AfD fälscht eigene zerstörte Plakate – und ruft zur Verschandelung von anderen auf?

Kolumne Schwer verpetzt

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Kommentar zu zerstörten Wahlplakaten.

Die AfD macht Wahlkampf mit ihren Wahlplakaten, aber nicht so wie die anderen Parteien. Wenn sie nicht gerade französische Gemälde aus dem 18. Jahrhundert, deren Aussage sie absichtlich falsch darstellt, missbraucht, postet sie Fotos ihrer zerstörten Wahlplakate.

Fail! Wie sehr die AfD mit diesem Wahlplakat eines Sklavenmarkts daneben liegt

Screenshot facebook.com

Das ist der Wahlkampf der AfD. Die AfD setzt fast ausschließlich auf Emotionen. Fakten und Tatsachen werden es ja wohl nicht sein, sonst würde sie nicht den Klimawandel leugnen und fast täglich dabei erwischt werden, wie sie Fake News verbreitet. Studien zeigen, dass die AfD mehr lügt als alle anderen Parteien – und dass ihre Wähler*innen am anfälligsten dafür sind (Mehr dazu). Diese Lügen haben einen Zweck: Emotionen zu erregen.

Oft sind es Wut und Empörung, häufig aber auch das Gefühl des ungerecht behandelt Werdens. Oder auch: Das Rumopfern. Um ihre radikalen Ansichten und Positionen rechtfertigen zu können, müssen sie sich als maximal unterdrückt und unfair behandelt darstellen. Siehe die rechtsextremen Identitären, die sich für Twitter glatt selbst aus einer Vorlesung warfen (Mehr dazu) oder den Fall Magnitz mit dem erfundenen „Kantholz“.

Fall Magnitz: Helfender Handwerker widerspricht der AfD-Darstellung



Opferrolle – Gefälschter vandalismus?

Es ist für ihre widersprüchliche Eigendarstellung (Retter des Abendlandes, aber auch Opfer) sehr wichtig, dass sie immer wieder – am besten von den „Linken“ und „Grünen“ – unfair behandelt wird. Und zerstörte Wahlplakate bieten sich da bestens an. Zerstörte und bemalte Wahlplakate sind so alt wie der Wahlkampf selbst. Und berechtigte Empörung darüber ebenfalls. Für Zerstörung von Wahlplakaten drohen Geldstrafen oder sogar bis zu zwei Jahre Haft wegen Sachbeschädigung. „Ebenso wird bestraft, wer unbefugt das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert“, sagt das Strafgesetzbuch.

Und natürlich werden Wahlplakate von der AfD absichtlich zerstört, keine Frage. Ob die AfD öfter Opfer von Wahlplakatzerstörungen wird, kann niemand wirklich sagen, da es keine offiziellen Statistiken gibt. Was wir aber wissen ist, dass es anscheinend nicht oft genug passiert. In Witten hat die AfD heruntergerissene Plakate fotografiert und die Piraten angezeigt – weil sie den Piratenchef Löpke „mutmaßlich auf frischer Tat ertappt“ hätten. Dieser ist empört und zeigte die AfD wiederum wegen Verleumdung an.

„Ich laufe sicherlich als Wittener Ratsmitglied am helllichten Tag an einer viel befahrenen Straße herum und reiße Wahlplakate ab! Und wie erwischt man eigentlich jemanden ‚mutmaßlich‘?“ Den angeblichen Beweis blieb die Partei bisher schuldig. Allerdings haben sich Zeugen gemeldet, die gesehen haben wollen, wie der AfD-Kreissprecher seine eigenen Plakate selbst dort platziert habe, um die Fotos davon zu machen (Mehr dazu).

Aufruf zur Verschandelung von Grünen-Plakaten?

Die Opferdarstellung bekommt allerdings erst recht Risse, wenn wiederum AfD-Politiker Fotos von Verschandelungen der Plakate anderer Parteien verbreiten – und feiern.

Screenshot twitter.com

Wäre Herr Krah genau so erfreut über ein Beschmieren von Plakaten seiner Partei? Man könnte ihm den Tweet sogar problemlos als Aufruf zum Beschmieren der Plakate – und damit zu einer Straftat – auslegen. „Trau dich, Deutschland!“? Was, Plakate zu beschmieren? Wer glaubhaft das Opfer spielen will, sollte sich vielleicht nicht so über die Verschandelungen der Plakate anderer Parteien freuen. Oder dieses Beispiel:

Listenkandidat für die AfD Sachsen, Zaunick

Á Propos: Gestern wurde ein Wahlplakat der Linken angezündet in Waldheim (Quelle). In Velten haben mehrere Jugendliche anscheinend wahllos Plakate zerstört (Quelle). In Köln wurden CDU-Wahlplakate, die Axel Voss zeigten, abgerissen (Quelle). Grüne Plakate werden auch massenhaft abgerissen:

Sämtliche GRÜNE-Plakate auf der Zwickauer Bahnhofstraße wurden letzte Nacht abgerissen und zerstört. Anzeige ist…

Gepostet von Wolfgang Wetzel am Samstag, 27. April 2019

Und das sind nur Beispiele, auf die ich in den letzten Tagen zufällig gestoßen bin. Für jede Partei lassen sich problemlos dutzende Beispiele finden. Leute zerstören Wahlplakate. Das ist zwar Mist, aber leider relativ normal. Und die AfD soll sich nicht so aufspielen und so tun, als sei sie hier wieder einmal das große Opfer, denn sie ist es nicht. Erst recht nicht, wenn sie bei anderen mit zweierlei Maß misst.

Der Wahlkampf mit (zerstörten) Wahlplakaten

Wahlplakate zerstören ist Scheiße. Auch wenn die Wahlplakate selbst Scheiße sind. Und ich verstehe den Impuls, wirklich. Aber es kostet Geld und Aufwand. Und wir können das besser. Das füttert letztlich nur ein falsches AfD-Opfernarrativ. Dabei kann man sich doch auch so über aufgehängte Wahlplakate der AfD lustig machen.

Die Mitglieder der #AfD Dithmarschen sind nicht nur mit der normalen Politik und der Demokratie völlig überfordert – sondern auch damit, Plakate richtig herum aufzuhängen. 😂😂😂#NoAfD #FCKAfD #EUWahl

Gepostet von Linksjugend 'solid Dithmarschen am Sonntag, 28. April 2019

Wahlplakate aller Parteien werden beschmiert und zerstört, das ist leider so. Keine Partei hat da als einzige die Opferdarstellung gepachtet. Und erst recht nicht eine AfD, die nicht einmal davor zurückschreckt, Fake News und Lügen zu verbreiten, um diese Darstellung zu etablieren. Und dann Schmierereien auf anderen Plakaten feiert oder sogar dazu aufruft.

Artikelbild: Screenshots twitter.com/Fotos Wolfgang Wetzel

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