5 Lügen, die die AfD über „den Islam“ verbreitet

Hintergrund

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Faktencheck: 5 Vorwürfe, die AfD’ler & andere gegenüber Muslime verbreiten

Es ist kein Geheimnis mehr, dass die AfD mit antimuslimischer Propaganda Muslime diskriminiert, schikaniert und stigmatisiert. Jedes Mal, wenn eine Meldung über einen Flüchtling oder einen Muslim auftaucht, der eine Straftat begangen hat, stehen alle Muslime und Flüchtlinge unter Generalverdacht.

Sie werden mit Vorurteilen bombardiert und an die Wand gestellt: “Lehne diese teuflische Religion ab und gehe dorthin wo du herkommst du hinterhältiges islamistisches Stück Scheiße!” Ja, in dem einen Satz kann man die Menge an Hass der AfD und ihrer Anhänger, sowie Sympathisanten und Mitläufer gegenüber Muslimen zusammenfassen. Und das ist ein echter Satz, der mir gesagt wurde.

Wenn Deutschland als pluralistische und offene Gesellschaft vorankommen möchte, müssen diese Hasstiraden, die auf Fehlinformationen und Vorurteilen fußen, aufhören. Die Liste der Lügen gegenüber Muslimen ist lang, deshalb werde ich nur die 5 häufigsten Lügen der AfD & Co. nennen und diese richtig stellen:



1. “Islam gehört nicht zu Deutschland”

Das ist in zweierlei Hinsicht falsch.

Erstens wurde das Deutschland, auf dem das heutige Grundgesetz basiert, am 03. Oktober 1990 mit der Wiedervereinigung gegründet. Zweitens spricht man vom “deutschen Volk” im historischen Kontext, wenn der Name von Karl dem Großen (768-814) fällt. Die erste Moschee wurde vor 1990 gebaut.

Und Karl kam mit dem Islam schon in Kontakt, als er einen Elefanten als Geschenk des muslimisch abbasidischen Kalifen Hārūn ar-Raschīd im Jahre 798 n. Chr. bekam. Somit gehört in dem Kontext der Zugehörigkeit der Islam schon seit Beginn der historischen Gründung Deutschlands durch Karl dem Großen zu Deutschland.

(Wiki: Abul Abbas war ein Elefant, der dem fränkischen Kaiser Karl dem Großen von Kalif Hārūn ar-Raschīdgeschenkt wurde. Er war der erste namentlich und urkundlich belegte Elefant nördlich der Alpen.)

2. “Muslime wollen in Deutschland die Scharia einführen”

Was wir bisher wissen, möchte Gauland einen “Systemwechsel” und er möchte Bundeskanzlerin Frau Angela Merkel “jagen”. Was mit einem “Systemwechsel” gemeint ist, hat die Terrorgruppe “Revolution Chemnitz” in den letzten Tagen bereits gezeigt. Nach SPIEGEL-Informationen tauschten sich die Männer in der Telegram-Chatgruppe „Planung zur Revolution“ aus und sprachen darin von einem gewaltsamen „Systemwechsel“. Man könnte meinen, dass die AfD Ideen vorgibt, die von Rechtsterroristen umgesetzt werden wollen.

Einführung der Scharia hingegen ist nicht klar. Scharia bedeutet auf Arabisch “Der Weg zur Wassertränke” und regelt das religiöse Leben eines Muslims. Die Betonung liegt auf Muslim und nur für ihn. Die Scharia gilt also nicht für Nicht-Muslime. Darüber hinaus reduziert die AfD dieses Thema bloß auf “Hand abhacken und weitere drakonische Strafen” und verheimlicht absichtlich, dass es “die Scharia” oder “den Islam” gar nicht gibt. Islam wird in über 73 verschiedenen Gruppierungen ausgelegt, so wie es auch im Christentum und Judentum der Fall ist, doch dazu gleich mehr.

In jedem Fall gilt gemäß islamischer Scharia, die sich im Koran wiederfindet, dass das Gesetz eines Landes zu achten ist, welches das Leben als deutschen Bürger regelt. Das eine ist also die Regelung des religiösen und das andere die Regelung des bürgerlichen Lebens. Begeht also jemand eine Straftat, so wird dieser durch den Staat mit seinen Regelungen bestraft. Übrigens gibt es im Koran keine einzige Vorschrift einer Regierungsform, sondern fordert die Menschen auf demokratisch eine Regierung zu wählen (mehr hierzu im Punkt 4).

3. “Muslime wollen das Land durch Moscheen Islamisieren”

Die AfD plustert ihre Argumente gegen Muslime gerne auf und macht keine Ausnahmen. Es werden Vergleiche gezogen und Zahlen genannt, die mit der Realität wenig bis gar nichts zu tun haben. Beispielsweise heißt es, dass es in Deutschland ca. 2.700 Moscheen gibt. Diese künstlich hochgepushte Zahl wird als Argument zur Panikmache benutzt, man sagt uninformierten Bürgern “Muslime verändern das Stadtbild mit ihren tausenden Moscheen.” Schauen wir uns doch Mal ein Paar Zahlen genauer an:

(Quelle: statista.com)

Rechnet man alle Kirchen zusammen und legt diese neben allen Moscheen ergeben sich folgende Dimensionen: 45.600 Kirchen auf der einen Seite und 2803 Moscheen auf der anderen Seite. Aber hier gibt es einen Haken: Die Zahl 2.660 ist irreführend! Statista erklärt “*Klassische Moscheen: Mit Minarett und Kuppel; Nicht klassische Moscheen: Gebets- und Versammlungsräume.” Auf dieser Basis muss man die Dimensionen also wie folgt korrigieren: Es gibt in Wahrheit 45.600 Kirchen in Deutschland auf der einen Seite und nur 143 Moscheen auf der anderen Seite!

Ergebnis: 45.000 Kirchen vs. 150 Moscheen. Wer immer noch nicht verstanden hat, dass die AfD künstliche Zahlen zur Panikmache für ihre Propaganda benutzt, hat keine Ahnung von Größenverhältnissen.

Islamisierung durch Moscheen? Panikmache! Es ist eher eine Verweigerung der Religionsfreiheit für Muslime, die ein Grundrecht auf den Bau einer Moschee haben, genau wie alle anderen religiösen Organisationen der Christen, Juden und Andersgläubigen auch!

4. „Der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist“,

sagte von Beatrix von Storch. — Mit diesem Satz wird oft das Argument “Muslime wollen die Scharia einführen” verwendet. In Wahrheit steckt hier eine gut eingebaute Lüge drin, denn es gibt keinen “der Islam”. Islam ist keine Person, die von sich aussprechen kann, kein Subjekt, sondern erst Mal eine Idee, eine Theorie. Diese Theorie praktizieren Muslime. In der über 1.400 jährigen Geschichte des Islam haben sich viele Gruppierungen vom Ursprung entwickelt, dies zeigt folgende Grafik sehr deutlich:
Es gibt im Islam weit mehr als über 73 Gruppierungen. Diese Entwicklung ist nichts besonderes, denn auch das Judentum und das Christentum haben einen derartigen Prozess der innerreligiösen Gruppierungen erlebt. Auf der anderen Seite suggeriert der Begriff “politische Ideologie”, dass nur die Scharia als absolut einziges Gesetz für einen Muslim gelten würde.

Neben dem es kein anderes Gesetz geben darf und dass die Scharia nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Ja, es gibt extremistische Muslime – die übrigens in der Minderheit sind -, die das deutsche Gesetz ablehnen, aber die Mehrheit steht hinter dem Grundgesetz und beansprucht den Artikel 4, der die Religionsfreiheit garantiert.

Hier muss eines klar gestellt werden: Islam ist nicht Politik.

Religion und Staat gehören getrennt. Das behaupte nicht ich einfach so, es steht im Koran folgendes:

„Allah gebietet euch, dass ihr die Treuhandschaft jenen übergebt, die ihrer würdig sind;” (Koran 4:58)

Konkret sagt die Aufforderung, die „Treuhandschaft“, also die Regierungsgeschäfte, jenen zu übergeben, die ihrer würdig sind. Wählen soll man solche, die nach Gerechtigkeit handeln. Hier wird als Voraussetzung weder die Religion, Hautfarbe, Geschlecht noch irgendein anderes Merkmal genannt.

Nun zum Vorwurf, dass die Scharia nicht Grundgesetzkonform sei. Anhand 7 Artikel aus dem Grundgesetz werde ich nun zeigen, dass die Scharia eben doch GG-konform ist!

5. “Der Koran verbreitet Terror.“

Weniger als 0,5 % der 6236 Verse des Korans sprechen über den Jihad mit einer Waffe. 99 % der Verse befassen sich mit dem innerem Kampf, also dem wahren Jihad. Dem Kampf gegen den inneren Schweinehund. Jihad bedeutet übersetzt „Anstrengung“. Der Koran widerlegt mit einem einzigen Vers all jene, die dieses Buch durch zusammenhangloses Zitieren missbrauchen:

Er ist es, Der das Buch zu dir herabgesandt hat; darin sind Verse von entscheidender Bedeutung – sie sind die Grundlage des Buches – und andere, die unterschiedlich gedeutet werden können. Die aber, in deren Herzen Verderbnis wohnt, suchen gerade jene heraus, die verschiedener Deutung fähig sind, im Trachten nach Zwiespalt und im Trachten nach Deutelei. Doch keiner kennt ihre Deutung außer Allah und diejenigen, die fest gegründet im Wissen sind, die sprechen: „Wir glauben daran; das Ganze ist von unserem Herrn“ – und niemand beherzigt es, außer den mit Verständnis Begabten – (Koran 3:7)

Der Koran ist ein historisches Buch

Es ist äußerst wichtig zu verstehen, dass der Koran an den Verstand appelliert. Und den Leser zu einer kritischen Haltung einlädt. In diesem Vers ist die Rede von “Wir glauben daran; das Ganze ist von unserem Herrn”. Somit sei all jenen Kritikern des Korans gesagt, dass der Koran kein Nachschlagewerk ist, sondern ein historisches Buch. Ohne seine Geschichte und ohne Gebrauch der Vernunft und des Verstandes in Betracht zu ziehen ist jegliches Zitat aus dem Koran wertlos. In diesem oben zitierten Vers wird deutlich, dass ein zusammenhangloses Zitieren aus dem Koran Zwiespalt und Deutelei hervorruft, dass im Islam nicht gestattet ist.

Es gibt eine Reihe weiterer Vorwürfe und Lügen seitens Islamkritiker. Sie bedienen sich im Prinzip von typischen Methoden zum Missbrauch von Texten. Letztendlich führt kein Weg daran vorbei, sich selbst ein Bild vom Islam durch richtige Muslime zu machen, die ihren Glauben ernst nehmen und diesen in ihrem Alltag praktizieren.

Deshalb lade ich jeden dazu ein, sich von Muslimen beraten zu lassen. Von denen, denen ihre Religion wichtig ist und die sich in dieser Gesellschaft im Rahmen des Grundgesetzes einbringen möchten. Redet mit diesen Muslimen statt mit einer extremistischen radikalisierten Minderheit, die ein festes Programm zur Spaltung der Gesellschaft fährt.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

Einen kritischer Kommentar zum Islam hat unser Autor Mathias Werner hier verfasst:

Das hat natürlich was mit dem Islam zu tun

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