Straßburg: Wie Rechte verzweifelt versuchen, Terroristen zu Muslimen machen

Kolumne Islam

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Wer Unschuldige tötet, ist KEIN Muslim!

Eines vorweg: Das, was am Dienstagabend in Straßburg passiert ist verurteile ich aufs Schärfste. Inna lillahi wa inna ilaihi raje’un! Meine Gedanken sind mit den Opfern und ihren Angehörigen, denen ich mein tiefstes Beileid ausspreche.

Lassen Sie uns aber kurz zwei Dinge vergleichen:

Paris – “125.000 “Gelbwesten” legen ein ganzes Land lahm. Bilanz: 1723 Festnahmen, 264 Verletzte. 3 Tote.” Der Schaden liegt im Millionenbereich. Niemand kommt auf die Idee, diese wütenden und zerstörerischen Franzosen als “Christen” zu bezeichnen. Würde man die Menschen fragen, ob diese Proteste “christlich” wären, würden die allermeisten “auf gar keinen Fall!” sagen. Großer Beifall in Deutschland von der AfD übrigens für diese Aktion.

Straßburg – “Ein Mann eröffnete am Dienstagabend das Feuer in der Nähe des Weihnachtsmarkts in Straßburg und tötete mehrere Menschen.” Erste Meldung: Terror, erste Reaktion in den sozialen Medien: “Das muss ein Muslim sein!” Zweite Meldung: Attentäter hat einen arabisch klingenden Namen und sieht arabisch aus. Zweite Reaktion: “Muslime sind Terroristen! Grenzen schließen! Islam verbieten! Die Welt ohne Religionen wäre sicherer!” Währenddessen ist der Täter auf der Flucht. Der Purge im Netz gegen Muslime ist eröffnet! 



Es liegt auf der Hand, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

Am Dienstag Abend hörte ich über den Vorfall aus Straßburg und ich wusste genau was passieren wird. Unter diesem Tweet sind mittlerweile über 150 Antworten. War zu erwarten, denn schließlich hatte ich den Tisch für Rechte User reichlich gedeckt. Unter diesem Tweet wimmelt es nur von AfD-Anhängern, Identitären und allen anderen aus der rechten Ecke.

Terrorist = Muslim, Muslim = Terrorist?

Framing ist eine bekannte Methode der Rechten & ihren Freunden, den sog. “Islamkritikern”. Ihr selbst gebasteltes Frame basiert auf bekannten Mustern: Arabisches Aussehen + Terror = Muss ein Muslim sein! Arabisch klingende Sprache + Terror = Muss ein Muslim sein!

Dieses Frame bricht jedoch in kleine Einzelteile, wenn wir uns folgendes Hadith (zweit wichtigste Quelle im Islam, nach dem Koran) anschauen:

„Muslim ist jener, vor dessen Zunge und Hand Menschen sicher sind.“ (Hadith, Buch Sunan an-Nasa’i 4995)

Mittlerweile haben rechte Netzwerke durch massive Verbreitung von Falschinformationen die Wahrnehmung so sehr manipuliert, dass die Frage, ob ein Vergewaltiger, Mörder oder Terrorist ein Muslim sein kann oder nicht, überhaupt keine Relevanz mehr erhält. Man versucht Terroristen zu muslimisieren, statt ihnen den Glauben in Frage zu stellen.

Ein Glauben, welcher übrigens das Töten eines einzelnen Menschen praktisch zu einem Genozid erklär und verurteilt:

Laut obigem Hadith ist ein wahrer Muslim verpflichtet, andere mit ihrer Zunge – also verbal –, und mit ihrer Hand – also physisch –, zu beschützen. Journalisten, Medien, Politiker und alle anderen sind verpflichtet die Bezeichnung “Muslim” anhand islamischer Quellen zu prüfen.

Ich selbst versuche als wahrer Muslim meine Religion mit bestem Wissen und Gewissen zu praktizieren. Und ich muss immer wieder und wieder feststellen, wie freizügig andere mit dem Begriff “Muslim” umgehen, welcher im Übrigen “Gottergeben” heißt.

Seid versichert, dass ich als Muslim die Rechte aller Menschen beschützen werde, denn meine Religion verpflichtet mich hierzu. Ein Muslim ist auch gleichzeitig ein Humanist, denn wer seinen Schöpfer liebt, muss auch Seine Geschöpfe lieben.

Artikelbild: Netfalls Remy Musser, shutterstock.com

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