So versuchen Rechtsextreme, ihre Gegner auf Twitter mundtot zu machen

| 9. August 2019

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Die Mobbing-methoden von rechtsextremen

Rechtsextreme sind in Social Media wie der Schulhof-Rüpel, der sich das kleinste Kind heraussucht, um es zu mobben und ihm das Pausenbrot zu klauen. Und wenn sie dabei erwischt werden, wie sie Mobbing betreiben, weinen sie, spielen sich zum Opfer auf und rennen zu ihrer Mama. Klingt polemisch, aber ich halte diesen Vergleich für durchaus angebracht. Valentin Camil, ein junger Mann aus Sachsen, äußerte vor einigen Tagen auf Twitter seine Meinung über die AfD.

“Meine ehrliche Meinung: Ich habe mehr Angst vor #AfD und #rechts als vor Schutzsuchenden und Migranten!”

Valentin ist kein Politiker, kein großer Polit-Account und hat überhaupt nur wenig Follower. Seine Einschätzung beruht auf seinen persönlichen Erfahrungen als Homosexueller im Raum Chemnitz, wie er uns erzählt. Was ist dann so besonders an dieser Aussage? Sie ist nicht kontrovers und definitiv eine hundertprozentig legitime Meinungsäußerung. Wo liegt hier die große politische Relevanz? Das ist eine gute Frage.



Rechter shitstorm gegen einen kleinen account

Wie Valentin uns berichtet, brach plötzlich ein rechter Shitstorm über ihn los:

“Ich bin gestern unfreiwillig Opfer rechter Hetze geworden, weil ich mich gegen die AfD und gegen rechts positioniert habe, dafür aber offen gegenüber Schutzsuchenden war. Daraufhin wurde ein regelrechter Shitstorm gegen mich angezettelt. Die Leute teilten untereinander meinen Tweet, vernetzten sich und kommentierten meine Aussage. Beleidigungen, Drohungen, Fremdenfeindlichkeit – alles bekam ich zu hören. Mir wurde Feindseligkeit gegenüber Deutschland vorgeworfen. Anne Zielisch, ein Mitglied der AfD, unterstützte durch Retweets und Likes diese Hetze.”

Screenshots twitter.com

Einige der extremeren Tweets soll Twitter bereits gelöscht haben, auch soll Frau Zielisch ihren Retweet gelöscht haben, mit dem sie ihre Anhänger auf diesen Post aufmerksam gemacht hatte. Weiterhin gefielen ihr aber diverse Kommentare:

Er hatte auf seinem Account eine einfache Aussage getätigt aufgrund seiner eigenen Erfahrungen. Auch Homophobie ist in der AfD bekannt und in der rechtsextremen Szene ohnehin nichts Neues (Quelle). Der ganze Shitstorm äußerte quasi nur den Whataboutismus: Ablenkungen der Gefährlichkeit von Rechtsextremisten mit Rassismus. Und dabei viele Beleidigungen, Gewalt- und Vergewaltigungswünsche und Drohungen. Und ironischerweise bewiesen sie dadurch erst seine ursprüngliche Aussage.

“Ich finde es erschreckend, wie freie Meinung niedergemacht wird und einem gedroht wird. Die AfD vermittelt ihren Wählern ein Meinungsbild, dass diese teils radikal verbreiten sollen. Ich sollte mundtot gemacht werden, nur weil ich Kritik übe. Funktioniert so Demokratie mit der AfD?”

Was ist der Sinn davon?

Das ist alles andere als ein Einzelfall. Worin liegt die Legitimation, einen kleinen Account derart mit Hass und Hetze zu überziehen? Kommen wir wieder zum Anfang: Mobbing. Mit einer Scheinmehrheit verschiedenster anonymer und Fake-Accounts soll sich das Opfer des Shitstorms nicht nur alleine und in der Minderheit fühlen. Eine Anti-AfD-Meinungsäußerung soll damit schon im Keim erstickt werden. Nicht durch Überzeugung, sondern durch Verdrängung. Es ist eine Machtdemonstration. Oder soll es zumindest sein.

Kritische Stimmen sollen überflutet und übertönt werden, und ihre Sprecher sollen aus den sozialen Netzwerken gemobbt werden, weil sie die Hoffnung verlieren und dem Druck nicht Stand halten. Zusammen mit ganzen Bot-Netzwerken und äußerst aggressivem Verhalten soll die Meinungshoheit in Social Media erreicht werden. Es ist eine typische Strategie von Faschisten. Während die SA in der Weimarer Republik das noch mit Schlägertrupps machte, macht die AfD das in der neuen Öffentlichkeit mit Shitstorms.

Deshalb sucht man sich kleine, vereinzelte Accounts heraus, die sich vermeintlich nicht wehren können. Dort kann man die öffentliche Kritik im Keim ersticken. Die AfD und andere Rechtsextreme greifen gerne kleinere und vermeintlich schwächere an. Unser Tipp: Nicht lange diskutieren, sondern Blocken oder Stummschalten. Ex-Pegida-Frontfrau Festerling hatte das auch einmal bei mir versucht, was jedoch für sie ganz schön nach hinten los ging:

So hat Ex-Pegida-Frau Festerling auf unseren Artikel reagiert

Kritik, Zensur und Meinungsfreiheit

Doch die Rechtsextremen und die AfD-Wähler sind alles andere eine Mehrheit. Es ist eine laute Minderheit und war nie etwas anderes. Doch sie wissen, dass Politik stets von einer lauten Minderheit beeinflusst wird. Und sie nutzen alle schmutzigen Tricks, um die lauteste zu sein und eine Mehrheit zu simulieren. Strategisch übernehmen sie die Top-Kommentare zu Berichten, deren Inhalt ihr nicht gefällt und verbreiten Hetze:

Greta Thunberg: Bis zu 50% der Hass-Kommentare stammen von Fake Accounts

Damit simulieren sie mit Bots und Fake-Accounts für etwaige Zuschauer, dass eine vermeintliche Mehrheit der allgemeinen Berichterstattung widerspricht, was Zweifel streuen soll und mehr Leute dazu manipuliert, ihre Propaganda zu glauben. Umgekehrt werden kritische Stimmen geblockt oder mit Shitstorms überzogen, um sie aus dem Diskurs zu mobben. Lasst euch nicht einschüchtern, denn #wirsindmehr. Dagegen halten Gruppen wie  #ichbinhier.

Denn wenn man aus der Welt von Social Media herausgeht und dann live auf der Straße sieht, wie die Verhältnisse wirklich ausschauen, sind die Anti-Rechts-Demos stehts vielfach größer als die extrem kleinen Menschenansammlungen der Rechtsextremen (Mehr dazu). Durch so ein Mobbing und Manipulation in Social Media und überproportionale Erwähnung und Vertretung in den Medien verdrängt die AfD ihre Gegner. Während sich Rechtsextreme gleichzeitig stets als das Opfer von Politik und Medien darstellen.

Was für „Opfer“: „Identitäre Bewegung“ inszeniert eigenen „Rauswurf“

Artikelbild: pixabay.com, CC0, Screenshots twitter.com

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