„Muslime in der AfD“? Ich als Muslim finde diese Vorstellung lächerlich

Kommentar von Nasir Ahmad

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Ist die AfD eine alternative für Muslime & Juden?

Stellen Sie sich vor: Sie werden auf die übelste Art und Weise beleidigt, diskriminiert, schikaniert und stigmatisiert. Dann sagt man Ihnen mit einem arroganten Unterton “Sie sind herzlich willkommen bei uns!”. Wie würden Sie sich fühlen? Ich würde mich zutiefst betrogen und hintergangen fühlen.

Kurzgefasst: Nein, die AfD ist keine Alternative für Muslime, sie ist überhaupt keine Alternative für irgendjemanden, der die Demokratie in Deutschland liebt. Ich versuche es ausführlicher zu erklären:



Religionsfreiheit, was ist das?

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Artikel 4

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Frau von Storch und die AfD verletzen mehrmals die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und der Freiheit von religiösen Bekenntnissen:

Bundesvorstandsmitglied Beatrix von Storch sagte zum Auftakt: ‘Die Herrschaft dieses Islam in Deutschland ist nichts anderes als die Herrschaft des Bösen’.” 

Wie verhält sich der Satz “Die AfD ist eine Partei für die Religionsfreiheit” im Kontext von “Islam ist nichts anderes als die Herrschaft des Bösen”? Solch ein Satz verliert an Bedeutung, er wirkt herabwürdigend, unseriös und unglaubwürdig.

Ein weiteres Beispiel der Verletzung der Religionsfreiheit seitens der AfD:

2016 warb Alice Weidel mit diesem Plakat. Noch heute ist die AfD bestrebt, durch Angriffe auf das Grundgesetz Art. 4 die Ahmadiyya Gemeinde und andere islamische Verbände zu verbieten. So sagte Mary Khan (AfD) in einer Veranstaltung in Eschborn vom 06.10.2018, dass die Ahmadiyya Gemeinde politisch sei und einen Nährboden für Extremismus biete (so überliefert durch einen Teilnehmer).

Mary Khan ist übrigens die Tochter von Zahid Khan, einem selbst ernannten Propheten. Dieser sagt “Durch mich als Propheten erhielt der Prophet Mohammed die Möglichkeit, zu beichten, was im Islam und in seinem eigenen Leben falsch gelaufen ist“, sagt der 55-Jährige, und: „Im Islam manifestiert sich der Höhepunkt des Schaffens Satans.“ Man mag das gut oder schlecht finden, die Verbindung seiner Tochter zur AfD geht über den Hass ihres Vaters auf den Islam. Sowohl dieser Hass, als auch die Angriffe auf Zahid Khan sind an dieser Stelle zu verurteilen. Jedenfalls profitiert die AfD ganz gut von solchen Menschen.

Das sind Angriffe auf Religionen und religiöse Menschen seitens einer politischen Partei, wie der AfD, die sich als “demokratisch” verkauft, aber im Grunde genommen anti-religiös vorgeht. Staat und Religion werden bei der AfD nicht getrennt, während diese Forderung von anderen Religionen erwartet wird.

AfD ist antisemitisch und muslimfeindlich

Verbote von religiösen Gemeinden zu verlangen. Religionen pauschal zu verunglimpfen. Religiöse Menschen mit Terroristen und Extremisten in einem Topf zu werfen. Das alles zeugt von großer Lächerlichkeit und hat in einer demokratisch freiheitlichen Grundordnung nichts verloren.

Die AfD ist antisemitisch und muslimfeindlich, ja, sie ist auch verfassungsfeindlich und gefährdet die Freiheit Andersdenkender, Andersgläubiger und Andersaussehender Menschen, die in Deutschland leben.

Nun, welche Juden und welche Muslime spricht die AfD wirklich an? In einem sehr interessanten Beitrag heißt es:

“Der Gründer der „Juden in der AfD“ (JAfD), Dimitri Schulz, hat ein in jüdischen Kreisen außergewöhnliches Faible für einen antiken, durchaus umstrittenen Rabbiner, den Christen als den Sohn Gottes verehren – während Juden noch immer auf den Messias warten. Der Rechtsanwalt Max Naumann (verstarb 1939, war Gründer und Vorsitzender des Verbandes nationaldeutscher Juden) war sich sicher: Der Antisemitismus rührt einzig daher, dass Juden sich zu jüdisch gerieren.

 Der erbitterte Zionistenfeind und Gegner der „Fremdjuden“, also der gläubigen Menschen aus Osteuropa, gründete 1921 seinen Verein nationaldeutscher Juden (VnJ). In dessen Satzung heißt es: „Der Verband nationaldeutscher Juden bezweckt den Zusammenschluss aller derjenigen Deutschen jüdischen Stammes, die bei offenem Bekennen ihrer Abstammung sich mit deutschem Wesen und deutscher Kultur so unauflöslich verwachsen fühlen, dass sie nicht anders als deutsch empfinden und denken können.

Er bekämpft alle Äußerungen und Betätigungen undeutschen Geistes, mögen sie von Juden oder Nichtjuden ausgehen, die das Wiedererstarken deutscher Volkskraft, deutscher Rechtlichkeit und deutschen Selbstgefühls beeinträchtigen und damit den Wiederaufstieg Deutschlands zu einer geachteten Stellung in der Welt gefährden.””

Als Vergleich zu den Forderungen an Juden, hier die Forderungen der AfD für Muslime:

Wer sich zu „unserem Programm“ bekenne, könne Mitglied der Partei werden „und auch Initiativen starten“. Von Storch, die auch im Bundesvorstand ihrer Partei sitzt, schränkte zugleich ein, dass diese Muslime keine „Islamisierung“ befürworten dürften. Darunter verstehe sie eine „Zurückdrängung unserer Kultur und das Schließen von Kompromissen mit dem Herrschaftsanspruch, den der Islam in seinen meisten Auslegungen eben besitzt“.

Das lehne die AfD „ganz klar“ ab. Es gebe aber „liberale Muslime, die unter Polizeischutz stehen, eben weil sie einen liberalen Islam vertreten“. Diese könnten sich in der AfD wiederfinden. Bislang versteht sich die AfD als eine Partei, die den Islam als Bedrohung betrachtet. „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, lautet eine These in ihrem Grundsatzprogramm. Mehrere Formulierungen schränken muslimisches Leben in Deutschland ein. Die Partei lehnt das Minarett als „islamisches Herrschaftssymbol“ ab, ebenso wie den Muezzinruf. Beispielsweise will die AfD das betäubungslose Schächten von Tieren verbieten. Beatrix von Storch war maßgeblich an der Programmatik beteiligt.”

AfD-konformer Islam?

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die AfD nach dem nationalsozialistischen Prinzip von Max Naumann vorgeht und einen AfD-konformen Islam vorschreibt. Was die AfD unter “Islamisierung” versteht wird hier erklärt. Für die AfD ist “der Islam” liberal, wenn dieser sich den AfD-Forderungen unterwirft. Und mit einer Seyran Ates oder einem Hamed Abdel Samad pariert. Also ein selbst zusammengestellter Islam, der seine eigenen Grundwerte ablehnt und so “deutsch” wie Max Naumann von Juden damals forderte wie nur möglich sein muss.

Frau Seyran Ates mag liberal sein, sie mag auch reformorientiert sein, wäre da nicht der skandalöse finanzielle Schulterschluss im Zusammenhang mit Saudi Arabien’s Finanzierung einer ihrer Projekte, denn “Doch jetzt droht Seyran Ateş Ungemach aus Österreich. Denn dort steht einer ihrer Mitstreiter, der smarte Ex-Grüne Efgani Dönmez, im Verdacht, ausgerechnet von Saudi-Arabien sehr viel Geld für seinen von Ateş unterstützten Verein „Stop Extremism“ erhalten zu haben.

Die „Juden in der AfD“

Dimitri Schulz, Gründer der „Juden in der AfD“ (JAfD), kann sich ebenso als jüdisch und reformorientiert, liberal usw. bezeichnen, wäre da nicht folgendes. “Doch Schulz pflegt Kontakte zu Neonazis aus dem deutschrussischen Umfeld, wie der Wiesbadener Kurier berichtet. Es handelt sich dabei um den Arzt Aleksej Bach. Bach, der laut der Mainzer „Allgemeine Zeitung“ aus der AfD geschmissen wurde.

Und dessen mittlerweile gelöschtes Facebook-Profil dieses Motto schmückte: „Toleranz ist medizinisch gesehen ein Versagen des Immunsystems. Die fremden Elemente (Bakterien, Viren, Keime) werden nicht mehr abgewehrt. Führt unweigerlich zum Tod.“ Jener Bach ruft zur Gründung einer Wehrsportgruppe und zum bewaffneten Kampf auf, zum „Horror Teutonicus“ (gemeint ist wohl Furor, aber Fremdsprachen sind Glückssache).”

Die AfD kann sehr gerne Juden und Muslime für sich anlocken, doch Restriktionen im nationalsozialistischen Kontext á la Max Naumann zu fordern. Und “liberale” Muslime aus zwielichtigen Kreisen anzuwerben und dann noch von “wir sind für Religionsfreiheit” zu sprechen, ist und bleibt im Gesamtpaket eine Lachnummer, die ihresgleichen sucht und an Unseriösität und Unglaubwürdigkeit kaum zu übertreffen ist.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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