgrund von MissverstĂ€ndnissen in unserer Darstellung ergĂ€nzt. Die Überschrift wurde angepasst.

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Dieses Video erklÀrt, warum die AfD stinkt

„DIE AFD STINKT!“

„Ja, Sie haben richtig gehört: die AfD stinkt. Sie stinkt nach abgestandenem Nationalismus, nach ekelerregender Fremdenfeindlichkeit, nach widerlichem Rassismus und nach abstoßendem Antisemitismus. Aber dennoch wurde die AfD von Hunderttausenden gewĂ€hlt, werden Sie sagen. Falsch.

Nicht „dennoch“, sondern „deswegen“ wurde diese Partei gewĂ€hlt. Diese diversen unertrĂ€glichen GerĂŒche bilden sozusagen den Markenkern einer Partei, die sich vor allem Hass und Ausgrenzung auf die Fahnen geschrieben hat.“

Der YouTube Channel des „JFDA/JĂŒdisches Forum“ veröffentlichte Anfang September folgendes Video:

Der Sprecher, Autor und Journalist Reinhard Borgmann, erklÀrt uns hier, warum er dieser expliziten Meinung ist und welchen Hintergrund dieser, durchaus offensive, Ausspruch hat.

Nehmen wir allein seine These, dass die AfD von den wenigsten ihrer WĂ€hler als Protestpartei gesehen wird, stoßen wir schnell auf oft diskutierte Themen aus der Vergangenheit.

Sie ist einfach mittlerweile zu „etabliert“ und ihre Richtungen sind eindeutig im hetzerischen Bereich. Eine Alternative ist sie nicht, eher eine provokante Speerspitze der vermeintlich NOCH-BĂŒrgerlichen, die unter sich bleiben möchten.



WER DIE AFD WÄHLT, WEISS, WEM ER DA SEINE STIMME GIBT

So rechtsextrem sind die AfD-Spitzen in Sachsen, Brandenburg & ThĂŒringen

OPFER ODER TÄTER?

Diese Frage stellt das Video insbesondere zum Thema einer vermeintlichen OpfermentalitĂ€t, insbesondere der selbsternannten AbgehĂ€ngten der Gesellschaft und insbesondere im Osten der Republik. Ein Satz fĂ€llt mir besonders auf, das Zitat lĂ€sst sich zu Zvi Rex zurĂŒckverfolgen.

„Deutschland hat den Juden Ausschwitz nie verziehen.“ (Quelle)

OPFERROLLE

Schauen wir doch einmal in gÀngige Beschreibungen zur Opferrolle.

Wer stets andere beschuldigt und Ausreden parat hat, ist folgerichtig auch nie selbst verantwortlich fĂŒr seine missliche Lage. Und wer nicht selbst schuld ist, muss in der eigenen Wahrnehmung auch nichts zu einer Besserung beitragen, ein Handeln oder VerĂ€nderungen sind nicht nötig.

Bevor diese Personen aktiv werden, bleiben sie lieber in der bequemen, passiven Opferhaltung. Denn es ist wesentlich einfacher, zu jammern, Ausreden zu formulieren und in Selbstmitleid zu zerfließen, als aktiv zu werden und sich anzustrengen.

ABGEHÄNGT

NatĂŒrlich gibt es in Ost und West Erwartungshaltungen, geplatzte TrĂ€ume bei jung und alt, Gebiete, die mit grĂ¶ĂŸten sozialen Schwierigkeiten zu kĂ€mpfen haben und eine generelle Landflucht. Dennoch bleibt einem oft eine Wahl, wenn man flexibel ist. Man muss sich nicht abhĂ€ngen lassen, Antriebslosigkeit ist höchst problematisch, dies gilt hier dann leider ganz besonders.

Studie: AfD-WÀhler sind nicht abgehÀngt, sondern einfach nur rassistisch

FRANKENSTEIN IST UNTER UNS

Nachdem das „bĂŒrgerliche Lager“ nicht mĂŒde wird, eine Zusammenarbeit mit der AfD offiziell abzulehnen, gibt es diese Zusammenarbeit schon lĂ€ngst punktuell und inoffiziell in Frankenstein. Auch wenn im Westen die gesellschaftliche Unterwanderung vermeintlich noch nicht so weit fortgeschritten ist, scheinen diese ungeschriebenen Parteigesetze auch hier noch nicht bei allen Hinterwaldpolitikern angekommen zu sein.

In Frankenstein möchte eine Lokalpolitikerin der CDU nun auch außerhalb der eigenen vier WĂ€nde mit ihrem Gatten koalieren und duldet keine Einmischung oder Widerworte in ihrem Vorhaben. Ein Ausschlussverfahren der lokalen CDU ist bereits eingeleitet, ich kann mir leider schon vorstellen, was ihre „Alternative“ nach einem Ausschluss sein wird (Quelle).

Ja, es stinkt im Lande Sachsen, im Lande Brandenburg und auch anderswo in Deutschland.
Und das nicht nur bei der AfD, sondern auch bei deren WĂ€hlern.

Menschen, die anscheinend die Wende immer noch nicht verarbeitet haben (Was ja durchaus an der hohen Geschwindigkeit, der Heuschreckenthematik der 90er oder einer extremen Umstellung der Gesellschaftsform liegen mag), meinen jetzt, dass sie zusammen mit der AfD diesen Umstand im Rahmen einer „Vollendung der Wende 2.0“ quasi heilen können.

„Vollende die Wende“: Warum das Gerede von „Wende 2.0“ Blödsinn ist

RattenfÀnger der AfD

Weit gefehlt, die RattenfĂ€nger kommen (wie die Heuschrecken damals) ebenfalls aus dem Westen der Republik. Ich denke an Höcke, Meuthen, Gauland, Weidel – und Reisefreund Kalbitz.

Ihre Motive schreien förmlich nach Machtanspruch. DafĂŒr interessieren sie sich, fĂŒr nichts anderes. Menschenfreunde habe ich in der AfD noch keine getroffen.

Anscheinend haben viele aber nach dem Fall des „Antifaschistischen Schutzwalls“ aus Selbstschutz vor VerĂ€nderung ihre eigenen Mauern und Scheuklappen aufgebaut, die nur von DĂŒnnbrettbohrern wie den o.g. Wanderpredigern ansatzweise aufgeweicht werden können.

Ich werde es nie verstehen, wie man in höchst idyllischen Teilen des Landes – die Teile davon, die die Scheuklappen hinter sich gelassen haben, florieren ja – so verbittert sein kann kann.

Anstatt die Chancen zu nehmen, wo sie sich ergeben (Ja, eventuell muss man dafĂŒr mal sein Haus verlassen), baut man lieber Mauern und Ängste auf und schießt gegen alles, was neu, fremd oder unbekannt ist und an diesem Schutzwall auch nur in der Ferne vorbeispaziert.

SPAZIERGÄNGE

Selbst marschiert man dann im wunderbaren Dresden und verdirbt den offenen Charakter der Stadt im gleichen Maße, wie man der Wirtschaft und dem Tourismus dort schadet. Ich gebe Sigmar Gabriel ungern Recht, aber er lag in einer Sache nicht falsch. Die Definition von „Pack“ könnte andersartiger auf den verschiedenen Seiten nicht sein.

Video: So triggerte dieser Mann Pegida-AnhÀnger mit Greta Thunberg

Hier marschieren keine besorgten BĂŒrger. Hier marschieren die selbsternannten Outlaws, die gegen alles und jeden schreien und Vergewaltigungsfantasien gegen 16-jĂ€hrige MĂ€dchen hegen. Sie beschweren sich ĂŒber ein System, dessen Teil sie nicht sein wollen. Ändern wollen sie aber irgendwie nichts, sie wollen hetzen und pöbeln und die Frage ist fĂŒr mich einfach nur, was sie an den anderen Wochentagen machen, wenn Pegida nicht „spaziert“.

WERDET ERWACHSEN!

Werdet endlich erwachsen, auch wenn ihr manchmal schon optisch ergraut seid, werdet endlich vernĂŒnftig! Anpacken statt Einpacken! Nicht herumheulen und macht bitte, dass kein Autor dieser Welt irgendwann auf die Idee kommt, dass eine Region stinkt. Nein, es sind hier die Hetzer und ihre unertrĂ€gliche Meinungsmache gemeint, die sie mit allen Mitteln durchpushen – ohne RĂŒcksicht auf die wirklichen BĂŒrgerinteressen oder die Wahrheit. Und das ist es, was stinkt. Es ist der kaum noch verhĂŒllte Rassismus und Faschismus.

„Das wird man doch wohl noch sagen dĂŒrfen“, beendet Borgmann sein Video. Ja, denn wir haben Meinungsfreiheit in Deutschland. Und das ist auch gut so, auch wenn einige Hetzer sie leider nie verstehen werden – oder wollen. Hier kann man es bestĂ€tigen, es stinkt zum Himmel.

Gut gekontert: So cool erklĂ€rt Merkel einem AfD-Politiker Meinungsfreiheit – Video

Artikelbild: Screenshot youtube.com

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So rĂŒcksichtslos hetzen auch AfD-Politiker gegen Sawsan Chebli

Ich habe Sawsan Chebli zweimal getroffen.

Das erste mal kurz nachdem sie Opfer eines Shitstormes geworden war. Ich erklĂ€rte ihr im Roten Rathaus in Berlin, wie solche toxischen Kampagnen entstehen. Sie wirkte auf mich fahrig, auch aufgewĂŒhlt und ein wenig geschockt angesichts der Kommentare, die auf sie in der Masse und der „QualitĂ€t“ einprasselten. Ich konnte spĂŒren, wie sehr sie das alles mitnahm.

Sie erklĂ€rte mir, dass niemand ihren Facebook-Account moderiert oder pflegt, nur sie. Kurz darauf entschloss sie sich, den Account zu löschen. Die Hater hatten ihr Ziel erreicht. Eine Gegenstimme weniger. Zum 80. Jahrestag des Überfalls Nazi-Deutschlands auf Polen twitterte Sawsan Chebli folgendes:

Die Recherche-Gruppe #DieInsider hat einige Reaktionen aus Facebook-Gruppen, in denen sich AfD-AnhÀnger tummeln, dokumentiert.

Ihr wird wahlweise das Deutschsein abgesprochen, sie wird beleidigt und beschimpft. Wobei die zu lesenden Anstandslosigkeiten damit noch wohlwollend umschrieben sind. Die Accounts schaukeln sich regelrecht hoch. Ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn so eine Gruppe mal Chebli persönlich begegnet. Mittlerweile wĂŒrde ich meine Hand nicht dafĂŒr ins Feuer legen, dass sie sich entschuldigen und zurĂŒckrudern wĂŒrden. Im Gegenteil.



AfD-Politiker relativiert Holocaust und den Zweiten Weltkrieg

Eine Theorie wird auch hartnÀckig verbreitet: Polen hat den Angriff von Deutschland provoziert, ist selbst schuld daran. Spannend wird es hier:

Ein Herr Gert Teska behauptet, Sawsan Chebli sei „bildungsfern“. Er belegt das auch gleich mit einer interessanten BegrĂŒndung: „Polen wurde nicht ĂŒberfallen, es war auf den Angriff vorbereitet.“

Klasse, wie er sich innerhalb eines kurzen Satzes selbst widerlegt.

Mindestens genauso spannend, ist der zweite Punkt, den er anfĂŒhrt: „Welches das grösste Menschheitsverb rechen in der Geschichte war, kann nicht von Halbgebildeten entschieden werden.“[sic]

Bitte was? Relativiert er da den Holocaust, indem er sich auf die Bildung von Chebli bezieht? Und woher weiß er ĂŒberhaupt, wie gebildet sie ist?! Das ist recht gewagt. Mindestens.

Es hat ĂŒberdies rein gar nichts mit der Bildung eines Menschen zu tun, die Shoa, also die systematische und industrielle Tötung von 6 Mio. Menschen, als schrecklichstes Verbrechen in der Menschheitsgeschichte anzuerkennen.

Unglaublich: AfD-AnhÀnger geben Polen Schuld am 2. Weltkrieg

Aber wer ist der Herr Teska?

Herr Teska und seine Frau Anne Teska sind glĂŒhende AfD-AnhĂ€nger und Kreispolitiker. Aber nicht nur das: Sie betrieben ein ganzes AfD-Facebook-Gruppen Netzwerk. Gruppen, in denen solche Posts wie die zum Tweet von Sawsan Chebli gepostet werden. Und in denen dann aufgewiegelt wird. Bereits 2017 wurde ĂŒber die Eheleute Teska ausfĂŒhrlicher berichtet.

Zwischenzeitlich wurden die Gruppen gekapert: von Shahak Shapira und weiteren Mitgliedern von Die Partei.

Über die Aktion von Shapira im verlinkten Artikel: „Ehe sie Anfang September eingriff, wurde in den – offenbar auch hohen AfD-FunktionĂ€ren bekannten – Facebook-Gruppen alles straff zensiert, was nicht ins ideologische Konzept passte.“

Eine klassische Echokammer also, in der man sich selbst bestÀtigt. In der keine Sonne scheint. Nur Pessimismus. HÀme. Hetze.

Das Ehepaar Teska ist weiterhin in einer Vielzahl von Facebook-Gruppen unterwegs. Sawsan Chebli wird vermutlich nicht die letzte gewesen sein, die angegangen und von der Plattform vertrieben wird.

Artikelbild: photocosmos1, shutterstock.com, Screenshots DieInsider

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Extreme Hetze: AfD-AnhÀnger wollen Stern-Redakteur töten

Wie sicher sind journalisten voR rechtsextremen AfD-anhÀngern?

Erst kĂŒrzlich haben mehrere Journalisten-Vereinigungen in einem offenen Brief (Hier) den Bundesinnenminister Horst Seehofer aufgefordert, Medienschaffende vor rechtsextremen GewalttĂ€tern zu schĂŒtzen. Vor allem wegen der rechtsextremen Krawalle von Chemnitz, in Folge deren die AfD den Schulterschluss mit der rechtsextremen Szene vollzog, haben sich tĂ€tliche Angriffe auf Journalisten im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Hier unser Bericht:

Wegen Chemnitz: Gewaltsame Angriffe auf Journalisten haben sich mehr als verdreifacht

Im offenen Brief fordern sie unter anderem eine Auskunftssperre fĂŒr Privatadressen im Melderegister und Informationen, wenn ihre Namen auf rechtsextremen Todeslisten auftauchen. Die Vorsitzendes des Vereins „Neue deutsche Medienmacher“, Sheila Mysorekar, sagte zur Tageszeitung: „Viele Medienschaffende sind seit geraumer Zeit unter großem Druck. Sie werden verbal bedroht, vor allem diejenigen, die sich in ihrer Arbeit fĂŒr Vielfalt und gegen Rassismus einsetzen.“



Stern-JournalisTen sollen getötet werden

In seinem Format „Diskuthek“ wird der Stern-Redakteur Walter WĂŒllenweber mit folgenden Worten zitiert: „Die AfD-WĂ€hler sind keine ProtestwĂ€hler […] Auch die WĂ€hler der AfD mĂŒssen wir als Rechtsextremisten sehen.“ In der AfD-Gruppe „Klartext – vernetztes Vaterland“ wird das Zitat per Sharepic geteilt.

Screenshot DieInsider

Die AfD-AnhĂ€nger sind gar nicht erfreut, als Rechtsextremisten bezeichnet zu werden. Und reagieren, wie die Recherchegruppe #DieInsider belegt, folgendermaßen:

Rechtsextremisten? hier ist der beweis

Wenn die AfD-AnhĂ€nger wirklich der Meinung sind, dass die Bezeichnung „Rechtsextremist“ nicht auf sie zutrifft, dann haben sie mit ihren Reaktionen wohl rein zufĂ€llig genau den Eindruck solcher hinterlassen. Da will man sich seinen „Namen merken“ wenn „einmal andere Zeiten“ kommen, und ihn dann „besuchen“. Einer spricht es sogar gleich deutlich aus: „Wir mĂŒssen die Journalisten vonder Tagesschau und Stern TV Töten“ [sic].

Aufrechte Demokraten, wie man sieht. Einer ist sogar der irren Ansicht, dass es ĂŒberhaupt gar keine „echten Rechtsextremen“ mehr gĂ€be. Und dass WĂŒllenweber vom Stern darĂŒber froh sein soll. Wahrscheinlich, weil er sonst Morddrohungen erhalten wĂŒrde. Ironischerweise ist die Info, dass es keine Rechtsextremisten gibt, nicht bei den anderen Kommentierenden angekommen. Denn sie sprechen von „Rotfaschisten“ und dass doch die „Linken und GrĂŒnen“ die eigentlichen Faschisten seien. Also was denn jetzt?

Der Vorwurf an den Stern-Journalisten (Der ein „Systemknecht“ sein soll, welcher „Linksradikale Propaganda !!!!!!!“ [sic] und das, was der „tiefe Staat ihm auftrĂ€gt“ verbreitet), ein fehlendes DemokratieverstĂ€ndnis zu haben, ist besonders ironisch, wenn man bedenkt, dass die Bezeichnung als Rechtsextremisten ihnen nicht gleich die Meinungsfreiheit entzieht. Ihre Reaktion darauf, den Stern zu boykottieren („Bei Stern Probe Abo abschließen. Dann alle hefte verbrennen“ [sic]“), sodass er „seinen Job los“ wird – und natĂŒrlich ihn fĂŒr seine Meinung zu töten – allerdings schon.

Q.E.D. – Was zu beweisen war

Bei der Bezeichnung als „Rechtsextremisten“ sind die Rechtsextremisten „beleidigt“, aber zögern nicht, ihn als „demokratischen Terroristen“, „Rotfaschisten“, „Gutmensch“ und „Relotius-Schreiberling“ zu bezeichnen? Sie verwenden rechtsextreme Sprache, wollen Andersdenkende mundtot machen und sogar buchstĂ€blich „töten“, aber als die Rechtsextremisten bezeichnet zu werden, die sie nunmal sind, geht zu weit?

21 Aussagen, die zeigen, wie rechtsradikal die AfD wirklich ist

Die AfD ist inzwischen offen rechtsradikal und in ihrem geschlossenen Facebook-Gruppen wird unwidersprochen gehetzt, gelogen, beleidigt und vom Umsturz der Demokratie geredet, Morddrohungen ausgesprochen und die Morde von Neonazis schamlos gefeiert (Mehr dazu). NatĂŒrlich sind nicht alle AfD-Politiker oder AnhĂ€nger automatisch rechtsextrem. Aber die AfD toleriert nicht nur Rechtsextremisten, sondern verhilft ihnen auch zu höchsten Posten. Und stellt waschechte Neonazis als Spitzenkandidaten auf.

So rechtsextrem sind die AfD-Spitzen in Sachsen, Brandenburg & ThĂŒringen

Wie kann man – erst Recht bei diesen Reaktionen – das nicht als rechtsextrem bezeichnen? Alles andere wĂ€re eine Verharmlosung. Wer nicht rechtsextrem ist, sollte sich ĂŒberlegen, ob die AfD die richtige Partei fĂŒr ihn ist. Die AfD als Sammelbecken fĂŒr Neonazis, Antidemokraten, Völkische Nationalisten und Rechtsextremisten. Wenn ja, dann sollte man vielleicht der Wahrheit ins Auge blicken. Und sich eingestehen, dass im Gegensatz zu ihren lĂ€cherlichen und haltlosen Schlagworten und Kampfbegriffen fĂŒr ihre politische Gegner die Bezeichnung als „Rechtsextremisten“ fĂŒr sie durchaus angebracht ist.

Artikelbild: Dean Drobot, shutterstock.com / DieInsider

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