Du wirst glauben, was Jens Spahn wieder gesagt hat!

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Hat er nicht gesagt!

Nein, wirklich. Hat er nicht. Das Zitat habe ich gerade erfunden.

Aber nach dem ganzen Bombardement an provokanten Aussagen, die der neue Gesundheitsminister in letzter Zeit in alle Richtungen gestreut hat, hätte man glatt meinen können: Nicht schon wieder, oder? Das ist auch nicht mal das erste Fake Zitat, das dem Mann in den Mund gelegt wurde: Zunächst soll er Messerattacken mit Zahnarztbesuchen verglichen haben, vorher naiv über die Pflege gesprochen haben.

Aber eine ganze Reiche Zitate ist echt: „Hartz IV bedeutet nicht Armut“„Jesus hat damals schließlich Wasser in Wein verwandelt und nicht trockenes Gras in schwarzen Afghanen“, „Jeder hat im Alter das, was es zum Leben braucht – mindestens“, „Wir wollen keine Neiddebatten“„Wie erkläre ich einer deutschen Mutter, deren Sohn oder Tochter im Norden Afghanistans dient, dass wir dorthin keine jungen Afghanen abschieben?“, „Wir müssen etwas weniger die Sozialausgaben erhöhen für mehr Sicherheit“, „Niemand müsste hungern, wenn es die Tafeln nicht gäbe“, „Wer an Karfreitag tanzen und feiern will, der kann auch arbeiten gehen.“, „Wenn es um das Leben von Tieren geht, da sind einige, die jetzt für Abtreibungen werben wollen, kompromisslos.“ „Orban setzt Recht um“ „mehr Recht und Ordnung in Arbeitervierteln“ usw.



Schon mal darüber nachgedacht, warum?

Jens Spahn ist plötzlich ein Thema wie zuvor nie. Zu jedem Thema gibt er ein Zitat ab, sei es Themen aus seinem Ressort, aber auch völlig fremde Dinge wie zu den Tafeln, zur Grenze, zu Sicherheit usw. Einige witzeln bereits, dass man anscheinend als Gesundheitsminister so wenig zu tun habe, wenn Jens Spahn so viel „fremdgehen“ könne. Aber Jens Spahn hat einen Plan: Er will relevant bleiben. Warum?

Er will der nächste Bundeskanzler werden.

Wie wir in unserem Artikel „So geschickt sichert sich Merkel die Macht“ bereits geschrieben haben, ist Jens Spahn einer der aussichtsreichen Kandidaten auf die Nachfolge Merkels. Er gibt deshalb zu jedem Thema seinen Senf dazu, weil er als potentieller Bundeskanzler überall mitmischen muss. Seine Aussagen sind deshalb provokativ, weil sie dann durch alle Medien gehen und alle darüber sprechen und sie sind deshalb erzkonservative soundbites, weil Spahn das Populismusbattle der CDU mit der AfD führt.

Deshalb haben wir für unser fiktives Beispiel auch etwas eigentlich lächerliches, aber kontroverses ausgesucht – Eben weil einige Zitate Spahns genau diese Mischung aufweisen. Viele Zitate ergeben mit oder ohne Kontext keinen Sinn und sind eigentlich peinlich, aber sie klingen gut in den Ohren des angestrebten Klientels.

Und jetzt?

Jens Spahn würde einmal ein bisschen weniger Aufmerksamkeit gut tun. Dann könnte er sich vielleicht um sein Ressort kümmern, um den Notstand in der Pflege zum Beispiel, anstatt das Gesundheitsministerium als Sprungbrett zum Kanzleramt zu missbrauchen. Leider dürfen wir von diesem Gesundheitsminister nicht viel erwartet. Es werden keine großen Veränderungen durchgeführt, keine Reformen. Bestenfalls bleiben die Strukturen beim Alten und die Probleme werden nur etwas schlimmer. Aber dieser Minister hat kein Interesse an seinem Ressort, leider.

Also schenkt ihm etwas weniger Aufmerksamkeit, und ignoriert doch die nächste Sau, die Jens Spahn durchs Dorf treiben möchte, in der Hoffnung, gesehen zu werden.

Artikelbild: Olaf Kosinsky (wikiberatung.de) ; CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

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