Muslim aus AfD Veranstaltung geworfen, weil er kein Bier trinken wollte

Gastbeitrag

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“Ich bin Muslim und wurde aus einer AfD Veranstaltung rausgeworfen, weil ich kein Bier trinken und kein Schweinefleisch essen wollte.“

Da sitze ich also zwischen AfD’lern. Ich, deutscher Muslim, schwarze Haare, Bart. Und ich habe ein T-Shirt an, was alle Blicke auf mich zieht: “Wir sind alle Deutschland” steht da drauf. Natürlich ist das Absicht, aber das macht diesen Satz nicht unwahr. Wir sind alle Deutschland, denn Deutschland besteht aus uns allen, die sich zu diesem Land, seiner freiheitlich demokratischen Grundordnung und dem Grundgesetz bekennen. In diesem Grundgesetz steht drin, wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat, ist Deutscher. Punkt. Es gibt keine andere Definition, keine basierend auf einer bestimmte Kultur, Hautfarbe, Ethnie, Religion oder irgendeines anderen rassistischen Attributes.

Nun ja, vorne spricht Jörg Meuthen in seinem typisch populistisch völkisch nationalem Gerede von einer vermeintlichen Arterhaltung des vom Aussterben bedrohten Deutschen Volkes. “Wir schüren keine Ängste, wir greifen Ängste auf, die bereits da sind” und innerlich denke ich mir “Herr Meuthen, Sie haben Ihre Meute gut im Griff mit Ihren Lügen, äh, Entschuldigung, Populismus”.

Ich meine, wie kann man Menschen derart offensichtlich an der Nase herumführen? 15% +/- der Deutschen haben aus ihrer eigenen Geschichte offensichtlich nicht dazu gelernt. Faschismus, Propaganda, Täuschung und immer wieder Lügen, Lügen und noch Mal Lügen. Göbbels sagte “Eine Lüge muss nur oft genug wiederholt werden. Dann wird sie geglaubt.”



Ich wollte mit Mary Kahn diskutieren, kam aber nie dazu

Frau Mary Khan ist auch dabei, sie ist Ex-Muslima, aus dem Pakistan geflüchtet und hat eine Heimat bei der AfD gefunden. Ihr Vater, Zahid Khan, ist ein selbsternannter Prophet. Dieser sagt “Durch mich als Propheten erhielt der Prophet Mohammed die Möglichkeit, zu beichten, was im Islam und in seinem eigenen Leben falsch gelaufen ist“, und: „Im Islam manifestiert sich der Höhepunkt des Schaffens Satans.“ Man mag das gut oder schlecht finden, die Verbindung seiner Tochter zur AfD geht über den Hass ihres Vaters auf den Islam.

Sowohl dieser Hass, als auch die Angriffe auf Zahid Khan sind an dieser Stelle zu verurteilen. Jedenfalls profitiert die AfD ganz gut von solchen Menschen. Als Frau Khan gefragt wurde, was sie von meiner Gemeinde, also von der Ahmadiyya Muslim Gemeinde hält, sagte sie im gleichen Populismus, dass diese Gemeinde gefährlich sei, sie sei ein Nährboden für Extremismus und sie sei politisch. Ich wollte mit ihr über diesen unsäglichen Vorwurf später reden, doch dazu kam es nicht. “Wieso?” Fragen Sie sich. Gleich, lassen Sie mich noch eines erzählen.

Zurück nach Eschborn, in der Halle mit hunderten AfDlern und einem Muslim

Wir standen alle auf, um die Nationalhymne zu singen. Ich sang mit. Schließlich gehöre ich und meine Religion, Islam, auch zu Deutschland, wir sind alle Deutschland. Aber dann bemerkte ich, dass Leute mich von der Seite anschreien “Steh auf! Aufstehen! Aufstehen!”, ich stand ja, “Sing mit!!”, ich sang ja mit, “Das ist unser Land! Unser Land!”, meins auch.

Als es vorbei war, wollte ich aus der Sitzreihe aufstehen und gehen, doch eine Dame stellte sich vor mich hin und wollte mich nicht rauslassen. Ich bat in höflichen Worten, mir Platz zu machen und mich vorbei zu lassen. Doch sie blieb stur und schmunzelte mich an. Vielleicht dachte sie sich “Na du dummer Moslem, was machst du jetzt?”.

Mir wurde ein Bier angeboten

Ich ging zu Frau Khan um mit ihr zu reden, sie sagte mir ich solle 5 Minuten warten. In der Zwischenzeit kam ein AfD-Mitglied, “Hier ein Bier”. Ein Bier. Für mich. Als Muslim. “Nein Danke.” sagte ich und bekam dann als Antwort.

“Wer in Deutschland kein Bier trinkt und Schweinefleisch isst kann diese Veranstaltung verlassen. In Deutschland wird Bier getrunken und Schweinefleisch gegessen!”.

Das wiederholte er mit dem Nebensatz, dass er die Polizei rufen wird, wenn wir nicht gehen, denn er habe das Hausrecht. Tja, danach wurden wir, ich und mein Kollege, der nachgekommen war, aus der Veranstaltung geworfen. Weil wir kein Bier trinken und Schweinefleisch essen wollten.

Seit dem 11. September höre ich von überall “Wo sind die Muslime, wo sind die liberalen Muslime, wo sind die gemäßigten Muslime, die Terror ablehnen, die sich gegen Extremisten aussprechen. Wo sind diese Muslime, die den Dialog suchen?”.

Hier, ich bin ein toleranter Muslim, der mit euch redet!

Ich wünschte ich könnte in einer Posaune laut und deutlich hinein brüllen: “Hier sind wir. Hier, genau vor eurer Nase. Unser Oberhaupt, der Kalif des Islam, Seine Heiligkeit Mirza Masroor Ahmad sagte: ‘Wir sind die Menschen, die diese Welt heilen wollen. Wir sind die Menschen, die die Menschheit vereinen wollen. Wir sind die Menschen, die Hass und Feindschaften in Liebe und Zuneigung verwandeln wollen. Und sicherlich sind wir die Menschen, die alles Mögliche unternehmen werden um den Weltfrieden zu etablieren.’”

Ich wünschte jeder einzelne Mensch in Deutschland könnte diese Botschaft hören, verstehen und vor allem: nicht vergessen.

Hey, ich habe heute einen Dialog gesucht

Ich habe gekämpft. Für Frieden. Einheit. Und Brüderlichkeit. Denn “Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand!”, das ist die dritte und vierte Strophe aus der deutschen Nationalhymne. Ich werde nicht aufgeben, nicht heute, nicht jetzt und auch nicht morgen.

Liebes Deutschland, vergiss mich nicht. Ich bin ein Ahmadi Muslim und ich stehe hinter dem Grundgesetz. Auf meinem Herzen steht “Liebe für Alle, Hass für Keinen”. Meine Taten sind Zeuge dieses Spruches. Liebes Deutschland, die AfD möchte dir Angst machen, damit Kinder wieder singen können “Wer hat Angst vorm Muselmann?”. Liebes Deutschland, du hast mich aufgenommen, hast mir einen Dach über den Kopf gegeben, das werde ich nicht vergessen.

Text: Der Autor bat darum, anonym bleiben zu können. Artikelbild: pixabay.com, CC0

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