Streng genommen ist jeder freiwillig Ungeimpfte ein „Impfgegner“

| Kommentar | 6. Dezember 2021

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Impfverweigerer = Impfgegner

Einige Forscher:innen diskutieren hin und wieder auch mit Impfverweigerern und halten den geäußerten Bedenken die Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien, niedrigschwellige Vergleiche, positive Erzählungen und seriöse Einschätzungen entgegen. Das lässt sich auf den persönlichen Social-Media-Profilen etwa von Virolog:innen hervorragend nachlesen. Wer sich die Mühe macht, das zu verfolgen, wird binnen kürzester Zeit auf ein interessantes Phänomen stoßen: viele Impfverweigerer (= freiwillig Ungeimpfte) beteuern, dass sie keine Impfgegner seien.

Dabei sind sich alle einschlägigen Expert:innen einig – die Schutzimpfung gegen das Coronavirus ist um einen riesigen Faktor sicherer als die Krankheit ohne einschneidende Komplikationen zu durchleiden oder darauf zu hoffen, nie an ihr zu erkranken. Ergo sind Impfverweigerer – also jene, die trotz dieser überall nachlesbaren und vielfach kommunizierten Expert:innenansichten die Impfung ablehnen – gegen eine Impfung, die nachweislich mehr nutzt als schadet. Sowohl dem Individuum als auch der Gesellschaft. Sofern keine Kontraindikation vorliegt, ist das jedoch exakt die Definition von Impfgegnern – also Menschen, die Impfungen ablehnen, obwohl ein überwältigender wissenschaftlicher Konsens sich eindeutig dafür ausspricht. Mit dieser Entscheidung wird nicht nur die eigene Person, sondern damit werden auch die Menschen im direkten Umfeld unnötig gefährdet.

Wie Nichtraucher mit der Zigarette im Mund

Wer das Vakzin gegen das Coronavirus ablehnt und gleichzeitig nicht als Impfgegner gelten mag, kann auch gleich sagen, dass er:sie Nichtraucher:in ist, während eine Kippe angezündet wird. Das kann man zwar machen. Mit der Realität hat das aber reichlich wenig gemein. Wenn man schon unbedingt Impfgegner sein mag und die Ursache für unnötig lange allgemeine Einschränkungen sein will, warum dann nicht wenigstens aufrichtig zu sich selbst und anderen sein und ehrlich sagen, was Sache ist?

Wer empfohlene Impfungen bei der heutigen für alle einsehbaren Informationslage ablehnt, der:die pfeift halt einfach auf die Wissenschaft. Wer empfohlene Impfungen bei der heutigen für alle einsehbaren Informationslage ablehnt, der:die pfeift halt einfach auf ein möglichst freies Leben und möchte letztlich sich und alle anderen unnötig lange einengen. Es wäre sinnvoll, sich das klarzumachen und einzugestehen, bevor man sich selbst und andere belügt.

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WURDE WIRKLICH NICHT GUT GENUG KOMMUNIZIERT ODER HABEN MANCHE EINFACH NICHT ZUGEHÖRT?

Immer wieder ist von diesen Impfgegnern in den Kommentarspalten zu lesen, dass Regierung, Behörden und Wissenschaft nicht transparent genug kommuniziert hätten, was uns bei einer zu niedrigen Impfquote (vor allem in den kalten Monaten) blüht. Und, dass keine Sprache verwendet worden wäre, die allgemein verständlich ist.

Doch darauf kann nur entgegnet werden: Tausende Interviews, Stellungnahmen, Pressekonferenzen, Positionspapiere, Appelle, Podcasts, Radioformate, Talksendungen und vieles mehr. Wie viel transparenter soll es denn noch sein? Und welche Sprache hat denn konkret gefehlt? Es gibt sogar ein Buch namens „Elternratgeber Impfen für Dummies“ von diesem Mai. Sollen Virolog:innen die Gefahr von tödlichen Krankheiten etwa mehr mit Zeichensprache vermitteln oder was fehlt Menschen, die derlei äußern? Fakt ist doch: sehr viel transparenter und intensiver hätte über die Pandemie und ihre Bekämpfung nicht berichtet werden können. Auf allen seriösen Kanälen und in allen seriösen Zeitschriften gab und gibt es dazu stundenlange Beiträge und ellenlange Texte.

Nicht deutlich genug? (Quelle)
So vielleicht? (Quelle)

Vielleicht weniger Telegram lesen?

Vielleicht wäre es für Impfgegner und jene, die keine sein wollen, sich aber wie welche verhalten, an der Zeit, häufiger im hiesigen Qualitätsjournalismus zu stöbern. Von den TV-Sendern ARD, ZDF, 3sat und Phoenix über die Zeitschriften FAZ, Die Zeit, Süddeutsche und Tagesspiegel bis hin zu den verschiedenen Radioformaten der Öffentlich-rechtlichen wie etwa Deutschlandfunk gibt es da hunderte sehens-, hörens- und lesenswerte Beiträge.

Und diese Aufzählung ist nur ein Ausschnitt jener Anbieter:innen, die in aller Regel sehr verlässliche Informationen zur Verfügung stellen, die vom eigenen Hause überprüft werden, bevor sie veröffentlicht werden. Stellt sich heraus, dass Fehler begangen wurden, werden diese richtiggestellt und korrigiert. Das gibt es im Schwurbelmilieu nicht. Den Fake-News-Schleudern von „Bild“, dubiosen Blogs und den bekannten YouTube-Kanälen kann auch einfach mal die Aufmerksamkeit entzogen werden. Ein einfaches Abschalten oder nicht Einschalten genügt. Da wäre durch Nichtstun der Gesellschaft und einem selbst sehr geholfen.

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Artikelbild: pixabay.com, CC0

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