IKEA entzieht ungewollte Werbe-Finanzierung für Rechtsextremen auf Youtube

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IKEa positioniert sich gegen „IDenititäre“

Dass Youtube mehr noch als viele andere Plattformen ein Problem mit Rechtsextremen und Neofaschisten hat, ist nichts Neues. Die hippen, jungen Nazis verbreiten dort ungestört Verschwörungstheorien, Hetze und ihre ganz eigene Interpretation von aktuellen Ereignissen und der Welt im Allgemeinen. Das Problem: Der Youtube-Algorithmus bevorzugt die radikalen Videos. Wer zum Beispiel nach Chemnitz auf Youtube nach Videos zum Thema suchte, war nach wenigen Empfehlungen bei Pegida, AfD und Neonazis gelandet, wie eine Studie feststellte.

Chemnitz-Studie: Youtube-Algorithmus hat Nazi-Verschwörungsvideos verbreitet



Werbeeinnahmen für faschisten

Finanzieren tun sich die Rechtsextremen größtenteils über die automatischen Werbeeinspielungen von Youtube. Weder der Youtuber, noch der Werbepartner entscheiden vorab, welche Werbung vor welchem Video gespielt wird, das passiert automatisch. Und so kam es zum Fall von IKEA und „Identitären“-Chef Martin Sellner. Die „Identitären“, eine vom Verfassungsschutz beobachtete, rechtsextreme Gruppierung inszeniert sich viel über die sozialen Medien. Und schreckt auch nicht davor zurück, die Realtität in ihrem Sinne zu verdrehen:

Was für „Opfer“: „Identitäre Bewegung“ inszeniert eigenen „Rauswurf“

Wie jetzt ein Nutzer auf Twitter bemerkte, als er ein Video Sellners auf Youtube suchte, wurde davor eine Werbung von IKEA Deutschland eingeblendet. Er machte IKEA darauf aufmerksam.

IKEA reagiert prompt

Das gefällt dem internationalen Unternehmen, das auf Familienfreundlichkeit und Offenheit Wert legt, überhaupt nicht. Sie reagierten prompt mit einem Tweet auf den Hinweis:

Laut Aussage des Unternehmens werden sie dafür sorgen, dass in Zukunft keine ihrer Werbungen vor den Videos des Rechtsextremen zu sehen sein werden. Und dass sie in Zukunft nicht indirekt diesen Rechtsextremen finanzieren. Es ist nicht das erste Mal, dass Unternehmen dagegen vorgehen, dass ihre Werbung rund um Hassvideos platziert wurde. 2017 zogen Volkswagen, Coca Cola und auch Starbucks ihre Werbeanzeigen ganz von Youtube zurück (Quelle).

Youtube wollte reagieren, indem die Werbepartner mehr Einfluss darauf bekommen sollen, wo ihre Werbung platziert wird. IKEA wird diese Möglichkeiten jetzt wohl nutzen. Einige Aktivisten sehen darin, Unternehmen darauf aufmerksam zu machen, welche Ideologien sie teilweise versehentlich finanzieren, eine effektive Möglichkeit den Geldhahn für Rechtsextreme abzudrehen und ihre gefährliche Reichweite einzuschränken.

Artikelbild: Roman Samborsky, shutterstock.com, Screenshot twitter.com

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