Lass dich nicht dazu verführen, mit Nazis zu diskutieren

Gastkommentar von Natascha Strobl

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Warum man mit Rechtsextremen nicht redet und warum nicht genau ihr die Auserwählten seid, die sie entzaubern können

Es gibt so viele gescheite Leute, die sich mit Rechtsextremismus nicht erst seit gestern beschäftigen und euch stundenlang spannend und faszinierend erklären können, warum das so ist. HÖRT DENEN ZU! RESPEKTIERT DIESE ARBEIT! Ihr wisst es nicht besser, wirklich nicht.

Ich (und andere) beschäftigen uns mit Rechtsextremen schon lange. Wenn es etwas bringen würde, mit ihnen öffentlich zu diskutieren – glaubt ihr nicht, wir hätten es schon getan? Nochmal: das sind Leute mit Plan und Strategie. Die zielen genau auf eure Eitelkeit ab. „Traust dich eh nie“, „Wir sind ja so gefährlich“, „Exklusiv bekommst du authentischen Einblick.“ Nein Nein Nein. Ihr werdet auch unwissend Teil der Inszenierung.



Rechtsextreme diskutieren nicht. Sie zerstören die Debatte, um zu gewinnen

Welche Strategien? Diese hier (Link). Im Laufe eines Gesprächs ist es fast unmöglich für diese Strategien auf die Schnelle zu decodieren. Auch mir fällt immer wieder etwas Neues auf. Und viele lassen ja schon sowas Offensichtliches wie „Asyltourismus“ durchgehen. No-Go.

Was will die Neue Rechte? Hegemonie. Aber Hegemonie in einer pervertiert gramscian’schen Logik. Nicht durch Demokratisierung sondern durch Elitarisierung und Autoritarisierung des vorpolitischen Raums. Also dort wo gesellschaftliche Debatte stattfindet. Also Medien.

Und sie bringen sich nicht konstruktiv ein, sondern brutalisieren und zerstören die Debatte. Es ist eine Hysterie-Spirale, die nicht zufällig ist, sondern gelenkt wird. Der inszenierte Tabubruch aus dem vermeintlichen Untergrund wird zur Heldenpose. Endlich sagt es wer.

Wer mit Nazis diskutiert, hilft dem Faschismus

Wenn man darauf herein fällt und Menschenverachtung und (Proto-)Faschismus als interessant und aufregend verwechselt, dann erledigt man ihr Geschäft. Genau das wollen sie. Genau darauf pochen sie.
Und was bewirkt das im Umkehrschluss? Umso mehr die zu Wort kommen, umso mehr die faschistische Sprache normal wird, umso normaler wird Faschismus. Ich muss es mittlerweile so sagen. Umso unsichtbarer und stiller werden die Opfer.

Und das ist alles nicht neu. Das war in in den 20ern (ab 1918) und 30ern genauso. Mit ganz ähnlichen Strategien. Der Nationalsozialismus heißt ja nicht zufällig so. Diese Begriffskaperung (semantisches Verwirrspiel) beginnt schon 1919 mit Spenglers Preußentum und Sozialismus. Die haben den schillernden Modebegriff der Zeit, hinter dem sich die Hoffnung nach einer besseren Zukunft verbarg, nach rechts umgedeutet. Und das machen sie jetzt wieder – „Sicherheit“, „Freiheit“, „Sozial“ – dabei wollen sie jeweils das exakte Gegenteil.

2015 ist das 1918 von heute

Bevor der NS das war, was er war, wurde er intellektuell vorbereitet. Die Saat wurde schon 1918 oder vielleicht sogar 1916 gesät. Von Intellektuellen. Von Leuten aus der Elite, dem Bürgertum, der „Mitte“. Genau die sind jetzt auch Vorbild. Es ist ein recht verwegener Vergleich, aber 2015 ist das 1918 der Rechten von heute. Ein Untergangsmythos von Verrat und unverdienter Niederlage. Für die wollen sie sich rächen, indem sie das zerstören, was den „Verrätern“ lieb ist: die Demokratie, das Parlament, die soziale Sicherheit.

Die faschistische Logik von Krieg, Härte und Grausamkeit durchdringt dann bald unser tägliches Leben. Und wenn das aufgeht, gibt es den point of no return. Dann sind so viele Menschen innerlich so zerstört und aufgeheizt, dass wir einfach auf Faschismus zusteuern. Das ist ihr Ziel. Und deswegen darf man ihnen keine Bühne geben, ihr Spiel nicht mitmachen, muss sich der eigenen Rolle bewusst sein, muss man verstehen, dass esnicht nur um das was, sondern um das wie geht. Und ja, man muss sich dem in Weg stellen. Sowie man halt kann. Aber bitte keine Naivität!

Wer das strukturierter und länger haben will – Ich komme gerne überall vorbei. Ich bin nirgends angestellt für sowas, sondern mache das alles hier in meiner Freizeit zwischen Katzen füttern und Einkaufen gehen. Wer mehr mag – gerne offline als Vortrag mit Gespräch.

Autorin: Natascha Strobl, Twitter: @Rabid_Glow Zusammen mit Julian Bruns und Kathrin Glösel hat sie „Die Identitären. Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa“ geschrieben. 

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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% S Kommentare
  1. Streuner sagt

    Aber was kann man denn dann tun…?
    Nichts sagen? *ratlos*

  2. Maxima sagt

    Ich finde Ihren Artikel sehr interessant und schlüssig. Ich würde aber auch gerne wissen, was Sie empfehlen, wie man mit offenen rechten Äußerungen am besten umgeht? Gar nichts sagen fühlt sich irgendwie falsch an . Lieben Gruß und danke für Ihre Arbeit.

  3. Juri Nello sagt

    Gerne doch. Das Problem besteht allerdings darin, dass man Arbeit (Fa.), Ort und ggf. das Land wechseln muss, um zu vermeiden, mit Nazis zu reden, auch wenn es noch „gallische“ Dörfe geben mag – sie sind leider rar gesäht.

  4. Thomas Laschyk sagt

    Entweder wird jemand aus unserem Team einen Folgeartikel anfertigen, oder die Gastautorin. Wir bleiben definitiv dran!

  5. Dudeskie sagt

    z.B. sich ihren Demos in den Weg stellen, Parteitage stören, Wahlstände blockieren… Zeigen dass es eine antifaschistische Mehrheit gibt.

  6. gehtdinixan sagt

    1. lass ich mir net vorschreiben mit wem ich rede und
    2. was sollen wir sonst machen? uns gegenseitig den schädel einschlagen?

  7. Klaus sagt

    Ganz einfache Geschichte: Mündige Menschen sollten selbst wissen ob und mit wem sie sprechen wollen.
    „Glaubt nicht an…“, „Lasst euch nicht verführen…“, „Sprecht nicht mit…“.
    Wir sind doch nicht im Kindergarten oder im Sektentempel.

  8. Tom Joad sagt

    Ich kann die Argumentation im Ansatz gut verstehen. MIr stellt sich nur ein Problem: Wann rede ich denn mit einem/einer ausgebufften rechten Demagog*in und Agitator*in und wann mit einem Menschen, der ins „Schleppnetz“ geraten ist. Der ist natürlich in seinen Äußerungen ebenso rechts. Aber die Annahme, das man mit allen Menschen die sprachliche Auseinandersetzung meiden soll, die nach – ja wessen Sich eigentlich – „rechts“ sind, würde die Auseinandersetzung mit jenen verhindern, die (noch) zu belehren sind. Man muss doch unterscheiden, wie verfestigt bzw. unbelehrbar rechte Gesinnung geäußert, gelebt etc. wird?

  9. Chris sagt

    Es gibt keine Nazis.
    Wer So denkt ist Dumm.
    Es gibt nur Menschen die anders denken.
    Oder auch Menschen die einfach Dumm sind und nicht reden können.
    Und von denen gibt es genügend die schlimmer als die hier besagten sind.

  10. Monte Veritas sagt

    WOW mit Demokratie haben Sie es wohl nicht so oder?

  11. Monte Veritas sagt

    HAHAHA
    Danke für den Artikel und das Lachen, das er mir beschert hat. „Das sind Leute mit Plan und Strategie“ – ich fühle mich immens geschmeichelt mit diesem Kompliment muss aber gleichzeitig schmunzeln, dass die Autorin des Artikels damit allen „Nicht-Nazis“ unterstellt, sie hätten keinen Plan und keine Strategie. Meint die gute Natascha etwa deshalb:“Wer mit Nazis diskutiert, hilft dem Faschismus“, weil sie euch unterstellt, mit den pöhsen Nadsis in einer Diskussion nicht mithalten zu können, zu unterliegen und sie somit als im Recht dastehen zu lassen? Also wenn ich Linker wäre, würde ich mir verbitten, mich von ihr als so einen Dummbeutel hin stellen zu lassen. Aber das ist euer Problem.

  12. Stefan sagt

    Danke für diese wahren und gleichzeitig erheiternden Worte!

  13. M.F.S. sagt

    „Lass dich nicht dazu verführen, mit Nazis zu diskutieren“
    „das sind Leute mit Plan und Strategie“
    „Und sie bringen sich nicht konstruktiv ein, sondern brutalisieren und zerstören die Debatte.“
    „Und deswegen darf man ihnen keine Bühne geben, ihr Spiel nicht mitmachen“

    …An welche Zeit erinnert mich das nur. Was kommt als Nächstes, vielleicht „Kauft nicht bei Nazis“ ?

  14. Thomas Laschyk sagt

    Dieser Vergleich ist völlig daneben: https://www.volksverpetzer.de/kommentar/afd-juden/

  15. Boris Hildenbrand sagt

    Das ist doch Unsinn. Die Leute haben doch nicht auf die Stirn geschrieben, dass sie faschistische Ansichten haben, wie soll man das denn wissen, wenn man nicht mit ihnen redet?

    An irgendwelchen besorgte – Bürger Schlagworten kann man das nicht festmachen, sonst dürfte man ja nicht nur mit AfD – Anhängern nicht reden, sondern auch nicht mit allen CDU/FDP-Wählern, das sind völkische Altnaziparteien. Dann dürfte man mit 66% der Bevölkerung nicht mehr diskutieren.

    Und sollen wir vielleicht die anderen einfach niederbrüllen/niedertrillern und -buhen? Dann versteh ich ja gar nicht was sie sagen und buhen trotzdem.

    Wenn man den Leuten redet, merkt man sehr schnell, dass die überhaupt keinen „Plan und Strategie haben, es sind einfach nur schlecht und falsch informierte Angsthasen, oft nur marginal der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig. Macht die Faschos nicht größer als sie sind.

    Wie ca ab 1900 mit Prügeltrupps durch die Lande zu ziehen und eine Gewaltspirale zu entfachen halte ich für weniger zielführend. Gewalt wird nur in die Linke Bewegung getragen, um sie in Verruf zu bringen. Selbst die RAF- und 2.Juni-Leute haben am ende eingesehen, dass sie der Linken und der Studentenbewegung durch ihre Gewalt nur geschadet haben.

    Im Übrigen ist der Artikel nicht gut geschrieben, viel zu lang und nicht logisch stringent.

  16. Rolf sagt

    Mit Nazis kann man nicht reden? Richtig, muß man aber auch nicht. In
    unserem kleinen Laden wollte ein Reichsbürger vor sich hin schwadronieren. Ergebnis? Hausverbot. Der AFD Boß? Hausverbot. Und der Typ, der meinte, das Flüchtlinge Abschaum seien hat auch Hausverbot kassiert. Ich muß mir den Quatsch nicht anhören. Das hat sich ganz schnell rumgesprochen, der Rest hats erst gar nicht mehr versucht. Himmlische Ruhe.
    Wir hatten nun überhaupt keine Lust, uns als Podium für Nazis platzieren zu lassen.

  17. Jutta Aeldert sagt

    Habe gerade im Fernsehen einen Beitrag „Omas gegen Rechts“ aus Österreich gesehen. Finde ich phantastisch. Würde mich gerne einer solchen Gruppe anschließen wenn es sie denn hier gäbe. Muss man wohl selber gründen.

    Lese hier nur überwiegend negative Kommentare auf obigen Artikel. Finde ich schade. Warum kann man das nicht emotionslos diskutieren? Muss man sich sofort persönlich angegriffen fühlen? Armut findet nicht nur im Portemonnaie statt.

  18. Joe sagt

    Mit klarem Denken haben Sie es wohl nicht so? Sie führen die Demokratie im Munde und verteidigen gleichzeitig erklärte Antidemokraten. SIE sind KEIN Demokrat!

  19. Joe sagt

    Der Dumme hier bist offensichtlich Du.

  20. Angelika Thomsen sagt

    Herzlichen Dank für die Differenzierung. Mir geht das reflexhafte „Mimimi, mit Naz*innen redet mensch nicht“ gewaltig auf die Nerven – zumal ich auch nicht erkennen kann, dass diese Strategie nennenswerte Erfolge zeigt. Was ich befürworte und verstehen kann, ist der Ansatz, mit den Hardcore-Nazis nicht zu reden, also den Leuten, die in der Parteihierarchie aufgestiegen sind und in den Parlamenten sitzen. Die können wir aus dem demokratischen Diskurs abschreiben. Das sind aber nicht die 15 oder 17 Prozent, die bundesweit die AfD wählen. Das Gros der AfD-Wählerinnen geht tief hinein ins bürgerliche Lager bis hin zu den Gewerkschaften. Es sind Leute, die – berechtigt oder nicht – das Gefühl haben, dass die ehemals große Koalition einfach nur durchregiert. Es sind Leute, die das Gefühl haben, dass der Parlamentarismus in Phrasen und Symbolhandlungen erstarrt ist. Es sind Leute, die das Gefühl haben, dass wir mehr Zeit darauf verwenden, über die korrekte Schreibweise des Gender-Gaps zu diskutieren oder ob es nun People of Color oder Person of Color heißt, während es uns völlig schnuppe ist, ob die Hartz-IV-Sätze reichen, ob die Renten stabil sind, Wohnungen bezahlbar bleiben oder die Krankenversicherungen noch eine vernünftige medizinische Versorgung sichern. Bei vielen AfD-Wählerinnen habe ich das Gefühl, sie wollten nichts weiter, als die in selbstgefälliger Bräsigkeit verharrenden ehemaligen Volksparteien einfach einmal aufschrecken – die wiederum meinen, sie könnten wieder Stimmen zurückgewinnen, wenn sie den Recht-und-Ordnung-Blut-und-Boden-Schwachsinn der Rechten kopieren. Das Gros der AfD-Wählerinnen sind keine Nazis, aber sie werden welche, wenn wir uns weiterhin weigern, sie ernst zu nehmen. Allzu viel Zeit bleibt nicht mehr. Auf Bundesebene fehlt nicht mehr viel, und die AfD überholt die ehemaligen Sozialdemokratinnen. Die nächste große Koalition könnte schwarz-blau sein.

  21. Jörg sagt

    Mir leuchtet dieser Ansatz gerade im Zusammenhang mit sozialen Medien nicht so ganz ein:
    Natürlich wird man Nazis durch Diskussion nicht zu einem anderen Standpunkt bringen dies würde ja voraussetzen, dass diese Leute an einem Meinungsaustausch interessiert sind. Umgekehrt bedeutet ein Nicht-Diskutieren aber ja nicht, dass dann KEINE Diskussion stattfindet. Sondern es wird dann eben die eigene, faschistische Propaganda unwidersprochen verbreitet & durch Likes des eigenen rechten Netzwerkes hochgejazzed.

    Unentschlossene, stille Mitleser*innen kommen so zur Überzeugung, dass die Lügen & einfachen Wahrheiten die Realität oder zumindest die Meinung einer überwältigenden Mehrheit darstellen. Und Menschen, die in diesen Propagandafeldzügen in die Schusslinie geraten, sind ohne Widerspruch schutzlos dem Hass, der Hetze und der systematischen Demontage durch die Rechten ausgeliefert.

    Ich verstehe nicht, warum das eine gute Strategie sein soll?

  22. Fabian sagt

    Was ist das hier? Aufgegeben oder was? Ran an die Arbeit!

  23. Thomas sagt

    Das Land wechseln? In welches Land soll man denn wechseln?
    Nach Ungarn, in die Türkei, nach Schweden?

  24. Thomas sagt

    Genau das ist es was mich stört. Ein Satz, dieser Satz

    WOW mit Demokratie haben Sie es wohl nicht so oder?

    und „Joe Sagt“ stellt zweifelsfrei fest mit einem Nazi zu diskutieren.

  25. Thomas sagt

    Selbst wenn der Vergleich völlig daneben ist, ich finde es wichtig ihn nicht zu löschen sondern zu kommentieren, wie Sie es machen.

  26. Thomas sagt

    Joe, Sie halten es für den richtigen Weg, die Strategie von bestätigten Nazis zu kopieren, um zu beweisen, dass Ihr Weg der einzig richtige ist?

  27. Misha Rosalie Bößenecker sagt

    „Es ist ein recht verwegener Vergleich, aber 2015 ist das 1918 der Rechten von heute.“ Es ist sogar ein völlig falscher Vergleich. Mit solchen falschen Vergleichen verliert man jede Debatte.

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