Abschiebung hochschwangerer Frau: Die Würde eines Flüchtlings ist antastbar

Kommentar

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Ist die Würde eines Flüchtlings auch Unantastbar?

In einigen Fällen scheint das offenbar nicht der Fall zu sein. Ja, es muss eine sichere Lösung für die aktuelle Flüchtlingspolitik her. Der Migrationspakt ist genau so ein Versuch, doch dieser wird von der rechten Ecke durch Fake News und Panikmache boykottiert. Vermutlich weil er den Rechtspopulismus obsolet machen würde.

4 Fakten über den „Migrationspakt“, über die die Rechten lügen

Eine hochschwangere Frau wird mitten in der Nacht abgeholt und muss zusammen mit ihrem einjährigen Sohn abgeschoben werden. Die Abschiebung hatten die Behörden angeordnet. In einem Krankenwagen wird die schwangere und mit Diabetes erkrankte Frau zum Flughafen gebracht. Doch das geht zu weit, es kommt zu Widerstandshandlungen. Die Abschiebung muss abgebrochen werden.



Was passiert hier? Was tun wir? Wo driften wir hin? Hat diese Frau etwa keine Würde?

Das ist leider kein Einzelfall. Bereits Mitte Oktober diesen Jahres hatte ein ähnlicher Vorfall für Empörung gesorgt. Ein werdender Vater wird aus dem Kreißsaal von 8 Polizeibeamten abgeführt. Auch er wird zum Flughafen gebracht, bis sich Hebammen für den werdenden Vater stark machen und die Abschiebung verhindern. Hat dieser Mann etwa keine Würde? Dass derartige Vorfälle eine hohe psychische Belastung sind, interessiert jenen, die derartige unwürdige Abschiebungen befürworten, herzlich wenig. 

Heimatminister Seehofer scherzte stolz zu seinem Geburtstag, dass 69 Flüchtlinge zu seinem 69. Geburtstag abgeschoben wurden. Einer der nach Afghanistan Abgeschobenen beging am nächsten Tag in Kabul Selbstmord. Sicherlich hat Herr Seehofer keine Schuld daran. Wir müssen uns aber fragen. ob wir die Würde eines Flüchtlings wirklich schützen oder nicht.

Wie weit gilt also der erste Artikel im Grundgesetz

“Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.”

für Menschen, die vor Krieg, Folter, religiöse Verfolgung und Hungersnot geflüchtet sind? Hat die staatliche Gewalt die hochschwangere Frau aus Mainz geschützt? Hat die staatliche Gewalt den werdenden Vater aus Saalfeld geschützt? Hat die staatliche Gewalt den psychisch labilen Afghanen, der sich das Leben in Kabul nahm, geschützt?

Schützen wir Flüchtlinge vor der täglichen Hasskampagne der “neuen Rechten”?

Deutschland wird oft als “christlich geprägtes Land” hochgehalten. Alle Flüchtlinge und Muslime sollten sich daran orientieren und sich anpassen, denn das wäre ja “Integration”. Doch ich habe starke Zweifel daran, dass gerade jene, die negativ, pauschal und diskriminierend über Flüchtlinge und Muslime herziehen, wirklich hinter christlichen Werten stehen.

Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen;

ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben?

Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben?

Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.


Matthäus 25,40

Wir müssen endlich lernen, dass Flüchtlinge gleichwertig sind und eine Würde haben, die von allen zu schützen ist. Razzienartige Abschiebungen aus Kreißsälen oder aus edem Unterricht sind ein Zeichen dafür, dass die Würde eines Flüchtlings nicht unantastbar ist. Ihre Würde wird mit Füßen zertreten.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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