Wegen der Klimapolitik muss ich von E-Auto auf Benziner umsteigen

| 27. November 2019

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Das Ende des E-Autos

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als ich mich entschied, ein E-Auto zu kaufen. Ich hatte eine Probefahrt mit einem Nissan-Händler vereinbart (Bis auf die unbezahlbaren Teslas hatte nur Nissan bezahlbare Elektroautos im Angebot). Ernsthaft skeptisch stieg ich in das Auto und drehte eine Runde. Aber nach 5 Minuten waren alle meine Zweifel gegenüber dem E-auto ausgeräumt. Ein Elektroauto ist in jeder Hinsicht überlegen.

Beschleunigung, Effizienz, Emission, Wirkungsgrad – der Unterschied ist unfassbar gegenüber einem Verbrennungsmotor. Es fühlt sich an, als steige man von einer Dampflok in einen Transrapid um. Selbst die Reichweiten-Ängste sind überbewertet, bei den kurzen Ladezeiten, die ein E-Auto heute benötigt. 300 km Reichweite in 20 Minuten Ladezeit ist durchaus akzeptabel. Eine tolle Technologie. Die Kaufentscheidung fiel sofort. Auto bestellt, ein paar Monate gewartet, ohne zu zögern den Verbrenner verkauft – der Umstieg von Dampflok auf Transrapid fiel ungemein leicht.



Als es noch wirtschaftlich war, E-Auto zu fahren

Das war zu einer Zeit, in der das E-Auto noch belächelt wurde. Der VW Abgas-Skandal sollte sich bald ankündigen, die Benzinpreise waren auf einem Rekordhoch – Autofahren war richtig teuer geworden. Der Kauf des Elektroautos war weniger ökologisch motiviert – sondern wirtschaftlich. Frohmütig summte mein kleiner Transrapid über die Straßen – in jedem Quartal des Jahres schrubbte das Auto 10.000 km. Ganz nebenbei und eher zufällig bemerkte ich, dass ich den C02-Rucksack des Autos nach einem halben Jahr schon auf null gefahren hatte und mittlerweile, dank eines günstigen Ökostrom-Anbieters, das Auto quasi schon 5 mal C02 neutral gefahren wurde und ich mich sogar ökologisch richtig cool fand.

Interessiert beobachtete ich, wie die Technologie sich weiter entwickelt, wie die Bundesregierung ankündigte, E-Automobilität besser zu fördern. Ich war so stolz auf mich, im richtigen Moment auf das richtige Pferd gesetzt zu haben – die Zukunft konnte nur noch besser werden. Alles lief gut. Bis Dobrindt das Ladesäulenverordnungsgesetz verabschiedet hat. VW hatte mittlerweile den Betrug an Millionen von Kunden durch die Dieselfahrzeuge zugegeben, ist aber mal wieder mit einem blauen Auge davon gekommen. Der in Elektromobilität mittlerweile abgehängte Konzern entschied sich dann, auf das E-Auto zu setzen.

Und das scheint ziemlich direkt mit der Ladesäulenverordnung im Zusammenhang gestanden zu haben (Mehr dazu). Mein Auto hat zwei Ladeanschlüsse. Typ 2 zum gemächlichen Laden und den weltweit am meisten verbreiteten Stecker Chademo zum Schnellladen (300 km Reichweite in 20-30 Minuten) – Es gibt noch einen zweiten Schnellladestecker namens CCS, den übrigendes VW nutzt und welcher in Europa stark verbreitet ist. Standardmäßig haben Schnellladesäulen alle 3 typen. Aber das Ladesäulenverordnungsgesetz schreibt vor, dass nur noch CCS und Typ 2 aufgebaut werden dürfen.

Die Politik machte mein E-Auto wertlos

Baut man noch einen Chademo mit ran – entfällt zu 100% die Förderung der Bundesregierung! Das machte sich zügig für mich bemerkbar. Vergebens suche ich nun häufig einen Chademo-Anschluss. Auf lange Sicht macht das mein E-Auto wertlos. Und Dobrindt hat viele Elektroauto-Pioniere, welche ein Auto mit weltweit standardisiertem Chademo fahren, quasi wirtschaftlich ruiniert. Gut zu wissen, dass ich ja jetzt auf E-VW umsteigen kann. Aber um ehrlich zu sein: Wer so viele Kunden so dreist betrogen hat – ohne Konsequenzen – bei dem würde ich nie wieder etwas kaufen.

Naja. Man hilft sich bekanntlich am besten selbst aus der Misere, wenn man improvisiert. Es gibt gottseidank Möglichkeiten, Adapter für CCS zu Chademo zu bauen. Die kosten dann zwar wieder ein paar Scheine – aber irgendwie müssen sich ja tausende E-Autofahrer in Zukunft selbst helfen. So war zumindest der Plan.

Diese Klimapolitik ist der Dolchstoß für E-Autos

Denn dann kam das jüngst verabschiedete Klimapaket der Bundesregierung. Und das ist jetzt ehrlich gesagt der Dolchstoß für die E-Mobilität (Mehr dazu). Jetzt ein E-Auto zu kaufen wäre ein Fehler. Und am besten sollte man sein E-Auto sofort verkaufen, wenn man es aus wirtschaftlichen Aspekten fährt. Es ist einfach mittlerweile stellenweise teurer, als wenn man ein Auto mit Benzin oder Dieselmotor fährt. Viel teurer (Mehr dazu). Es ist für mich ehrlich gesagt jetzt günstiger, wenn man sich ein Dieselaggregat kauft und damit sein E-Auto auflädt.

Bei den aktuellen Strompreisen, die ich mancherorts zahlen muss, lade ich für 17 Euro etwa 100 km Reichweite. Ich nutze die öffentlichen Ladepunkte, zu Hause habe ich keine Möglichkeit zu laden. Die Kommunen verlangen Anschlussgebühren, Standzeiten-Gebühren und teilweise bis zu 80 Cent die Kwh. Ich habe das Glück und lade für nur 40 Cent die Kwh in der Stadt – das ist aber immer noch etwa doppelt so teuer wie Benzin, wenn wir das auf die Reichweite berechnen.

Das Klimapaket der Bundesregierung fördert nicht die E-Mobilität. Es fördert Diesel- und Benzin-Autos. (Trotz des Co2-Preises, der mickrig ist). Meine Entscheidung ist also fast gefallen – Dank der deutschen Klimapolitik werde ich wieder umsteigen müssen. Von E-Auto auf den günstigeren Benzin-Motor. Oder Diesel.

Diese Klimapolitik – liebe Bundesregierung – Das habt ihr völlig verrissen. Es ist genau so eine Mogelpackung wie VW auf dem Prüfstand und die Abschaltvorrichtung: Es hört sich nett an – ist aber dreckig und ganz bestimmt nicht nachhaltig. In diesem Sinne: Danke Groko! Danke für den größten Unfug seit Langem.

Anmerkung 28.11.: In einer früheren Fassung erklärte der Autor, dass diese Entwicklung direkt mit dem Klimapaket der Regierung zusammenhing. Das ist natürlich so nicht ganz richtig, der Autor sah das Klimapaket nur als weiteres Versagen der Regierung, die Elektromobilität versus Verbrennungsmotoren zu fördern. Das war missverständlich und irreführend. Außerdem hat er Extrempreise gewählt, die auf kommunaler Ebene stark schwanken können. Diese sind ihm selbst begegnet und er wollte keineswegs verallgemeinern, diese nur als Beispiele nennen, für eine gefährliche Entwicklung, die er ausmache. Artikelbild: pixabay.com, CC0

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