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Trump dankt „WELT“ & „BILD“ Chef Döpfner, nennt ihn „brillant“

von | Sep 14, 2022 | Aktuelles, Medien, Social Media

Bei den Axel-Springer-Medien „BILD“ und „WELT“ finden sich regelmäßig die gleichen Narrative und die gleiche Desinformation, die Extremist:innen von der AfD oder bei „Querdenken“ gerne lesen. Natürlich erscheinen zum Beispiel bei „WELT“ viele auch qualitativ gute, journalistische Erzeugnisse, doch diese verschleiern letztlich, in welcher Regelmäßigkeit und Dreistigkeit wissenschaftsfeindliche Desinformation in diesen Medien erscheint und wie journalistische Standards missachtet werden. Rechte, rassistische und Pro-Putin Narrative werden dort bedient, rechtsradikale Personen und Ideen verteidigt, einige der erfolgreichsten Mythen der Querdenken-Szene stammen aus „WELT“ und „BILD“, „Querdenker“ bzw. Personen, die dieser Ideologie sehr nah stehen, veröffentlichen direkt selbst bei „WELT“.

Und das ist kein Zufall. Diese rechten Lügen und Narrative sind dort auch keine Ausrutscher, sondern gehören zum System und die Ideologie geht bis hoch in die Spitze. Sie reichen bis hinauf in die Chefetage und zu Mathias Döpfner. Axel Springer Chef Döpfner lobte die Desinformationsarbeit des letzten Jahr geschassten Julian Reichelts in höchsten Tönen: „Julian Reichelt hat ‚Bild‘ journalistisch hervorragend entwickelt und mit ‚Bild Live‘ die Marke zukunftsfähig gemacht. Wir hätten den mit der Redaktion und dem Verlag eingeschlagenen Weg der kulturellen Erneuerung bei ‚Bild‘ gemeinsam mit Julian Reichelt gerne fortgesetzt.“ (Quelle). Reichelt hat sich seit seinem Fortgang noch weiter radikalisiert und ist längst ein rechtsradikaler Verschwörungshetzer wie viele andere (Quelle).

Rechtsextreme AfD? Oder Axel Springer?

Die Radikalisierung Reichelts und das regelmäßige Bedienen von Querdenken-Narrativen und Verbreiten von Fake News haben wir, ebenso wie einige andere Medien wie Übermedien oder der BILDBlog fast täglich dokumentiert. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass BILD und Reichelt in ihrer Rhetorik und Lügen oft nicht von extremistischen Querdenker:innen zu unterscheiden sind. Das ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem. Der Axel Springer Chef denkt auch sehr ähnlich, wie man es täglich bei AfD und Querdenken liest: „Er [Reichelt] ist halt wirklich der letzte und einzige Journalist in Deutschland der noch mutig gegen den neuen DDR Obrigkeitsstaat aufbegehrt. Fast alle anderen sind zu Propaganda Assistenten geworden.“, sagte er im Herbst 2021 (Quelle).

„DDR-Obrigkeitsstaat“, Reichelt als „mutiger Journalist“ gegen (linke) totalitäre Mehrheiten? Zwischen Döpfner-Rhetorik und der rechtsextremen AfD passt rhetorisch kein Blatt. Springer bestätigte die Echtheit des Zitats, erklärte aber, dass der Kontext fehle und Döpfner nicht wirklich denke, dass die BRD mit der DDR zu vergleichen sei. Der Kontext macht das Zitat allerdings eher schlimmer und es ist fraglich, wie man solche Aussagen denn nicht-extremistisch werten könne. Und im Kontext der restlichen Aussagen Döpfners ist klar: Auch das ist kein Einzelfall.

DÖPFNER GAB NACH DEM ANSCHLAG IN HALLE MERKEL, MUSLIMEN UND SCHUTZSUCHENDEN DIE SCHULD

Die Weltanschauung von Döpfner war auch schon zuvor schwer zu unterscheiden von der Rhetorik der Rechtsextremist:innen der AfD. 2017 sprach Döpfner auch von der „gebührenfinanzierten Staatspresse“ bei Online-Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen (mehr dazu). 2017 verbreitete Döpfner die Lüge von einem „Bockwurstverbot“ in Schwimmbädern wegen der Muslime (mehr dazu). 2019 behauptete Döpfner in einem WELT-Kommentar, „die Medien“ würden mehrheitlich (im Kontext von Einwanderung, wer hätte es gedacht?) nicht die Realität abbilden, sondern verschweigen und verharmlosen (mehr dazu). Es erinnert sehr an das DDR-Zitat. Bemerkenswert dabei, wenn ausgerechnet der Chef einer der größten deutschen Verlage und bald ehemalige Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) codiert von „Lügenpresse“-Narrativen spricht. Wer soll denn hinter „den Medien“ stecken, wenn nicht er? Die Opferhaltungsrhetorik lässt sich nicht davon beirren, wenn man an der Spitze des Systems steht, das man gerade kritisiert.

Der gleiche Artikel war es auch, in welchem Döpfner offenbar ohne Kontrolle einen Hass-Rant à la AfD ablieferte, in dem er gehirnakrobatisch direkt nach einem antisemitischen, rechtsextremen Terroranschlag in Halle der Bundeskanzlerin Angela Merkel, „political correctness“, Muslimen und Schutzsuchenden die Schuld in die Schuhe schob. Unter viel Applaus der rechtsextremen Szene verbreitete er darin Lügen, Falschdarstellungen und Whataboutismen und schaffte es regelrecht, die Motivation des Halle-Terroristen zu entschuldigen und als Selbstverteidigung zu framen. Ich habe mich seinerzeit schon gehörig aufgeregt:

Dolchstoßlegende

Auch 2018 lobte Döpfner die rechtspopulistische ÖVP-FPÖ-Koalition – und verbreitete Lügen über das Leistungsschutzrecht (mehr dazu). Döpfner selbst behauptet ganz im AfD-Trump-Style in einem Video im Herbst 2021 plötzlich, dass hinter der Recherche über Reichelt eine Verschwörung stecke. Diese Argumentation ist ebenso paranoid wie falsch.

Für Faschisten, Rassisten und Dauerlügner Trump „BETEn“

Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Meldung durchaus zu sehen. Wie die „Washington Post“ aufdeckte, schrieb Döpfner vor der US Wahl 2020 in einer internen E-Mail: „Wollen wir alle am 3. November morgens eine Stunde in uns gehen und beten, dass Donald Trump wieder Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird?“ (Quelle) Anschließend zählte er die aus seiner Sicht wichtigsten Errungenschaften von Trump auf – unter anderem groteskerweise die Verteidigung der freien Demokratien gegen China und Russland – und erklärt: „Mehr hat keine amerikanische Regierung der letzten 50 Jahre geschafft.“

Mit der Mail konfrontiert, stritt Döpfner zunächst alles ab: „Das existiert nicht. Das wurde nie geschickt und wurde nie auch nur gedacht.“ Die „Washington Post“ ließ nicht locker und zeigte ihm eine gedruckte Version davon. Dann konnte sich Döpfner plötzlich wieder erinnern. Die Mail sei möglicherweise ein „ironisches, provokatives Statement“ gewesen (Quelle).

Trump bedankt sich beim Axel-Springer Chef

Die Quittung für seinen Wahlwunsch und sein Lob auf Trump kam postwendend zurück: Der Ex-US-Präsident bedankte sich auf seiner Social-Media-Plattform bei Döpfner. „Danke an den sehr großartigen Mathias Döpfner. Die gute Nachricht ist, WIR HABEN GEWONNEN. Mit Abstand.“ Er nannte ihn „brillant“ – und leugnete mal wieder das Ergebnis seiner verlorenen Wahl. Ein Kompliment, das Döpfner aber durchaus nicht gefallen dürfte. Auch wenn es offensichtlich „verdient“ war.

Axel-Springer wäre gern pro westen und liberal

Denn was man einwenden muss: Der Axel-Springer-Verlag und auch Döpfner loben nicht durchweg die AfD oder Rechtsextremismus. Im Gegenteil, formell distanziert man sich. Man könnte durchaus auch eine Liste mit Distanzierungen und Verurteilungen von Rechtsextremismus und Rassismus machen und soliden Artikeln, die diesen Ideen widersprechen. Darauf angesprochen will auch Döpfner nichts mit Hass, Lügen und Rassismus wie von Trump nichts zu tun haben. Er besteht darauf, nie ein Unterstützer Trumps gewesen zu sein.

Im Washington Post Text selbst wird die ambivalente Weltsicht des Milliardärs Döpfner beschrieben. Er würde gern „unaprteiischen“ Journalismus machen, er schimpft regelmäßig gegen „Aktivismus“ im Journalismus (Quelle). Ganz ironisch, während er der oberste Chef des größten Kampagnen-Blattes der Republik, der BILD, ist. Er bezeichnet sich als tief besorgt über Rassismus und Homophobie. Während es seine Medien sind, die regelmäßig wie kaum jemand anderes Rassismus schüren. Sie wollen Anti-Putin sein, verbreiten dann aber irreführende Meldungen aus Pro-Putin-Propaganda-Kanälen und unterstützen die Narrative mit Fake News der größten Putin-Freunde des Landes.

DAS WIRD MAN DOCH WOHL NOCH SAGEN DÜRFEN! ALSO, SPRINGER KRITISIEREN

Längst sind Medien wie WELT und BILD zu den Sprachrohren derjenigen geworden, die der extremistischen Querdenken-Bewegung angehören oder die rechtsextreme AfD wählen – selbst wenn man (nach außen) zum Glück Höcke und die rechtsextreme AfD (noch) auf Abstand hält. Die gefährlichsten rechten Fakes kamen aber immer noch von dort. Allein die Liste der Fakes und Lügen, die Volksverpetzer aus diesem Verlag in letzter Zeit behandelt hat, ist extrem lang. Hier nur ein paar Beispiele.

Döpfner wird sich über das Lob des Rassisten, Antidemokraten und Dauerlügners Trump wohl nicht freuen. Doch dass er ihm näher steht als einer demokratischen (Die US-Partei, aber auch das Adjektiv) Position, hat er nicht nur in seiner Mail selbst offensichtlich beschrieben. Zwischen nach außen erklärtem Ziel und dem, was Medien wie „BILD“ und „WELT“ veröffentlichen ist ein großer Unterschied. Das WELT-BILD stimmt nicht mit der Realität überein. Man möchte nichts mit Nazis zu tun haben, aber sie scheinen einem lieber zu sein als „Cancel Culture“ und „Grüne“, als diejenigen, die die Werte vertreten, die man angeblich selbst gern hätte. Und das müssten Döpfner, wie aber auch viele seiner Mitarbeitenden endlich einsehen. Und ganz besonders die restliche Medienlandschaft.

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