„Deutsche“ und „deutsche Leitkultur“ mit nur einem Tweet zerstört

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„KAnn mir hier jemand Deutschland zeigen?“

Der Nutzer @Goettergatte42 hat am Donnerstag einen kleinen Thread auf Twitter gepostet, in welchem er zunächst eine einfache Frage an die „Geschichtslehrer in der AfD“ stellt. Man möge ihm auf einer Karte von Mitteleuropa von 1789 den Nationalstaat Deutschland zeigen.

Die Anspielung auf den Ex-Geschichtslehrer und Führer des faschistischen und vom Verfassungsschutz teilweise bereits beobachteten „Flügels“ der AfD, Björn Höcke, soll das historische Verständnis vom „Deutschen Volk“, „Deutscher Leitkultur“ und insbesondere der „1000-Jährigen Geschichte“ der Faschisten entlarven. Höcke sagte: „Ich will, dass Magdeburg und dass Deutschland nicht nur eine tausendjährige Vergangenheit haben. Ich will, dass sie noch eine tausendjährige Zukunft haben, und ich weiß, ihr wollt das auch“. Mehr dazu:

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Nationalstaat deutschland

„So sah das noch bis 1803 aus. Dann kam Napoleon, es ging links was weg an Frankreich, der Rest wurde in weniger größeren Ländern neu geordnet. Aber weiterhin viele kleine Staaten unter dem Mantel des Rheinbundes. Von einem Nationalstaat keine Spur. 1815 wurde das alles dann im Wiener Kongress neu geordnet und sah so aus: weiter eine ganze Ecke Kleinstaaten unter dem Dach des jetzt deutschen Bundes (bis 1866).

Aber weiter von einem einheitlichen Nationalstaat keine Spur. Das mit den Kleinstaaten war so bis 1871. Erst dann gab es einen Nationalstaat, das deutsche Kaiserreich (natürlich nach einem Krieg…); das allerdings nicht so gewachsen war, sondern von Bismarck erfunden „erfunden“ worden war. 1871. Keine 150 Jahre her. Da ist nichts mit tausendjähriger deutscher Geschichte“

Auch auf den Einwand zum „Heiligen römischen Reich deutscher Nation“ geht er ein:

„Deutsches Volk“ und „Deutsche Leitkultur“?

Warum das alles? Um die nationalistischen Narrative der AfD als die Propaganda zu entlarven, die sie ist. Eine Propaganda, die auch bereits im Dritten Reich verwendet wurde. „Wer mit diesem Hintergrund tatsächlich noch von „Deutschen“, „1000-jähriger deutscher Geschichte“ oder gar einer einheitlichen „deutschen Leitkultur“ redet, macht entweder fundamentale Fehler, weil er es nicht besser weiß (da haben wir wieder das Bildungsargument), oder aber er/sie macht das absichtlich, um in irgendeiner Form zwischen sich/“uns“ und „den anderen“ zu Unterscheiden und damit zu werten, mit dem Versuch zwischen guten Fremden und schlechten Fremden zu unterscheiden“, schreibt er.

„Ersteres ist nicht besonders klug, letzteres ist Rassismus, Faschismus, Nazismus. Und wenn ich als obersten Hetzer einen Geschichtslehrer habe, dann kann ich zumindest bei den Parteivertretern die mangelnde Bildung ausschließen.“ Die deutsche Bevölkerung war schon immer von Migration und Integration geprägt, war diffus und nicht eindeutig. Wer die junge deutsche Geschichte exklusiv und monolithisch erklärt, ist historisch unehrlich und hat die Absicht, andere auszuschließen.

Nach dem deutschen Grundgesetz ist Deutscher, wer die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Etwas anderes macht auch gar keinen Sinn. Wer etwas anderes behauptet, von „Bio-Deutschen“ und „Zugezogenen“ spricht, der nutzt die gleiche Logik wie diejenigen, die den Arierausweis erfunden haben. Die deutsche Geschichte ist oft großartig, manchmal auch höchst schrecklich, aber auf jeden Fall viel komplexer, als es kleingeistige Nationalisten uns verkaufen wollen. Lasst sie die große, bunte Vielfalt unserer heterogenen Kultur, Geschichte und Bevölkerung nicht zerstören, indem sie versimpelt oder verharmlost wird.

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Artikelbild: knipsdesign, shutterstock.com / Screenshot twitter.com

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