AfDler beschwerte sich echt wegen „Afrikaner“ in Rügenwalder-Spot: Rücktritt!

Kommentar

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Blanker Rassismus

Nun sitzt da also ein „Afrikaner“ in „fröhlicher Genießerrunde“ und isst unsere Wurst. Was der sich erlaubt. Und so gut integriert. Was sich die Rügenwalder Mühle erlaubt. Das stößt dem Pressesprecher des AfD-Kreisverbandes Landkreis Leipzig Horst Juhlemann bitter auf. Er schreibt dem Unternehmen eine Mail.

Und fragt darin: „Produzieren Sie bereits ausreichend HALAL-Produkte für unsere Muslime?“ Er fragt weiterhin, ob die Bundesregierung den Werbespot in Auftrag gegeben hat. Und ob George Soros, ein amerikanischer Milliardär jüdischer Herkunft und modernes Ziel antisemitischer Verschwörungen, seine finanziellen Finger im Spiel hatte.



Halbherzige Entschuldigung der AfD

Der Verband in Leipzig zeigt sich halbherzig entsetzt: Kreisverbandschef Edgar Naujok wusste von der Mail, „habe sie aber nicht gelesen. Meine Priorität liegt auf dem Parteitag am Wochenende und den Wahlen im nächsten Jahr. Nicht unbedingt darauf, was Herr Juhlemann verzapft.“ Herr Juhlemann lehnt übrigens den Austritt aus der Partei ab.

Ein Mann mittleren Alters. Ich frage mich dann immer, wie kommen solche Menschen zu solchen Posten? Sind es Opportunisten, die immer schon etwas gegen „den Afrikaner“ hatten? Und nun in einer noch recht jungen, rechtsdrehenden Partei schnell an Einfluss gewinnen, einfach, weil zu wenig Personal da war? Oder ist das Gedankengut sozusagen system- bzw. parteiimmanent?

Der Bundestagsabgeordnete Lars Herrmann kritisiert allerdings scharf: „Es ist höchst unprofessionell und untragbar. Für den Kreisverband und die AfD insgesamt ist es sehr unangenehm, wie die Partei durch derartige und andere öffentliche Entgleisungen auffällt.“ Inzwischen zog der Verband auch Konsequenzen, Juhlemann musste von seinem Posten zurücktreten. Also, warum denn nun diese Distanzierung von Juhlemann?

AfD hat Angst, vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden

Hat es unter Umständen etwas damit zu tun, dass man jede Auffälligkeit vermeiden möchte, die dazu führen könnte vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden? In letzter Zeit treten viele AfD-Politiker aus der Partei aus. Zuviel Rechtsruck. Man könnte nun dagegenhalten, dass dieser Rechtsruck über Monate zu beobachten ist. Aber immerhin ziehen nun manche die Konsequenzen daraus und legen den Kern der Partei weiter frei.

Etliche (ehemalige) Neonazis arbeiten immer noch für Bundestagsabgeordnete, interne Chats von Politikern, Kommentare in Facebook-Gruppen belegen, dass das Gedankengut Juhlemanns kein Einzelfall sind. Die Rügenwalder Mühle reagiert großartig auf all das:

Moin zusammen,vielleicht habt ihr es bereits auf unseren Social-Media-Kanälen gesehen oder in den Medien verfolgt, dass…

Gepostet von Rügenwalder Mühle am Freitag, 7. Dezember 2018

„Diese Mail hat uns zutiefst empört. Wir, die Rügenwalder Mühle, sind seit 184 Jahren ein Familienunternehmen und wir werben seit mehreren Jahren mit unseren Mitarbeitern. Da bei uns Menschen mit knapp 20 verschiedenen Nationalitäten arbeiten, ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir dies auch in unserer Werbung genauso darstellen.“

Der „Afrikaner“ ist übrigens Deutscher.

Artikelbild: Screenshot Youtube

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