Sorry, Querdenker: Studien widersprechen Laborthese

| Corona | 6. August 2022

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Neue Studien untermauern Tiermarkt als Ursprung

Seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie hält sich die Theorie der „Laborthese“ besonders hartnäckig: Das Virus stamme aus einem Labor in Wuhan. Diese Theorie wurde von der extremen Rechten und Verschwörungsideologen trotz fehlender Beweise vehement als Wahrheit akzeptiert, da sie viel besser in ihre konspirativen Lügenerzählungen passt. Doch eindeutig widerlegt wurde die Laborthese bisher wirklich nicht. Wie wahrscheinlich sie wirklich ist, dies wurde nun mit zwei weiteren Studien untersucht – und die Theorie, dass das Coronavirus stattdessen auf einem Tiermarkt in Wuhan ausbrach, wird immer wahrscheinlicher (Quelle). Selbst ehemalige Vertreter der Laborthese sehen sie nun als entkräftet.

Studien deuten wiederholt auf eine Übertragung auf dem Tiermarkt in Wuhan hin

Die renommierte Fachzeitschrift Science veröffentlichte nun gleich zwei Studien, die sich mit dem Ursprung der Corona-Pandemie beschäftigten. Beide kamen zu dem Schluss, dass der Tiermarkt in Wuhan der Ausgangspunkt gewesen sein muss (Quelle). Diese Erkenntnis ergab sich in einer der Studien aus der geografischen Verortung der ersten bekannten Corona-Infektionen in Wuhan – sie betrafen allesamt Verkäufer:innen und Besuchende des Markts, die mit lebenden Tieren in Kontakt kamen (Quelle).

In der zweiten Studie sahen sich Forscher:innen zwei Abstammungslinien des Erregers näher an, der bei den ersten Infizierten gefunden worden war. Auch sie stellten fest, dass das Virus höchstwahrscheinlich vom Tier auf den Menschen übertragen wurde – unter Umständen gleich zu zwei unterschiedlichen Zeiträumen: im November und Dezember 2019. (Quelle).

Ehemaliger Zweifler sagt: Laborthese nicht plausibel, sondern entkräftet

Bereits im Februar wurden beide Studien veröffentlicht. Mittlerweile wurden sie zudem von unabhängigen Expert:innen überprüft – und erschienen in Folge darauf im renommierten Science-Magazin (Quelle). Der Virologe Michael Worobey war einer der Wissenschaftler:innen, die an der ersten Studie beteiligt waren. Aufgrund der Ergebnisse der von ihm und seinen Kolleg:innen durchgeführten Untersuchung hält Worobey die Laborthese für nicht plausibel und entkräftet (Quelle). Und das, obwohl er letztes Jahr selbst noch Zweifel hatte. Er war einer der Unterzeichner:innen eines offenen Briefs, der Aufklärung rund um die Laborthese forderte (Quelle). Doch als seriöser Wissenschaftler war Worobey offenbar dazu bereit, unwahrscheinliche Hypothesen zu verwerfen und sich auf neue Erkenntnisse einzulassen (Quelle).

Warum viele Menschen an der Laborthese festhalten

Als die Uni Hamburg im Februar 2021 eine unwissenschaftliche „Studie“ vom Nanowissenschaftler Roland Wiesendanger veröffentlichte, war die Aufregung groß. Denn darin kommt der Physiker vermeintlich zu dem Ergebnis, dass „sowohl die Zahl als auch die Qualität der Indizien eindeutig für einen Laborunfall am virologischen Institut der Stadt Wuhan als Ursache der gegenwärtigen Pandemie sprechen“ (Quelle). Sowohl die Verwendung des Begriffs ‚eindeutig‘ als auch die Veröffentlichung durch eine wissenschaftliche Institution ließen für viele kaum Zweifel am Wahrheitsgehalt Wiesendangers Theorie zu – und so wurde sie vielerorts unkritisch angenommen (mehr dazu). Besonders in der verschwörungsideologischen Szene.

Uni Hamburg verbreitet unwissenschaftliche Thesen als „Studie“ – Medien verzerren weiter

Schließlich warf Wiesendanger dem Virologen Christian Drosten sogar vor, die Öffentlichkeit bewusst getäuscht zu haben. Dagegen wehrte sich Drosten sogar erfolgreich. Aussagen dieser Art wurden dem Physiker durch einen gerichtlichen Beschluss untersagt (Quelle).

Obwohl schon kurze Zeit nach Erscheinen der Literature Review von Wiesendanger viele wissenschaftliche Indizien gegen seine Behauptung sprachen, wurde die Laborthese nie ganz fallen gelassen, in Querdenker-Kreisen wird sie gar religiös als Wahrheit behandelt. Auch die Weltgesundheitsorganisation konkludierte nach ihrer Wuhan-Mission, dass ein Laborunfall als Ursprung des Coronavirus „extrem unwahrscheinlich“ sei (Quelle). Doch zufriedenstellend war dieses Ergebnis für viele Skeptiker:innen scheinbar nicht. Dass internationale Wissenschaftler:innen in China wichtige Daten nicht einsehen konnten, trug weiterhin dazu bei (Quelle).

Immer noch keine Belege für die Corona-Laborthese – du solltest skeptisch bleiben

Endgültige Beweise wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nie geben

Bei den beiden kürzlich veröffentlichten Studien handelt es nicht um endgültige Beweise – obwohl die Ergebnisse der Untersuchungen für viele Wissenschaftler:innen sehr eindeutig ausfallen (Quelle). Doch einen handfesten Beweis kann es unter den vorliegenden Umständen weder heute noch in naher Zukunft geben. Denn an Proben eines Tieres, das sich damals auf dem Markt aufhielt, kommt heute niemand mehr ran (Quelle). So müssen wir uns wohl mit der Ansicht der wissenschaftlichen Mehrheit anfreunden und auf diese vertrauen. Demnach gibt es recht eindeutige Hinweise darauf, dass das Virus seinen Ursprung auf dem Tiermarkt in Wuhan nahm und wenig bis gar keine plausiblen Hinweise darauf, dass es aus dem Labor stammt. Sorry Querdenker – wieder eine eure Verschwörungsgeschichten, die sich als nicht wahr herausstellt.

Artikelbild: -/CHINATOPIX/AP/dpa

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