Fleischkonsum reduzieren, um Ressourcen zu schonen?

Nicht mit diesen Facebook-Nutzern

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Dass wir um des Klimas Willen unseren Fleischkonsum reduzieren müssen, ist keine neue Erkenntnis, Deshalb sind Artikel, wie der mit dem Titel „Deutsche sollen nur halb so viel Fleisch essen“ ebenso häufig wie richtig. Doch das schmeckt den Usern nicht. Die Reaktionen unter solchen Artikeln hat sich Friedemann Kipp in seiner Kolumne angeschaut. Und musste sich durchaus dafür schämen.

Hallo und willkommen zum zweiten Eintrag im Jahr 2018. Nachdem ich mich nun zwei Wochen entspannt habe, fühlte ich mich sogar einigermaßen bereit, mich wieder in die Kommentarspalten zu stürzen, ohne dabei gleich Tränen zu vergießen. Gesagt, getan. Heute wollen wir uns von den bundespolitischen Themen, die die letzten Einträge dominiert haben, mal ein wenig wegbewegen. Daher habe ich mir diesmal etwas Gesellschaftliches vorgenommen.

Ich möchte vorwegschicken, dass ich mich bei den Recherchen für diesen Eintrag wie bei keinem anderen zuvor geschämt habe. Der Bevölkerungsgruppe, der die heutigen Kommentare entstammen, gehöre ich nämlich auch an. Die Rede ist von Fleischessern.

Carnivoris major

Man sehe mir nach, dass ich diesmal thematisch nicht allzu weit ausholen will. Der Kampf zwischen Befürwortern und Gegnern des Fleischkonsums ist nicht wirklich neu und beide Seiten haben sowohl gute als auch schlechte Argumente und Methoden, ihn auszutragen.

Unterm Strich bleibt zu sagen, dass die aktuelle Situation nicht tragbar ist. Das Gewicht der ethischen Argumente, die von erbärmlichen Haltebedingungen in der Massentierhaltung bis hin zum Töten eines Tieres aus kulinarischen Gründen an sich reichen, mag aufgrund persönlicher Ansichten schwanken, aber die meine ich damit nicht einmal.



Anders sieht es beim Ressourcenverbrauch aus. Massentierhaltung frisst unverhältnismäßig viele Ressourcen. Bevor so ein Stück Fleisch nämlich auf unseren heimischen Tellern landet, braucht das Tier, dem es entstammt, nämlich selbst eine ganze Menge Futter und das will irgendwo angebaut werden. Die Fleischproduktion kostet immense Mengen an Wasser, sorgt für beängstigend hohe Treibgasemissionen und der Futtermittelanbau verschlingt ein großes Ausmaß an Nutzflächen.

Und am Ende finden wir dann im Discounter um die Ecke abgepacktes Fleisch zu je 1,99 € pro Pfund. Das hier etwas nicht stimmen kann, steht außer Frage.

Umweltschützer legen deshalb nahe, den Fleischkonsum zu überdenken und sinnvollerweise zu reduzieren. Zwar geht der durchschnittliche Fleischkonsum in Deutschland in den letzten Jahren schon langsam zurück, jedoch müsste sich hier noch weit mehr tun. Für weitere Informationen und Belege hierzu empfehle ich übrigens einen Blick in den “Fleischatlas 2018”, eine von BUND und der Heinrich Böll-Stiftung herausgegebene Daten- und Faktensammlung zum Thema Fleisch als Nahrungsmittel. Ihr könnt ihn euch als kostenlose PDF herunterladen.

 

Der Ton macht die Musik

Der Artikel, zu dem die heutigen Kommentare abgegeben wurden, wurde von der WELT veröffentlicht. Wie wir aus vorherigen Einträgen wissen, tut sich eben diese etwas schwer, wenn um das Formulieren von adäquaten Überschriften geht. So auch dieses mal, wie wir im Folgenden sehen können:

(18.01.2018; Anm.: Der Facebook-Post wurde mittlerweile von n24 entfernt. Der Post war betitelt mit „Deutsche sollen nur noch halb so viel Fleisch essen“ und verwies auf diesen Artikel)

Wer den Artikel anklickt, findet tatsächlich eine recht subjektive Darstellung von allerlei Informationen rund um den Fleischkonsum und die Empfehlung der Reduzierung desselben sowie Maßnahmen, mit denen man dies erreichen könnte.

Freilich muss man den Artikel hierzu auch wirklich anklicken und im Idealfall sogar die von der WELT dafür veranschlagten sieben Minuten Lesezeit investieren, um sich des Inhalts vollends gewahr zu werden. Und wie wir ja schon ein paarmal feststellen durften, hat es der gemeine Facebook-Kommentator damit nicht so. Schauen wir also mal in die Kommentare.

 

Hauptsache dagegen!

Zugegeben, die Überschrift ist ein wenig maßregelnd formuliert. Dass es sich dabei nicht um eine Verpflichtung handelt, sondern lediglich um eine Empfehlung im Sinne des Erreichens bestimmter Ziele bezüglich Umweltbelastung, Tierwohl usw., geht da schnell verloren. Und somit verfallen die Rezipienten wieder reihenweise in Trotzhaltung und antworten sinngemäß alle Folgendes:

Welch Geistes Kind sind jene, die sich Experten schimpfen, den Deutschen einfach das gute Fleisch VERBIETEN zu wollen!? Narren und Nichtsnutze will ich sie heißen, allesamt, wie sie dastehen und derlei Unfug zu fordern wagen! Eine Unverfrorenheit, die ihresgleichen sucht! Ist es doch des Deutschen angestammtes Recht (!), sich vom Fleische des Tieres zu nähren, wie es ihm beliebt. Was soll kredenzt werden, wenn man sich zum Feierabend hin mit der Familie an der Tafel versammelt, um gute Gesellschaft zu halten und von den Geschehnissen des Tages zu sprechen? Etwa… Gemüse? Schon mein Vater aß allabendlich Fleisch vom Schwein, wie auch schon sein Vater vor ihm. Und nun soll mir das Fortführen dieser gar stolzen Tradition von irgendwelchen dahergelaufenen Kretins verwehrt werden? Schande, rufe ich aus. SCHANDE!

 

Ich dachte mir, wenn die Argumente schon so schwach sind, dann kann man sie ja wenigstens mal in ein hübsches Sprachbild verpacken, oder nicht? Leider las ich nichts dergleichen. Was ich stattdessen vorfand, habe ich in einer kleinen Best-Of-Collage zusammengefasst.

Von blankem Zorn bis hin zu Verwirrung und Ratlosigkeit ist also alles dabei. Betrachten wir nun einige weitere Exemplare im Einzelnen.

Genau, Steffi! Dauernd diese Minderheiten, die irgendwas fordern. Erst die ganzen Muslime, die irgendwo eine Moschee hinklatschen wollen, nun auch noch diese Baumschmuser, die einem die grobe Mettwurst von der Stulle mopsen wollen. #naistdochwahr

Weißt du, Steffi, der Umstand, dass die Umweltexperten, die dich hier “nerven”, eine Minderheit sind, ist genau das Problem. Hätte jeder ein umfassendes Verständnis von der Fleischindustrie und ihren Auswirkungen, hätten wir vielleicht einige Probleme gar nicht.

Ich habe einen Moment gebraucht, aber ich vermute, dass Mayk hier auf die Sache mit der H&M-Werbung für einen gewissen Pullover anspielt. Aber was genau soll das nun hier? Hat der Kommentar den Anspruch, witzig zu sein? Oder willst du einfach nur dagegen protestieren, dass die H&M-Werbung als rassistisch angesehen wird? Wenn ja, wieso hier? Fragen über Fragen…

Mensch, Marion, schalt mal einen Gang runter. Hier wird nichts vorgeschrieben, hier wird empfohlen. Warum du nochmal zwischen Zwangs- und regulären Vorschriften unterscheidest, ist mir nicht ganz klar, aber ich kann dich beruhigen, beides liegt hier nicht vor. Was die Bevormundung angeht, sieht es vielleicht etwas anders aus.
Wann muss jemand bevormundet werden? Wenn sein eigenes Urteilsvermögen offensichtlich nicht ausreicht, um eine richtige Entscheidung treffen zu können. Jemand, der für einen Euro je Pfund Hackfleisch kauft, obwohl ihm klar sein müsste, dass hierbei irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann, der bedarf vielleicht einer gewissen Bevormundung.

Und es ist ja nicht so, als würde man einfach über dich hinweg entscheiden wollen. Vielmehr ist man gewillt, dich durch Argumentation dazu zu bewegen, selbst zu der geforderten Einsicht zu gelangen. Sicherlich hätten die Verantwortlichen Besseres zu tun, aber da ein Umdenken auf breiter Front bis dato ausgeblieben ist, müssen sie sich eben weiter mit Leuten wie dir auseinandersetzen.

Amen! Um die Lust geht es ja gar nicht, die kannst du haben, so oft du magst. Es geht nur darum, dass du dir die Pampe einfach ein wenig seltener aufs Brot schmierst.

Hey, das finde ich nun wirklich unfair. Das ist kein reines Herrenproblem. Tatsächlich war, soweit ich das anhand der Namen und Profilbilder der Kommentatoren beurteilen konnte, das Verhältnis zwischen Männlein und Weiblein unter den “Lasst-mich-in-Ruhe”-Verfechtern relativ ausgeglichen.

Iss du nur, Uwe, kein Thema. Aber was soll der Satz danach bedeuten? Was sollte man denn von dir wollen? Willst du dein Essen dann mit deinem Besucher teilen? Und was sollen diese beiden verschmitzt lachenden und zwinkernden Smileys? Das ist unheimlich, Uwe. Wirklich unheimlich. Ich möchte dich nicht besuchen.

 

Wenn es kein Fleisch mehr gibt, frühstücke ich eben Clowns

Ich vermute, die folgenden Kommentare basieren überwiegend auf folgender Annahme:

Hm, ja, kann schon sein, dass da ein paar dabei waren. Und weiter? Ist es neuerdings Veganern vorbehalten, sich Gedanken um Klima und Ressourcenverbrauch zu machen?

Nunja, wer hat schon Lust, sich mit Argumenten auseinanderzusetzen, wenn man doch stattdessen total innovative Witze machen?

Haha…ha..hihi. Der Witz ist älter als mein Großvater. Zwar ziehe ich aus gustatorischen Gründen ebenfalls Steak einem vegetarischen Gericht vor, aber das macht es auch nicht lustiger.

Ach Günter, du hast doch sicher schon zu Schulzeiten deine Mitschülerinnen reihenweise mit deinem feschen Humor rumgekriegt, nicht wahr?

 

Und was ist mit den Muslimen?

Ja, ihr lest richtig. Einige Spezialisten haben tatsächlich die Brücke von Fleischkonsum zu Migration und Flüchtlingen geschlagen. Im Ernst, habt ihr etwas anderes erwartet?

Ich vermute einfach mal, dass auch dieser Kommentar witzig sein soll. Aber irgendwie liest er sich nicht so. Er ist lang und annähernd orthographisch korrekt geschrieben und liest sich daher beinahe ernst gemeint, was ich ziemlich beunruhigend finde. Vor allem dieser Daumen nach oben am Ende. So als sei Martin von glühendem Unverständnis erfüllt, wieso denn bisher niemand auf diese so simple Lösung für gleich mehrere Probleme gekommen ist. Wahrscheinlich saß er wirklich eine Weile von dem PC und hat darauf gewartet, dass jemand etwas Zustimmendes darunter kommentiert. Etwas wie “Mensch, das ist es! Dass wir da vorher noch nicht drauf gekommen sind. Alles klar, wir treffen uns in einer Stunde vorm Flüchtlingsheim um die Ecke, bringt Besteck mit und wer hat, auch gerne einen Thermomix!

Natürlich. Das ist ja die Lösung für alles. Grenzen dichtmachen. Nix rein, nix raus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Christoph diesen Satz einfach unter JEDEN Artikel kotet, der in seiner Timeline auftaucht, ohne sich anzusehen, um was es überhaupt geht.

Weniger Fleisch essen? Lieber Grenzen dichtmachen!

Pflegekräfte brauchen bessere Bezahlung? Lieber Grenzen dichtmachen!

Der Bachelor musste sich wieder von einigen seiner sparsam beleuchteten Bikinibratzen verabschieden? Armer Kerl, lieber schnell die Grenzen dichtmachen! *Seufz*

Was ist eigentlich mit der Meinungsfreiheit? Normalerweise plärrt doch auch bei jedem beliebigen Thema jemand, dass man sich ja nicht mehr trauen könnte, seine Meinung zu äußern.

Na geht doch. Danke, Seb.

 

Das Kuriositätenkabinett

Anstelle des üblichen WTF-Kommentars gegen Ende habe ich heute eine ganze Reihe davon vorbereitet:

Ich habe den Kommentar wirklich oft gelesen und konnte leider nicht den Hauch von Verständnis für den Inhalt erlangen. Ernsthaft, ich habe keine Ahnung, was Klaus will. Aber es ist offenbar sehr lustig. So lustig, dass er einen lila Hund daruntergepostet hat. Ich werde die Vermutung nicht los, dass dieser Hund und Klaus die einzigen sind und bleiben werden, die darüber lachen.

Sehr puristisch, dieser Kommentar. Beinahe philosophisch. Die Stimme meiner Deutschlehrerin aus der Oberstufe hallt dumpf in meinem Kopf wider und fragt: “Was will uns der Autor damit sagen?”

Nun, vermutlich, dass aus seiner Sicht der Fokus bei Nutztieren auf dem Nutzen, nicht etwa auf dem Tier liegen sollte. Ein wenig unempathisch, aber okay. Leider ist selbst diese Argumentation völlig unbrauchbar, da sich damit bestenfalls den ethischen Aspekten des Fleischverzichts begegnen lässt. Umwelt- und Ressourcenaspekte werden davon nicht einmal angekratzt. Durchgefallen, Alex.

Recht hat er, der Marcel. Wenn man den Umweltschützern nur genug Fleisch verabreicht, wird aus “Esst weniger Fleisch” ganz schnell “Efft wmpfpf Flmpf…*erstickendes Röcheln*”.

Klasse, Marcel. Ich bewundere deinen Weitblick.

Gut zu wissen. Danke, Michael.

Nett von Eleonore, dass sie uns hier ungefragt ihren halben Speiseplan darlegt. Wenn er mir doch nur nicht so egal wäre. Aber eines nehme ich aus diesem Kommentar mit. Offensichtlich gibt es nämlich eine Zubereitungsform für Kartoffelklöße, dir mir bis heute verborgen geblieben ist. Das “Knatschen”. Ich werde alsbald versuchen, herauszufinden, was genau das sein soll. Wünscht mir Glück.

So, kommen wir zum letzten Kommentar:

In diesem Suchbild hat sich offenbar ein Kausalzusammenhang versteckt, der nun zur öffentlichen Fahndung ausgeschrieben ist. Sachdienliche Hinweise in der Angelegenheit werden unter waswilldertypdenneigentlich@wtf.de gerne entgegengenommen.

 

Fazit: Geht’s eigentlich noch?

Wie ich eingangs bereits erwähnte, hat mich die Recherche für diesen Eintrag wie bei keinem anderen zur Weißglut getrieben. Ich bin leidenschaftlicher Fleischesser und sehe mich auch in absehbarer Zeit nicht von diesem Standpunkt abweichen. Dennoch kann auch ich mich der Argumente auf Sachebene, speziell hinsichtlich Ressourcenverbrauch und Umwelt- bzw. Klimaaspekten nicht erwehren. Und ganz ehrlich? Das will ich auch nicht. Die Verantwortung dafür liegt bei jedem Einzelnen und auch wenn ich im Falle einer Realisierung der im Artikel vorgeschlagenen Maßnahmen – vornehmlich einer gepfefferten Preiserhöhung für Fleischprodukte – selbst betroffen bin, sehe ich dies als absolut angemessen an. Fleischkonsum kann auch bewusst erfolgen.

Zu qualitativ hochwertigerem und unter besseren Bedingungen produziertem Fleisch zu greifen, ist jedem möglich. Gegebenenfalls muss man eben wirklich seltener Fleisch essen, wenn es das Budget vorschreibt, dafür aber gutes Fleisch.

Ist es denn wirklich notwendig, sich hier in infantilen Trotz zu verkriechen und seine eigene Ignoranz hinter tonnenweise schlechten Veganerwitzen zu verstecken, nur um nicht darauf verzichten zu müssen, sich siebenmal pro Woche billigstes Fleisch von erbärmlicher Qualität, dem sowohl Geschmack als auch Konsistenz völlig abgehen, einverleiben zu können? Steckt da wirklich noch Genusswille dahinter, oder ist es das krampfhafte Festhalten an einem Missstand, der in diesem Land schon so lange als normal hingenommen wird, dass die sachliche Infragestellung desselben jegliche Reflektion verbietet und sofort als Angriff auf die persönlichen Rechte gilt?

Niemand will hier Fleischkonsum verbieten. Eine Empfehlung wird ausgesprochen. Die Empfehlung basiert dabei sogar nur begrenzt auf ethischen Motiven. Ob der Wert tierischen Lebens so zu bemessen ist, dass Fleischkonsum moralisch nicht vertretbar ist, muss tatsächlich jeder für sich entscheiden. Da steht ja auch nicht, dass wir aufhören sollen, Fleisch zu essen. Die Empfehlung sieht lediglich eine Reduzierung vor. Und diese wird hervorragend begründet. Dem Rezipienten wird alles an die Hand gegeben, was er benötigt, um die Empfehlung nachvollziehen zu können und im Idealfall eine ausreichende Motivation daraus zu ziehen, sie nicht nur umsetzen zu können, sondern es auch zu wollen.

Und was machen die Rezipienten? Sie schimpfen auf die Umweltschützer, beleidigen sie, machen Witze und sprechen ihnen gar das Recht auf ihre Meinung ab. Weil sie sich bevormundet fühlen. Weil die eigene Aufmerksamkeitsspanne nicht einmal mehr ansatzweise für das Erfassen komplexer Probleme wie den hier zugrunde liegenden ausreicht. Weil zwischen zwei Presswurstschnitzeln offenbar nicht einmal mehr genug Zeit für einen Funken an Selbstreflexion bleibt.

Die Informationen, auf denen die Empfehlung basiert, sind nicht grundsätzlich neu. Jeder hätte Recherche betreiben können und wäre nach rein rationaler Abwägung selbst darauf gekommen, dass das Ausmaß des Fleischkonsums in Deutschland nicht tragbar ist. Was die Autoren des Fleischatlas hier getan haben, ist nichts anderes, als diese Informationen auszuwerten und die gewonnene Essenz unverbindlich zur Verfügung zu stellen. Und genau dafür ernten sie die oben gesammelten Reaktionen. Ob die “Lasst-mich-doch-in-Ruhe”-Fraktion in ihrem beschränkten Denkvermögen jemals auf die Idee gekommen ist, dass unter den Umweltschützern vielleicht selbst passionierte Fleischesser sind, die nun mehr oder minder schweren Herzens – aber aus guten Gründen – ihren Fleischkonsum einschränken müssen, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden?

Nein, wahrscheinlich nicht. Gesehen wird nur ein Verein von Moralaposteln, die man sicherheitshalber als unbedeutende Minderheit abtut, um nicht hinhören zu müssen. Sie werden als baumschmusende Grünterroristen betrachtet, die das ganze Land mit ihrem unwerten, fleischlosen Lebensstil indoktrinieren wollen. Und das ist wahrlich ein Armutszeugnis für uns Fleischesser.

Glaubt mir, mir gehen die wirklich militanten, missionierenden Veganer, die einem in jedes Schnitzel hineinquatschen und aus der Haut fahren, wenn bei Grillpartys mein Steak nicht den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 20 cm zu ihrer dämlichen Grillzucchini einhält, genauso auf den Keks. Aber das macht ihre Argumente nicht schlechter. Und Argumente haben sie genug. Die derzeitigen Verhältnisse gebieten mindestens einen bewussteren Fleischkonsum. Bessere Qualität und angemessene Preise gehen da Hand in Hand. Wenn hierfür kein breiteres Bewusstsein unter den Fleischessern entsteht, wird es unweigerlich dazu kommen, dass der Staat eingreift. Das ist dann zwar tatsächlich Bevormundung, aber die haben wir dann möglicherweise sogar verdient. Ihr wisst ja, wer nicht hören will, muss fühlen.

Ich für meinen Teil habe mir unlängst die Adresse eines Bauernhofs in der Nähe herausgesucht. Dort verkauft man Fleischprodukte aus eigener Herstellung und das werde ich mir in der kommenden Woche mal genauer ansehen. Ich weiß, das “Ich kaufe nur beim Bauern um die Ecke”-Argument ist auch schon irgendwie abgedroschen, aber irgendwo muss man ja mal anfangen, nicht wahr?

Bis in zwei Wochen.

Diesen und ältere Beitrage von „kleiner Mann, große Worte“ findet ihr auf Kipps Blog „Kippfenster“

Warum sind so viele Leute mit Wahltrends überfordert?

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