Chemnitz-Studie: Youtube-Algorithmus hat Nazi-Verschwörungsvideos verbreitet

| Social Media | 10. September 2018

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Youtube verbreitet Extremismus

Genauer gesagt: Der Algorithmus auf Youtube, der dafür sorgen soll, dass möglichst viele Zuschauer möglichst lange bleiben und auf möglichst viele Videos klicken. Damit Youtube ihnen möglichst viel Werbung zeigen kann. Der Trick, die Zuschauer an den Bildschirm zu fesseln, heißt: Immer noch krassere Sachen auffahren.

Der in Berlin lebende Politik- und Sprachforscher Ray Serrato (Freie Uni Berlin) untersuchte nach den aktuellen, bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Chemnitz die Empfehlungen, die Youtube seinen deutschen Nutzern gab, wenn sie nach Chemnitz und dem Geschehen dort suchten. Die Vorfälle wurden vorgeblich ausgelöst durch einen von 400 Morden, die pro Jahr in Deutschland verübt werden. Unter anderem gab es einen Überfall auf das einzige jüdische Restaurant in der Stadt (das hatten wir doch schon mal vor 80 Jahren, oder?).



Verknüpfungen zwischen Pegida, AfD und Neonazis

Prompt fand er in diesem automatisierten Empfehlungen Verknüpfungen zwischen der nationalistischen Pegida und der Nationalkarrieristen der AfD. Sowie den aus dem ganzen Bundesgebiet angereisten Neonazis und den Verschwörungstheoretikern, die munter irgendwelche bizarren Dinge behaupten. (Unser Faktencheck zu Chemnitz)

Anschließend rufen Tages­zeitungs­redakteure bei den Behörden an, um Stellungnahmen zu den Video­gerüchten zu erfragen. Der solchermaßen automatisch erzeugte Extremismus und die Fehlinformation und Radikalisierung der eigentlich an Nachrichten Interessierten ist sicher keine böse Absicht. Und man kann Alphabet, der Dachfirma von Google und Youtube, keinen Rechtsradikalismus unterstellen.

Aber wir müssen dringend anfangen, von den großen Internetplattformen dieselbe Verantwortung zu verlangen wie von anderen Medien. Und sie genau so behandeln, nämlich als privat­wirt­schaftliche, gewinnorientierte Unternehmen. Welchen der Wahrheitsgehalt ihrer Inhalte nur insoweit wichtig ist, wie er sich auf den Profit auswirkt.

Artikelbild: Ray Serrato, Der Beitrag erschien zuerst bei 11k2

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