Ich bin vor Islamismus geflohen. Und die AfD verhält sich genau so

Gastbeitrag von Nasir Ahmad

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Eine islamistische Partei Deutschlands: die AfD.

Früher war Religion Opium fürs Volk. Heute kann man getrost sagen, dass die Politik der AfD Opium fürs “Volk” ist. Wieso sage ich das? Drogen machen hemmungslos, Drogen verleiten zu Sprüchen wie „Trau dich!“ oder “Wir sind das Volk” oder „Die Herrschaft dieses Islam in Deutschland ist nichts anderes als die Herrschaft des Bösen“ (Zitat Bundesvorstandsmitglied Beatrix von Storch). Aber jetzt noch Mal zurück zum Titel.

Ich bin deutscher Muslim, Aktivist und Flüchtling. Geflüchtet bin ich mit meiner Familie vor Rechtsextremisten, um genauer zu sein: vor „Islamisten“, aus meinem eigenen Land, die mir meine Identität abgesprochen haben. Ich bin Ahmadi Muslim, meiner Gemeinde wurde per Gesetz die Religionsfreiheit entzogen. Rechtsextremismus ist also nicht per se „deutsch“, den gibt es auch in Pakistan.



Wir wurden in Pakistan diskriminiert

Es ist verboten worden, dass wir uns als „Muslime“ bezeichnen. Wir dürfen in Pakistan weder Moscheen bauen, noch dürfen wir islamische Formeln wie „Salam“ in der Öffentlichkeit nutzen oder islamische Feste, wie das “Zuckerfest” am Ende des Ramadan, feiern. Unsere Gemeinde ist aus der Öffentlichkeit von der pakistanischen Regierung praktisch verbannt worden.

Diesen Absatz wiederhole ich eigentlich jedes Mal, wenn Menschen wissen wollen wieso Ahmadi Muslime unter erzkonservativ sunnitischen Muslimen so sehr gehasst werden. Diese Situation, die ich anspreche, besteht seit 1974. Über unseren Glauben wurde parlamentarisch mehrheitlich entschieden. Von Menschen, die den Glauben selbst missbrauchen.

Erst vor Kurzem hat man einen neuen Premierminister, Imran Khan, gewählt. Er soll ein „Neues Pakistan“ schaffen. Es klang zunächst ein Mal utopisch, doch dann wagte er einen revolutionären Schritt: Imran Khan ernannte einen Ahmadi Muslim, Atif Mian, zum Mitglied seines Wirtschaftsberatergremiums EAS. Fernsehmoderatoren sprachen von „wie kann es sein, dass Imran Khan einen Ahmadi zu einem solch hohen und ehrwürdigen Posten ernennt?“ (Power TV Talk Shows vom 4. Sep 2018). Aufgrund des gesellschaftlichen Druckes und den Anfeindungen von Klerikern, Politikern und sogar liberalen moderaten Muslimen, musste Atif Mian nun zurücktreten. Seinen Rücktritt veröffentlichte er auf Twitter. Ihm folgten aus Solidarität 2 weitere nicht-Ahmadi Pakistanis.

Ich bin also seit meiner Geburt Staatsfeind Nr. 1 in Pakistan.

Sich damit zu brüsten ist eigentlich als Demokrat und deutscher Bürger etwas verwirrend, aber in diesem Kontext zulässig und erwähnenswert. Zurück nach Deutschland 2018. Ich erlebe ein Dé jà-vu. Ehrlich gesagt kommt mir die aktuelle Entwicklung einer rechtsextremistischen Partei in Deutschland sehr bekannt vor.

Hier in Deutschland, in meiner neuen Heimat, spricht man mir plötzlich die Identität ab. Man will uns den Bau von Moscheen verbieten und ja, Fr. Alice Weidel hat auch schon auf einem Plakat die Forderung „Islamische Ahmadiyya verbieten!“ gestellt.

In Mörfelden-Walldorf hat die rechtsradikale Partei der AfD eine Veranstaltung eingeklagt, nachdem man ihnen sagte, dass sie dort nichts zu suchen hat. Hunderte Gegendemonstranten standen draußen bei der “Blues gegen Rechts” Band. In dieser Veranstaltung war ich dabei. Nach dem Vortrag von Robert Lambrou, Sprecher der AfD in Hessen, ergriff einer ihrer Sympathisanten, ein Italiener, das Mikrofon und sagte während er mich anschaute „Sie sind hier Gast! Sie müssen sich hier benehmen! Die Deutschen sind unsere Gastgeber!“. Die Gehirnwäsche der AfD hat offensichtlich bei ihm ganz gut funktioniert.

Ich bin Deutscher und ich bin Muslim.

Als Muslim bin ich mit meinen Eltern zwar geflüchtet, aber als Deutscher werde ich nicht flüchten. In Pakistan waren wir in der Unterzahl, in Deutschland sind wir die Mehrheit. In einer Debatte auf dem türkischen Sender TRT habe ich Frank Hansel MdA (AfD) gesagt, dass wir nicht einfach nur „links“ sind. Wir sind Demokraten, wir sind gesetzestreue Bürger, die sich gegen den Rechtsextremismus in Deutschland einsetzen.

#wirsindmehr, wir sind Muslime, Juden, Christen, Atheisten, Homosexuelle, LGBTQ, Flüchtlinge, Migranten und all jene, die sich hinter dem Grundgesetz stellen und dem Rechtsextremismus in Deutschland entschieden entgegentreten. Wir sind vor allem Menschen, die in Frieden leben wollen, die nach Einheit statt Zwietracht, Liebe statt Hass, Verbundenheit statt Spaltung und Patriotismus statt Nationalismus suchen und konstant vermitteln wollen.

Die AfD ähnelt dem Islamismus in Pakistan

Mein Aktivismus ist hier und jetzt gegen die islamistische Partei Deutschlands, gegen die AfD. Die dem Rechtsextremismus aus meinem Land, aus Pakistan, sowohl hier in Deutschland der völkisch-nationalistischen Sprache und dort in Pakistan der religiös-rassistischen Sprache, durch das Absprechen der deutschen und der muslimischen Identität, eindeutig ähnelt.

Mein Herz schlägt als heimatliebender Mensch sowohl für Pakistan, meinem Geburtsland als auch für Deutschland, jenem Land, dass mir eine Chance auf Bildung und Selbstverwirklichung gab. Meine Identität, meine Werte und mein Glaube sind ein Teil von mir ohne diesen ich nicht ich selbst bin. Wieso sollte ich also diese Dinge ablegen?

Ich weiß, wohin uns die Zukunft der AfD führen kann

Man könnte sagen, dass ich aus der Zukunft bin, weil ich in gewisser Weise ahnen kann, wohin die Reise der AfD geht. Und ja, weil ich weiß wovon ich rede, wenn ich sage, dass die kommende Zeit – falls die AfD noch mehr an Zustimmung gewinnt – eine äußerst schwierige Zeit für Menschen sein wird. Für die, die anders denken, anders aussehen und nicht in das völkisch-nationalistische rassistische Bild der AfD passen.

Wir müssen handeln und wir dürfen diese Entwicklung nicht unterschätzen, so, wie wir es in den letzten Jahren bereits getan haben. Der Rechtsextremismus konnte in Deutschland gedeihen und dieser konnte ohne jegliche Restriktionen in den Bundestag einmarschieren.

Gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus und auch entschieden gegen den sogenannten „islamistischen“ Extremismus, werde ich mich einsetzen. Für meine Familie und für die pluralistische und bunte Gesellschaft in Deutschland.

Text & Bild: Nasir Ahmad

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