Herzlos: Von Storch (AfD) tritt verbal auf verstorbenen Vater von Sawsan Chebli ein

| Kommentar | 29. Mai 2018

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Mit einem politischen Seitenhieb hat AfD-Frau Beatrix von Storch Sawsan Cheblis verstorbenen Vater verhöhnt.

Zack! Da hat sie mal wieder einen flotten Spruch rausgehauen…

Auf einen Tweet von Sebastian Kurz (Österreichischer Bundeskanzler) zum Thema „Reform der Mindestsicherung“ und „Zugang nur mit ausreichendem Deutsch“ zwitschert die Störchin*: „Da hätte Sawsan Cheblis Vater aber echte Finanzprobleme bekommen.“ Und unterstreicht das Ganze noch mit dem sarkastisch gemeinten Hashtag #weltbesteintegration.

Und ja, tatsächlich, der Vater von Swasan Chebli war Analphabet und konnte nur unzureichend Deutsch. Was natürlich in seiner Lebensgeschichte begründet liegt: Als Kind von Palästina in den Libanon geflüchtet. Dort 20 Jahre in einem Flüchtlingslager untergebracht, unter erbärmlichen Bedingungen. Von da nach Deutschland geflohen, um seiner im Lager gegründeten Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Hier lange Zeit, mit der nachgeholten Familie, im Duldungsstatus verharrend.

Die Familie war bis 1993 auf deutschem Boden nur geduldet. Das hieß: keine Arbeitsgenehmigung, alle drei Wochen Ausländerpolizei, alle drei Wochen Zittern, ob man bleiben darf. Kettenduldung nennt sich das – Gift für die Integration. In diese unzulänglichen Verhältnisse wurde Sawsan Chebli geboren. Deutsch lernte sie erst in der Schule. Was sie nicht hinderte, ihr Abitur zu machen und zu studieren. Und in eine erfolgreiche politische Karriere zu starten.



Chebli ist ein Musterbeispiel für #weltbesteintegration

#weltbesteintegration einer Frau, die, zwar in Berlin geboren, erst mit 15 in Deutschland eingebürgert wurde. Deren Eltern Flüchtlinge waren. Die Muslima ist und dazu steht. Die kein Kopftuch trägt. Eigentlich ein Musterbeispiel für gelungene Integration. Trotzdem permanent von rechts außen angefeindet. Denn die Rechten sind wie die Borgs: Hier zählt nur Assimilation. Einfach nur gut integriert und erfolgreich sein reicht nicht. Eine Erfahrung, die Frau Chebli mit vielen anderen Menschen in Deutschland teilt, die in irgendeiner Form „anders“ sind und damit nicht in das Schema der Nationalkonservativen passen.

Und was sagt Frau Chebli dazu?

„Wenn Sie vorhatten, mich zu verletzen, dann ist es Ihnen gelungen. Mein Vater ist vor kurzem gestorben. Er war ein guter Mann. Möge Gott Ihnen verzeihen. Er hätte nicht gewollt, dass ich Sie kränke.“

Höflich und in perfektem Deutsch. Mit Anstand, Würde und Achtung vor ihrem Gegenüber. Im Gegensatz zur “Biodeutschen” von Storch, deren Großvater Reichsminister für Finanzen unter Adolf Hitler war. Hier sieht nur eine Frau so aus, als stehe sie repräsentativ für das Beste in unserem Land. Und das ist garantiert nicht Frau von Storch.

*Beatrix von Storch hat ihren Tweet zwischenzeitlich gelöscht. Cheblis Antwort findet ihr noch hier.

Quellen:

Sawsan Chebli: “Ich, eine Islamistin? Schauen Sie mich doch an!” Wie nah steht die neue Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli dem politischen Islam? Eine Begegnung. Von Mariam Lau. 4. Februar 2017 DIE ZEIT Nr.5/2017

Wikipedia: Sawsan Chebli

Sawsan Chebli: Flüchtling, staatenlos, Karrierefrau | SWR1 Leute

Sawsan Chebli zum Tod ihres Vaters auf Facebook

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