Nach „Hackerangriff“: Wir brauchen endlich mehr digitale Kompetenzen statt noch mehr Überwachung

Kolumne "Komm, wir bauen 'ne neue Welt"

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Der „Hackerangriff“​ und das Tal der digitalen Ahnungslosigkeit.

Die Reaktionen aus der Politik auf diesen „Hackerangriff“ sind typisch.

Schon wird nach einem starken Staat gerufen, nach „Hackbacks“, nach mehr Zugriffsmöglichkeiten für staatliche Behörden.

Dabei zeigen die aktuellen Leaks, wo es tatsächlich hapert: An Wissen darüber, wie man verantwortungsvoll mit Daten umgeht.

Mitgliedsdaten von kommunalen Parteimitgliedern werden geleakt? Wie ist denn ein Hacker an diese Mitgliedsdaten gekommen? Wahrscheinlich war das nur möglich, weil diese unverschlüsselt in einer Cloud oder einem Emailprogramm versendet wurden.

Politiker und Parteien sind also nicht in der Lage, verantwortlich mit den Daten ihrer Mitglieder umzugehen. Bequemlichkeit siegt, wenn eine entsprechende Verschlüsselung und damit einhergehende Sicherheit ein paar Klicks mehr bedeuten.


Wir brauchen nicht den starken Staat, wir brauchen digitale Kompetenz!

Wir brauchen nicht größere Zugriffsrechte durch staatliche Behörden, wir brauchen die Befähigung der Menschen, ihre eigenen Daten zu schützen.

Letztendlich begünstigt man durch einige der aktuellen Forderungen aus der Politik zukünftige Leaks eher, als dass man diese verhindert. Weil sie Sicherheitsvorkehrungen eher in Frage stellen als begünstigen.

Und es betrifft nicht nur Parteien. Wenn Unternehmen ähnlich sorglos mit Daten umgehen und unverschlüsselt sensible Daten verschicken, dann ist letztendlich auch Wirtschaftsspionage Tür und Tor geöffnet.

Wie viele Unternehmen schulen ihre Mitarbeiter wohl im verantwortungsvollen Umgang mit Daten? Wie viele Unternehmen setzen auf konsequente Verschlüsselung bei der Kommunikation über digitale Kanäle? Auch hier gibt es riesigen Nachholbedarf.

Vielleicht bietet der aktuelle Datenleak ja die Chance dafür zu sensibilisieren, was wichtig ist. Nicht eine größere staatliche Überwachung. Sondern allgemeinere, größere Kompetenz in Sachen Datensicherheit und eine größere Priorität auf Privacy-by-Design, also intuitiv verbaute Sicherheits- und Verschlüsselungsmethoden in Kommunikationsmedien. Und ein größeres Bewusstsein dafür, dass man Daten, die ins Netz gestellt hat, auch finden kann, wenn man sie nicht schützt.

Wir dürfen gespannt sein.

Artikelbild: Dieser Artikel erschien zuerst auf Majas Blog (hier), pixabay.com, CC0

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