N-Wort & Co: Unsere Mitmenschen müssen nicht rassistisch verletzt werden

| Kommentar | 12. August 2021

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Minderheiten müssen nicht verletzt werden

Die Debatte, ob bestimmte Begriffe, die eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ausdrücken, weiterhin unbedarft benutzt werden sollten, ist in vollem Gange. Warum hier eine Unterscheidung zwischen Alltag und klar gestecktem Rahmen der geschichtlichen Bildung oder Aufklärung vorgenommen werden sollte, erläutert Constantin Huber in folgendem Kommentar.

Was ist sinnvoller: Mehr Sensibilisierung bei oder ein Festhalten an rassistischer Sprache? Sehr viel mehr Optionen gibt es bei der Frage, ob das N-, M- oder Z-Wort im Alltag gebraucht werden sollte nicht.

Dass diese Begriffe in der ausgeschriebenen Form rassistisch sind, wird an ihrer Jahrhunderte alten Bedeutung deutlich. Sie waren nie bloß neutrale Umschreibungen, sondern gingen stets mit einer Abwertung betreffender Personengruppen einher. Dabei handelt es sich um Fremdbezeichnungen, derer die menschenverachtenden Rassentheorien zugrunde liegen, welche herangezogen wurden, um Ausbeutung, Sklaverei und Kolonialverbrechen zu rechtfertigen.

Dennoch wollen manche Menschen partout als vermeintliche Retter:innen der deutschen Sprache an der Nutzung dieser Begriffe festhalten. Ganz so, als gäbe es ein Recht auf Diskriminierung und keines auf Diskriminierungsfreiheit.

Bei Diskriminierung kommt es im Alltag nicht auf den Kontext an

Der Einwand, wonach es auf den Kontext ankäme, kann auf den Alltag bezogen nicht geltend gemacht werden. Denn diese Begriffe sind dort zu jedem Zeitpunkt abwertend und haben einen nicht gewünschten Einfluss auf das Leben von BIPoC sowie Sinti:zze und Rom:nja – und zwar unabhängig davon, ob in Form von Satire, indirekter Rede oder als Zitat verwendet. Diese Begriffe sind verletzend und diskriminierend. Sie werden von Personen aus der Mehrheitsgesellschaft benutzt, um ein Gefühl der Überlegenheit zu erzeugen.

Daher sind es hierzulande auch vor allem Weiße ohne Vorfahren aus Südosteuropa, die sich an der Nutzung dieser Begriffe nicht stören und die Perspektiven von Betroffenen ausklammern möchten. Hingegen gibt es etwa keine relevant große Gruppe von BIPoC, die unbedingt wollen, dass weiter rassistische Begriffe wie das N-Wort ausgeschrieben benutzt werden. Daher sollten solche Begriffe im Alltag generell vermieden werden.

Hier fehlt es jedoch oftmals an Empathie:

Viele BIPoC, Sinti:zze und Rom:nja wollen mit solchen diskriminierenden Begriffen nicht überall und stets konfrontiert werden. Weder auf der Straße noch im Arbeitsleben oder in Kinderbüchern oder etwa beim Konsum von Kunst und Kultur. Zumal einige allein die Tatsache, durch solche Begriffe vor jüngeren Generationen in Erklärungsnot zu geraten, berechtigterweise bereits als befremdlich empfinden. Rassistische Begriffe, die im Alltag vorkommen, haben also enorme und mit Unannehmlichkeiten verbundene Auswirkungen auf das Leben dieser Menschengruppen. Sinnvoller erscheint es daher, solche Begriffe zu entfernen und, wo Bedarf besteht, mit einer Infobox zu erklären.

Anders verhält sich das in bestimmten Räumen, die als solche explizit ausgewiesen sind. Dass diese Begriffe etwa in Museen auf erklärenden Tafeln stehen, sodass sich Menschen frei dazu entscheiden können, ob sie damit konfrontiert werden oder nicht, dient der Aufklärung und Eindämmung von Rassismus. Auch in weiteren Formaten können diese problemlos weiterhin verwendet werden, wenn vorab eine Triggerwarnung oder ähnliches dem Publikum die Möglichkeit gibt, sich der für manche Menschen herabwürdigenden Erfahrung zu entziehen.

Rassismus lässt sich bereits im Kleinen effektiv eindämmen

N-, M- und Z-Wort sind diskriminierend – tun wir der Gesellschaft doch einfach den Gefallen, sie nicht mehr zu nutzen. Einen so einfachen Beitrag für eine leidfreiere Welt für Minderheiten konnten wir selten leisten. Wen das bereits überfordert, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er:sie Teil des Problems sein möchte und wahrhaft gegen Diskriminierung von Minderheiten eintritt.

Denn es gibt keinen Grund, an einer überholten, kolonialistischen Sprache festzuhalten, deren einziger Zweck es war und ist, Minderheiten auszugrenzen. Kein Argument rechtfertigt die Reproduktion rassistischer Begriffe im Alltag, wenn vortrefflich über die aufgeworfenen Inhalte auch debattiert werden kann, ohne BIPoC, Sinti:zze und Rom:nja abzuwerten.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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