Warum du als CSU-Wähler jetzt die Grünen wählen solltest

Kommentar

image_print

Es herrscht Umbruchsstimmung im Freistaat Bayern.

In einem Bundesland, welches stets als Inbegriff deutscher Tugenden, aber auch einer bürgerlich konservativen Haltung gilt, schickt sich die Bevölkerung aktuellen Umfragen zufolge an, etwas zu tun, was in den letzten Jahrzehnten undenkbar war, nämlich der CSU bei den Landtagswahlen am kommenden Sonntag die absolute Mehrheit zu entziehen.



Quo vadis, CSU?

Die CSU war in den letzten Monaten um keinen Skandal verlegen. Sei es die Einführung des neuen Polizeiaufgabengesetzes, dessen Vereinbarkeit mit der Verfassung noch immer strittig ist, das Verhalten in der Causa Maaßen, in der man zunächst bestrebt war, besagten Herrn aufgrund seiner Verfehlungen gemütlich beiseite zu befördern,oder die grundsätzliche Wandlung der Sprache im Hinblick auf Migranten und Flüchtlinge.

Der offensichtliche Plan, weit genug nach rechts zu rücken, um potentielle AfD-Wähler weiterhin bedienen zu können, scheint jedoch nicht aufzugehen. Wie sagte schon Marc-Uwe Kling (wenn auch in anderem Kontext) “Die Leute werden immer die original Markenscheiße wählen, nicht die aufgewärmte Scheiße, die ihr ihnen andrehen wollt”. Will sagen: Wer es rechtspopulistisch haben will, der bekommt es bei der AfD aus einem Guss. Und ohne den verhassten Schulterschluss mit “Mutti” Merkel.

Weder christlich noch sozial

Was bleibt dann noch? Nun, beispielsweise die bürgerliche und oftmals auch konservative Bevölkerung. Und die scheint zunehmend kritisch auf die ersten beiden Buchstaben der Partei zu blicken, denn zuletzt kann man sie weder als erkennbar christlich noch als besonders sozial bezeichnen.

So steht man nun vielerorts kopfschüttelnd da als bürgerlich konservativer und vermisst die Partei, die die eigenen Werte vertritt und die Themen, die einen wirklich betreffen adressiert, wie beispielsweise Bildung, Wohnungsknappheit oder Pflegenotstand.

Und so begibt man sich scharenweise auf die Suche nach einer Alternative und findet sie – aktuellen Umfragen zufolge – in den Grünen.

Grünes Potenzial

Ja, ich spreche wirklich von DEN Grünen. Dass gerade diese Partei einmal in einem überwiegend konservativen Bundesland Erfolge einfahren könnte, mag zunächst unwahrscheinlich erscheinen. Aber die Prognosen deuten es an. Konnte die Partei bei der LTW 2013 gerade einmal 8,6% einfahren (zum Vergleich: Die CSU erreichte seinerzeit 47,7%), sind laut aktueller Umfragen aus September und Oktober (Link s.o.) zwischen 16,5 und 18% denkbar – Tendenz steigend. Hier spielt vermutlich auch hinein, dass die SPD mit ihrem derzeitigen Ringen um politische Identität und ums bloße Überleben auf der GroKo-Bühne den meisten Menschen nicht als verlässliche Anlaufstelle erscheinen mag.

Die Grünen bauen in Bayern nicht (nur) auf ihre angestammten Themen wie etwa Umweltschutz. Ein kurzer Blick in die “10 Punkte für Bayern” offenbart zwar auch die “angestammten” Themen wie Klimawelt- und Umweltschutz oder Energiewende, aber auch die weiter oben aufgegriffenen bürgernahen Themen wie Bildung, sozialer Wohnungsbau, innere Sicherheit oder Mobilität.

Christliche Werte findet man jetzt eher bei den Grünen

Und das scheint Anklang zu finden. Christliche Werte und progressives Denken schließen sich eben nicht aus, das wissen auch die Bayern. Lösungen für drängende Probleme vorzuschlagen, statt sich in Richtung Populismus zu verbiegen, scheint den Umfragewerten nach genau die Art Bürgernähe darzustellen, die die entrückte CSU vermissen lässt. Auch die Kirchen, lange Zeit Verbündete der Konservativen, wehren sich gegen den fremdenfeindlichen Kurs der CSU. Vielerorts setzen sie sich für Asyl ein, Kardinal Marx spendete erst 50.000€ an die Seenotrettung. Positionen, die auch die Grünen vertreten.

Natürlich sind es erst einmal nur Wahlversprechen auf der einen und Prognosen und Umfragen auf der anderen Seite. Ob wirklich ein Umbruch stattfindet, werden wir am kommenden Sonntag und – je nach Ergebnis – gegebenenfalls in den darauffolgenden Monaten sehen.

Diese Landtagswahl bietet allen Wahlberechtigten eine Möglichkeit, sich gleichzeitig sowohl gegen Populismus als auch gegen festgefahrene Politik zu stellen. Und ein deutliches Zeichen gegen Populismus kann Deutschland derzeit gut gebrauchen.

Artikelbild: Katharina Schulze Henning SchlottmannCC BY-SA 4.0: Ludwig Hartmann Rafael P. D. Suppmann CC BY-SA 3.0

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter

Kommentare sind geschlossen, abertrackbacks und Pingbacks sind offen.