Nach Polizei-Maßnahme gegen Journalisten: Nur noch gegenseitiges Anbrüllen

Kommentar

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Verhärtete Fronten.

Heute geht es bei einem Thema in den sozialen Netzwerken besonders hoch her: Ein Pegida-Teilnehmer wird von einem Journalisten und seinem kleinen Team in Sachsen gefilmt. Er bittet sehr aggressiv darum, nicht weiter mit der Kamera aufgenommen zu werden.

Das führt letztlich dazu, dass die daneben stehende Polizei eingeschaltet wird. Und „polizeiliche Maßnahmen“ ergreift, die sie aber auf Nachfrage nur recht verunsichert und auch nur ansatzweise erklären. Dem Zuseher jedenfalls erschließt sich diese Maßnahme nicht. (Wir berichteten)



Diskussion verkommt zu gegenseitigem Anschreien

Viel spannender ist aber der Umgang mit diesem Vorfall. Anstatt dass nun in den Gesetzestexten gewühlt und sachlich begründet wird, warum das Kamerateam auf einer Demonstration filmen darf, ohne jeden einzelnen Teilnehmer um Erlaubnis zu bitten, verhärten sich die Fronten.

Die einen werden virtuell angebrüllt, dass sie zu blöd seien und nicht verstehen, warum die Journalisten im Recht waren. Die anderen brüllen die einen an, dass die „schmierigen Journalisten“ und die „Lügenpresse“ nur dem System untergeordnet wären und sowieso alles falsch machen und die Feinde schlechthin sind.

Vorurteile gegen Ostdeutsche

In der Konsequenz wünscht man sich sogar die Mauer wieder. Allerdings eher, um „die Sachsen“ wieder einzusperren. Dieses gegenseitige Anbrüllen macht eins klar: Keine der Seiten ist besser als die andere. Diejenigen, die in der Presse den Feind schlechthin sehen, sind argumentativ nicht schlimmer als diejenigen, die pauschal verbal auf den Osten einschlagen.

Ich bin im Osten geboren und aufgewachsen, und ich sehe daher einige Dinge mit etwas anderem Augen. Ich habe auch Angst vor meinen Mitmenschen, die keinen Journalisten und keinem Politiker mehr glauben und in niemanden mehr Vertrauen haben. Natürlich ist das für die AfD ein perfektes Fangbecken.

Ich habe aber genauso wenig Verständnis für diejenigen, die um den Osten eine Mauer ziehen wollen.

Geht’s noch? Ich will nicht innerhalb einer Mauer leben.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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% S Kommentare
  1. Christoph sagt

    …und ich habe 25 Jahre nach dem „Beitritt der östlichen Bundesländer“ keine Lust mehr das System der FDGO erklären zu müssen….

  2. Susanne K. sagt

    „Fangbecken“ – dieser Ausdruck trifft es wirklich 100%-ig! Diese Menschen, die auf die AfD reinfallen, sind nicht nur in ihrer eigenen kleinen traurigen dunklen Welt gefangen, sondern werden von der AfD auch noch mit leeren Versprechungen hingehalten.

  3. Claus sagt

    Und ich möchte wieder nach Westeuropa zurück – die Mitte Europas war 1989 irgendwo in Frankreich …

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