BlackLivesMatter: Wir können mit Protest nicht warten, bis die Pandemie vorbei ist

| Corona | 8. Juni 2020

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Meine persönliche Meinung zu den #BlackLivesMatter – Protesten vom Samstag:

Hunderttausende Menschen haben sich gestern friedlich versammelt, um ein unübersehbares und machtvolles Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt zu setzen. In Zeiten einer Pandemie kann man durchaus geteilter Meinung dazu sein, ob das „notwendig“ oder „vernünftig“ ist, wenn sich so viele Menschen zusammenfinden. Viele Organisator*innen waren buchstäblich überrascht davon, dass viel viel mehr Menschen als erwartet an den Demonstrationen teilgenommen haben.

Trotzdem wurde – darf man den offiziellen Polizeiberichten glauben – in den meisten Fällen versucht, die geltenden Regeln (Mindestabstand und Maskenpflicht) einzuhalten.

Diese Demonstrationen sind in meinen Augen nötig, richtig und wichtig.

Einige meiner Follower*innen äußern sich mit hämischen Kommentaren unter Berichten zu diesen Demonstrationen. Sie werfen mir vor, ich würde doppelte Standards bei der Bewertung des Verhaltens der Demo-Teilnehmer*innen anwenden. Nun, meiner Meinung nach gibt es gewaltige Unterschiede z.B. zu den Anti-Corona-Demos, bei denen JEDE Hygiene- und Schutzmaßnahme der Regierung abgelehnt und zum Absetzen der Masken aufgerufen wird, bei denen es um die subjektive Einschränkung der Freiheit und der Grundrechte geht und bei denen das „Recht auf Party“ oder das „Recht auf Eigenverantwortung“ gefordert wird.

Die BlackLivesMatter – Proteste werden ausgerechnet von jenen häufig kritisiert, die in den vergangenen Wochen an den Schutzmaßnahmen in Zeiten einer Pandemie permanent herumkritisiert haben, die sich über die Maskenpflicht aufgeregt und lustig gemacht haben, denen es nur darum ging, dass SIE nicht mehr zu Konzerten, zum Frisör oder zu Partys oder ins Fitness-Center gehen konnten.

Sie werden häufig von denen kritisiert, die sich NIE solidarisch zeigen, wenn über Gewalt gegen BPoc, gegen Migranten, gegen Juden berichtet wurde, die NIE ein Wort darüber verlieren, wie gerade in Zeiten der Pandemie nichtweiße Menschen unter zunehmendem Rassismus zu leiden haben, die NIE gefordert haben, nichtweiße Menschen aus Ankerzentren und Flüchtlingslagern zu holen, weil diese dort einem besonders hohen Risiko einer Corona-Infektion ausgesetzt sind – zusammengepfercht auf engstem Raum, ohne ausreichende Gesundheitsfürsorge, monatelang in Zwangsquarantäne.

Heuchelei der Rechten und Corona-Leugner

Die Proteste werden ausgerechnet von jenen kritisiert, die KEINEN Kommentar übrig haben, wenn ich zu mehr Solidarität in Zeiten dieser Krise aufrufe, die keine Petition zur Aufnahme von Flüchtlingskindern aus den griechischen Elendslagern der EU unterzeichnen oder teilen.

In meinen Augen sind SIE es, die Doppelstandards ansetzen, denn von ihnen kam viel Verständnis für die sogenannten Corona-Rebellen – ob nun laut ausgesprochen oder leise nickend, während ihnen die Rechte, die körperliche Unversehrtheit und die Würde anderer Menschen offensichtlich egal waren.

Friedlicher Protest, um endlich gegen Rassismus und Polizeigewalt ein deutliches Zeichen zu setzen und Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen MUSS möglich sein. Dieser Protest muss verantwortungsvoll, unter Berücksichtigung der Corona-Schutzmaßnahmen geführt werden. Ich persönlich wähle für mich eine andere Form der Auseinandersetzung mit diesem Thema, ich werde nach wie vor nicht an Demonstrationen teilnehmen, aber ich verstehe JEDEN, der es tut und sich dabei an die geltenden Regeln hält.

Und ganz im Ernst: wie viele „kleine“ Demonstrationen gegen Rassismus, Diskriminierung, Antisemitismus etc. haben in den letzten Jahren stattgefunden, über die in der Presse NIE berichtet wurde, weil das Thema immer nur dann berichtenswert war, wenn Gewalt oder Ausschreitungen im Spiel waren?

Wie viel Medienpräsenz haben dagegen Demos von noch so armseligen PEGIDA- Aufläufen, Reichsbürgern und Neofaschisten erhalten?

Dass gestern so viele tausend Menschen auf der Straße waren ist der EINZIGE Grund für diese massive öffentliche Berichterstattung und damit auch für die SICHTBARMACHUNG des allgegenwärtigen Problems Rassismus in unserem Land. Und darum bin ich allen, die gestern für sich selbst entschieden haben, sich den öffentlichen Protesten anzuschließen DANKBAR.

Noch ein kurzes Statement zu den „Lachsmileykommentierern“: Ich habe die Nase voll von euch. Ein Deppensmiley unter Berichten über Rassismus ist für mich inakzeptabel und führt zur Blockierung. Unsere Seite ist weitestgehend offen. Jeder kann hier – sofern er dies respektvoll und argumentativ tut – seine Meinung zu von mir geposteten Themen schreiben. Aber das ist ausdrücklich KEINE EINLADUNG, sich hier hämisch und unsolidarisch auszutoben.

An Rassismus ist NICHTS witzig. NICHTS. Menschen die von Rassismus betroffen sind, können daran nichts Lustiges finden. Sie können auch nicht „warten“, bis diese Pandemie vorbei ist, denn sie erleben die Auswirkungen von Rassismus an JEDEM TAG. Sie können dem nicht entfliehen. Menschen sterben – auch in unserem Land – weil sie z.B. aufgrund ihrer Hautfarbe nicht angemessen medizinisch versorgt werden.

Wer von meinen Follower*innen meint, Lachsmileys wären eine adäquate Reaktion darauf, möge sich bitte von dieser Seite einfach verabschieden



Text: Grit Maroske (Original). Artikelbild: Carsten Koall/dpa

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