Faktencheck: Wollen Ahhmadiyya-Muslime „Kreuze brechen und Schweine töten“?

Kommentar

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„Kreuze brechen und Schweine töten“? Weltuntergangsstimmung von Stürzenberger

 

Michael Stürzenberger steht mit einem Dutzend weiteren Wutbürgern und selbst gebastelten Schildern vor einer feierlichen und friedlichen Grundsteinlegung der ersten Erfurter Moschee am 13. November 2018. Er spricht vom “Endsieg”, er spricht von “Kreuze brechen und Schweine töten”. Man könnte meinen, er warne vor dem nächsten Weltuntergang. Passanten und Autofahrer sind verwirrt, sie laufen an diesem Szenario vorbei und fragen sich was das soll, an diesem Mittwochnachmittag – an einem Tag wo andere Menschen arbeiten und ihr Geld ehrlich verdienen.

Nein, der Untergang ist noch nicht da. In Erfurt wurde der Grundstein für die 145. Moschee Deutschlands gelegt. Wenn man bedenkt, dass es in Deutschland mehr als 45.000 Kirchen gibt, dann ist es pure Stimmungsmache. Im Verhältnis machen Moscheen gerade mal 0,32% von der Gesamtzahl an christlichen und muslimischen Gotteshäuser aus.

(Quelle: statista.com)

Dieser Rechtspopulismus von Herrn Stürzenberger, der sich immer wieder absichtlich ins Getümmel stürzt, war es auch, der letztendlich dazu führte, dass der bayerische Verfassungsschutz sich entschied diesen Fanatiker zu beobachten:



Vom Verfassungsschutz beobachtet

Michael Stürzenberger ist weiterhin die zentrale Figur der Verfassungsschutz relevanten islamfeindlichen Szene in Bayern. Sein Umfeld setzt sich aus ideologisch Gleichgesinnten zusammen, die vorwiegend der „Politically Incorrect-Gruppe München“ (PI-München) zugehören. Oder der Ende 2016 aufgelösten Partei DIE FREIHEIT. Stürzenberger war bis zuletzt Bundesvorsitzender der Partei DIE FREIHEIT. Quelle: http://www.verfassungsschutz.bayern.de/weitere_aufgaben/islamfeindlichkeit/situation/index.html

Populisten spielen bekanntlich mit künstlich aufgeplusterten Zahlen. Damit wollen sie durch Panikmache Aufmerksamkeit erlangen. Diese Aufmerksamkeit wollte Herr Stürzenberger auch an jenem Mittwoch Nachmittag, als er Zitate aus dem Koran und aus den Schriften der Kalifen der Ahmadiyya Muslime zusammenhanglos auf großen bedrohlich wirkenden Schildern anbrachte. Auf einem dieser Schilder stand:

“Ich bin gekommen um das Kreuz zu brechen und das Schwein zu töten”

Kurze Google Suche zeigt folgendes Ergebnis:

Nehmen wir für einen kurzen Moment um der Argumentation von Herrn Stürzenberger willen an, dass es so gemeint ist, wie es da steht.

Schweine töten? Das können die Christen doch bereits sehr gut. Letztes Jahr wurden in Deutschland fast 58 Millionen Schweine getötet. Das ist natürlich nicht wörtlich gemeint. Von der Unzahl an Kreuzen, die man „brechen“ müsste ganz zu Schweigen. Die Wahrheit ist, dass sich hinter dem „Kreuz brechen“ und „Schwein töten“ eine gänzlich andere –nicht  wortwörtlich auszulegende– Bedeutungen verbirgt.

In der obigen Google-Beschreibung steht: “Er wird das Kreuz brechen (christliche Überzeugung vom Kreuzestod Jesu durch Argumente widerlegen), das Schwein töten (Unsittlichkeit bekämpfen)”. Der Link führt zur Seite der Ahmadiyya Muslime und enthält eine ausführliche Erklärung, die besagt, dass es sich hier um 1. ein Hadith und 2. eine Prophezeiung über die zweite Ankunft von Jesus handelt. Prophezeiungen sind nie wörtlich, haben nie eine direkte Sprache, sie sind zeitlos und somit beliebig interpretierbar.

Macht? Endsieg? Streben Ahmadiyya Muslime eine Weltherrschaft an?

Hierzu genügt es das aktuelle Oberhaupt der Gemeinde zu zitieren:

“Wir Ahmadiyya Muslime streben nicht danach, Europa, Asien, Afrika, Amerika oder irgendeinen Teil der Welt zu erobern. Wir streben nicht nach irgendeiner Macht, vielmehr ist alles, wonach wir streben, die Herzen der Menschen zu gewinnen und eine Botschaft des Friedens bis ans Ende der Welt zu verbreiten.” (Seine Heiligkeit, Mirza Masroor Ahmad, anlässlich einer privaten Audienz während der Jahresversammlung 2016 in Deutschland)

Es gibt in der über 120 jährigen Geschichte der Ahmadiyya Muslime hunderttausende von Beispielen, die das bestätigen, was der Kalif über Frieden sagte. Es gibt jedoch kein einziges Beispiel über eine angebliche “Islamisierung” oder “Endsieg”.

Was sagt Herr Stürzenberger hierzu?

Eine interessante Prophezeiung über Jesus befindet sich übrigens auch in der Bibel wieder. Dort heißt es an der Stelle 2 Tessalonicher 1,7-9:

 

„Wenn nun der HERR Jesus wird offenbart werden vom Himmel samt den Engeln seiner Kraft und mit Feuerflammen, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die so nicht gehorsam sind dem Evangelium unsers HERRN Jesu Christi, welche werden Pein leiden, das ewige Verderben von dem Angesichte des HERRN und von seiner herrlichen Macht“

Jetzt würde ich zu gern die Ausreden, Ausflüchte und Beschwichtigungsversuche von Herrn Stürzenberger sehen, der mit rot angelaufenem Gesicht “das hat damit doch nichts zu tun!” sagen würde. Na selbstverständlich nicht! Es ist ja auch eine Prophezeiung, eine Metapher, die nicht wortwörtlich zu nehmen ist. Wie alle anderen Zitate, die Herr Stürzenberger so gerne auf seinen Weltuntergangs-Auftritten in die Menge wirft.

Heilige Bücher wortwörtlich nehmen. Das tun nur Fundamentalisten und Fanatiker.

Herr Stürzenberger ist einer davon.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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