Ist Demokratie wirklich Männersache?

| Kommentar | 1. August 2018

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Eines steht bereits jetzt fest: In Bayern werden nach der Wahl im Parlament viel mehr Männer sitzen. Ausbessern kann man das mit der Wahl einer bestimmten Partei.

Am 27. Juli warnte uns die Bayerische Staatszeitung (die übrigens gar nicht so übel ist, da von der Redaktion der Süddeutschen produziert) vor einem Männerclub Maximilianeum. Wenn man nämlich nachzählt, wie die Frauen und Männer des weissblauen Bundeslandes auf Listen und Direktplätzen aufgestellt sind, bekommt man ein düsteres Ergebnis:

Wenn die Wahl im Oktober so ausfällt wie die letzte Umfrage, dann werden im Maximilianeum (so heisst das Gebäude des Bayrischen Landtags) in den nächsten fünf Jahren noch mehr Männer und noch weniger Frauen sitzen. Der gesellschaftlich bedenkliche Männer-Überschuss im Landesparlament kommt einerseits von der CSU, die wahrscheinlich leider sehr viele Direktmandate erhalten wird. Unter diesen sind aber nur 20 Frauen, gegenüber 71 Männern. Auch auf den Listenplätzen sieht es nicht viel besser aus.


Auch AfD, Freie Wähler und FDP männerlastig

Die anderen beiden rechtsoffenen Parteien, AfD und FDP, haben ein klares Gleichstellungsproblem. Die Partei am äußeren rechten Rand etwa bringt nur eine einzige Frau auf einen aussichtsreichen Listenplatz. Auch die politisch indifferent-konservativen Freien Wähler haben bisher nur drei Frauen im Parlament. Bei 14 Männern – und das wird nicht besser werden.

Die weniger rechtsoffenen Parteien im Landtag, SPD und Grüne, besetzen ihre Wahllisten nach dem Reissverschlussprinzip. Sie stellen vom ersten bis zum letzten Platz immer abwechselnd eine Frau und einen Mann auf. Weil die SPD nach Umfragen in Bayern derzeit bei 12 Prozent herumdümpelt und die Grünen sich auf wenig beeindruckende 16 Prozent vorgearbeitet haben (sicher mit Hilfe enttäuschter SPD-Wähler*innen), macht diese ausgeglichene Herangehensweise das Parlament als Ganzes aber nicht emanzipierter.

LINKE könnte dem Entgegenwirken

Einen Unterschied könnte auch hier wieder Die Linke machen, die in der letzten Umfrage noch bei 4 Prozent lag (viel fehlt da nicht mehr). Auch hier gilt ein strenges Gleichstellungsprinzip, der Frauen- und Männeranteil sind auf der Wahlliste gleich groß. Wenn Die Linke den Sprung ins Parlament schafft, was derzeit durchaus möglich erscheint, dann ist das bayrische Parlament und seine Politik zwar noch nicht wirklich ein Abbild der Bevölkerung. Aber doch ein wenig mehr als die CSU uns das vorschreiben möchte. Und das klingt, wie ich finde, wie ein guter Plan.

Artikelbild: pd, das Maximilianeum im 19.Jahrhundert. Sieht immer noch so aus.

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