Die Aluhut-Seite KenFM gibt es nicht mehr und keiner hat’s gemerkt

| Social Media | 27. Oktober 2021

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KenFM gibt es nicht mehr

Im Mai 2020, als die erste Corona-Welle Deutschland mit voller Wucht traf, und wir im Lockdown saßen, ging es so richtig los mit Fake News und Verschwörungsmythen. Der Beginn der Bewegung, die man später gemeinhin „Querdenken“ nennen wird. Eines der erfolgreichsten Zugpferde der Desinformation und Verschwörungsmythen aus dieser Zeit war Ken Jebsens „KenFM“ (bürgerlicher Name: Kayvan Soufi-Siavash). Einer, der behauptet, die USA hätten den 11. September selbst inszeniert (Quelle). Über seine Darstellungen, Bill Gates „kapere“ Deutschland mit der Pandemie, erreichte KenFM ein Millionenpublikum und wir und andere Aufklärungsmedien hatten alle Hände voll damit, die verkürzten und falschen Geschichten aufzuklären.

So manipuliert dich KenFM: Die Propaganda-Tricks entlarvt

Ein sehr schönes Beispiel für die manipulativen und verkürzten Verschwörungsmythen von KenFM war ein Vorfall, in der auch unsere Seite Volksverpetzer zum Teil von Bill Gates Verschwörungsmythos mit Corona gedichtet werden sollte. Um deren Tricks aufzudecken konnten wir mit ähnlich substanzloser Argumentation auch KenFM selbst zum Teil der Verschwörung basteln:

Enthüllungs-Skandal: KenFM wird von Bill Gates finanziert! Wacht auf!

Wie dich KenFM anlügt: Gates will einen möglichst sicheren Impfstoff

Das Propagandagebilde kollabierte schnell

Doch Medien, deren Geschäftsmodell aus Lügen, Empörung, Verschwörungsmythen und Täuschung besteht, führen zu immer größerer Radikalisierung der Fanbase, was nur ein Faktor darin ist, dass auch große mediale Erfolge nur kurzlebiger Natur sind. Zusammen mit dem allgemeinen Niedergang der „Querdenken“-Bewegung ging es folglich auch mit „KenFM“ bergab. Aufgrund der Desinformation wurde KenFM von Youtube gesperrt, die Plattform wurde vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft und später beobachtet (Quelle).

Zuvor geriet KenFM auch in das Visier der Medienaufsicht: Die Landesmedienanstalten gehen seit Anfang des Jahres mit neuen gesetzlichen Befugnissen gegen Online-Medien vor, die gegen die journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen. So bekam neben den AfD-nahen Desinformations-Medien „Deutschlandkurier“ und „Flinkfeed“ auch KenFM Post mit Hinweisschreiben (Quelle). Und als wäre das alles nicht schlimm genug, wurde „KenFM“ jetzt auch noch von den Aktivist:innen von Anonymous gehackt (wir berichteten).

Als Konsequenz kündigte Ken Jebsen im Juni 2021 an, die verbrannte Marke KenFM zu verlassen. Damals attestierten wir: „Ken Jebsen hat sich völlig verkalkuliert und muss nun die Konsequenzen seiner Propaganda in der Corona-Krise tragen. Von Youtube gesperrt, unter Beobachtung vom Verfassungsschutz, von den Anons gehackt, auf der Flucht ins Exil im Ausland und dann noch der Ausstieg aus seinem eigenen Portal KenFM.“

Ken Jebsen verlässt KenFM, verlässt das Land & wird auch noch gehackt: Ist er am Ende?

Jetzt hat die Landesmedienanstalt gemerkt, dass es die Seite gar nicht mehr gibt

Und manchmal erfährt man auch als Anti-Fake-News-Blog gar nicht, wenn es eine Desinformations-Seite gar nicht mehr gibt. Die Bedeutung von „KenFM“ schwand immer weiter, so dass es auch bei uns vom Volksverpetzer zunächst nicht auffiel, dass die Seite seit drei Monaten gar nicht mehr existiert. Selbst in der Szene der Verschwörungsideolog:innen gab es keinen großen Aufschrei. Erst die Meldung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg zeigte uns: KenFM gibt es nicht mehr.

Die Medienaufsicht hatte nämlich das oben erwähnte Verfahren gegen das Online-Angebot eingestellt, eben weil es Letzteres nicht mehr gibt. Auf dem zugehörigen Telegram-Kanal werden lediglich sporadisch Meldungen anderer Anbieter:innen geteilt, die Website leitet weiter auf „apolut.net“. Es scheint der Versuch eines Neustarts für Ken Jebsen zu sein, denn wie es dort heißt, ist Jebsen als Berater für das neue Angebot „im Hintergrund aktiv“. Die Medienbehörde prüft auch dieses Angebot, auch da es ein Archiv mit alten KenFM-Beiträgen enthalte (Quelle). Das ist untertrieben, da ein großer Teil der alten Inhalte immer noch zu finden ist, nur mit neuem Namen.

Bei allen guten Nachrichten und des geringen Impacts der alten wie neuen Seite ist jedoch deutlich, dass hier vor allem ein Rebranding zu Grunde liegen dürfte. KenFM ist weg, aber Ken Jebsen versucht es offenbar mit neuer Marke wieder, diesmal weniger prominent im Vordergrund. Wir werden also durchaus noch weiter ein Auge darauf haben müssen.

Lügen zahlen sich nicht aus – es ist aber wohl noch nicht das Ende von Ken Jebsen

Es ist gut, dass es sich bei KenFM so, wie es existierte, ausgeschwurbelt hat. Es ist eine Lehre auch für andere, noch laufende Desinformations-Medien, dass kurzzeitiger Erfolg in der Verschwörungsszene mit den Methoden der systematischen Täuschung und Radikalisierung kein nachhaltiger Weg ist. Und es zeigt auch: Deplatforming von Fake News-Verbreiter:innen, Rechtsextremist:innen und anderen Demokratiefeinden funktioniert. Freuen wir uns einmal, besonders mit Rückblick auf den Mai 2020, dass eine Aluhut-Seite derart in die Bedeutungslosigkeit versunken ist, dass selbst ein Watchblog, das damals noch massiv deren Fake News aufklären musste, ihr Verschwinden drei Monate nicht mehr bemerkt hatte.

Wie Deplatforming Verschwörungsideologen und Rechtsextreme ausbremsen kann

Artikelbild: Screenshot

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