Es reicht! Ihr nervt mit eurer Greta Thunberg-Fixierung!

Kolumne Schwer verpetzt

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Rechte greta-Manie!

Ganz ursprünglich wollte ich diesen Artikel darüber schreiben, dass die Umweltbewegung sich nicht nur auf die junge Schwedin versteifen sollte. Denn versteht mich nicht falsch, ich finde die weltweite Bewegung, die diese Frau gestartet hat, große Klasse. Und zwar weil sie einerseits eine ganze Generation politisiert und andererseits, weil sie endlich die Klimakrise in den Mainstream-Diskurs und in die Talkshows schiebt und Schwachsinns-Debatten der AfD über demokratische Selbstverständlichkeiten herauswirft.

Aber das war sie nicht alleine. Ich finde, wir sollten weder eine junge Frau mehr ins Rampenlicht zerren als sie es eh schon ist, noch die anderen Aktivist*innen vergessen. Wie beispielsweise Luisa Neubauer oder Maurice Konrad (Mehr zu ihm), die auch jeden Freitag demonstrieren, Reden halten, in Talkshows sitzen. Aber dann habe ich festgestellt, dass es eigentlich nicht die Umweltbewegung und die Fans der #FridaysForFuture-Bewegung sind, die andauernd über Thunberg reden. Sondern ihre Kritiker*innen.



Greta, greta, greta

„Aber Thomas, schreibst du nicht gefühlt auch jeden zweiten Tag über Greta?“ fragt sich vielleicht der ein oder andere. Und ja, mach ich auch öfter als mir lieb ist. Aber jedes Mal, wenn es um Beleidigungen und Lügen von Rechts geht. Da hatten wir einen AfD-Nazi-Vergleich (Hier), einen Fake über die Goldene Kamera (Hier), einen Artikel über die häufigsten Gerüchte über Greta (Hier), einen Artikel darüber, wie Fake-Accounts gegen sie hetzen (Hier) oder über den Hass gegen die Schwedin (Hier). Ihr merkt das Muster. Ich reagiere nur.

Ich rede nur über Greta, wenn ich Fakes und Gerüchte über sie aufkläre. Was nebenbei der ganze Sinn dieses Blogs ist – (Rechte) Fakes und Narrative aufklären und analysieren. Und klar, Greta Thunberg ist inzwischen auch zu einem medialen Selbstläufer geworden. Egal ob Goldene Kamera oder Friedensnobelpreis – Sie wird für Preise nominiert und dann schreiben alle Zeitungen darüber. Aber auch nur, weil sie dann viele Klicks, Aufmerksamkeit und Kommentare bekommen. Aber eben zu einem wesentlichen Teil von Greta-Kritiker*innen und -Hatern.

Die Rechten machen Greta so groß. Sie stecken enorm viele Energie hinein, um Gerüchte und Lügen über sie zu erfinden, sie schlecht zu reden, in den Kommentarspalten gegen sie zu hetzen. Eine Fake-Account-Armee schickt man nicht zum Spaß los. Was auch natürlich viel Gegenrede erzeugt. Und Zeitungen, die von Klicks und Kommentarzahlen motiviert werden, dazu bringt, noch mehr Greta zu liefern.

Rechte Seiten und Gruppen sind voll mit Greta

Immer noch nicht überzeugt? Diesen Artikel wollte ich schon seit gut einer Woche schreiben. Aber gestern gab es wieder einmal ein regelrechte rechtes Greta-Sperrfeuer. Eine rechte Zeitung packt Greta auf ihr Cover, widmet ihr eine als „Aprilscherz“ getarnte Fake News, schreibt einen anderen Artikel über Greta bei Anne Will. Ein anderer rechter Blog titelt auch wieder mit Greta Thunberg. Ein wieder anderer rechter Blog bringt den gleichen „Aprilscherz“ nochmal. Und das Ironische: Sie alle beklagen sich dauernd über die „Hysterie“ um Greta.

Screenshots

Warum das kein Aprilscherz, sondern klassische rechte Fake News sind liegt im Übrigen daran, dass mehrere Blogs die gleiche Story brachten (Warum?) und ihre Fans das zum Großteil glaubten. Scherze oder Satire, die seinem politischen Gegner genau das unterstellen, was man ihm vorwerfen wollen würde, sind nicht witzig, sondern Propaganda, wie an jedem anderen Tag auch. Mehr dazu, warum Rechte keine Satire machen können hier:

Fake-Artikel über Claudia Roth: Warum rechte Fakes keine Satire sein können

Auch die AfD ist auf Greta fixiert: Sie sprechen von einer „Heiligen“ und wollen die ständige Thematisierung der jungen Frau thematisieren… in dem sie sie selbst ständig thematisieren.

In rechten Gruppen gibt es nur Posts zu Greta

Wie die Recherchegruppe #DieInsider feststellt, gab es in rechten Gruppen gestern fast kein anderes Thema.

Screenshots #DieInsider

Man wirft ihr vor, dass sie „nur länger im Gespräch“ bleiben will, dass es eine „PR aktion“ [sic] war. Ähm ja, aber es war ein rechter Fake, sie hat das nicht wirklich gemacht. IHR haltet sie im Gespräch. Ihr bringt sie andauernd ein. Weil ihr Geschichten über sie erfindet, damit ihr euch über sie aufregen könnt. Es ist absurd. Sie wird nicht „verschwinden“, solange ihr täglich tausende Kommentare und Artikel über sie verfasst und teilt. Und diese Leute beschweren sich darüber, dass die Frau so viel Aufmerksamkeit bekommt.

Das merken auch selbst einige, hier ein sehr vielsagender Kommentar aus einer der rechten Hassgruppen:

Hey, ich hätte es nicht besser sagen können! Dutzende Posts über eine Person, die sie angeblich nicht interessiert. Und es sind nur Lügen, Beleidigungen, Hass, Gewaltfantasien, Morddrohungen. Selbst inhaltliche Kritik geht voll daneben, weil sie sich meistens auf Dinge bezieht, die Thunberg nie gemacht oder gesagt hat. Also völlig sinnlos ist. Wer macht die heiße Luft? Die Rechten und Faschisten.

Warum?

Die Antwort liefert diese Person gleich mit: Unsicherheit und Angst. Am Ende schaffen sie die Diskussion erst, über die sie sich dann aufregen. Sie schaffen die „Hysterie“ um die Person, die sie so stört. Sie fordern mich und andere erst heraus, über Greta Thunberg als Person zu sprechen und Zeitungen und Sender noch mehr über sie zu berichten, weil offensichtlich so viel Interesse an ihr besteht. Hey, uns ist Greta Thunberg wirklich nicht so wichtig, wie ihr das glaubt. Euch allerdings mehr als ihr denkt.

Weil sie Angst haben. Und die mediale Deutungshoheit verlieren. Weil die AfD in Umfragen immer weiter verliert. Weil wir über grüne Themen reden. Wir diskutieren über Kohleausstieg, Feinstaubgrenzwerte, CO2, Elektroautos und so weiter. Das oft auch nicht sachlich, wie zum Beispiel bei den 100 Lungenärzten mit dem Rechenfehler (Mehr dazu), aber wir reden nicht mehr über die hundertste Fake-Story über Schutzssuchende.

Deswegen fixieren sie sich so auf Greta und erfinden so viele Lügen über sie. Weil sie sich weder mit ihren Argumenten noch mit den Millionen Schüler*innen auseinandersetzen können, die bei #FridaysForFuture zu gewaltig zeigen, wer wirklich in der Mehrheit ist. Darum wird mit typisch rechter Mobbing-Masche versucht, die vermeintliche „Führerin“ der Bewegung in den Dreck zu ziehen, um so zu „gewinnen“.

Aber wir haben keine Autoritätsfixierung wie sie, das verstehen sie nicht. Wir sind hunderttausende, eine ganze Generation, die auf die Straße geht. Und wir setzen uns für echte Probleme ein. Ihr könnt gerne weiter über Greta Thunberg fantasieren. Wir retten derweil die Welt.

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Artikelbild: 360b, shutterstock.com

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