So zerstört der Klimawandel Deutschlands kostbarstes Gut

| Umwelt/Klima | 23. Juni 2022

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Deutschlands Wasserproblem – Was hat die Industrie mit dem sinkenden Grundwasserspiegel zu tun?

Die bisher heißesten Tage des Jahres liegen kürzlich hinter uns. In Cottbus wurde letzten Sonntag mit 39,2 Grad der bisherige deutschlandweite Temperaturrekord für die zweite Junidekade gemessen (Quelle). Mit heißen Tagen kommt auch erhöhter Wasserverbrauch. Wo an Tagen, bei denen die Temperaturen nicht gerade um die 30 bis 40 Grad liegen, das meiste Wasser in den Morgenstunden verbraucht wird, steigt der Wasserverbrauch an heißen Tagen auch abends wieder stark an, um beispielsweise die Gärten zu bewässern (Quelle). Der steigende Verbrauch im Sommer hat bereits in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass in einigen Städten der Wassernotstand ausgerufen werden musste (Quelle, Quelle). Grund dafür ist eine veraltete Infrastruktur – und der sinkende Grundwasserpegel.

Sinkender Grundwasserspiegel lässt auf Dürre in Teilen Deutschlands schließen

Der Dürremonitor für Deutschland des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung liefert täglich Informationen zum Bodenfeuchtezustand in Deutschland und bescheinigt weiten Teilen Ostdeutschands und auch Teilen Süddeutschlands eine „außergewöhnliche Dürre“ im Gesamtboden bis etwa 1,8 Metern Tiefe (siehe Grafik). Der SWR berichtet außerdem, der Grundwasserspiegel in Rheinland-Pfalz sei seit der Jahrhundertwende um 25 Prozent gesunken (Quelle).

Dürremonitor Gesamtboden bis 1,8 m Tiefe; Quelle: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, Dürremonitor

Diese Zahlen sind umso besorgniserregender, als dass etwa 80 Prozent der deutschen Wasserversorgung über Grundwasserbrunnen abgedeckt werden (Quelle). Im Interview mit dem MDR sagte der Wissenschaftler Dr. Andreas Musloff vom Helmholtz-Zentrum, das Grundwasser in Deutschland würde trotz Klimawandels wahrscheinlich zwar nicht komplett zur Neige gehen, doch der Grundwasserspiegel könnte durch hohe Entnahmen so tief abgesenkt werden, dass Bohrungen nicht mehr wirtschaftlich wären (Quelle).

Der Kampf ums Trinkwasser hat längst begonnen

Bei ihren Recherchen hat die Redaktion CORRECTIV etwa 350 Verfahren zu Wasserkonflikten in Deutschland ausgewertet und herausgefunden, dass in den vergangenen zehn Jahren die gerichtlichen Konflikte um Wasser im Vergleich zur Dekade davor in 11 von 16 Bundesländern zugenommen haben. Beispielweise haben sich in Bayern die Verfahren in dieser Zeitperiode fast verdoppelt.

CORRECTIV macht außerdem auf ein weiteres brisantes Problem aufmerksam: Wer bekommt noch Wasser, wenn es knapp ist? Es ist nämlich nicht geregelt, wie das verfügbare Wasser im Falle einer Verknappung verteilt wird. Hinzu kommt, dass die größten Wasserverbraucher, unter anderem der Energieversorger RWE, häufig auf Jahrzehnte genehmigte Rechte über die Menge an Wasser haben, welche sie aus Boden, Flüssen oder Seen entnehmen dürfen. Und das für fast umsonst. Eine Anpassung an den Klimawandel sehen diese Verträge in den meisten Fällen nicht vor. Insgesamt verbraucht RWE für den Abbau der Braunkohle knapp 500 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr. Davon könnten rund zehn Millionen Bürger:innen ein Jahr lang mit Wasser versorgt werden (Quelle).

Nationale Wasserstrategie muss dringend verabschiedet werden

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mahnte zum Welttag zur Bekämpfung der Wüstenbildung und Dürre am 17. Juni dringend an, ein koordiniertes Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen voranzutreiben, um dem Rückgang des Wassers in Deutschland entgegenzuwirken. Der Bundesregierung liege seit einem Jahr der Entwurf der Nationalen Wasserstrategie vor, welche unter anderem die natürlichen Wasserreserven sichern und Vorsorge gegen Wasserknappheit leisten sollte (Quelle).

Die Wasserknappheit in Deutschland ist ein brisantes Problem, welchem sehr viel mehr Aufmerksamkeit – besonders von der Bundesregierung – geschenkt werden sollte. Der Verabschiedung der nationalen Wasserstrategie und der Überprüfung alter und noch laufender Verträge mit der Industrie sollten ein Vorrang eingeräumt werden.

Artikelbild: shutterstock.com / Screenshots

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