Podiumsdiskussion mit der AfD: Religionsfreiheit? Aber nicht für Muslime!

Kolumne Islam

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Religionsfreiheit? Aber nicht für Muslime!

Am 22. Dezember 2018 fand eine Podiumsdiskussion mit dem Thema “Schleichende Islamisierung oder Recht auf Religionsausübung?” in einer der Moscheen der Ahmadiyya Muslime mit Anhängern der rechtsradikalen Partei AfD statt. Unter den Gästen befanden sich auch der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya Muslim Gemeinde, Herr Abdullah Wagishauser, Imam Said Arif und Stephan Anpalagan, Autor & Kolumnist, u.a. beim Volksverpetzer. Moderator: Herr Mansoor, angehender Jurist.

Die Diskussion ging etwa 2 Stunden lang. Zusammengefasst kann man sagen: Den AfD-Anhängern Herrn Wissenbach & Herrn Sydow wurden Fakten & Sachargumente präsentiert. In ihren Antworten, die keine waren, erkannte man das typische Muster: “Das haben Sie nicht richtig verstanden. Das habe ich nicht so gemeint. Das … aber … Islamisierung!”



AfD: „Wenn Sie zu Gott wollen, Jesus ist der einzige Weg“

In dem AfD-Programm steht, “die AfD bekennt sich zu der uneingeschränkten Glaubens und Gewissensfreiheit”. Weiter heißt es, dass der islamische Religionsunterricht abgeschafft werden sollte, während der christliche Religionsunterricht weiterhin verpflichtend bestehen bleiben soll. Auf die Frage über diese Doppelmoral, ob der Religionsunterricht nur für Christen gelten soll, antwortet der Anhänger der AfD, Klaus Sydow: “Also, es ist jetzt speziell erst Mal für den christlichen gesehen.”

Auf gut Deutsch: Religionsfreiheit, aber bitte nicht für Muslime! Später sagt Herr Sydow “Wenn Sie in Deutschland in Freiheit leben wollen, wählen Sie die AfD. Wenn Sie zu Gott wollen, Jesus ist der einzige Weg.” So viel zum Verständnis der AfD von “Freiheit”.

Auf den Vorstoß von Alice Weidel, die Ahmadiyya Gemeinde verbieten zu wollen, sagte Herr Wissenbach, dass er dies nicht unterstützen würde. Wieso auch, er war ja schließlich bei den Ahmadiyya Muslimen zu Hause. Es wäre ja respektlos, aber die Respektlosigkeit kommt später noch Mal zum Vorschein.

„Der vorauseilende Gehorsam der Linken und Grünen“

Herr Wissenbach ist sichtlich empört über die vermeintlichen Namensänderungen des Osterhasen, des Weihnachstmannes und des Weihnachtsfestes. Auf die Frage, ob er dies auf eine vermeintliche Islamisierung zurückführt, sagt er “Nein. Das ist eher der vorauseilende Gehorsam der Linken und Grünen.” Gemeint ist mit anderen Worten: “Links-grün-versiffte Islamisierung!”.

Im nächsten Satz sagt er noch “Die AfD setzt sich wacker dafür ein, dass diese Namensänderungen nicht stattfinden, ich hoffe Sie auch!” — Sie auch? Wir Muslime sollten uns mit der AfD solidarisieren? Auf diesen Satz habe ich später Herrn Wissenbach eine Frage gestellt:

“Herr Wissenbach, Sie wollen, dass wir uns dafür einsetzen, dass diese Namensänderungen der christlichen Begriffe nicht stattfindet. Eine Zusammenarbeit geht ja nur Hand in Hand. Ihre Partei möchte die Religionsausübung ausschließlich für Muslime durch Verbot des Koran, Verbot der Ahmadiyya Muslime (Alice Weidel) usw. einschränken. Wenn dies geschehen würde, würden Sie sich für unsere Religionsfreiheit einsetzen?”

“Ich halte Sie an dieser Stelle nicht für Muslime.”

Herr Wissenbach versuchte sich wieder durch eigenwillige Erklärungen heraus zu reden. Ich entgegnete ihm noch ein Mal die Frage, ob die Religionsfreiheit der Muslime verteidigen würde. Wissenbach antwortete mit einem höchst respektlosen und meiner Meinung nach verfassungswidrigen Satz: “Ich halte Sie an dieser Stelle nicht für Muslime.”

Die AfD. Eine fundamentalistische Partei, die direkte Parallelen zu Islamisten hat. Islamisten sprechen Muslimen die Religion in anderen Ländern ab. Hierzulande übernimmt diese Aufgabe die AfD.

Dem Schlusswort von Herrn Wagishauser, dem Bundesvorsitzenden der Ahmadiyya Gemeinde, ist nichts hinzuzufügen: “Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, wenn die AfD nicht von ihrem islamfeindlichen Kurs abrückt, dass sie keine große Zukunft haben wird.”

Der Link zur ganzen Podiumsdiskussion:

Artikelbild: Screenshot youtube.com

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