Ein Brief an meine Freunde!

Ein Brief an meine Freunde!

| 23. Januar 2019

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Liebe Freunde in der alten Heimat,

ich hoffe, es geht euch gut! Wie ihr ja wisst, bin ich vor geraumer Zeit in ein anderes Land gezogen. Es ist ein recht schönes Land. Mir geht es gut, mir geht es gut. Ich kann nicht klagen. Eigentlich kann hier niemand wirklich klagen, denn es ein reiches Land. Es gibt gute Arbeit, die Infrastruktur ist auch in Ordnung, ebenso ist die gesundheitliche Versorgung auch auf einem hohen Niveau.

Ich lebe in der Stadt. Es leben viele Menschen hier, viele Menschen aus verschiedenen Nationen. Das ist nicht immer einfach, aber es ist ganz gut so, denn ich bin ja schließlich auch ein Migrant hier. Ein Migrant unter vielen Migranten. Und ich gebe mir, wie die die meisten Migranten hier, unsägliche Mühe, mich in das Leben vor Ort zu integrieren. Ja ich würde nach all den Jahren fast behaupten, ich sei ganz gut assimiliert.

Die ersten Jahre waren hier ganz gut, doch leider hat sich der Ton in vielen Dingen geändert. Liebe Freunde in der alten Heimat, es ist leider so, manchmal machen mir die Töne hier Angst. Es sind diese kleinen Töne, die aus immer wieder weiteren Grenzüberschreitungen resultieren. Wisst ihr, hier hat sich leider etwas verändert.

 

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Für so manchen Fremden hier ist das Leben schwieriger geworden

Nun gut, ich habe Glück, denn ich sehe nicht ganz so fremd aus. Auch meine Sprache ist nicht so sehr fremd, auch wenn sie fremdelt. Dennoch kann ich beobachten, wie anderen Migranten systematisch Ansprüche und Leistungen gekürzt werden. So manche Forderung wird gar laut, dass schutzsuchende Fremde des nachts ihre Quartiere nicht mehr verlassen dürfen. Alles quasi eine indirekte Verdeutlichung, dass man unerwünscht ist.

Menschen sitzen hier mittlerweile in hohen Positionen, die gar unmenschliche Töne von sich geben. Auf einmal wird man als „Linksextremer“ tituliert, weil man in seinen öffentlichen Schriften grammatikalisch beide Geschlechter erwähnt. Man wird quasi kriminalisiert, weil man sich für Menschenrechte einsetzt. Humanitäre Organisationen werden sogar öffentlich angeprangert, weil sie helfen.

Liebe Freunde in der alten Heimat, ja mittlerweile sind es nicht allein nur die Fremden, die unter Einschränkungen leiden. Auch die eigenen Landsleute werden bedrängt. Nicht alle. Nein. Bisher lediglich Menschen ohne Arbeit, darunter auch alleinerziehende Frauen mit Kindern. Wir Menschen in der Stadt werden sogar als langschlafende und arbeitsfeindliche Personen hingestellt. Und das von Personen in hohen Positionen. Nun ja, liebe Freunde in der alten Heimat. Glücklicherweise habe ich noch eine Arbeit und stehe an jedem Morgen zeitig auf.

Doch ich mache mir immer mehr Sorgen

Mittlerweile wird von Personen in hohen Positionen gefordert, bestimmte Menschenrechte einzuschränken. Auch die typische Gewaltenteilung, welche zum Schutze eines jeden Menschen in einer modernen Demokratie existiert, soll eingeschränkt werden. Ich mache mir Sorgen, ich mache mir Sorgen. Waren diese Errungenschaften nach dem letzten großen Krieg nicht das, was uns allen so wichtig war? Warum wollen viele Menschen diese wichtigen Grundsätze, welche uns allen zum Schutz erschaffen wurden, nun nicht mehr?

Liebe Freunde in der alten Heimat, mir geht es dennoch gut hier. Ich bin gerne hier und bleibe auch.
Denn ich bin ja kein Migrant mit dunkler Hautfarbe.
Und ich bin ja auch kein Bürger ohne Arbeit.
Und ich bin auch keine (alleinerziehende) Frau.
Ich frage mich jedoch, ob ich jemals auch so richtig zu einer Zielgruppe gehöre, die im Visier der Personen in hohen Positionen steht?

Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.

Liebe Freunde in der alten Heimat, ich wünsche euch alles Gute.
Bis zum nächsten Brief

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