Was nützen mir kostenfreie Busse, wenn keine Busse kommen?

Komm, wir bauen 'ne neue Welt

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Ein kostenloser ÖPNV ist eine wirklich gute Idee, aber einen wirklichen Nutzen hat die Maßnahme nur, wenn die Streckennetze konsequent ausgebaut werden. Wenn investiert wird. Wenn die Strecken auch in Kleinstädten und ländlichen Regionen eine höhere Taktung bekommen bzw. überhaupt erst einmal ein Bus fährt.

Die Bundesregierung denkt laut über Modellprojekte zum kostenlosen ÖPNV nach. Der Grund dafür sind die miesen Feinstaubwerte in den Städten, die einfach nicht in den Griff zu bekommen sind. „Yeah!“ dachte ich mir da erst. Immerhin fahre ich jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit. Und mein Busticket ist schon ziemlich teuer.  „Aber…“ war dann mein zweiter Gedanke.



Denn selbstverständlich wäre es schon cool, wenn der ÖPNV günstiger oder gar kostenfrei wäre. Aber… was nützen mir kostenfreie Busse, wenn keine Busse kommen?

Was nützen mir kostenfreie Busse, wenn keine Busse kommen?

Ich wohne ja in einer Kleinstadt am Rande des Ruhrgebiets. Ich wohne in einer Gegend, die verkehrsmäßig und auch vom Bahnnetz her eigentlich sehr gut erschlossen ist.

Und dennoch: Nach 20 Uhr fahren die Buslinien hier nur noch einmal die Stunde. Weggehen und nach Mitternacht heimfahren wollen? Was für Ansprüche habe ich eigentlich? Am Sonntag komme ich in manche Stadtteile auch erst vormittags und auch nicht unbedingt einmal in einer Stunde.

Und weil das Streckennetz so schlecht ist, fahren natürlich auch nicht so viele Leute Bus. Das führt dazu, dass die vorhandenen Linien nicht ausgelastet sind und ausgedünnt werden. Das führt dazu, dass nicht so viele Leute Bus fahren. Das führt dazu, dass die vorhandenen Linien nicht ausgelastet sind und ausgedünnt werden. Das führt dazu, dass nicht so viele Leute Bus fahren….

Ein Kreislauf, der dazu führt, dass der ÖPNV schlicht langsam stirbt.

Ich habe wirklich lange bewusst den Bus genutzt. Weil ich es auch für eine ökologischere Variante halte. Aber jetzt mache ich tatsächlich gerade meinen Führerschein. Ab Sommer werde ich ein Studium in der Abendschule beginnen. Und weil die Busverbindungen in meine Kleinstadt Abends so schlecht sind, müsste ich danach immer erst fast eine Stunde in der Stadtmitte der nächstgrößeren Stadt warten – was nicht unbedingt angenehm ist – und wäre dann noch mal fast eine Stunde unterwegs nach Hause brauchen.

Mit dem Auto werde ich vielleicht 25 Minuten brauchen. Das ist zwar teurer und unökologischer, aber schlicht nicht anders machbar.

Ein kostenloser ÖPNV ist also eine wirklich gute Idee, aber einen wirklichen Nutzen hat die Maßnahme nur, wenn die Streckennetze konsequent ausgebaut werden, statt eingedampft. Wenn investiert wird. Wenn die Strecken auch in Kleinstädten und ländlichen Regionen eine höhere Taktung bekommen bzw. überhaupt erst ein Bus fährt.

Ansonsten wird so eine Idee verpuffen. In Feinstaubwölkchen.

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