Väter von Unterhaltszahlungen zu befreien, die meistens nicht geleistet werden, ist Schwachsinn

Gastbeitrag, Kommentar

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Der Vater meiner Tochter weiß nicht ,was sie in der Schule lernt.

Oder wer ihre Freunde sind und dass sie unbedingt Harry Potter lesen möchte. Er weiß nicht, dass wir morgens auf dem Schulweg nach niedlichen Hunden Ausschau halten müssen. Dass sie das Hörspiel vom kleinen Wassermann abends zu gruselig, aber tagsüber schön findet, und dass gekrempelte Hosenbeine die uncoolste Elternerfindung der Welt sind.

Das Alles und viel mehr weiß er nicht, weil er nach der Trennung, wie tausende andere Väter auch, keine Verantwortung übernommen hat. Ich habe versucht, ihn in das Leben und die Erziehung meiner Tochter mit einzubeziehen. Das Jugendamt und zwei weitere Beratungsstellen, Freunde, Verwandte – keiner konnte ihn dazu bringen, ein verlässlicher Vater zu sein. Ich habe argumentiert, gebeten, gedroht, gebettelt, Nichts hat geholfen.



Leben ohne Vater

Ich bin seit 6 Jahren alleinerziehend und mein Problem war nie mein Status, wirklich nie. Was problematisch ist, sind meine finanzielle Situation (denn der Vater zahlt keinen Unterhalt), mein Tageszeitlimit von 24 Stunden (denn ich bin berufstätig und studiere) und, am allerschlimmsten, der Schmerz meiner Tochter über den abwesenden Vater. Ich kann ihr diesen Schmerz nicht nehmen. Und das ist wohl das frustrierendste, was ich jemals erlebt habe.

Wie viele Stunden ich schon mit aufgelöstem Kind im Arm verbracht habe, kann ich gar nicht mehr zählen. Wahrscheinlich genauso oft, wie meine Tochter als fast einziges Kind immer noch mal zurückschaut und winkt, bevor sie in die Schule läuft. Damit sie weiß, dass ich noch da bin. Versteht mich nicht falsch, ich will nicht bemitleidet werden. Unser Leben ist gut, wir sind glücklich, die Tochter lebt mit dem sporadischen Vater mittlerweile meistens ganz gut. Bei uns ist es ruhig und wir geben uns ein Zuhause.

Der Giffey-Vorschlag ist ein Schlag ins Gesicht

Dafür habe ich aber hart gearbeitet und diese Situation haben meine Tochter und ich uns erlitten, um es mal so drastisch auszudrücken, wie es ein paar Jahre war. Und genau deshalb bin ich fassungslos, wenn ich höre, dass Franziska Giffey Väter entlasten will. Es gibt da einfach Nichts zu entlasten. Christine Finke und Mia e.V. haben eine Stellungnahme veröffentlicht (Hier), aus der deutlich wird, dass 75% der Kinder von getrennt lebenden Eltern gar keinen oder zu wenig Unterhalt erhalten.

In Anbetracht dieser (bekannten) Zahlen ist das Statement Giffeys einfach nur ein Schlag ins Gesicht jeder Alleinerziehenden*. Wir haben andere, echte Probleme, wie Kinderarmut und Diskriminierung von Frauen und Müttern, siehe Gender-Paygap etc. Vätern jetzt auch noch von Unterhaltszahlungen zu befreien DIE MEISTENS NICHTMAL GELEISTET WERDEN ist also kompletter politischer Schwachsinn, der nur dazu gedacht ist, Wählerstimmen zu kriegen und dabei Kinder und Mütter als Kollateralschaden einfach verbrennt!

Text: Lena (), hier ihr Original-Thread auf Twitter. Artikelbild: Screenshot twitter.com

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