DB-Werbung: Palmers neueste rassistische Provokation ging nach hinten los

Kolumne Schwer verpetzt

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Palmer greift gewaltig daneben

Boris Palmer will nur Aufmerksamkeit. Das ist alles. Ich ignoriere seine Aussagen in der Regel. Dieser Artikel ist der erste über Boris Palmers unzählige öffentliche Provokationen à la AfD, über die ich schreibe. Boris Palmer hat nichts sinnvolles zu irgendeiner Debatte beizutragen und ist nur ein trauriger Mann, der gerne im Mittelpunkt steht, um das Gefühl zu haben, er sei irgendwie wichtig. Und das Gefühl will ich ihm nicht geben und ich rate allen anderen, es mir gleich zu tun.

Aber seinen jüngsten Post möchte ich dennoch zum Anlass nehmen, um exemplarisch zu zeigen, dass Palmer erstens es will, dass ihr euch am besten täglich über ihn ärgert und zweitens, dass er nur völligen Quatsch redet. Und man nichts verpasst, wenn man ihn ignoriert. Wirklich, ihr verpasst nichts. Palmer hält sich für schlau und denkt, er hätte mit diesem Post etwas Sinnvolles über unsere Gesellschaft gesagt. Hat er aber nicht, denn er lag völlig daneben. Selbst aus seiner Perspektive. Und ich erkläre gerne, warum.



Das betteln um Shitstorms

Screenshot facebook.com

„Der shitstorm wird nicht vermeidbar sein. Und dennoch: Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die „Deutsche Bahn“ die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat. Welche Gesellschaft soll das abbilden?“

Gehen wir das mal schrittweise durch. Zuerst einmal: „Der shitstorm wird nicht vermeidbar sein“ [sic]. Oder auch: Achtung, ich schreibe jetzt was Provokatives und würde mich sehr freuen, wenn ihr mich dafür mit eurer Aufmerksamkeit belohnt! Boris Palmer ist ein Troll. Dass er der Tübinger Oberbürgermeister ist, ändert auch nichts daran. Er hat (von der AfD?) gelernt, wie man mit Altherren-Rumgepolter in die Medien kommt. Und er macht das mit voller Absicht, das sagt er doch selbst! Gönnt ihm das doch nicht.

Zweitens: Was er natürlich nicht sagt, aber was natürlich jeder weiß, ist, dass ihm die Models auf dieser DB-Werbung nicht weiß genug sind. Wir wissen alle, dass das gemeint ist. Seine rassistischen Fans verstehen das so und feiern ihn selbstverständlich dafür. Das ist das „Fremd im eigenen Land“, nur durch die Blume. Und natürlich bin ich jetzt der intolerante, naive Linksgrünfaschist, weil das hat er ja gar nicht gesagt und gemeint, ich will das nur reinlesen und werde getriggert blabla. Für genau diese Ausrede die Ambivalenz mit dem Subtext. Die Frage ist aber doch, was er sonst damit aussagen wollte, wenn nicht das. Aber später mehr dazu.

Eine Lektion über identitätspolitik

Aber nur kurz nachdem er den Shitstorm bekommen hat, den er sich gewünscht hat („Wie vorhergesehen“), und auch die Berichterstattung dazu, ergänzt er seinen Beitrag noch. Und jetzt war er gar kein Rassist, sondern hat uns angeblich eine clevere Lektion über „Identitätspolitik“ beigebracht.

Screenshot facebook.com

„PS: Eine Stunde später tobt der Shitstorm. Wie vorhergesehen. Alle, die mich jetzt fragen, warum ich dieses Thema aufgreife, frage ich zurück: Wenn die Auswahl dieser Bilder vollkommen belanglos, normal, unbedeutend ist, warum regt ihr euch dann so auf?

Was wir hier diskutieren, ist Identitätspolitik. Und zwar von Recht wie Links. Die einen sagen, man wisse nicht mehr, in welchem Land man lebt, die anderen bekämpfen alte weiße Männer. Und gemeinsam haben die Identitätspolitiker es ziemlich weit damit gebracht, uns zu spalten.“

Aber Palmer ist nicht so schlau, wie er denkt. Eigentlich scheint er nicht einmal verstanden zu haben, worüber er eigentlich redet. Oder was seine Aussage sein soll. Es klingt eher so, als sei ihm der NPD-Rassismus im Subtext doch zu unangenehm geworden und er versucht eine Pseudo-Intellektuelle Lektion über Identitätspolitik und „Links und Rechts sind gleich schlecht“ zu spinnen. Nur funktioniert das leider gar nicht.

Denn wie kann er „Identitätspolitik“ kritisieren, wenn er derjenige war, der damit angefangen hat? Neunmalklug fragt er „Wenn die Auswahl dieser Bilder vollkommen belanglos, normal, unbedeutend ist, warum regt ihr euch dann so auf?“ Äh, weil du unterstellst hast, dass es nicht so sei? Wer sind denn „Identitätspolitiker“, wenn nicht diejenigen, die sogar in der Auswahl von Models einer Werbung der Deutschen Bahn etwas kritisierenswertes sehen? Er kann nicht gleichzeitig klagen, dass die Leute zu sehr auf die Hautfarbe von Menschen achten, wenn er doch genau das selbst gemacht hat!

DB-Models sind deutsche Promis

Aber darauf hinzuweisen, dass Palmers Pseudo-Kritik in sich nicht stimmig ist und er doch derjenige ist, der mit Identitätspolitik angefangen hat, das wäre mir keinen Artikel wert gewesen. Palmer being Palmer eben. Nein, das lustige, warum du diesen Artikel jetzt liest, liegt darin, dass Palmer genau das falsche Beispiel für seinen „Fremd im eigenen Land“/“Identitätspolitik ist das Problem“-Aufmerksamkeitsschrei herausgesucht hat. Ich kann seine Frage nach den Kriterien der Deutschen Bahn nämlich genau beantworten.

Und es liegt nicht daran, weil die Deutsche Bahn sich gedacht hat, man müsse „politisch korrekt“ sein oder „Minderheiten“ abbilden. Sondern weil das keine zufälligen Models sind. Sondern bekannte Leute. Also nicht zwingend mir bekannte, aber Promis. Ganz rechts ist zum Beispiel der Formel-1-Fahrer Nico Rosberg, da ist der Sternekoch Nelson Müller und die Moderatorin und Entertainerin Nazan Eckes (Quelle)! Das hätte man ja nachgucken können, bevor man das seine Facebook-Follower fragt. Und sind die restlichen Models auf der DB-Startseite nicht… WEIß genug?

„Welche Gesellschaft soll das abbilden?“ Augenscheinlich unsere, oder? Das sind echte Leute aus unserer Gesellschaft, keine Stockfoto-Models. Nichts zieht Palmers Pseudo-Kritik mehr den Boden unter den Füßen weg als diese Tatsache, die er (absichtlich oder nicht) glatt übersehen hat. Die offenbart, dass es gar nicht um Gesellschaftskritik geht, gar nicht um eine ernst zu nehmende Frage, sondern nur um rassistische Dogwhistles (Was ist Dogwhistle?). Und um Aufmerksamkeit.

Aufmerksamkeitsökonomie

Ich will an dieser Stelle gar nicht über Identitätspolitik sprechen, die teilweise auch problematisch ist, nicht nur von rechts. Oder dass Linke nicht im gleichen Sinne von „alten, weißen Männern“ sprechen wie Rechte von zum Beispiel „Muslimen“. Aber wer liest denn bitteschön Sophie Passmann? Lasst uns gern an einer Stelle darüber sprechen. Aber halten wir fest: Palmer hat angeblich versucht, mit Identitätspolitik Identitätspolitik zu kritisieren.

Und wir könnten ihm auf dieser Grundlage widersprechen, wie es die Leute auch in tausenden Kommentaren machen. Dass Deutschland eine bunte Gesellschaft ist, und dass alle Repräsentation brauchen und so weiter. Aber das ist der Beißreflex, den Palmer haben wollte. Um dann so zu tun, als sei er nicht auch vollkommen in diesem Denken gefangen und mache sich das für Aufmerksamkeit zunutze. Nein, da ist es doch viel lustiger, darauf hinzuweisen, dass seine Logik auch in sich gar keinen Sinn ergibt und er völlig daneben liegt, weil er sich das genau falsche Beispiel herausgesucht hat. Und das wird ihn auch mehr ärgern.

Aber Palmer ist natürlich trotzdem glücklich. Er hat seinen rassistischen Fans das geliefert, was sie hören wollen, was neben einem vermeintlichen Beispiel für „zu viele Nicht-Weiße“ auch die Opferrolle wegen der bösen linken, identitätsfixierten Shitstorms beinhaltet. Und natürlich dass sich alles wieder um ihn dreht. Denn genau wie die AfD glaubt er, dass auch schlechte PR gute PR ist. Und genau deswegen sollten wir ihn einfach ignorieren.

Aber hast du nicht gerade einen ganzen Artikel über ihn geschrieben?

Ist natürlich immer ironisch, wenn ich Artikel schreibe über die Dinge, die man ignorieren sollte. Streisand-Effekt und so. Aber ich hoffe, ich habe an diesem schönen Beispiel gut genug bewiesen, dass Boris Napalmer erstens will, dass ihr euch über ihn aufregt und zweitens nicht euren Ärger wert ist, weil er sowieso nichts Relevantes zu irgendeinem Diskurs beiträgt. Damit ich das nicht noch einmal machen muss. Letzten Endes ist er ein Troll. Und Trolle leben von eurer Aufmerksamkeit.

Palmer ist voll im AfD-Modus und das Einzige bemerkenswerte daran ist, dass er dabei (noch?) bei den Grünen ist. Mehr gibt’s dazu eigentlich nicht zu sagen. Aber wenn wir schon dabei sind, dann möchte ich dennoch ein paar Highlights der Reaktionen zum Thema zeigen. Dann lachen wir einmal schön und dann stecken wir Palmer zurück in die unterste Schublade, wo er hingehört.

 

Artikelbild: Screenshot facebook.com, Alex E. Proimos, Flickr,  (CC BY 2.0), changes were made

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