AfD behauptet, zu ihrer Demo konnten nicht mehr kommen, weil sie „Angst hatten“

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Eine überwältigende Überzahl an Gegendemonstrant*innen stand der AfD in Berlin gegenüber.

Liebe AfD und liebe AfD-Wähler*innen,

was mich an euch so sprachlos macht, ist die Unverschämtheit, mit der ihr bzw. ihr Anhänger Begebenheiten so zurecht dreht, wie es gerade passt.

Hat der Facebook-User zunächst wochen- und monatelang den Eindruck, ihr seid eine riesengroße Partei, und hinter euch steht die absolute Mehrheit des deutschen Volkes, so reibt er sich nach dem letzten Wochenende verwundert die Augen. Eine überwältigende Überzahl an Gegendemonstrant*innen stand euch in Berlin gegenüber. Ihr hingegen seid hinter euren Erwartungen zurückgeblieben, höchstens aber wurden sie gerade so erfüllt.



„Angst vor Übergriffen“? – Die Opferrolle der AfD

Mit einem enormen Selbstbewusstsein auf der einen Seite, verkauft ihr die wehenden Deutschlandfahnen vor dem Brandenburger Tor als riesigen Erfolg. Gleichzeitig zieht ihr euch in euer Schneckenhaus zurück und drängt euch selbst in eine Rolle, die mit Haltung nichts mehr zu tun hat. Stattdessen erklärt ihr der interessierten Welt, dass nicht mehr kommen konnten oder wollten, weil sie „Angst vor Übergriffen hatten“.

Beispielhaft nennt ihr einen Vorfall in Leipzig, bei dem ein Bus angehalten wurde (das erwähnt ihr vielleicht noch) und dann mit einem Stein (bei euch sind es schon Steine) und Farbbeuteln (das fällt meistens unter den Tisch) beworfen wurde. Was echt mies ist, keine Frage. Aber: Ihr macht daraus einen Anschlag, der auf das Leben der Insassen abzielte. Bilder vom Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB schießen in den Kopf. Letztlich lagen Glassplitter im Inneren und niemand wurde verletzt, Gott sei Dank.

Dann guckt der FB-User heute in die Kommentarspalten und liest die Berichterstattung bzw. die Kommentare darunter. Und schüttelt den Kopf. „Linksfaschisten“, „Linkspopulisten“ (Was soll das sein?), „Antidemokraten“, „Loser“, „Kiffer“, „Verwahrloste“, und wer nicht noch alles, hätten euch bei eurer Demonstration gestört. Mh. Ihr werdet „mundtot gemacht“, ihr wärt „die neuen Juden“ (sic!), ihr seid rassistischen verbalen Angriffen ausgesetzt. Ihr schürt nicht den Hass, ihr bekommt ihn ab. Henne-Ei.

Gibt es den gemäßigten AfD-Wähler? Wo?

Und so stehen sich dann die Anhänger und Politiker der AfD auf der einen Seite und 87% der Deutschen auf der anderen Seite gegenüber. Und nichts geht voran. Es gibt nur noch ein Thema und verschiedene Stöckchen, über die wir mal mehr, mal weniger drüber hüpfen.

Ich habe mir ein ca. 4 minütiges Video eurer Demonstration gestern in Berlin angesehen. Warum guckt ihr so missmutig? So böse? Mitten im Mai und bei bestem Wetter. Entschuldigt, wenn ich das so sage, aber: So wie ihr guckt, kommentiert ihr auch. Missmutig, böse, zynisch, hämisch. Schon lange frage ich mich, gibt es den gemäßigten AfD-Wähler? Wenn, dann wäre es mal langsam an der Zeit, dass er sich meldet. Aber andererseits: Wenn es ihn gäbe, dann hätte er schon oft die Gelegenheit gehabt, mal mit dem Kopf aus dem Schneckenhaus zu gucken und leise zu rufen.

Text: Alex Urban, Artikelbild: Marcel Bauer

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